— 45 — Keine von ihnen hat an Größe und Bedeutung die Eindeichung der Beemster (7174) und Schermer (4828 ha) erreicht. Auch an der friesischen Küste hat man dem Wattenmeer im Laufe der Zeit einiges Land abgewonnen; insbesondere ist zu nennen die Ein- deichung des Biltlandes nördlich Leeuwarden; sie fällt aber noch in die habsburgische Zeit (1505—1508)!). Außerdem sind im 18. und 19. Jahrhundert sowohl hier als auch an anderen Stellen der Nordküste Frieslands eine Reihe von Eindeichungen erfolgt, die namentlich am Dollart.3147 ha betrugen?). Ganz anders vollzog sich der Landgewinn in den Moor- und Heidegegenden. Hier gab es Strecken Landes, wo in merkwürdigem Kontrast Trockenheit und Wasser, Wüste und Fruchtbarkeit eng beieinander lagen und wo gerade dadurch den Menschen die Notwendigkeit, durch eigene Arbeit weiteren bebauungsfähigen Boden zu beschaffen, sich aufdrängen mußte?). Wenn diese Landgewinne in der Zeit vom 16. bis 18. Jahrhundert recht langsame Fortschritte machten und dadurch der Volks- und Landwirtschaft zunächst nur geringen Gewinn einbrachten, so hat das an verschiedenen Ursachen gelegen. In erster Linie an dem vielfach noch bestehenden Gemeineigentum an den Ödländereien, die meistens in den Händen der Markgenossen- schaften sich befanden. Nur vereinzelt und nicht immer auf recht- mäßigem Wege sind solche den Markgenossenschaften gehörige Öd- ländereien urbar gemacht worden. Sodann aber mangelte es für eine großartige Urbarmachung auch an den dafür erforderlichen Kenntnissen; die alten Erfahrungen, auf denen die Landwirtschaft noch beruhte, reichten für solche Kulturwerke nicht aus. Ferner fehlte es vielfach auch an Arbeitern für die Moorkultur*). Ein großes Hindernis für eine fortgeschrittene Unternehmung war sodann der Mangel an Dünger; für seine Anfuhr aus den Städten nach den Heiden genügten die Verkehrsmittel nicht. End- lich sahen auch die städtischen Kapitalisten in der Umwandlung der Heiden zu Kulturland kein gewinnreiches Objekt; weit locken- der erschien die Trockenlegung am Meere, und das war sie zweifellos, ı) Blink, Nederland, II, 323 ff.; Blink, Geschiedenis, II, 136 ff. 2?) Blink, Geschiedenis, II, 138 ff. 3) Hogendorp, V, 268; 4 Hogendorp, V, 274f.