— 56 — Westfalen und am Rhein im 18. Jahrhundert hörte die Hollandgängerei nicht auf. Der gute Verdienst, den diese brachte, war für viele Leute ein unentbehrliches Mittel für ihre spätere Seßhaftigkeit. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts nahm infolge des Rückgangs der niederländischen Industrie, mit der die Freimachung vieler einheimischen Arbeitskräfte für die dortige Landwirt- schaft sich verband, die Hollandgängerei ab!). {441% ji $ 3. Die Fischerei. Eine eigentümliche Stellung inmitten der niederländischen Volkswirtschaft nimmt die Seefischerei ein. Sie gehört sowohl der Seeschiffahrt wie dem Handel wie endlich der Industrie und dem Gewerbe an. Andererseits ist nicht zu verkennen, daß ursprüng- lich wohl die mangelnde Nahrung auf dem Lande die Männer hin- austrieb, um durch Fischfang diesen Mangel zu ergänzen. In der hier behandelten Zeit hielt diese Erwägung der Selbsterhaltung wohl dem Handelsinteresse, das sich mit der Fischerei verknüpfte, das Gleichgewicht. Weitaus an der Spitze der Fischerei stand die He- ringsfischerei; sie hat von jeher als die Goldgrube Hol- lands gegolten, als die Grundlage der Blüte des Landes, als wich- tigste wirtschaftliche Quelle seines Wohlstandes. Sie war weit älter als die Republik, erhieltfaber erst, unter dieser den Umfang und den durch die Gesetzgebung geregelten Gang, der ihr innerhalb des niederländischen Wirtschaftslebens für Jahr- hunderte ihre hervorragende Stellung schaffte. Über die Fischerei sind wir daher auch weit besser unterrichtet als über die eigent- liche Schiffahrt; diese war frei und unterlag keinen wesentlichen gesetzlichen Bestimmungen; die Fischerei dagegen war, infolge ihrer engen Beziehungen zum Handel und Gewerbe, schon seit alter Zeit ein Gegenstand eifriger Fürsorge der Obrigkeit gewesen und deshalb ein in allen Einzelheiten des Betriebes und der Technik vor der breiten Öffentlichkeit bekanntes Gebiet. Für keinen Artikel des niederländischen Handelsverkehrs und Gewerbes sind so eingehende Bestimmungen getroffen worden wie 1) Noch Luzac, IV, 270 (1783) schrieb: ohne die Osnabrücker und Münsterschen Bauern, die jährlich nach Holland kämen zum Ausschlammen und Mähen, sei man nicht imstande, Torf zu machen, Heu zu gewinnen und das Korn einzusammeln;