Zwischenhandel, wenigstens dem Umfang nach, den Hauptanteil an dem niederländischen Handelsverkehr gewonnen. Daran trug aber im wesentlichen nicht der Handel die Schuld, sondern die Industrie selbst infolge ihres Rückganges, der sowohl inneren wie äußeren Einflüssen zuzuschreiben ist. An der Spitze der holländischen Gewerbe stand seit dem Mittelalter die Tuchindustrie; sie hatte ihren Sitz namentlich in Leiden, Rotterdam, Amsterdam, Utrecht. In ıhr herrschte im Mittelalter wie auch noch lange Zeit danach der Kleinbetrieb, geregelt nach zünftlerischen Grundsätzen!). Bis Anfang des 16. Jahrhunderts hat die nordniederländische Tuchindustrie, die ihren Hauptsitz in Leiden hatte, mehr oder weniger geblüht; ihre Erzeugnisse ge- nossen in ganz Europa, vorzüglich im Norden, einen ausgezeichneten Ruf. Wenn sie dann zurückging und im Laufe des 16. Jahrhunderts ganz verfiel, so haben dazu mehrere Umstände beigetragen. Die Hauptursache war die veränderte englische Wirtschaftspolitik. Aus England oder doch von den englischen Stapel-Kaufleuten auf dem Festlande, die damals in Calais ihren Sitz hatten, bezog die nordniederländische Tuchindustrie ihren wichtigsten Rohstoff, die Wolle; ja es war sogar verboten, andere als englische Wolle zu be- ziehen?). Noch die Periode 1500—1530 kann man als eine Zeit der Blüte jener. Industrie betrachten, wozu die verhältnismäßig ruhigen politischen Verhältnisse im In- und Ausland beitrugen; im Jahre 1502 erstieg die Leidener Tuchausfuhr mit rund 28 000 Tüchern ihren Höhepunkt; noch 1521 wurde nahezu dieselbe Ziffer erreicht?). Schon aber machten sich die Folgen der veränderten englischen Handelspolitik, die in dem Streben nach Beschränkung der Wollausfuhr zum Schutz der eigenen Industrie ihren wich- tigsten Ausdruck fand, bemerkbar. Einen Ersatz für den Ausfall an englischer Wolle suchten und fanden dann die Leidener in der spanischen Wolle, die ihnen auf den Märkten von Antwerpen und Brügge dargeboten wurde und die überdies etwa 40% billiger war als die englische in Calais!). Nach 1530 sank aber die Ausfuhr I Pringsheim, Beiträge, /S. 20. 2: Schanz, I, Sad. 3 Posthumus, Bronnen, II, S. XII f. 4) Schanz, 1,15. 68. GG, De