— 84 — noch 7 Webstühle. Dagegen erhielt nun die Stadt durch die Zu- wanderung vieler Flüchtlinge aus den südlichen Niederlanden, unter denen namentlich die Textilunternehmer und Textilarbeiter durch den alten Ruf der Leidener Industrie angelockt wurden, eine überaus wertvolle Bereicherung ihrer gewerblichen Bevölke- rung. Diese Zuwanderung, die schon bald nach Aufhebung der Belagerung, Anfang 1577, begann, führte hier die Industrie der leichten Gewebe, Sayen, Grobgrün (Grosgrains) und ähnlicher Stoffe ein; sie wurde hallenmäßig organisiert, und 1583 für die Sayen eine Gerberei eingerichtet!). Von noch nicht 20 Pfund im Jahre 1577/78 stieg die städtische Einnahme aus dem Sayen- und Baien-Gewerbe auf rund 100 Pfund im Jahre 1579/80, und auf 4300 fl. 1589/90. Neue Zweige der Textilnahrung schlossen sich an, so die Industrie von Barchent (Fustein) 1586, von Rasch 1588. Mit der Herstellung von Draps changeants wurde 1597 begonnen?). Alle diese Industrien standen unter Aufsicht städtischer Beamten. Dazu kam dann die Anfertigung von Futterstoffen, Tierenteinen (Bedermann) und anderen halbleinenen Stoffen, deren Herstellung in Leiden bis in die Mitte des 16 Jahrhunderts zurückreichte. Die wichtigste dieser Fabrikationen war die der Sayen, die auch die der Grobgrüne umfaßte; um 1600 passierten die Sayenhalle mehr als 40 000 Stück. Die Barchentindustrie belief sich um 1610 etwa auf die Hälfte der Sayenindustrie, während an Baien jährlich etwa I0 000 Stück hergestellt wurden. Sowchl in den Rohstofilfen wie in der Technik zeigte sıch seit dem Ausgang des 16. Jahrhundetrs ein völliger Wandel; die Ver- wendung der Walkmühlen griff um sich; die längere Kammwolle wurde für die leichten Stoffe bevorzugt. Neue Färbemittel, wie die Cochenille, später auch der Indigo, brachten in die Färbetechnik eine völlige Umwälzung. Schwierigkeiten bereitete die Wollbe- schaffung; infolge der Hindernisse, die der Wollausfuhr aus den südlichen Niederlanden erwuchsen, sah man sich auf die spanische 3) Posthumus, Bronnen, Ill, S. VITI£f. Die Einwanderer kamen vor 1580 namentlich aus Hondschoten, Brügge, Ypern (de la Court, Welvaren van Leiden, S. 85). ?) Eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Zweige dieser Fabrikation bei de la Court, Si ı23 ff.