Verderbens gebracht hatten, verdankte wieder der fremden Einwanderung Ende des Jahrhunderts auch die Rotterdamer Textilindustrie neuen Aufschwung, der hier sich weit fühlbarer machte als in Leiden. Die einwandernden Franzosen traten im allgemeinen nicht den Gilden bei, sondern hielten sich unabhängiger und errichteten meist Fabriken, soweit ihnen das ihre Mittel erlaubten‘). Im Verhältnis zu Amsterdam, das 1682 eine Weberei von 110 Webstühlen erhielt, und Utrecht, wo eine Seidenfabrik mit 500 Arbeitern errichtet wurde, war der Zuwachs Rotterdams freilich bescheiden; es wurden aber nicht nur viele kleine Bürger aufgenommen, sondern es erfolgten auch größere Einrichtungen, so die Gründung einer Spitzennäherei. Man verlieh ihr Begünstigungen und dehnte diese, die u. a. in der Zuweisung von Arbeitskräften aus dem Waisenhaus bestanden, auf eine Sayen- und Seidenstoff-Fabrik aus. Auch eine neue Wollwäscherei wurde eröffnet. Bedenklich waren vielfach die Ansprüche der Franzosen, die weit diejenigen übertrafen, die früher die eingewanderten Flamen und Wallonen gestellt hatten. Für die alteinheimische Industrie brachte diese Zuwanderung auch sonst viele Nachteile mit sich. Man klagte unter den Tuchbereitern bald über die ungewöhnliche Verwendung fremder Manufakturen und drang bei den Generalstaaten auf die Erneuerung der gegen sie gerichteten Verordnungen. In der Rotterdamer Stadtverwaltung, in der 1699 über diese Frage verhandelt wurde, verhielt man sich noch immer ablehnend gegenüber protektionistischen Maßnahmen, dagegen wurde die Herabsetzung des Einfuhrzolles auf die Rohstoffe empfohlen; einem Ausfuhrverbot für diese widersprach man, während man andererseits das Halten von Schafen in größerem Umfange empfahl?). Bei den Staaten von Holland fanden aber diese Wünsche keinerlei Unterstützung. So nahm die Rotterdamer Tuchindustrie, der zu helfen die Tuchkaufleute keine Neigung zeigten, immer mehr ab; die hohen Preise, die man als Ursache angab, waren wohl z. T. der geringeren Zufuhr der Rohstoffe zuzuschreiben, ebenso aber auch der teuren Lebenshaltung; diese aber war die Folge der hohen Verbrauchsabgaben und der Wohnungsnot, die aus der Zuwanderung der Fremden entstanden war. Diese Industrie siedelte nun meist nach Tilburg über, wo es billiger war. NıteLintum. Sad. 2) te Lintum, a. a. 0...S: 46m: 08