den. Damit war der Verkehr zwischen Brabant und den anderen Teilen der Republik nicht höher belastet als sonst innerhalb ihrer Grenzen, was der Ausbreitung der dortigen Industrie, zumal sie nicht durch Gilden- und Hallenzwang eingeschnürt war, sehr zu- gute kam. Im 18. Jahrhundert wanderte infolge der teuren Lebens- verhältnisse in Holland, wie wir sahen, ein großer Teil der Textil- betriebe nach Tilburg, wo um 1739 600 Webstühle für Leidener Rechnung gearbeitet haben sollen!). Endlich ist hier noch zu ge- denken der Textilindustrie, die schon seit dem 16. Jahr- hundert in Twente, dem östlichen Teil von Overyssel, ent- stand und dort durch flämische Flüchtlinge begründet wurde. Nachdem zuerst Leinewand hergestellt war, begann man seit 1728 Halbleinen und Halbbaumwolle zu Stoffen (Bombasin) zu verar- beiten?). Diese Industrie war zunftmäßig organisiert; schon 1641 gab es in Enschede eine Leinwebergilde. Doch haben die Gilden die Entwicklung der dortigen Industrie nicht störend beeinflußt. Auch die Buntweberei kam im 18. Jahrhundert in Hengeloo auf; von Almeloo aus fand schon damals ein starker Export statt. Auf diesem Gebiete der Baumwollindustrie wurden die Niederländer die Vorkämpfer und Lehrmeister der englischen Industrie. Die erste in Europa nachweisbare Kattundruckerei nach indischer Art gründete 1678 Jacob ter Gouw in Amsterdam. Um 1700 gab es in und bei dieser Stadt eine ganze Anzahl von Zeugdruckereien®). Auch in Rotterdam bestand schon im 17. Jahrhundert eine Kattundruckerei als Hausindustrie; seit Anfang des 18. Jahr- hunderts wurde sie fabrikmäßig betrieben, verfiel dann allmählich, vor- züglich infolge der Konkurrenz in Brabant, Augsburg, der Schweiz und Frankreich, deren Erzeugnisse billiger waren als die Rotter- damer und Amsterdamer. Für letztere forderte man Ende des Jahrhunderts Prämien, die aber wohl nicht bewilligt worden sind*). 1) Kernkamp, Droogscheerders-Synode, S. 298 ff.; nach Tegenwoordig Staat van Noordbrabant, bei Blink, Nederland III, 396 bestanden in Tilburg 1751 etwa 500 Webstühle; die Angabe, daß Tilburg schon 1649: 300 Webstühle gehabt, bezweifelt Blink „‚, Geschiedenis, II, 49. 23) Smissaert, S.ıfl. Über Twente und seine Industrie vgl. Blink, Nederland, III, 300 ff. 3) Geering, Entwickl. d. Zeugdrucks, S. 400. 11 Wiersumien van Sillevoldt, S. 67 ff. 100