bestanden zu haben scheinen und wo damals den Refugies Begünstigungen für die Zuckerfabrikation bewilligt wurden. Auch Middelburg war schon 1627 einem aus Rouen eingewanderten Zuckersieder entgegengekommen, wie auch später anderen. In Middelburg bestanden 1752 noch 2 große Raffinerien, die 1770 eingingen‘). Daß das wirtschaftliche Interesse an den Kolonien vielfach gleichbedeutend .war mit dem an der einheimischen Zuckerindustrie, war ja begreiflich. Die seit 1637 in Java angelegten Zuckerplantagen versorgten in der Mitte des Jahrhunderts den holländischen Markt mit einem Teil des erforderlichen Rohstoffs; sie hörten stets damit auf, wenn die Zufuhren aus den westindischen Besitzungen zunahmen. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts steigerte sich die ostindische Produktion; doch litt sie unter der mangelhaften Qualität, was wohl der Beamtenkorruption zuzuschreiben war. Auch paßte sich diese Produktion sehr schwer den Preisschwankungen und der Nachfrage auf dem Amsterdamer Markte an, zumal auch die westindischen Zufuhren diesen stark beeinflußten. Da der Kaffee sich allmählich als vorteilhaftes Ausfuhrprodukt erwies, gingen die Zuckerkulturen zurück; doch wurde immer noch viel Java-Zucker nach Holland gesandt; auch die asiatischen Konsumenten versorgten sich vielfach aus Java. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nahm der Zucker in den Ausfuhren der Ostindischen Kompanie wieder eine hervorragende Stelle ein, da die Preise stiegen; es fehlte nur oft an Schiffsraum, und die Produktion reichte nicht aus®). Von den sonstigen holländischen Besitzungen waren im 17. Jahrhundert außer Brasilien, dessen Zuckerindustrie nach der Vertreibung der Holländer nach Westindien übersiedelte, namentlich St. Thome an der Guineaküste und St. Eustatius, Surinam, Essequebo, Demerara, Berbice die Zuckerlieferanten des Mutterlandes. Trotz der sehr unerfreulichen sozialen Verhältnisse, der Negeraufstände u. a. m. war Surinam durch seine Zuckerproduktion die am meisten Gewinn liefernde amerikanische Kolonie der Niederlande. Amsterdam war seit langem Miteigentümer derselben und hatte großes Interesse an ihrem Gedeihen, schoß ihr deshalb auch viel Geld vor. Durch dieses Vorschußverhältnis erreichte man, daß nicht nur die holländischen Besitzungen, sondern auch die dänisch-westindi-1) Reesse, S. 144 ff. 2) Ebenda, S. 172 ff. 134