ein Gebot nicht nur der Menschlichkeit, nicht nur der religiösen Gemeinschaft und der Stammesverwandtschaft, sondern es haben zweifellos meist sehr nüchterne, reale Erwägungen mitgesprochen. Mit scharfem Blick erkannte man schnell die großen Vorteile, die solche Einwanderungen der ja meist mit Mitteln versehenen Süd- niederländer für die Gemeinwesen mit sich brachten; und in der Regel hat man sich auch in den Erwartungen nicht getäuscht und ist zweifellos auf die Kosten gekommen, die man zunächst hier und da bei der Aufnahme und Unterbringung der Flüchtlinge aufwenden mußte. Die reichen Früchte, die dem niederländischen Wirtschafts- leben aus ihrer Aufnahme erwuchsen, haben in der Wirtschafts- geschichte dieses Landes überall ihre deutlichen Spuren hinter- lassen. Auch haben sich diese Flüchtlinge ziemlich schnell mit der alten Bevölkerung vermischt, obwohl in den ersten Zeiten noch manche städtische Regierungen sich ablehnend gegen die Aufnahme der Flamen und Brabanter in die vollberechtigten. Bürgerschaften verhielten und ihnen als Fremdlingen eine Ausnahmestellung an- wiesen!). Von wirtschaftlichen Begünstigungen ist aber vielfach die Rede; so in Haarlem. In Zutphen machte man wiederholt Fremde gegen das halbe Gildengeld zu Bürgern, hörte aber bald damit auf, da es mit den zünftlerischen Tendenzen im Widerspruch stand?®). In Delft schloß die Stadt 1595 und 1596 Verträge mit flamischen Sayenwirkern zur Niederlassung in der Stadt ab’). Wenn man die örtlichen Sitze der durch diese Einwanderung berührten und bereicherten Industrien betrachtet, so fällt zunächst auf, was sich ja auch ganz natürlich erklärt, daß die Fremden meist. solche Orte aufsuchten, wo _ ihre. In- dustrien in den allgemeinen Gattungen schon bestanden. So wurde Leiden hauptsächlich von bra- bantischen und flamischen Textilarbeitern bevölkert; die Wirkung dieser Zuwanderung sahen wir oben*?). Auch das schon durch eine alte Textilindustrie bekannte Rotterdam erhielt viele neue land nach Leiden kamen, vgl. J. C. O., Zorg voor de vlaamsche vluchtelingen, S. 82. Wer neue Nahrung in die Stadt brachte, war stets willkommen (Bru g- mans, Opkomst, S. 192). ) van Schelven, Si39f. ?) Tadamay, 65S.. 245 5) Kernkamp, Bontemantel, I, S.. CLII. 1). Vel. oben S. 84. 14%