die unvergängliche Stammesgemeinschaft und die frühere, noch nicht vergessene Zugehörigkeit zum Reich mit den Vorteilen der geographischen Lage, die Deutschland zu dem natürlichen Hinter- land der die Rheinmündungen beherrschenden Niederlande mach- ten. Ohne Deutschland hinter sich wäre dieses Land niemals zu der Blüte aufgestiegen, die es erreichte; denn wenn auch in Deutsch- land keine Schätze Indiens zu holen waren und es für längere Pe- rioden des hier in Betracht kommenden Zeitraums eın verarmter, ebensowenig absatzfähiger als kaufkräftiger Nachbar war, so bot es doch durch seine weite Ausdehnung, seine Bodenschätze und Landesprodukte, endlich durch seine Eigenschaft als Durchgangs- land nach der Schweiz, Italien, Ungarn, Polen usw. eine solche Fülle von Erwerbsmöglichkeiten und Anknüpfungen, daß un- bestritten Deutschland als dasjenige Land_in Europa zu bezeichnen st. das für die niıederlän- dische, Wirtschalilti das wichtieste war. | Aller- dings verzettelten sich die wirtschaftlichen Verbindungen mit Deutschland in eine unendliche Menge kleiner Kanäle und Wege, zeigten aber gerade dadurch die große Mannigfaltigkeit dieser Be- ziehungen. Schon durch die bunte staatsrechtliche Gestaltung des Heiligen Römischen Reichs erfuhren auch die wirtschaftlichen Beziehungen eine erstaunliche Vielseitigkeit. Eine besondere Note erhielten sie aber dadurch, daß sie niemals zu Kriegen geführt haben; die Niederlande haben seit ihrem Bestehen als unabhängiger Staat stets in friedlichem Verhältnis zu dem Reich und seinen einzelnen Mitgliedern gestanden. Die Beteiligung der Bischöfe von Köln und Münster an dem Raubkrieg Ludwigs XIV. im Jahre 1672 ff. bildet eine unerfreuliche Ausnahme; den preußischen Zug nach Holland 1787 wird man kaum als Krieg bezeichnen können. Dieses friedliche Einvernehmen schloß freilich nicht aus, daß zwi- schen den Niederlanden und einzelnen deutschen Gebieten Wirt- schaftskämpfe bestanden haben. Mit den Erbländern des Reichsoberhaupts, des Kaisers, hatte die Republik keine _ unmittelbare Grenznachbarschaft. Dennoch hat man in den! Nieder- holl. Schiffe; 1793: 3478 engl., 807 holl. Schiffe (Kluit, Jets, S. 152 f., 334 f.; Pringsheim, Beiträge, S. 24). Von Petersburg fuhren 1780 nach Holland 22, nach England 467 Schiffe (Kluit, S. 153). 290