— 2 — den Niederlanden einen Vertrag hatte, der es zur Hilfeleistung verpflichtete. Das Übergewicht Englands zur See war Frankreich zwar höchst unbequem, es fürchtete aber, wenn es den Nieder- landen zu Hilfe kam, ein spanisch-englisches Bündnis. Unter den Kriegen Ludwigs XIV. haben die Niederlande schwer gelitten; der Einfall von 1672 ist ihnen in langdauernder Erinnerung ge- blieben. Wenn auch der Abschluß des Friedens von Nym- wegen (1678), der infolge der heimlichen Umtriebe Amsterdams und sehr‘ gegen den Willen Wilhelms III. stattfand, ernstlich den Niederlanden wenig Abbruch tat, so hatte doch dieser Krieg für sie die schmerzliche Folge, daß in diesen 6 Jahren ihr Zwischen- handel zum großen Teil in englische Hände fiel und ihre Handels- schiffahrt schwer geschädigt wurde. Sie erreichten aber für sich die Wiederherstellung des französischen Tarıfs von 1664, den die Engländer schon 1672 erhalten hatten!). Die Politik Ludwigs XIV. brachte zwar die kleinen Niederlande an den Rand des Abgrundes, den Gewinn hatte aber nicht Frankreich, sondern England. Aller- dings wurde grade um diese Zeit die steigende Konkurrenz Dün- kirchens im Handelsverkehr von den Niederlanden schmerzlich empfunden?). Etwas günstiger war für die Niederlande der Aus- gang des Krieges mit Frankreich, der 1697 in R yswijck seinen Friedensschluß fand. Zwar hatten sie durch den Kreuzerkrieg schwere Verluste erlitten, aber Frankreich mußte ihnen wie Eng- land doch Handelsvorteile einräumen; sie bestanden in der noch- maligen Wiederherstellung des Tarifs von 1664 und in dem Ver- zicht Frankreichs auf das Faßgeld. Während des spanischen Erbfolgekrieges stockte der Ver- kehr zwischen den Niederlanden und Frankreich nahezu völlig. Eine französische Verfügung, die 1706 den holländischen Schiffen gestattet hatte, gegen das doppelte Lastgeld Spezereien nach Frankreich zu schaffen, wie ebenso den hamburgischen Schiffen holländisches Öl und Walfischbarden, wurde‘ schon bald darauf wieder zurückgezogen, obgleich die Kaufleute von Bordeaux bereits umfangreiche Bestellungen auf Grund dieser Verfügung hatten er- 1: Levasseur), I, S. 359, 362. 2) Vgl. van Dillen, Eenige stukken aang. den Amsterd. Graanhandel, S. 228 ff. Über die Besorgnisse der Niederlande, die sich an die Abtretung Dünkir- chens an Frankreich knüpften, vgl. Elzinga, S. 186 f. KL