— 429 — Die alten Börtfahrten nahmen zunächst ihren Betrieb wieder auf, so die Duisburger und Kölner. Arnhem trat in diesem Verkehr mehr und mehr zurück, da infolge des Aufkommens von Antwerpen nun Dordrecht für den Flußbetrieb größere Bedeutung gewann*!). Vom Jahre 1824 an begann die regelmäßige Dampf- schiffahrt, zuerst von Rotterdam eingerichtet, später auch von deutschen Gesellschaften aufgenommen und fortgeführt?). Lang- sam verschwanden seitdem die alten Börtfahrten. Wenn die Niederlande es lange Jahre nicht verstanden hatten, das ihnen zuteil gewordene vortreffliche Verkehrsmittel des Rheins wirtschaftlich auszunutzen, da sie sich durch fiskalische Gesichts- punkte leiten ließen, so hatten sie auch auf anderen wirtschaftlichen Gebieten in jenen Zeiten wenig Glück. Der Verkehrmitdem Mittelländischen Meere litt unter dem Unfug der Bar- baresken; man richtete sogar wieder Konvoien nach dorthin ein; viel nützten sie nicht. Auch ein zu demselben Zweck zwischen den Niederlanden und Spanien geschlossener Vertrag vom 10. August 1816°) half wenig. In Spanien wurde der Handel durch viele überflüssige Förmlichkeiten beeinträchtigt. Mit den Vereinig- ten Staaten entwickelte sich der Verkehr langsam, namentlich Tabak und Baumwolle waren die von dort bezogenen Einfuhr- artikel. Beidem Zolltarif von ı816 blieb man nicht lange stehen. Die protektionistische Strömung trieb zu weiteren Schutzmaßregeln. Obwohl der alte erfahrene Graf G. K. Hogendorp vor diesem Wege warnte, den Handel als durch- aus nicht schutzbedürftig hinstellte, dagegen die vielen Belastungen wichtiger Lebensmittel rügte*), wurde schon in dem Tarif von 1819 die Industrie, namentlich die Textil- und Eisenindustrie®) mit stärkerem Schutz versehen, aber auch für Kaffee und Zucker ) Averdunk,.S: 153 £f. ? Eckert, S. 198 ff.; schon 1816 war ein Dampfer von Rotterdam nach Köln gefahren. 3) Vgl. Lagemans; I, Ss. 188. ‘)Hogendorp, VI,S. 75. °) Über die belgische Eisenindustrie und ihren Kampf mit der englischen vgl.de B oer, Twee memorien van G. N. Roentgen, S. ı ff. Über die Verhand- lungen, die zu dem Tarif von 1819 führten, vgl. Groeneveld Me yer, S. 114 1f.