— 4,5 — der Bevorrechtung war die niederländische Flagge der mächtigen Konkurrenz des Auslandes um so weniger gewachsen, als sie früher im ostindischen Verkehr alleinherrschend gewesen war. Für den Bau der in der kleinen Fahrt gebräuchlichen Schiffe war ferner hinderlich der vielfach mangelhafte Zustand der Schleusen und Kanäle, an denen diese Schiffe gebaut wurden, vorzüglich in der Provinz Groningen; für die große Schiffahrt nach und von den See- häfen bestanden aber damals noch in den schlechten Zugängen er- hebliche Mängel, die, wie der Schiffahrt, so auch dem Schiffbau entgegenstanden. Dazu kam weiter die 1869 erfolgte Abschaffung der Abgabe auf die Naturalisation der im Ausland gebauten Schiffe, während auf der anderen Seite noch immer auf der Einfuhr wichtiger Rohmaterialien des Schiffbaues Einfuhrzölle ruhten. So wurden die wenigen größeren Dampfschiffe, deren die niederländische Reederei bedurfte, meist im Auslande gebaut; selbst auf Segel- schiffe traf das in erheblichem Umfange zul). Zum ersten Male übertraf 1873 das Tonnenmaß der im Auslande gebauten Segel- schiffe das der auf inländischen Werften gebauten. Die Folge war ein Verfall der meisten alten Werften, die sich den neuen Anforde- rungen, wie sie vorzüglich seit der Eröffnung des Suezkanals an die Dampfschiffe gestellt wurden, nicht gewachsen zeigten. Der Über- gang von den hölzernen zu den eisernen Segelschiffen kam hinzu, um innerhalb der Werftbetriebe eine schwere Krisis herbeizuführen; der Schwerpunkt dieser Industrie verschob sich nun ganz vom Norden nach dem Ausgang der Ströme im Westen und Süden des Landes. Mit dem Anfang der 1880er Jahre kam wieder mehr Leben in die niederländische Schiffbauindustrie; die Suezfahrt, die Schaffung der großen Zufahrtswege zu den Seehäfen, die Errichtung leistungs- fähiger Dampfschiffahrtsgesellschaften regte auch den eigenen Schiffbau an; und diese Gesellschaften gingen nun langsam dazu über, ihre Neubauten einheimischen Werften zuzuwenden, zumal die Regierung jetzt die Übergabe des Postdienstes von dem Bau der Schiffe auf den Werften des Landes abhängig machte. Die starke 1) In De Economist 1872, S. 208, wird auf die Notwendigkeit für die hollän- dischen Schiffbauer hingewiesen, auf ausländischen (englischen und schottischen) Werften den modernen Dampfschiffbau zu erlernen und erst dann in Holland eine Werft zum eigenen Bau zu errichten. mE