Kartoffelmehl erfuhren starke Verminderung; die Ausfuhrzölle auf Vieh fielen 1862 endlich weg. Ganz aufgehoben wurden die Ge- treidezölle durch das Gesetz vom 6. April 1877, nachdem 1872 eine weitere Herabsetzung erfolgt war. Unter diesem Ireihändlerischen System hat die niederländische Landbauproduktion nicht nur nicht gelitten, sondern eine hohe Blüte erlebt. Dazu trug allerdings bei die gleiche Richtung, die die Handelspolitik in anderen Ländern einschlug, vorzüglich in England und Belgien. Es war eine goldene Zeit für die nieder- ländische Landwirtschaft, diese Periode von 1850—1877!). Neben der Handelspolitik der anderen Staaten, die sich dem niederländi- schen Getreide und den Milchprodukten öffneten, wirkten günstig auch die seit der ersten Hälfte des Jahrhunderts dauernd und syste- matisch verbesserten Verkehrsverhältnisse des Landes, sowohl durch Kanäle als auch später durch Eisenbahnen; sodann fielen in den Beginn dieser Periode die Folgen der großen Bedeichungen, so des Anna-Paulowna-Polders 1847, des Haarlemmerpolders?). Durch die inneren Verkehrsverbesserungen, mit denen die Zunahme der See- schiffahrt zusammen ging, wurde der Absatz der Produkte er- leichtert. Mitte der 1870er Jahre trat dann abermals der wirtschaft- liche Rückschlag ein; er traf namentlich den Acker- bau. Es war die Zeit, da Nordamerika begann, die großen Über- schüsse seiner Getreideproduktion auf den europäischen Markt zu werfen. Von 1877 an sanken die Getreidepreise in Europa dauernd. Hatte der Mittelpreis des Weizens in Groningen 1861—1870: 10,10 und 1871—1880: 10,98 fl. betragen, so betrug er 1881—1890 nur noch 7,46; 1891—1900: 5,50 fl. Gleichzeitig stieg die Einfuhr von Ge- treide; es kam die Zeit, da die Einfuhr die Ausfuhr immer mehr über- stieg; und zwar belief sich der Überschuß in Weizen 1847—1856 auf 6080, 1857—1866: 26160; 1867—1876: 86 080; 1877—1886 aber schon 220 880; 1888—1896: 258 000 (in 1000 Kilo); nur in Hafer war ein Rückgang; hier betrug der Überschuß der Einfuhr 1847—1856: 28 400; 1888—1896: 9000 (in 1000 Kilo)%. Insbe- 1) Blink, II, 310; Nederl. Landbouw, S. 18. 2) Vgl. unten. 3) Ned. Landbouw, S. 23 f. 4.492