59 wiegend Getreide bauenden Sandwirtschaften, war aber der Getreidebau auf die Wirtschaft eingestellt, nicht letztere auf den Getreidebau. Dieser bildete nur ein Mittel, um andere Produktions- zweige mit Erfolg betreiben zu können; so die Rübenwirtschaften, die den Getreidebau als Zwischenfrucht treiben mußten. Immer deutlicher zeigte es sich, daß von ihm allein in den Nieder- landen kein Landwirt bestehen konnte. Rüben-, Kartoffelbau, Flachsbau und Kümmel entwickelten sich neben der Vieh- und Pferdezucht zu den besten Produktionen. Im Rückgang war der Anbau von Buchweizen, ebenso die Schafhaltung. Die Schafzucht hatte ihren Höhepunkt um 1865 erreicht; damals zählte man 1 027 000 Schafe; 1910 nur noch 889 036, von denen 266 284 auf Nordholland, 160 664 auf Friesland kamen‘). Geblüht hat während dieser ganzen Periode die Blumen- zwiebelzucht. Nachdem sie nach der französischen Zeit, die dieser Kultur nicht günstig war, wieder aufgenommen War, fand sie schnell in den alten Standorten neue Pflege. Die Blumen- zwiebelzucht war einer der wenigen landwirtschaftlichen Betriebe, die größere Unternehmungen aufwiesen?). Eine vollständige Umwälzung erfuhr der Flachsbau. Die alte Hausleinenindustrie, der er den Rohstoff lieferte und die sich lange gegen die maschinelle Spinnerei und Weberei behauptet hatte, ging allmählich zugrunde und drohte die Flachskultur mit sich zu ziehen. Doch wurde infolge der in der Mitte des 19. Jahr- hunderts einsetzenden Spezialisierung der einzelnen Flachsarbeiten auch der Flachsbau neu angeregt und nun in einen hochentwickelten, intensiven Handelsgewächsbau umgewandelt. Dazu trug bei die ausgedehnte Arbeitsteilung im Flachsgewerbe, die den einen den Flachs bauen, den anderen ihn ernten, den dritten ihn rösten, den vierten ihn hecheln usw. ließ. Namentlich auf den südholländischen und seeländischen Inseln, die dem Flachsbau von jeher günstige Produktionsbedingungen boten, ferner in Groningen nahm er einen großen Aufschwung. Der Zweck dieser eine ganz eigenartige Ar- 1) Evierwign, I, 310%. 2) Frost, Agrarverfassung, S. 370. Die mit Zwiebelpflanzen bebaute Fläche betrug 1882 in Nord- und Südholland etwa 600 Hektar; 1900 waren €Ss 2526 Hektar, von denen 1647 auf Süd- und 874 auf Nordholland kamen (B 1 ink, Geschiedenis, II, 531).