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        <title>Holländische Wirtschaftsgeschichte</title>
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            <surname>Baasch</surname>
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bewirkte es, daß weder ein stehendes Heer, noch eine Bürokratie 
sich hier entwickeln konnte, wohl aber eine enge Verknüpfung 
von Staat und Wirtschaft das Staatsleben zum CGeschäftsleben 
gestaltete und dem ganzen Staat den Stempel einer großen bürger- 
lichen Handelsgesellschaft aufprägte. 
Aus diesen, durch die natürlichen und historisch-politischen 
Verhältnisse des Landes geschaffenen Zuständen heraus erwuchs 
nun der inneren Struktur der niederländischen 
Gesellschaftdie EKigentümlichkeit, die selbst 
dem oberflächlichen Beobachterischnell ins 
Augefällt;das warihrstädtischeriCharakter. 
Schon seit dem 15. Jahrhundert lag im Städtewesen der Schlüssel 
der weiteren Entwicklung dieses Landes!). Der Einfluß der land- 
wirtschaftlichen Gebiete, deren Wirtschaft sich in kleinen Kreisen 
bewegte und nur enge Örtliche Mittelpunkte kannte, trat dem 
gegenüber weit in den Hintergrund, wußte sich jedenfalls nicht 
in dem Maße geltend "zu machen, wie es die landwirtschaftliche 
Produktion wohl verdient hätte. Auch der Adel trat in 
seiner praktischen Bedeutungs jetzt weit /zu- 
rück%; ‚der Kaufmann und der Gewerbefirei- 
bende geben von/mun ab den Ton an und be- 
einflussen den Gang der politischen und wirt- 
schaftlichen Dinge. Den großen, meist maßgebenden Ein- 
fluß der Städte auf die Handelspolitik werden wir unten im ein- 
zelnen wahrnehmen. Nicht geringer war ihr Einfluß auf die Ge- 
werbepolitik. Das zeigte sich namentlich in dem Gegensatz der 
städtischen Wirtschaftspolitik zum platten Lande. Eifersüchtig 
suchten die Städte jedes Aufkommen eines Gewerbes auf dem 
Lande zu hindern und zu verhüten, daß solche Erzeugnisse in die 
Stadt zum Verkauf kamen?); scharf trennte man die städtische 
gewerbliche Produktion von der landwirtschaftlichen und duldete 
erstere auf dem Lande nur, als in späterer Zeit die ländliche Heim- 
En 2) Vgl.B l1ok, Geschied. v. h. ned. volk, II, 505 ff.; vgl.auch Kö tzschke, 
Allg. Wirtschaftsgesch. d. Mittelalters (1924), S. 436, über das „Empordrängen 
der städtisch-bürgerlichen Bildungen‘“. In der Provinz Holland lebten 1514 von 
400 000 Einwohnern etwa 190 000 in den Städten (Blok, Eene holl. Stad, II, 2). 
2) Blok, II, S. 450. Über die Ursachen des Aussterbens des niederländ. 
Adels, vgl. Brinkmann im Grundriß d. Sozialökonomik, IX, ı, S. 29. 
3) Blok, Geschied., II, S. 483, 510.</div>
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