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        <title>Holländische Wirtschaftsgeschichte</title>
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            <surname>Baasch</surname>
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      <div>© AR 
den maßgebenden Teilen der Bevölkerung verankert als vorher. 
Dazu trug bei das steigende Übergewicht, das im Leben dieses 
Volkes den wirtschaftlichen Verhältnissen zufiel und das in den 
Städten, die schon im 16. Jahrhundert einen unverhältnismäßig gro- 
ßen Teil der Bevölkerung umfaßten, zum schärfsten Ausdruck gelangte. 
Wenn die nördlichen Niederlande sich in der Utrechter Union 
1579 zu einem selbständigen Staatswesen zusammenschlossen, so 
wurde diese politische Einheit nicht durch die konfessionelle Zu- 
sammengehörigkeit — eine solche war damals noch gar nicht ein- 
heitlich vorhanden — begründet, sondern durch die Abwehr gegen 
die Vergewaltigungen seitens der spanischen Monarchie, die ihre 
blutigen Spuren im Süden hinterlassen hatten. Diese Vergewalti- 
gungen wurden als solche empfunden sowohl in konfessioneller 
wie politischer und endlich in wirtschaftlicher Beziehung. Es war 
der Drang nach Freiheit, nach Selbstbestimmung, der in dem nieder- 
ländischen Volk den Beruf als selbständige Nation entwickelt und 
in dem schweren Daseinskampfe immer mehr befestigt hat. 
Diese drei Elemente des Widerstandes und der Einigung, 
das konfessionelle, das politische und das wirtschaftliche gingen 
von Anfang an Hand in Hand. Mit der Zeit aber gewann das wirt- 
schaftliche mehr und mehr an Gewicht und Einfluß; das wirt- 
schaftliche Interesse verquickte sich mit dem konfessionellen und 
politischen und entschied überall da, wo es sich um Lebensfragen 
der Nation, der Provinz, ja der Stadt handelte. Der Handelsgeist 
wurde ausschlaggebend, der wohl immer in diesem Volke lebte, 
aber nun noch angespornt wurde, als man erkannte, daß nur ein 
wirtschaftlich selbständiges und mächtiges Volk sich in dem schweren 
Kampfe um seine Existenz behaupten konnte, und als anderseits 
sich bisher ungeahnte Ziele für die kommerzielle Ausdehnung zeigten. 
Man hat behauptet und nachzuweisen versucht, daß der 
kapitalistische Geist der Holländer auf der Grundlage ihres kalvi- 
nistischen Glaubens erwachsen, daß er aus dem Milieu einer spezi- 
fisch kalvinistischen Religiosität entsprungen sei. Das ist schwer- 
lich richtig!). Denn einerseits hat es diesen kapitalistischen Geist 
Kaufleute in den Niederlanden an (Fruin, Tien jaren, S. 122); vgl. auch Brug- 
mans, Opkomst, S. ı90 ff. 
1) Vgl. Rachfahl, Kalvinismus und Kapitalismus; v. Below, Pro- 
bleme, S. 431 ff. Noch bei van Manen, S. 241 wird jene Auffassung vertreten,</div>
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