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        <title>Holländische Wirtschaftsgeschichte</title>
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      <div>zum Düngen für den Tabak als besonders geeignet hielt; er hatte 
früher 3—4 fl. gekostet und wurde nun in der Blütezeit der Tabak- 
kultur für 14—20 fl. verkauft. Man zählte 1670 in Amersfoort 
mindestens 120 Tabakpflanzer. Später ging freilich diese Kultur 
zurück, um im 19. Jahrhundert ganz zu verschwinden‘). 
Die Provinz. Utrecht hatte eine alte, ausgedehnte 
Pferdezucht, die man durch behördliche Vorschriften im 
16. und 17. Jahrhundert aufrecht zu erhalten suchte. Eine 
schon 1542 erlassene, 1585 erneuerte und ergänzte Verordnung 
verbot den Aufkauf und die Ausfuhr von Pferden in der Provinz. 
Eine Verordnung von 1675 traf für die Ergänzung des durch den 
Einfall der Franzosen stark verminderten Pferdebestandes Für- 
sorge?). 
Overyssel ähnelte landwirtschaftlich dem östlichen 
Gelderland; doch war es weniger angebaut und noch mehr durch 
ausgedehnte Heiden ausgezeichnet, die z. T. in Hochmoore über- 
gingen, welch letztere im 18. Jahrhundert noch wüst und verlassen 
waren. Namentlich Twenthe lag noch teilweise völlig öde; die 
besten Ländereien fanden sich zwischen Borne und Hengeloo und 
in der Umgegend dieser Stadt. Hier saßen viele Bauern auf eigenem 
Grund, andere hatten ihr Land an kleine Kätner mit 6—8 Kühen 
verpachtet. Im allgemeinen war der Zustand dieser kleinen Bauern 
in Twenthe recht kümmerlich; die ungeteilten Marken hemmten 
die selbständige Entwicklung der einzelnen Bauern, wie auch die Auf- 
schließung der Ödländereien. Auch war der Verdienst gering, nament- 
lich im Verhältnis zu den hohen Lasten. Die große Armut und das 
auf alter Rechtsgewohnheit beruhende Abhängigkeitsverhältnis der 
jüngeren Söhne von dem ältesten trieb schon im 16. und 17. Jahr- 
hundert viele Leute in die Stadt, wo sie besser wirtschaften zu können 
glaubten. Als nach 1730 in Enschede die Industrie sich hob, bildete 
dieser Ort einen Anziehungspunkt für viele Landbewohner, die auf 
solche Weise das Entstehen der Industrie beförderten. In den kleinen 
Städten, wie Oldenzaal, Ootmarsum usw. wohnten im 18. Jahr- 
hundert noch viele Bauern, die diesen Orten ihr charakteristisches 
!) 1791 betrug die holländische Tabakernte rund 20 Mill. Pfd. (Koch, 
Rotterdam in den franschen Tijd in Rott. Jaarboekje, 1924, S. 13). 
?) Zorg voor paardenfokkery in de 17. eeuw, in De Economist, 1885, S.995 ff. 
Über die Utrechter Pferderasse Blink, II, 259. 
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