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        <title>Holländische Wirtschaftsgeschichte</title>
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      <div>Bedürfnisse des Volkswohles im allgemeinen und darunter auch die 
Interessen der‘ Landwirtschaft durch volkstümliche und populär- 
wissenschaftliche Abhandlungen der Allgemeinheit nahezulegen und 
verständlich zu machen. Diese Bestrebungen haben zweifellos sehr 
nützlich gewirkt und für zahlreiche Einzelfragen des Ackerbaues, 
der Viehzucht, des Obstbaues und der Landeskultur wertvolle 
Belehrung zutage gefördert. Sie waren um so wirkungsvoller, als 
jene Zeit eine Periode des Aufschwunges der holländischen Land-. 
wirtschaft auch aus allgemeinen Gründen war; es ging dem 
Handel, vorzüglich nach dem letzten englischen Krieg, schlecht, 
und das ‘Interesse weiter Kreise wandte sich nunmehr der 
bisher vielfach vernachlässigten oder geringgeschätzten Land- 
wirtschaft zu. 
Die Literatur der früheren Zeit hatte auch in theoretischer 
Hinsicht die Landwirtschaft wenig beachtet. So reich die volks- 
wirtschaftliche Literatur der Niederlande des 17. und 18. Jahr- 
hunderts über den Handel, das Steuer- und Finanzwesen ist‘), 
so arm war sie in bezug auf die Landwirtschaft; nur wenn es sich 
um den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, wie Korn, 
oder um die im Interesse der Textilindustrie wünschenswerte Pflege 
der Schafzucht handelte, oder wenn die Herrendienste einmal die 
Bauern allzusehr drückten, was hier verhältnismäßig selten vor- 
kam, wurde wohl einmal in der Literatur der Landwirtschaft ge- 
dacht; das waren jedoch Ausnahmen?). Selbst ein so fruchtbarer 
Schriftsteller, wie Pieter de la Court, erwähnt den Land- 
bau als solchen kaum, und Holland bestand nach ihm nur durch die 
Blüte der Manufakturen, Fischerei, Schiffahrt und Handel. Auch 
die physiokratische Bewegung, die seit der Mitte 
des 18. Jahrhunderts dem Landbau wieder den alten Vorrang vor 
Handel und Industrie verschaffen und dem natürlichen Reichtum 
des Bodens seine überragende Bedeutung in der Volkswirtschaft 
einräumen wollte, hattein den Niederlanden keinen 
einzigen Vertreter, wenn es auch an anerkennenden 
Bemerkungen über den Landbau bei manchen niederländischen 
Schriftstellern nicht fehlte®). Noch das von Luzac heraus- 
!) Vgl. im allgemeinen Laspeyres. 
2?) Laspeyres, S. 198, 215: 
3) Laspeyres, S. 214 f. 
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