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        <title>Holländische Wirtschaftsgeschichte</title>
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            <surname>Baasch</surname>
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      <div>die Ausfuhr inländischer Butter stieg von 129 098 Pfund im Jahre 
1789 auf 568 389 Pfund im Jahre 1792, von Kümmelkäse in den- 
selben Jahren von 710 763 Pfund auf 1 496 406 Pfund!). In der 
französischen Zeit schwankten die Preise für diese Artikel außer- 
ordentlich, je nachdem die Ausfuhr frei oder verboten war. Jeden- 
falls erwies sich der Ackerbau schon seit den letzten Jahrzehnten 
des Jahrhunderts als einträglicher, und viel Grasland wurde des- 
halb in Ackerland verwandelt. Das war ein großer Fortschritt, 
da man in früherer Zeit sich überaus schwer zu solchen Umstel- 
lungen zu entschließen pflegte. Am meisten erfolgten sie jetzt in 
Groningen, wo das gleichzeitig mit der Herstellung zahlreicher 
Wassermühlen zu der für diese Umwandlungen notwendigen Ent- 
wässerung verbunden war. Der Bau von Raps, Kartoffeln, Gerste 
nahm nun stark zu. Auch den Moorkolonien war diese Periode 
aufblühender Landwirtschaft förderlich. 
Von nicht unerheblicher Bedeutung war die Arbeiterfrage. Im 
allgemeinen versorgte jedes eigene Land den Landbau genügend mit Arbeitskräften. 
Aber vielfach reichten diese doch nicht aus; und namentlich das benachbarte Deutsch- 
land trat dann mit billigem Menschenmaterial in die Lücken. Der Zug deutscher 
Arbeiter nach den Niederlanden, der sog. Hollandgänger, war alt; schon 
Anfang des 17. Jahrhunderts wird solcher gelegentlicher Zuwanderungen gedacht?). 
Sie entsprachen einem zwiefachen Bedürfnis; die Osnabrücker und Münsterschen 
Hauerleute und andere Angehörige der Klassen des kleinsten ländlichen Grund- 
besitzes, Knechte und nachgeborene Bauernsöhne, suchten vielfach Gelegenheit, 
sich aus ihren meist sehr kümmerlichen Verhältnissen herauszuarbeiten und sich 
außer Landes Geld zu verdienen, auf Grund dessen sie sich später verheiraten 
konnten. In den Niederlanden aber waren in einer Zeit des aufblühenden Handels 
und wachsender Industrie, die gleichzeitig mit einem starken Zug vom Lande in 
die Stadt verbunden war, auswärtige Arbeitskräfte, insbesondere für die Land- 
wirtschaft, höchst erwünscht; als das Elend des 3ojährigen Krieges über Nord- 
deutschland schritt, verstärkte dies nur die Hollandgängerei; selbst von der Unter- 
elbe (Hadeln) gingen Anfang der 1630er Jahre Leute nach Holland zum Mähen. 
Im Laufe des 17. Jahrhunderts wuchs die Hollandgängerei im Westfälischen und 
Niedersächsischen; sie war alljährlich auf mehrere 1000 Menschen zu schätzen 
und wurde allmählich ein ständiger, eingebürgerter Nahrungserwerb, der in den 
Niederlanden auf sichere Befriedigung rechnen konnte. Ungeachtet der vermehrten 
Arbeitsgelegenheit in Deutschland infolge der aufblühenden Industrie gerade in 
1) 1753 belief sich die Ausfuhr der Butter in Amsterdam auf 82 288, des 
Kümmelkäses auf 277 225 Pfd. (van Nierop, Uit de bakermat); Rotterdam 
führte im gleichen Jahre aus 28 867 Pfd., die 100 Pfd. zu ı2 {l. (Dobbelaar, 
Een Statistiek, S. 214). 
2) Tack, S. ıı! 
ss</div>
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