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        <title>Holländische Wirtschaftsgeschichte</title>
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      <div>Ungeachtet aller Schwierigkeiten, die die Heringsfischerei zu 
bestehen hatte, gedieh sie; weder die Unsicherheit der See in den 
ersten Jahrzehnten nach dem Bruch mit Spanien!), noch die 
Fischereistreitigkeiten mit England, die 1609 begannen und sich 
durch Jahrzehnte hinzogen?), noch die Seeräubereien der Dün- 
kirchner haben die Heringsfischerei auf die Dauer schädigen können. 
Für keine Betätigung der Schiffahrt hat der Staat so viele Con- 
voyen gestellt wie für die Heringsfischerei; namentlich in den 1620er 
und 1630er Jahren wurde Convoyschutz stark in Anspruch ge- 
nommen®). In kaum einem anderen Schiffahrtsbetrieb herrschte 
aber ein solcher straffer Geist der Zusammenfassung und Aus- 
Schließung wie im Heringsfang und den dazugehörigen Gewerben: 
die im Kolleg der ‚„Groote Visscherije‘““ vertretenen Städte Enck- 
huizen, Delft, Rotterdam, Schiedam und Brielle ließen andere Städte 
nicht zu; keine Heringsbüse*) durfte ohne Erlaubnis des Kollegs 
ausfahren. Amsterdam, Hoorn, Monnikendam, die sich um den 
Eintritt in das Kolleg bewarben, wurden rücksichtslos abgewiesen. 
Über den Umfang der Heringsreederei mögen hier einige 
Angaben folgen®). Während Raleighs Angabe von 3000 
Fischereifahrzeugen mit 50 000 Mann Besatzung wohl übertrieben 
ist, scheint eine Angabe von 1639, daß alle Fischereiplätze 750 
Fahrzeuge gehabt hätten, zu gering. Nach de la Court waren 
1669: 1000 Büsen vorhanden; nach dem ‚,Koopman“ segelten 
1610: 1500, zehn Jahre später 2000 aus®). Der venetianische Ge- 
sandte berichtete 1610, daß Holland allein 7—800 Fischerfahrzeuge 
hätte’). Beaujons®) Schätzung von 2000 Büsen für Holland 
und Seeland und für die Nordseehäfen zu ihrer höchsten Blütezeit 
3) An der schwedischen Ostküste bot sich 1566—89 den Holländern eine 
vortreffliche, wenn auch nur vorübergehende Konjunktur für den Heringsfang, 
die gut ausgenutzt wurde. Vgl. Tomfohrde, S. 174. 
*) Vgl. Muller, Mare clausum, namentlich S. 106 ff. Über die Fischerei 
holländischer Fischer an der schottischen Küste vgl. Rooseboom, S. 156. 
?) Beaujon,.S. 509. 
4) Über die Heringsbüsen und ihr Verhältnis zu anderen Schiffstypen vgl. 
Hagedorn, Schiffstypen, S. 92 ff. 
5) Vgl. auch unten in 8 5. 
‘ Beaujon;, S. 661, 
7) Blok, Rel. Venet., S. 38. 
®) Ebenda; vgl. auch die Zahlen bei Blok, Geschied. v. h. ned. Volk, 
IV, S. 27; er nimmt 3000 Schiffe und 35—40 0oo Fischer an. 
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