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        <title>Holländische Wirtschaftsgeschichte</title>
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            <surname>Baasch</surname>
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      <div>ASP — 
so der Verband der Schuhmachergesellen in Groningen und der 
der Metzger und Zimmerleute in Deventer. Die städtischen Be- 
hörden waren im allgemeinen diesen Verbänden nicht geneigt, 
da sie in ihnen Herde der Unzufriedenheit und Unruhen sahen 
und, nachdem infolge der Reformation die diesen Verbänden ob- 
liegende Sorge für das Seelenheil mehr oder weniger gegenstands- 
los geworden war, nur noch die Pflege der Siechen und Hinter- 
bliebenen als Zweck solcher Vereinigungen übrig zu sein schien; 
für diesen Zweck gab es aber eine größere Anzahl von Gesellen- 
Büchsen (Knechtsbossen), bei denen die Gefahr ungesetzlicher Zu- 
sammenschlüsse nicht bestand!). Die Knechtsgilden haben dann 
auch wenig Einfluß in der Richtung einer Interessenvertretung ge- 
habt?). Eine Knechtsgilde, die in den unruhigen Tagen von 1748 
sich tätig zeigte, um eine Lohnerhöhung zu erwirken, bestand unter 
den Amsterdamer Schiffszimmerleuten®). 
Von Interesse waren ferner noch die eigenartigen Zusammenschlüsse in 
„Veemen“, die wir seit dem 16. Jahrhundert in Amsterdam finden, und zwar 
ausschließlich bei einigen Verkehrsgewerben (Schutenfahrern, Trägern, Arbeits- 
leuten an der Wage). Die unter ihnen abgeschlossenen Verträge verbanden sie zu 
gemeinsamer Arbeit, deren Erträge in eine Kasse flossen und für die eine Reihe 
von Normen aufgestellt wurden; ferner zur Unterstützung der Kranken, Witwen 
und Waisen. Schlechtes Verhalten, Trunkenheit usw. konnte zum Ausschluß aus 
der ‚„‚Veem‘‘ führen. Es waren also Genossenschaften mit gemischt kooperativ- 
karitativer Wirksamkeit. Eine große Ausdehnung haben sie offenbar nicht ge- 
habt, und wirtschaftlich war ihre Bedeutung gering“). 
Neben dem Handel und der Schiffahrt hat die Industrie, 
das Gewerbe in den Niederlanden vorzüglich mitgewirkt, die Grund- 
lage zur Blüte des Landes zu legen. Die Erzeugnisse dieser Industrie 
bildeten für lange Zeit einen wichtigen, nach manchen geographi- 
schen Richtungen ausschließlichen Gegenstand des niederländischen 
Handels. Außer dem Zwischenhandel mit fremden, nicht im Lande 
gewachsenen oder entstandenen Produkten hat frühzeitig der Handel 
mit den eigenen Landesprodukten gewerblicher und landwirtschaft- 
licher Art eine große Bedeutung gehabt; erst allmählich hat der 
ı) Vgl. Blok, Eene holl.stad, III, S. 214 f.; ebenda, S. 216 über die 
Leidener Knechtsgilden. 
2 Timmer, Knechtsgilden,:S. 196 f. 
3 Brugmans, Handel en nijverheid, S.. 211. 
‘1 de Boer, Amsterdamsche Veemcontracten. 
Baasch, Holländische Wirtschaftsgeschichte. 
6</div>
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