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        <title>Holländische Wirtschaftsgeschichte</title>
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            <surname>Baasch</surname>
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      <div>—. 65) — 
Wolle, für die gröberen Sorten auf die pommersche und schottische 
angewiesen; auch inländische benutzte man mehr als früher!). Im 
Handel traten Frankreich, Italien, Spanien als wichtigste Ab- 
nehmer auf; die Ostseeländer begannen wieder als Käufer aufzu- 
treten?). Schon wurden die Keime späterer sozialer Kämpfe ge- 
legt; hohe Preise für Wohnungen und Lebensmittel machten sich 
fühlbar; die Frauen- und Kinderarbeit war bereits ausgedehnt; 
sie war zugleich mit der neuen Industrie eingeführt und diente 
wohl für sie als Grundlage. 
Gegenüber der jetzt beginnenden neuen Blüte 
der Leidener Textilindustrie. erhob sich, wie. be- 
greiflich) bald die Konkurrenz; in Delft, Gouda; 
Kampen, Franeker, Haarlem_ bemühte man sich, 
den Leidenern Teile dieses Gewerbes zu. ent: 
ziehen, was dann auch gelang, trotz aller Gegenbemühungen 
Leidens. Die inländische Konkurrenz, die man zur Zeit der hand- 
werksmäßigen, zünftlerisch geregelten Produktion kaum kannte, 
machte sich nun empfindlich bemerkbar. Im Ausland war es nur 
die flamische Industrie, deren Mitbewerb stark empfunden wurde. 
Alle einzelnen Zweige der Leidener Textilindustrie entwickelten 
sich in den folgenden Jahrzehnten befriedigend; quantitativ fand 
dabei eine gewisse Verschiebung unter den Einzelorten statt. Die 
Gesamtmenge der hergestellten Stücke aller Art (Tuch, Barchent, 
Baien, Grein [Grobgrün], Sayen) betrug in der ersten Hälfte des 
17. Jahrhunderts 70—120 000 Stück®). Aus mehreren Verbesse- 
3 Posthumus, III, S.X£.- Nach: Macpherson;, /Annals, 11, 
S. 444 wurde 1651 der englischen Regierung der Vorschlag gemacht, sich in Spanien 
ein Vorkaufsrecht auf alle spanische Wolle zu verschaffen, was sich gegen die 
niederländische Wollindustrie richtete; die Holländer hatten noch vor kurzem 
vier Fünftel des spanischen Wollexports angekauft und für sich verwandt; auch 
Frankreich gebrauchte viele Wolle für seine Industrie. Aus diesem Plan wurde 
aber nichts. — Spanische Wolle ging sogar noch 1629 von Holland nach Hamburg 
(Baasch, Hamburgs Seeschiffahrt, S. 358). Die Wollausfuhr von Spanien 
nach Holland schätzte man damals auf jährlich 15—16 000 Ballen (Diferee, 
Geschiedenis, S. 207): 
?) Die Meinung von Posthumus, III, S. XI, die Ostseeländer seien 
für den Absatz niederländischer Textilfabrikate unwiederbringlich verloren gewesen, 
wird widerlegt durch die inzwischen erfolgte Veröffentlichung der Sundzollregister 
für den Warenverkehr; vgl. unten in 8 8. 
3 Posthumus, Bronnen, IV, S. VII f. Die Liste bei Pringsheim, 
3:</div>
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