<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Holländische Wirtschaftsgeschichte</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Ernst</forname>
            <surname>Baasch</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1744885710</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>— 02 — 
Verfügung, daß die Bevölkerung sich mit binnenländischen Stoffen 
kleiden solle; 1753 wurde dieser Befehl verschärft!). Schon 1759 
spricht ein Besucher Leidens davon, daß die dortige Tuchindustrie 
nur noch den dritten Teil des früheren Umfangs zeige?); und ein 
anderer wies 1783 darauf hin, daß das Leidener Tuch sehr schön, 
aber zu teuer sei; die Tuche von Aachen, Limburg, Jülich, Verviers 
seien 8&amp;—10% billiger®). So sah das Ende des Jahrhunderts eine 
Stadt, die einst hoch geblüht hatte, durch den Verfall ihrer Haupt- 
nahrung tief gesunken. 
Haarlem verdankte die Blüte seiner Textilindu- 
strie den Ende des 16. Jahrhunderts eingewanderten Flamen. 
Ein Brabanter, Lambrecht van Dale, der in Goch im 
Clevischen Bleicher gewesen und von dort durch den Krieg ver- 
trieben war?), kam 1577 nach Haarlem und richtete hier eine Blei- 
cherei ein, was schnell Nachfolge fand. Schon 1579 kam dann ein 
Weber aus Flandern, Denys Michiels van Hulle, er- 
hielt das Bürgerrecht und eröffnete eine Weberei. In den nächsten 
Jahren folgten noch eine Reihe von Garn- und Leinwandbleichen. 
Diese Bleicher hatten zuerst Mißhelligkeiten mit den Brauern, weil 
sie diesen angeblich das zur Herstellung ihres Bieres nötige Wasser 
verdarben. Doch wurde dieses Hindernis 1584 durch Vergleich be- 
seitigt. Die Bleichereien nahmen einen starken Aufschwung; das 
In- und Ausland bediente sich ihrer; englisches Garn wurde nach 
Haarlem gesandt und hier gebleicht, ebenso deutsche Leinwand; 
die Zufuhr ungebleichter Leinwand und Garne muß in der zweiten 
Hälfte des 17., der ersten des 18. Jahrhunderts außerordentlich 
groß gewesen sein®). Mit der Bleicherei verband sich dann bald 
ein lebhafter Handel mit gebleichter Leinwand. Erst als in Brabant 
und Flandern ebenfalls Bleichereien angelegt wurden und Eng- 
land die Einfuhr weißer Leinwand hoch belastete, ging diese In- 
1) Blok, Eene holl. Stad, III, S. 208. 
23) Fierner, S. 483. 
3) Volkmann, S. 197. 
4) Über den Anteil der Clever und Jülicher an der Einwanderung nach 
Haarlem und Leiden, vgl. van Schelven, S. 33; B ok, Holl. Stad, III, 
. 189. 
N f 5) Allan, IV, S. 554 ff. Über die Versendung schlesischer Leinwand zum 
Bleichen nach Haarlem vgl. Zimmermann, Leinengewerbe in Schlesien, 
S. ı1241.; Hasse, Leipz. Messen, S. 332 f. 
J:</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
