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        <title>Holländische Wirtschaftsgeschichte</title>
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$ 2. Die industrielle Entwicklung. 
Die Industrie hat in den nördlichen Niederlanden im 
19. Jahrhundert eine ziemlich stetige Entwicklun g ge- 
nommen, die sich von dem sprunghaften Verlauf in den großen 
Industrieländern, wie England und Deutschland, wesentlich unter- 
schied. Zum Teil beruhte das auf dem Mangel an einer 
Schwerindusitirie, deren Vielseitigkeit und riesenhafte 
Maschinentechnik mit überaus schnellen Fortschritten und Wand- 
lungen in der Organisation und Produktion verbunden war. Anderer- 
seits erklärt sich die Stetigkeit der Entwicklung durch die lange Zeit 
bestehende Beschränkung der industriellen Produktion auf den Ab- 
satz in den eigenen Kolonien, ferner durch die Bevorzugung der 
Verwendung der aus diesen Kolonien stammenden Rohstoffe. End- 
lich aber konnte sich auch jetzt noch bis tief in das 19. Jahrhundert 
hinein die niederländische Industrie von einer gewissen Schwerfällig- 
keit und geringen Anpassungsfähigkeit an die Ansprüche und Be- 
dürfnisse des Weltverkehrs nicht freimachen‘!). 
Zunächst ging es der nordniederländischen Industrie recht 
mäßig. Auf diesem Gebiete machte sich die en glische Kon- 
kurrenz um so stärker fühlbar, als jene durch die Einführung 
von Maschinen sich der niederländischen in mehreren Zweigen weit 
überlegen zeigte und man in den Niederlanden noch wenig Neigung 
kundgab, diesem Beispiel zu folgen?). Außerdem war aber durch 
die Verbindung mit Belgien die Industrie in den nörd- 
lichen Provinzen viel stärker dem Wettbewerb der teil:- 
Weise hochentwickelten belgischen Gewerbe- 
tätigkeit preisgegeben; diese wurde überdies durch holländisches 
Kapital und Staatshilfe in hohem Grade gestützt?). Das Tarifgesetz 
von 1816 suchte auch diesem Verhältnis gerecht zu werden; und 
manche Industrie im Norden, wie die Amsterdamer Essig- und 
Chokoladefabrikation, die Kattundruckerei usw., waren deshalb 
ganz damit zufrieden. Andererseits belasteten hohe Akzisesätze viele 
wichtige Artikel, wie Salz, Seife, Torf, Genever. Eine Erscheinung, 
die seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts auffallend wirkte, war 
') Über den neuesten Stand der holl. Industrie unterrichtet Jahn, S. 168 ff. 
?) Noch 1816 sprach sich die Rotterdamer Handelskammer gegen die Ein- 
führung von Flachsspjnnmaschinen aus (Sneller, Toestand, S. 160). 
3 Waentig, S. 514: 
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