<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Holländische Wirtschaftsgeschichte</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Ernst</forname>
            <surname>Baasch</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1744885710</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>AA
Bedürfnissen Javas; die Orders waren überwiegend auf 3 Monate
eingerichtet. Die kleineren Fabrikanten, die nicht unmittelbar von
der Handelsmaatschappij ihre Aufträge erhielten, arbeiteten als
‚„Lohnfabrikanten““ für die großen. Allmählich wuchs daraus eine
bevorzugte Gruppe von Lieferanten hervor‘).
So wertvoll nun im allgemeinen die technische Reform dieser
Industrie in Twente war, so hatte dieses Fabrikations- und Lohnsystem
 doch den großen Nachteil, daß es den Unternehmungsgeist
hemmte, da es nur auf eine ganz bestimmte Art der Produktion
eingerichtet war und bei den Fabrikanten, die diese gut bezahlten
und sichere Aufträge erhielten, jede Neigung einer Veränderung
und Modernisierung der Erzeugnisse im Keime ersticken mußte.
Jüngeren, strebsamen Fabrikanten wurde es überaus schwer gemacht,
 neben den bevorzugten älteren Kollegen aufzukommen, da
es sich schließlich um eine Konkurrenz mit der mächtigen Handelsmaatschappij
 handelte, wenn man mit Privatgeschäftsleuten, die
nach Java Handel trieben, anknüpfen wollte. Die Handelsmaatschappij
 hatte den großen Vorteil, daß sie für ihre oft verlustreichen
Geschäfte nach Ostindien von der Regierung schadlos gestellt wurde;
das war ein offenes Geheimnis. Jene Verluste auf die ausgesandten
Manufakturen entstanden namentlich durch die sog. Leinwandkontrakte,
 nach denen die Maatschappij sich verpflichtete, jährlich
für etwa ır Mill. fl. im Leinwandhandel zu bestellen, wogegen
die Regierung sie bis zu einem gewissen Betrage sicherstellte. Dieser
schon 1835 wirksame Kontrakt dauerte bis 1854®). Die Folge
dieses Verhältnisses zwischen der Handelsmaatschappij und der
Twenteschen Industrie, das sich auf die Vorzugsbehandlung der
niederländischen Einfuhr in Ostindien stützte, 'war eine völlige
Unterdrückung des freien Handels; die Amsterdamer Häuser führten
gern die ihnen zugehenden Aufträge aus, trieben Kommissionshandel,
 wagten sich aber nicht an eigene Unternehmungen. So
wurden die Niederlande wieder, wie im 18. Jahrhundert, durch
Hamburg und Bremen, zu denen sich jetzt noch Antwerpen ge-1)
 Smissaert,./S.52z.;Stork,S. 30.
3 Stork, S.324:; Smissaert, S.55f.; Tydeman, S:376f.,
vgl. auch unten in $9. Von 1844—1849 gab es keine geheimen Leinwandkontrakte;
erst 1849 wurde auf 5 Jahre ein neuer abgeschlossen (te Lintum,„, Het laatste
geh. lijnwaadcontract).</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
