<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Holländische Wirtschaftsgeschichte</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Ernst</forname>
            <surname>Baasch</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1744885710</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>kommensteuer in Aussicht genommen; seit 1849 ist sie nicht
mehr von der Tagesordnung der öffentlichen Erörterung verschwun»-den?!).
 Energisch rückte man jetzt den Akzisen, die seit längerer
Zeit ein Angriffsobjekt seitens aller ein liberales Steuersystem verteidigenden
 Elemente bildeten, auf den Leib. Doch mußte für die
etwa 20 Mill. fl., die sie noch 1850 einbrachten, ein Ersatz geschaffen
werden; es rächte sich, daß man finanziell von diesen Verbrauchsabgaben
 in so hohem Grade abhängig war; und als Folge des damals
erfolgenden Einlenkens in eine freihändlerische Zoll- und Schiffahrtspolitik
 durfte man wohl einen wirtschaftlichen Aufschwung erwarten,
 der schließlich auch den Steuererträgen zugute kam; aber
eine Steuerreform wurde damit nicht überflüssig. So glatt sich
aber die liberalen Wandlung im Zoll- und
Verkehrswesen vollzog, cbenso schwierig erwies
 essich, derliberalen Tendenz im Steuerwesen
 zum Siege zu verhelfen. Zwar kam es 1852
nach langen Beratungen zur Abschaffung der Akzise auf Hammelund
 Schweinefleisch und zur Ermäßigung der Akzise auf Salz,
Spirituosen und Zucker; der viel wichtigere Vorschlag einer Zinssteuer,
 d. h. einer partiellen Einkommensteuer fand keinen Beifall;
die Opposition, die von verschiedenen Motiven ausging, richtete
sich hauptsächlich doch gegen das System der geplanten Steuer.
Wieder trat hier, wie mit Recht bemerkt worden ist?), der hochgespannte
 Individualismus des niederländischen Volkes zutage, dem
es schwer wurde, das allgemeine Interesse der persönlichen Meinung
unterzuordnen. So schritt man auch weiterhin nur sehr vorsichtig
auf dem eingeschlagenen Wege der Steuerreform fort; einer systematischen,
 gründlichen Reform wich man aus, obwohl die Staatseinkünfte
 infolge ihrer dauernden Zunahme dazu einluden. Mit
dem I. Januar 1856 wurde die Mahlsteuer, die seit Jahrhunderten
viel Angriff erfahren hatte, aufgehoben?) ; es war ein Ausfall von
etwa 4% Mill. fl. Gleichzeitig fiel auch das Tonnengeld, d. h. eine
Verkehrsabgabe. Dann tat man aber wieder einen Rückschritt,
') Boissevain, S. 424 ff.; auch für das folgende.
23) Boissevain, S. 446:
3) Vgl. auch Sickenga‚, Geschiedenis, II, 39 ff. Über den Widerstand
der Belgier gegen die Mahl- und Schlachtsteuer (1821) vgl. Falck, Gedenkschriften,
 S. 253.</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
