<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Holländische Wirtschaftsgeschichte</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Ernst</forname>
            <surname>Baasch</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1744885710</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>der Verkauf der Kolonialprodukte in den Niederlanden übertragen
wurde. Doch verschob sich allmählich der Schwerpunkt mehr nach
dem Bankgeschäft, sowohl in Indien wie im Mutterland. Durch
eine starke Ausdehnung ihrer Filialbetriebe flossen der Bank große
Mittel zu. An Stelle der früher unter dem ‚‚Cultuurstelsel‘‘ von ihr
für den Staat veranstalteten Auktionen indischer Artikel, namentlich
 Kaffee und Zucker, traten nun selbständige oder in Kommission
 übernommene Warengeschäfte, die sich in großartigen
Verkäufen auf allen großen Märkten der Welt vollzogen. Auch
an Kolonial- und Schiffahrtsgesellschaften nahm die Gesellschaft
 teil.
Neben der ‚„‚Nederl. Handelsmaatschappij‘ entstand eine
Reihe kleinerer ‚„‚Cultuurbanken““, die als Kreditgeber für solche
Gesellschaften oder Firmen dienten, die in den Kolonien die Gewinnung
 der Produkte betrieben; sie waren, da sie teilweise selbst
an solchen Unternehmungen beteiligt waren, eine Mischung von
Banken und Kolonialgesellschaften?).
Seit 1840 bestand auch eine Anzahl Hypothekenbanken,
 die meist nur mit geringem Kapital arbeiteten, jedoch
über große Rücklagen verfügten. Umfangreich waren ferner die
Ausland-Hypothekenbanken, deren seit 1883 eine große Reihe
gegründet wurden; sie arbeiteten meist in Amerika; bei ihnen
kamen weit größere Risiken in Betracht als bei den im Inlande
tätigen; daher wurden hier auch Zinssätze berechnet, die sich
über 8% erhoben. Die Beleihungsgrenze ging freilich nur bis
höchstens 50%2?2).
In Holland beherrschte im allgemeinen
die Börse die Banken; nicht, wie in Deutschland, die
Industrie und der Handel. Die großen Mengen der vorhandenen
flüssigen Mittel des Privatpublikums flossen nicht den Banken zu,
sondern fanden Anlage in den sog. „„Prolongationen‘‘, d. h. in Darlehen
 für das Effektengeschäft, das von den Effektenkommissionären
') Vgl. Helfferich, Kulturbanken. Hauptsächlich die Zuckerkultur
wurde von diesen Banken gepflegt (ebenda, S. 197 f.); auch die Ned. Handelsmaatschappij
 war, nachdem sie ihre Kaffeeländereien abgestoßen hatte, im Bereiche
ihrer kolonialen Kulturunternehmungen eine reine Zuckerbank (ebenda, S. 113).
?) Eisfeld, S. 207ff., 236; auch weiterhin benutzt; ferner Kiliani ;
SALE,</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
