X Die Taktik des proletarischen Klassenkampfes zur Unterstützung des kolonialen Freiheitskampfes. Georg Ledebour (Deutschland). HH gibt mir eine große Befriedigung, daß ich an meinem Lebensabend noch eine solche Gelegenheit habe, im Kampf gegen den Imperialismus und die koloniale Unterdrückung zu helfen, denn während langer Jahre habe ich in meinem eigenen Lande in vorderster Reihe an diesem Kampfe teil genommen. Ich habe den deutschen Imperialismus bekämpft, als er auf der Höhe seiner Macht war. Das war vor dem Kriege und während des Krieges, und als nach dem Kriege diese Regierung vernichtet wurde, und wir in Deutschland eine sozialistisch-proletarische Revolution hatten, mußte ich später wieder den Imperialismus bekämpfen. Ich will mich nicht im ein- zelnen über diese Revolution äußern. Es ist eine zu tragische Geschichte. Diese große Revolution wurde durch Verrat vernichtet. Und dann hatten wir für lange Jahre eine Periode der Re- aktion in der ganzen Welt. Aber die Zeiten haben sich geändert, und es mehren sich die Anzeichen einer kommenden neuen Revolution, be- sonders in der Kolonialfrage, wo wir beginnen, die Kräfte der unterdrückten Völker mit denen der kämpfenden, klassenbewußten Proletarier in der ganzen Welt zu vereinigen. Ich glaube, daß es von einigem Interesse ist, hier die Verhandlungen eines anderen internationalen Kongresses über die Kolonial- frage ins Gedächtnis zurückzurufen, des internationalen Kongresses, der in Stuttgart im Jahre 1907, also vor 20 Jahren abgehalten wurde. Dieselben Fragen, die wir gestern hier diskutierten und die uns noch in den nächsten Tagen beschäftigen werden, wurden auch damals diskutiert. Es gab zwei Meinungsrichtungen, die einander bekämpften. Die eine Richtung hatte die merkwürdige Idee, daß man eine sozialistische Kolonialpolitik schaffen könne. Das war die revisionistische Gruppe. Auf der anderen Seite gab es die revolutionäre Gruppe, die schon zu jener Zeit die gleichen Ideen heraus- arbeitete und aussprach, die heute den Kongreß beherrschen. Die revisio- nistische Gruppe wurde von einem holländischen Deputierten namens Van Kol Das Flammenzeichen vom Palais Egmont. ; LV, 19