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        <title>Das Flammenzeichen vom Palais Egmont</title>
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      <div>Professor Dr. Theodor Lessing. 913 
gehören. Sie muß in den Dienst der gesamten Erde treten. Denn gelingt es 
nicht, das Großkapital, die Waffen und die Maschinen in den Dienst der 
Gemeinschaft zu stellen und ihre Verwertung der objektiven Vernunft zu 
übergeben, was wäre die Folge? Ein großes Wettrüsten aller Völker der Erde. 
Eine ungeheure Vermehrung der Technik des Mordens. Dabei würden die 
Sieger verbluten und die Besiegten. Was wir in Europa erlebten und Welt- 
krieg nennen, das war nur ein ganz schwacher erster Auftakt. England baut 
heute neue Kanonen, Deutschland braucht heute neue Kanonen. Frankreich 
braucht neue Kanonen, Japan braucht Kanonen, Indien braucht Kanonen, 
Afrika braucht Kanonen. Und: es kommt der Tag, wo alle diese Kanonen 
losgehen. Ganz von selber. Ich fasse zusammen: Ich sehe nur drei 
Wege. 
. Geopolitische Bevölkerungspolitik. Bewußte Bevölkerungspolitik für 
die ganze Erde, wobei notwendig ist, daß die weiße Rasse ihre Vermehrung 
einschränkt und ihre Expansionsideale verliert. 
2. Rückläufige Kolonisation, „colonisation retroverse‘‘. Solange noch Ein- 
wanderung weißer Leute in die Länder der farbigen Völker gestattet ist, 
müssen auch umgekehrt die farbigen Rassen ohne jede Beschränkung Frei- 
zügigkeit haben. Gegenwärtig z. B. China und Japan für Australien. 
3. Libert@ des nations par 6galite sociale. Also: Sozialisierung gefahr- 
drohender Techniken im Dienste des Völkerfriedens. Entnationalisierung des 
Baues von Mordmaschinen. Internationale Instanzen zur Verfügung über die 
völkergefährdenden Mittel der Technik. 
Diese Zukunftspläne, wie sind sie erreichbar? Der nächste Schritt ist die 
Weltorganisation aller unterdrückten Nationen im Bunde mit der Inter- 
nationale der unterdrückten Klasse, also des Proletariats. Wir müssen ge- 
loben, überall praktische Organisationen zu schaffen, die das Ziel haben, die 
unterdrückten Völker der Erde zu verbinden. Dieser Kongreß hat gezeigt, 
daß eine ungeheure Zusammenfassung der unterdrückten Nationen kommen 
wird. Not schmiedet sie zusammen. So verschieden wir hier sind. Verschie- 
dener Hautfarbe, Typus und Charakter, unser Ziel ist dasselbe Licht. Kommen 
wir nach einigen Jahren wieder zusammen, dann wird sich bereits gezeigt 
haben, daß der Weltpolitiker heute noch ein Theoretiker, morgen der einzige 
Praktiker sein wird, heute noch verlacht, morgen der einzig Mächtige. Und 
dann werden auch hier sein alle, die heute leider noch fehlen. Gewiß die 
verschiedenen Stämme Chinas, Indiens und der Negervölker sind hier vertreten. 
Aber auch die Indianer, auch die Parsen, auch die Juden, auch die edlen Sam- 
länder, auch die Liven, die Esten, die Quänen, auch die 30 000 Eskimo, die 
Slowenen und Slowaken, die stolzen Berber, die Beduinen der Sahara, aber 
auch die Buschmänner der Kalahari, Herero, Papua, Feuerländer, Hotten- 
totten, Tataren, Mongolen ... sie sind alle unsere Brüder. Wir sind eine un- 
geheure Macht. Alles, was noch gesund ist auf der Erde, ist mit uns im Bunde.</div>
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