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        <title>Das Flammenzeichen vom Palais Egmont</title>
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      <div>Willi Münzenberg. 9293 
abgelehnt... Aber sowohl die II. Internationale, wie die belgische Sozial- 
demokratie hat sich damit zu anderen sozialdemokratischen Parteien und 
Institutionen in Widerspruch gesetzt. Die Schweizer Sozialdemokratie hat 
den Kongreß begrüßt. Die englische Arbeiterpartei und die englische Unab- 
hängige Arbeiterpartei waren durch Delegierte vertreten. Belgische Sozial- 
demokraten, wie unser Freund Marteaux und andere, haben viel zum glück- 
lichen Gelingen der Konferenz beigetragen. Wir glauben, daß die Sozial- 
demokraten, die die Konferenz bekämpfen, unrecht haben, und daß jene 
Sozialdemokraten recht behalten, die, wie das Zentralorgan der belgischen 
Sozialdemokraten, sich in offenen Widerspruch zur belgischen sozialdemo- 
kratischen Parteileitung stellen und vorgestern erklärten: „Der Brüsseler 
Kongreß hat eine weltgeschichtliche Bedeutung, wir glauben, daß Belgien und 
Brüssel noch einmal stolz darauf sein werden, daß der Kongreß in den Mauern 
von Brüssel tagte.‘ Eine Erkenntnis, die der sozialdemokratischen Zeitung 
spät aber doch gekommen ist. Ich zweifle nicht, daß der Verlauf unseres Kon- 
gresses, unser Programm und unser Arbeitsplan viel dazu beitragen werden, 
diese Erkenntnis über uns rasch in noch breitere Kreise zu tragen, und sie 
bald zu einem Allgemeingut aller Unterdrückten zu machen. Die Zukunft 
gehört uns! Die nächsten Jahrzehnte der Entwicklung der Völker und Na- 
tionen werden nicht durch die alten kapitalistischen Mutterländer in Europa 
bestimmt, sondern durch die Entwicklung der Kämpfe in China, Indien, am 
Stillen Ozean. Je nach dem Tempo, je nach der Steigerung dieser Kämpfe 
wird sich die Entwicklung im Weltmaßstabe langsamer oder rascher voll- 
ziehen. Die Zeit ist vorbei, wo in Europa, in Frankreich, England oder 
Deutschland Weltgeschichte gemacht wird. Das Zentrum der Weltgeschichte 
hat sich verschoben. Das nächste Jahrzehnt der Geschichte der Mensch- 
heit wird durch das Erwachen, durch das Tempo und die Entwicklung des 
Freiheitskampfes in China und Indien bestimmt. Unsere Tätigkeit darf sich 
nicht auf den persönlichen Willen, auf die persönliche Klugheit und auf 
die persönliche Einsicht einzelner Personen beschränken. Die Liga gegen 
Imperialismus wurde geboren aus dem eisernen Zwange und der Not- 
wendigkeit der historischen Entwicklung, und deshalb, aus diesem Grunde 
vor allem kommt unserer heutigen Tagung eine so ungeheure und eine 
wirklich weltgeschichtliche Bedeutung zu. Ich habe das Glück, schon seit 
1904 in der Arbeiterbewegung tätig zu sein, und das noch größere Glück, 
an den verschiedenen internationalen Konferenzen und Kongressen der inter- 
nationalen Arbeiterbewegung vor und während des Krieges teilgenommen 
zu haben. Aber ich stimme völlig mit Lansbury, einem noch älteren Kämpfer 
mit noch längeren Erfahrungen, überein, daß ich nie in meinem Leben einer 
so einzigartigen, So ungeheuer wichtigen Konferenz beigewohnt habe, wie 
dem gegenwärtigen Kongreß. So, wie Marx und Engels lange vor Aufkom- 
men der modernen Arbeiterbewegung mit prophetischem Blick die historische</div>
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