70 2.Buch. Die verfassungsmäßige Ordnung des Staatshaushaltes u. das Budget. Studienfond bestritten, der in das Staatsbudget früher nicht ein- gestellt war. So wird in der Tschechoslowakei beabsichtigt für den sachlichen Heeresbedarf einen speziellen Fond einzurichten. Das Staatsbudget gibt also kein vollständiges Bild von den Summen, die auf diese Zwecke verwendet werden. Ahnliches finden wir in andern Staaten. Eine Eigentümlichkeit des französischen Budgetwesens war zur Zeit Ludwig Phillip’s, daß das Budget in zwei Gesetze gefaßt wurde, das eine für die Einnahmen, das andere für die Ausgaben. Unter Einheit des Budgets verstehen einzelne Finanztheoretiker — so Heckel — das Verfahren, wenn das gesamte Staatsbudget nur zwei Hauptabteilungen aufweist: ordentliche Einnahmen und Ausgaben und außerordentliche Einnahmen und Ausgaben. Dem- gegenüber entspricht der Mehrheit des Budgets das Verfahren, wenn die verschiedenen Einzelbudgets selbständig und koordiniert neben- einander bestehen. b) Die Vollständigkeit des Budgets. Die Vollständig- keit erfordert es, daß alle staatlichen Einnahmen und Ausgaben im Budget aufgenommen werden. Wo die Einheit des Budgets durch- geführt ist, dort ist in der Regel auch dessen Vollständigkeit er- reicht, ausgenommen den Fall, daß selbständige Fonds für gewisse Zwecke zur Verfügung stehen, dann die Naturalbezüge (Wohnung, Beleuchtung, Heizung, Verpflegung, Reisen usw.), die in der Regel fehlen, da das Budget sich nur auf die in Geld ausgedrückten Ein- nahmen und Ausgaben bezieht. In manchen Staaten sind auch Geheimfonds vorhanden, welche höchstens in einer Summe ein- gestellt werden. Natürlich fehlt die Vollständigkeit in allen Staaten, wo die Einheit fehlt. / c) Die Genauigkeit des Budgets. Sowohl die HEin- nahmen als die Ausgaben müssen möglichst genau und nicht bloß beiläufig eingestellt werden, da sonst die Realität des Budgets in Gefahr stünde. Auch der Ernst der parlamentarischen Verhand- lung wäre gefährdet, wenn die Aufstellungen des Budgets nicht die erreichbar höchste Pünktlichkeit zeigen würden. Nachdem aber die zukünftige Gestaltung von Einnahmen und Ausgaben nur eine Schätzung zuläßt, die festgestellten Summen nur Wahrscheinlich- keitswerte sind, so kommt alles darauf an, auf welcher Basis, mit welcher Sachkenntnis diese Schätzungen geschehen. Es kommen diesbezüglich namentlich folgende Methoden in Betracht. Die eine Methode besteht darin, daß einfach die Resultate des vorangehenden Jahres zur Richtschnur dienen. Das ist die sogenannte automatische Methode. Bei diesem Vorgehen werden natürlich auch gewisse