S_ 4. Buch. V. Teil. Die Steuern. gegen Spanien auf, als Alba den zehnten Pfennig einführte *). Auch finanziell sind die schweren Steuern nachteilig, denn. in einzelnen Fällen verringern sich sogar die Einkünfte des Staates 2). Als Colbert die Taille von 52 auf 32 herabsetzte, stiegen die staatlichen Einnahmen von 89 auf 115 Millionen, da viele Mißbräuche abgestellt werden konnten. Vor 1789 verblieben den. Bauern in Frankreich von 100 Frank Einkommen *°) bloß 18, später 79. Im Jahre 1535 — sagt ein ungarischer Historiker — wurde den Leib- eigenen Pferd, Vieh weggenommen, so daß sie den Acker kaum bestellen konnten; an vielen Orten hatten zwei oft auch vier Leib- eigene nur einen Pflug*). Am Ende des XVIL. Jahrhunderts trieb die österreichische Regierung, obwohl das Land fortwährend Kriegs- schauplatz war, von 1683—1698, 30 Millionen Gulden an Steuer ein, in 7 Jahren mehr als der Türke in 100 Jahren. Im Jahre 1699 wurden auf alle Länder der Monarchie 10,8 Millionen Gulden aus- geworfen, hiervon auf Ungarn-Siebenbürgen 4'/„ Millionen. Im Winter 1688—89 in einer kalten Nacht entflohen zwischen Stuhl- weißenburg und Komorn fünf Dörfer bis zum letzten Manne der Exekution. Manche begingen Selbstmord, andere verkauften Kind und Weib als Sklaven den Türken, um ihre Steuer zu bezahlen. Bezüglich der Höhe der Steuer stellt Leroy-Beaulieu folgende Regel auf: Unter gewöhnlichen Verhältnissen soll die Steuer 5 Prozent nicht übersteigen, es ist aber nicht nötig, daß sie unter 4 Prozent sinke, da die Staatsbürger dies leicht ertragen können; zwischen 5—9 Prozent ist die Steuer noch immer leicht zu ertragen und einzuheben, über 10 Prozent beginnen aber nach allen Richtungen hin die Schwierigkeiten; schon gefährlich ist der Zustand, wenn die Steuer über 15 Prozent steigt. Diese Verhältniszahlen haben in der Nachkriegszeit eine wesentliche Revision erfahren. Der ungarische Staatsmann Sz6chenyi sagte: „In Hinsicht der Steuer kann nicht die Masse der Bedürfnisse den Maßstab bilden, wie hoch die Steuer sein soll und wofür überhaupt gezahlt werde, sondern 1) Als der König von Frankreich in Rheims gekrönt wurde, wünschte Jeanne d’Arc nichts anderes, als daß ihrem Geburtsorte die drückenden Steuern erlassen werden sollen. ?) Im Jahre 1787 wird in England die Hundesteuer — zur Deckung der Kosten der Kriegsvorbereitung — von 5 Schilling auf 6,7 Schilling erhöht, man erwartete ein Einkommen von 100000 Pfund. Die Erwartung ging nicht in Erfüllung, denn die Steuer wurde ausgespielt, teils ließ man die Hunde zugrunde gehen, „untimely death of many friends of man“ (Buxton, Finance and politics II, S. 249). Anstatt 1400000 Hunden wurden bloß 896000 angemeldet. Un 3) Taine, La France en 1800 (Revue des deux Mondes, 1880, S. 520). - 4) Acsädy, Die Finanzen Ungarns unter Ferdinand I. (in ungarischer Sprache), S. 207. +96