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        <title>Die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Kohlenbergbau der Ver. Staaten</title>
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            <forname>Ernst</forname>
            <surname>Jüngst</surname>
          </persName>
        </author>
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          <msIdentifier>
            <idno>1747756261</idno>
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        <pb n="1" />
        Die wirtschaftlichen
und sozialen Verhältnisse
im Kohlenbergbau
der Ver. Staaten
Von Dr. Ernst, Jüngst, Essen
1927
Verein Tür die bergbaulichen Interessen; Essen
        <pb n="2" />
        Die wirtschaftlichen
und sozialen Verhältnisse
im Kohlenbergbau
der Ver. Staaten
Von Dr. Ernst „Jün gst, Essen
$
1927
Verein für die bergbaulichen Interessen,
Essen
Druck von C.W. Haarfeld, Essen
        <pb n="3" />
        <pb n="4" />
        ie in Deutschland und Großbritannien, so hat auch «IF
WE den Ver. Staaten in den letzten Jahren der _bemerkungen.
Kohlenbergbau im Mittelpunkt der öffentlichen Er-
Öörterung gestanden. Schon in der Kriegszeit bahnte
sich das an, als die damalige Kohlennot die Regierung
der Union zu dem Versuch veranlaßte, auf dem Wege
der Zwangswirtschaft — mittels Zoneneinteilung des
Landes, Festsetzung von Höchstpreisen — der be-
stehenden Schwierigkeiten Herr zu werden. Nach
dem Kriege zeigte das amerikanische Wirtschafts-
leben ein ungewöhnliches Auf und Ab, wozu wieder-
holte Riesenausstände im Kohlenbergbau das Ihrige
beitrugen. Kein Wunder, daß die Kohlenfrage nicht
von der Tagesordnung verschwand, Das führte zur
Vornahme der verschiedensten Untersuchungen, von
denen als wichtigste die der im Jahre 1922 vom
Kongreß eingesetzten Coal Commission genannt sei.
Auf diese Weise wurde ein ungemein reichhaltiger
Stoff über den amerikanischen Kohlenbergbau zutage
gefördert, der dem, welcher diese Verhältnisse studie-
ren will, seine Aufgabe sehr erleichtert, in gewisser
Hinsicht durch embarras de richesse aber auch wieder
erschwert. Die nachfolgenden Darlegungen bauen
sich zum guten Teil auf diesen Veröffentlichungen
auf. Selbstverständlich habe ich mir an dieser Buch-
weisheit nicht genügen lassen, sondern versucht, das
gedruckt niedergelegte auf meiner Studienreise nach
den Ver. Staaten im Sommer/Herbst 1926 durch den
lebendigen Eindruck, den Besuch von Zechen, die
Unterhaltung mit maßgebenden Leuten des Kohlen-
bergbaus — sowohl von der Arbeitgeber- wie von
der Arbeitnehmerseite — zu klären und zu ergänzen.
Dem gleichen Ziele dienten die mannigfachsten Be-
sprechungen mit andern, Vertretern des Wirtschafts-
lebens, mit Behörden, unter denen ich in erster Linie
das Bureau of Mines in Washington und die Geo-
logische Landesanstalt nenne, sowie mit Wissenschaft-
lern der verschiedensten Art. Ich genüge einer Pflicht

Ve
m
        <pb n="5" />
        der Dankbarkeit, wenn ich hier hervorhebe, daß sich
mir überall, wo ich anklopfte, die Türen öffneten, und
daß ich auf allen Seiten ein Entgegenkommen gefun-
den habe, das seinesgleichen sucht.
Aus den Eindrücken, die jemand beim Besuch
eines fremden Landes empfängt, erwächst ihm ganz
Vergleich mit von selbst ein Vergleich mit den Verhältnissen
Deutschland. seines eigenen Landes; so ist es auch mir ergangen.
Als ich die Steinwüste Manhattans und das
Getriebe von Groß-Neuyork hinter mir hatte, wurde
ich auf der Fahrt in das Innere des Landes von seiner
Weit- Weiträumigkeit gefangen genommen. Gewiß, wer
räumigkeit des qje Weltkarte kennt, weiß, daß die Ver. Staaten um
Landes, ein Vielfaches größer sind als Deutschland (s. Abb. 1),
=
Abb. 1. Die Kohlenvorkommen Deutschlands und der Ver. Staaten.
es ist jedoch etwas anderes, dies bei der Fahrt
durch das Land zu erleben und gleichzeitig dabei zu
erkennen, wie schwach besiedelt dieses riesige Gebiet
ist, Verhältnisse, die beide auch auf die Gestaltung
seines Kohlenbergbaus von bestimmendem Einfluß
gewesen sind.
Von der Weiträumigkeit des Landes ist vor allen
Eisenbahn- Dingen die gewaltige Ausdehnung des Eisenbahn-
wesen und netzes bedingt. Bei noch nicht. einmal doppelt so
Kohlen- großer Bevölkerung wie Deutschland besitzen die
bergbau. Ver, Staaten ein Eisenbahnnetz, das das unsrige um
das Achtfache übertrifft. Während die Eisenbahn bei
        <pb n="6" />
        uns in der Öffentlichen Hand liegt, was sich
cum grano salis wohl auch jetzt nach ihrem Übergang
auf die Reichsbahn-Gesellschaft noch sagen läßt,
während sie die Güterbeförderung nach einem syste-
matisch aufgebauten Tarif vornimmt, stehen die
amerikanischen. Eisenbahnen im Privateigentum und
bringen einen völlig unsystematischen Tarif zur
Anwendung. Durch die Schaffung der Interstate
Commerce Commission, welcher ein Oberaufsichts-
recht über die Eisenbahnen gegeben worden ist, hat
man versucht, die Verworrenheit dieser Verhältnisse
zu beseitigen, ohne daß dies jedoch in irgendwie
durchgreifender Weise bisher gelungen wäre. Die
Eisenbahnen sind wie für die Erschließung des ganzen
Landes so auch für die Entwicklung des Kohlenberg-
baus von größter Bedeutung gewesen. In unserm alt-
besiedelten Lande hat die Eisenbahn lediglich Absatz-
möglichkeiten. eines schon vorhandenen Bergbaus
erweitert, drüben hat sie dagegen in den meisten
Fällen erst die Inangriffnahme der Kohlenvorkommen
ermöglicht.
Infolge der geographischen Lage der amerikani-
schen Union ist ihr Kohlenmarkt ein weitgehend _CGeschlossenheit
geschlossenes Gebiet. Die geringen Mengen, die ‚des ameri-
in gewöhnlichen Jahren aus dem Auslande, im wesent- kanischen
lichen aus Kanada — nur in Ausstandsjahren kommen Kohlenmarktes,
für die Belieferung auch noch andere Länder in Be-
tracht —, in die Union eingeführt werden, machen
nur einen Bruchteil eines Prozents ihres riesigen Ver-
brauchs aus. Anderseits spielt auch die Ausfuhr in
der amerikanischen Kohlenwirtschaft nur eine geringe
Rolle, während wir 1926 z.B. 37,6 % unserer Stein-
= kohlenförderung ausgeführt haben.
a . Dem Aufbau des amerikanischen Staates legten
a. die Angelsachsen, welche den maßgebenden Volks-
bestandteil bilden, das Recht ihrer Heimat zugrunde.
Das bedeutete in bergbaulicher Beziehung die Ver-
bindung des Oberflächeneigentums mit dem
Eigentum an den in dem Boden enthaltenen Mine- Eigentumsrecht
ralien, wogegen bei uns ein Eigentumsrecht der All- des Boden-
gemeinheit an den Bodenschätzen besteht, das erst besitzers an den
durch Verleihung von dem einzelnen nutzbar gemacht Mineralien,
werden kann: Diese anders geartete Rechtsgestaltung
hat zu einer ungewöhnlichen Zersplitterung‘ des
amerikanischen Bergbaus geführt und nicht zuletzt
zu der schwierigen unentwirrbar scheinenden Lage
beigetragen, in der er sich zurzeit befindet. Einer

A
        <pb n="7" />
        Beseitigung dieser Zersplitterung standen und stehen
gesetzgeberische Maßnahmen — Antitrustgesetze, das
grundlegende ist der Sherman-Act — entgegen, welche
die Bildung von Kartellen und Syndikaten verwehren.
Die Weiträumigkeit des Landes bestimmt auch
maßgebend den Charakter seiner Bevölkerung.
In dem Amerikaner steckt immer noch ein Stück
Pionier, der mit unglaublicher Leichtigkeit seinen
Fortkommens- Wohnsitz wechselt. Die großen Fortkommensmög-
möglichkeit lichkeiten — wenn auch von unbegrenzten Möglich-
und keiten längst nicht mehr die Rede sein kann — lassen
Bevölkerungs- eine Stimmung der Hoffnungslosigkeit und Gefühle
Charakter. des Neides in dem Grade, wie sie bei uns anzu-
treffen sind und den Nährstoff der sozialisti-
schen Bewegung bilden, nicht aufkommen, ein
Umstand, der natürlich auch auf das Verhältnis
von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zurückwirkt. Im
ganzen scheint mir dieses drüben gesunder, freier und,
unbeeinflußt von Nachwirkungen von Unfreiheits-
verhältnissen, wie sie bei uns noch bis in das 19. Jahr-
hundert hinein bestanden haben, vor allem nicht so
von Mißtrauen durchsetzt zu sein wie bei uns, wenn
ich auch nach Lage der Dinge im Kohlenbergbau den
überschwenglichen in den letzten Jahren hierüber
zu uns gelangten Berichten nicht zuzustimmen vermag.
Stellung der Nach diesen mehr allgemeinen Bemerkungen sei
Union in der nunmehr im einzelnen auf die Verhältnisse des
Weltkohlen-
wirtschaft, 2ON0im
Li 7
20
30
SEE FF a
50
Abb. 2. Die Kohlenvorräte der Welt.

A
        <pb n="8" />
        amerikanischen Steinkohlenbergbaus eingegangen.
Seine überragende Stellung wird einmal dadurch Anteil an den
gekennzeichnet, daß das Kohlenvorkommen der _Weltkohlen-
Union die Hälfte der Kohlenschätze der Welt um- vorräten.
faßt. Wie verschwindend demgegenüber die Kohlen-
vorräte der nächst wichtigen Industrieländer, Deutsch-
lands und Großbritanniens, sind, ist aus Abb. 2 zu er-
sehen. Nur China und Kanada weisen einen Kohlen-
vorrat auf, der sich dem der Union gegenüber wenig-
stens einigermaßen sehen läßt. Nicht ganz so stark ist
die Überlegenheit der Union in der Kohlengewinnung Anteil an der
(s. Abb. 3), Hier kommen ihm Großbritannien und Weltkohlen-
100% förderung.
EZ
WALDE
VI
; Übrige Linder
50
Abb. 3. Steinkohlenförderung der Welt im Jahre 1924.
Deutschland schon wesentlich näher, aber der Abstand
ist doch gewaltig groß. — Das amerikanische Kohlen-
vorkommen umfaßt die mannigfachsten Kohlenarten,
vom ungewöhnlich kohlenstoffreichen Anthrazit bis
zur nur wenig heizkräftigen Braunkohle. Abb. 4 macht
die Verteilung auf die einzelnen Arten ersichtlich. Der
obere schwarze Strich an der Spitze läßt die Gering-
fügigkeit des Anthrazitvorkommens erkennen. Der
darunter befindliche doppeltschraffierte Raum stellt
die halbbituminöse Kohle (57 Milliarden t) dar.
Annähernd 1500 Milliarden t, reichlich 40% der
Gesamtmenge, entfallen auf Weichkohle, annähernd
1000 Milliarden t auf subbituminöse Kohle und reichlich
1000 Milliarden t auf Braunkohle. Was zurzeit gefördert
wird, ist neben Anthrazit und halbbituminöser Kohle
Weichkohle. Die geringwertigen Arten werden bisher
        <pb n="9" />
        nur in kleinen Mengen gewonnen und in der Statistik
noch nicht. einmal besonders nachgewiesen. — Die
Kohlengewinnung nahm in Amerika ihren Ausgangs-
punkt vom Hartkohlengebiet, und noch im Jahre 1850
(s. Zahlentafel 1) war die Förderung an Hartkohle
der von Weichkohle bedeutend überlegen. Im Jahre
%%
On Harthohle (2242300)
AalO Öiommnöse Hohle
(56569101.0)
90
SO
Weichkohle
(7441 395 MH
70
Gliederung der ea)
amerikanischen
Kohlenvorräte,
50
an Sub. bituminöse Kohle
(296087 Mi
30
BE
ENT
DOT 1 EL: (7087678 Mi)
BO
Abb. 4. Gliederung der Kohlenvorräte der Ver. Staaten
nach Arten.
1870 hatte sich dies Verhältnis schon in sein Gegenteil
gewandelt. Mit den Jahren steigerte sich die Weich-
kohlenförderung in üungewöhnlichem Maße und er-
reichte 1918 im Kriege mit 579 Mill. t ihren Höhe-
punkt. Bei Hartkohle fällt dieser in das Jahr 1917 mit
rd. 100 Mill. t. Im letzten Jahre wurden an Weich-
kohle 578 Mill. t und an Hartkohle 85 Mill. t
gewonnen; für beide‘ Kohlenarten ergibt sich eine
Fördermenge von 663 Mill. sh. t, d. s. 602 Mill. metr. +.

R
        <pb n="10" />
        Zahlentafel 1. Entwicklung der Steinkohlenförderung Entwicklung
; in den Ver, Staaten 1850 — 1926. der Kohlen-
n a förderung,
Tahr Weichkohle Hartkohle Zus. *
sh. t sh. t sh. f

1850 2880 017 4138 164 7018181
1860 6 494 200 8 115 842 14 610 042
1870 aa 17371.305 15 664 275 33 035 580
1880 42 831 758 28 649 812 71 481 570
1890 111302322 46 468 641 157 770 963
1900 212316112 57 367 915 269 684 027
1905 315 062 785 77 659 850 392 722 635
1910 417111 142 84 485 236 501 596 378
1913 478 435 297 91 524 922 569.960 219
1914 422 703 970 90 821 507 513 525 477
1915 442 624 426 88 995 061 531 619 487
1916 502 519 682 87 578 493 590 098 175
1917 551 790 563 99 611 811 651 402 374
1918 579 385 820 98 826 084 678 211 904
1919 465 860 058 88 092 201 553 952 259
1920 568 666 683 89 598 249 658 264 932
1921 415 921 950 90 473 451 506 395 401
1922 422 268 099 54 683 022 476 951 121
1923 564 564 662 93 339 009 657 903 671
1924 483 686 538 87 926 862 571 613 400
1925 520052741 61817149 581 869 890
1926 578 290000 ' 85000000 1 6663290 000

Der unvergleichliche Aufstieg der amerikanischen

Kohlenförderung ist in Abb. 5 dargestellt. Zum Ver-

gleich ist die Entwicklung der Kohlengewinnung in

Deutschland, Braunkohle auf Steinkohle zurück-

gerechnet, und im Ruhrbezirk gleichzeitig zur An-

Mühl ;

Ad

600 | | |

Yen State
A
#00
Mn Faaffah
+  Seinkat
200 |
700 | ; A
WED 7885 1890 1895 1900 1905 7910 1916 1820 M025
Abb. 5. Kohlengewinnung.

rn
        <pb n="11" />
        schauung gebracht. Wie sehr wir auch auf unsere
Entwicklung stolz sein dürfen, so wird sie doch, wie
ersichtlich, durch Amerika sehr stark in den Schatten
gestellt, auch wenn die Zeit nach 1913 ‚außer Be-
tracht bleibt.

Entfernt nicht in dem gleichen Maße gilt dies
für die Entwicklung der Kokserzeugung, über die
Zahlentafel 2 und Abb. 6 unterrichten. Neuerdings
ist jedoch auch hier der Abstand sehr groß (56 Mill. t
gegen 26,3 Mill. t).

Entwicklung Zahlentafel 2, Entwicklung der Koks-
der industrie der Ver, Staaten 1913—1926.
Koksindustrie, _ Ca
In Betrieb Koksaus- Koks-
Jahr befindliche bringen erzeugung
‚Werke| Öfen A sh. t

1913 | 444 | 72008 66,9 46299530
1914 * 359 | 54 638 66,9 34 555 914
1915 | 354 54967 , 67,2 41 581 150
1916 * 389 72 888 66,8 54 533 585
1917 | 398 75 985 66,4 55 606 828
1918 | 403 70 221 66,4 56 478 372
1919 ° 373 | 47215 67,4 44 180 557
1920 418 386179 67,4 51 345 043
1921 374 77 156 68,0 25 287 622
1922 ° 366 75170 68,3 37 124 012
1923 73 505 67,5 56 977 534
1924 71 845 69,2 44 269 605
1925 68,8 51 266 943
1926 56 036 000

SI.

Sl

50 CL

vo

MC

SB

20

70 \ SANS

Ci 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1915 7920 1025

Abb. 6. Kokserzeugung.

10
        <pb n="12" />
        Die Nebenproduktengewinnung hat erst ver-
hältnismäßig spät in Amerika Eingang gefunden und
ist zu einem nicht geringen Teil auf die Mitwirkung
deutscher Firmen zurücKzuführen. Im Jahre 1900
erfolgte die Koksherstellung erst zu etwa 5% aus
Nebenproduktenöfen. Wie sie sich seitdem auf
Nebenprodukten- und Bienenkorböfen verteilt hat,
läßt sich aus Zahlentafel 3 und Abb. 7 ersehen. Im
Zahlentafel 3. Kokserzeugung nach Arten 1913—1926.
. Nebenproduktenkoks Bienenkorbkoks

von der von der
J ahr Gesamt- Gesamt-
gewinnung gewinnung
_ sh. t 9 sh. t I 5% al
1913 12 714 700 27,46 33 584 830 72,54
1914 11219 943 32,47 23 335 971 67,53
1915 14 072 895 33,84 27 508 255 66,16
1916 19 069 361 34,97 35 464 224 65,03
1917 ; 22439280 40,35 33 167 548 59,65
1918 25 997 580 46,03 30 480 792 53,97
1919 25.137 621 56,90 19 042 936 43,10
1920 30 833 951 60,05 20511 092 39,95
1921 19 749 580 78,10 5 538 042 21,90
1922 28 550 545 76,91 8573 467 23,09
1923 37 597 664 65,99 19 379 870 34,01
1924 33 983 568 76,77 10 286 037 23,23
1925 39 912 159 77,85 11 354 784 22,15
1926 ı 144550 000 79,50 11 486 000 20,50
100%
el
S0\
70\
60|
50)
40)
30)
20)
70)
f JH 1905 17970 7973 1920 1925
WE Nebenoroduhtenöfen ZA BrenenKorbäfen
Abb. 7. Gliederung der Kokserzeugung.
letzten Jahre, das mit 56 Mill.sh.t die höchste Er-
zeugungsziffer aufweist, wurden immer noch 11,5
Mill. t oder 20,5% in Bienenkorböfen hergestellt.
1

1
        <pb n="13" />
        Über die Ergebnisse der den Kokereien ange-
Neben- schlossenen Nebenproduktengewinnung enthält für die
produkten- Jahre 1921—1924 die folgende Zusammenstellung
gewinnung. nähere Angaben.
Zahlentafel 4.
Nebenproduktengewinnung der Koksindustrie 1921 — 1924.
1921 1922 1923 Ss
Ammoniumsulfat:. . . 1b. 528638 763 695543349 915926762 893127 071
Ammoniakwasser ( N HS)» 31899398 50036 646 58 699 902 49 029 524
Gesamtmenge (umge-
rechnet auf Ammo-
niumsulfat) . . . .lb. 657001003 898 465 061 1150726370 1089245 167
Teer... . . Gall. 253051649 327779734 440907 109 422 074 326
Leichtöl, roh! ...”. 76917269 101437555 135647175 128 956 955
Benzol, roh. 1494329 26665177 4 503 428 20 429 515
Benzol, gereinigt. . 4912131 10419504 12364043 -
Motorbenzol . .. » | 48052882 57025 699 80 467 883 71474321
Toluol, roh... 26 529 38 150, 37777 234 244
Toluol, gereinigt . . 042982 1955119!  2847517| 2951187
Solventnaphtha . . 3822776 20983858 4 162 178 4 474 220
Andere Leichtöl-
erzeugnisse . . . 590 173 580 058 439 253 1.364 528
Naphthalin, roh. . . Ib. 2827756 6107742 11 872 007 8 378 666
Naphthalin, gereinigt . 115229 18100972 1139922 13 302
Gas .. .. . 1000cbf. 310 188 713 ‘ 601155293 541 101 050
ı Von dem erzeugten Roh-Leichtöl wurden weiterverarbeitet: 1923 132 517 389 Gall.,
1924 125 580 743 Gall.
1924 stellte sich der Gesamtwert des Absatzes in
vorstehend aufgeführten Erzeugnissen auf 104 Mill, $.
Preßkohlen- Die Preßkohlenherstellung, deren Entwicklung
herstellung. sjch aus Zahlentafel 5 ergibt, ist im amerikanischen Stein-
kohlenbergbau unbedeutend. Es handelt sich bei ihr
um eine Erzeugungsmenge von weniger als 1 Mill. t.
Zahlentafel 5. Preßkohlenherstellung
1907 — 1926.
Jahr | sh. t Jahr sh. t
1907 66 524 1913 477 235
1908 90 358 1919 295 734
1909 | 139 661 1920 567 192
1911 218443 ‘ 1921 398 949
1912 220 064 1922 619 425
1913 181 859 1923 696 810
1914 250 635 1924 580 470
1915 221 537 1925 839 370
1916 295 155 1926 995 332
1917 406 856

Ki 1924
12
        <pb n="14" />
        Die Verteilung der Kohlengewinnung auf die Der Kohlen-
einzelnen Staaten ist in der Zahlentafel 6 dargestellt. na
en
Zahlentafel 6. Kohlengewinnung nach Staaten SCART
| in 1913, 1925 und 1926. ——
Staat 1913 * 1925 ' 1926
sh. tt sh. t _ _ st
Pennsylvanien . . 173781217 136928000 151105 000 Förderung.
West-Virginien . 71254136 122380959 148014 000
Illinois ... . 61618744 66909359 ı 69029 000
Kentucky. . . . 19616600 ' 55068670 63385 000
Ohio. . DD 36200527 28034112 29140 000
Indiana, . . 17165671 21224966 22881 000
Alabama , . . . 17678522 20004395 22354 000
Virginien . RO 8828068 | 12799 443 13 473 000
Colorado . 4 9 232 510 10 310 551 10 428 000
Wyoming . . 7393 066 6 553 232 7 005 000
Utah ) 3 254 828 4 690 342 4 428 000
Jowa . .. 9 7 525 936 4 714 843 5 362 000
Tennessee . . 6 860 184 5 454 011 5 891 000
Kansas . . 7202210 4524 251 4 530 000
Neu-Mexiko. . . 3 708 806 2556 851 2 880 000
Oklahoma . ; 4 165 770 2325 840 2237 000
Missouri... . 4318 125 2 694 215 2 696 000
Washington . e 3877 891 2537 890 2551 000
Montana . . . ., 32400973 3 043 686 2617 000
Nord-Dakota . . 495 320 1324 620 1 163 000
Maryland. . .. 4 779 839 2 694 572 3 480 900
Texas. 2429 144 1 008 375 1 066 000
Arkansas. . . . 2.234 107 1 220 039 1 720 000
Michigan. . . 1231 786 808 233 651 000
Georgien. . . . 255 626 66 174
Oregon. 2. 46 063 |
Kalifornien‘. . . 26 911 12 625 204 000
Süd-Dakota. . . 10 540 14 447
Idaho und Nevada 2177
zus. Weichkohle 478435297 ‘ 520 052 741 | 578 290 000
Hartkohle . | 91524922 | 61817149 |_85 000 000
Gesamtgewinnung | 569 960219 | 581 869 890 | 663 290 000
Die wichtigsten Staaten sind mit ihrem Anteil an
der Gesamtgewinnung in den Jahren 1913 und 1926
nachstehend aufgeführt.
Anteil an der Gesamtkohlenförderung.
1913 1926
Staat 9 %
Pennsylvanien: Weichkohle . 30,49 22,78
Hartkohle . 16,06 12,81
West-Virginien . . . . . 12,50 22,32
HlNnois 0 4 020 1081 10,84
Kentucky... =... 000. 344 9,56
Oh HE ‚„ 635 4,39
Indiana. . + ‚3,01 3,45
Alabama . . . „3,10 3,37
Virginien. . .- . 7. 155 2,03
Colorado . m a ar 1,62 1,57

13
        <pb n="15" />
        In der Weichkohlenförderung steht Pennsylvanien
zwar nach wie vor mit einem Anteil von 22,78% an
der Spitze, West-Virginien macht ihm aber immer
mehr den Rang streitig (22,32%), und es erscheint
nur als eine Frage der Zeit, daß es den ersten Platz
einnehmen wird.

Die Mehrzahl der kohlefördernden Staaten ist

Koks- auch an der Kokserzeugung beteiligt, wovon rd. 90 %
erzeugung. auf acht Staaten entfallen, die nachstehend mit ihrer
Gewinnung in 1913 und 1924 aufgeführt sind.
Kokserzeugung nach Staaten.
1913 1924
Staat nd 4
Pennsylvanien 28 753444 160927437
Ohio. 351846 5832 699
Alabama . . 3323664 4541 058
Indiana .... 2727025 14272435
MNinois . . 1859553 2355474
Michigan . . 1.770 547
Neuyork . . . 758486 1600 669
West-Virginien . . . 2472752 1 328 569
Brikett- Die Preßkohlenherstellung, auf deren geringe
herstellung. Bedeutung schon hingewiesen wurde, ist vornehmlich
in den Staaten Wisconsin, Pennsylvanien, Washington,
Virginien, Neu-Jersey und Oregon anzutreffen.

Der geradezu staunenswerten Entwicklung der
amerikanischen Kohlengewinnung sind die geologi-
schen Verhältnisse, unter denen sie sich vollzieht,
in hohem Maße zustatten gekommen (s. Zahlentafel 7

Zahlentafel 7. Durchschnittliche Teufe und Flöz-
mächtigkeit.
Teufe Flözmächtigkeit
T m
Ver. Staaten:
Weichkohle . . . 80 1,60
Hartkohle .. .. 126 2,03
Großbritannien . . 312 | 1,27
Ruhrbezirk . . 600 1,00
Flöz- und Abb. 8). Dies gilt zunächst von der, F16z-
mächtigkeit mächtigkeit, die der unsrigen bedeutend überlegen
und ist, nicht minder von der Schachtteufe. Während
Schachtteufe. die Anthrazitförderung ganz überwiegend im Tiefbau
vor sich geht, wird die Weichkohle zum weitaus
größten Teil, etwa zu zwei Dritteln, aus Stollen ge-
fördert. Auch Tagebau findet sich, jedoch kommt ihm
keine sonderliche Bedeutung zu. Die durchschnittliche

N
14
        <pb n="16" />
        Teufe der Schächte beträgt im Anthrazitbergbau 126 m,
im Weichkohlenbergbau gar nur 80 m. Damit vergleiche
man die Schachtteufe im Ruhrbergbau, die im Durch-
schnitt mit 600 m anzunehmen ist, während sie im
englischen Bergbau nur etwas mehr als die Hälfte
davon, nämlich 312 m, beträgt.
Durchschnilliche Flözmächlighkeit in cm
CM FA
100
I
in Ver Staaten En rl kr
100
%
200 -
300
400
00
600
zZ Durchschnitliche Teufe Inn.
Abb. 8. Flözmächtigkeit und Schachtteufe.

In den drei Hauptkohlenländern verteilte sich die
Förderung auf die verschiedenen Teufenklassen
in der in Zahlentafel 8 und Abb. 9 dargestellten Weise.

Zahlentafel 8. Verteilung der Förderung auf die
verschiedenen Teufen.

5 In % der Förderung wurden gewonnen

aus einer Teufe von
Saal unter |100—199m/200—299m 9m

100 m a und mehr

Ver. Staaten ., 66,9 28,5 4,3 0,3

Großbritannien | 10.6 | 183 | 209 | 502

Ruhrbezirk . . 023 1 1 | 22 96,5

Während in den Ver. Staaten zwei Drittel der
Förderung aus Teufen unter 100 m gewonnen werden,
sind dies in England nur 10%, bei uns gar nur der
Bruchteil eines Prozents. Umgekehrt wird aus Teufen
von mehr als 300 m in Amerika nur 13% gewonnen,

15
        <pb n="17" />
        in England die Hälfte der Förderung und bei uns
| | 96,5%. Demgegenüber ist eine Unterlegenheit des
Betriebsgröße. amerikanischen Bergbaus hinsichtlich der Betriebs-
größe festzustellen. Der Anteil seiner Förderung, der
%,
Zen Staaten REG Bernie BER ur bez
EN a —
SON
20.
60 |
50.
Ko
30
20 \
70
Y.
Unter The. Mr. 19m nl  % 300m U. mehr
Abb. 9. Verteilung der Förderung
auf die verschiedenen Teufen,
aus Betrieben mit mehr als 200000 t und vor allem
aus solchen mit mehr als 500000 t gewonnen wird,
ist wesentlich kleiner als im englischen Bergbau, und
erst recht als im Ruhrbergbau (s. Zahlentafel 9 und
Abb. 10).
Zahlentafel 9. Verteilung der Förderung auf die
verschiedenen Größenklassen!
ı unter |10.000|50 000 |100 000/200 000/500 000
10.000 bis | bis bis bis und
199% 49 00099 9991199 999499999! mehr
Ver. Staaten
Weichkohle . | 2,20 |10,90 |14,10 | 23,80 | 30,70 | 18,30
Großbritannien | 0,80 | 5,70 | 6,50 | 20,00 | 40,00 | 27,00
Ruhrbezirk . . 6,45 | 4,30 | 3,76 | 9,68 ; 33,87 41,94

ı Für die Ver, Staaten und Großbritannien sind die Größenklassen
In sh. t angegeben.

Die Gunst der Verhältnisse, welche den amerikani-
schen Bergbau auszeichnet, erschöpft sich nun keines-
wegs in der leichten Zugänglichkeit der Lagerstätten,
sondern kommt vor allen Dingen auch in der Regel-

16
        <pb n="18" />
        mäßigkeit der Lagerung und nicht zuletzt in der
guten Beschaffenheit des Nebengesteins zum
Ausdruck, die eine Anlage des Grubengebäudes in
Abmessungen gestattet, wie sie bei uns unbekannt
40 Lo
Zn aakarn
UA
70 \
0 _ZAnım. _
Unter 10000 100 IGG Di IGIG TUTOT-TIGGGI ZT0000-4IIIGI SOON IR
Abb. 10. Verteilung der Förderung
auf die verschiedenen Größenklassen.
sind. Vor allem darauf ist die umfassende Mechanisie-
rung des amerikanischen Weichkohlenbergbaus, a
wie sie sich in der Verwendung der Schräm- Weichkohle
maschine zeigt, zurückzuführen (s. Abb. 11). Im Jahre "
100 CE
„A WM
2X
a U
Abb. 11. Weichkohlengewinnung nach Gewinnungsarten,
1925 sind rd. 70% der Gesamtgewinnung mittels
Schrämmaschinen gewonnen worden. In einzelnen
Staaten überschreitet dieser Anteil sogar 90%. Die
Gewinnung von Hand ist naturgemäß entsprechend
zurückgegangen. Auch die Gewinnung mittels

17
        <pb n="19" />
        Schießen aus dem Vollen ist in der Abnahme begriffen.
Die Förderung aus Tagebauen nimmt neuerdings zu
Die Schräm- — 1925 betrug sie 7 Mill. t —. Über die maschinen-
maschine im mäßige Gewinnung an Weichkohle seien im folgenden
Weichkohlen- noch einige nähere Angaben geboten.
bergbau,
Zahlentafel 10. Die Schrämmaschine
im Weichkohlenbergbau.
Mit N UEGICHL hl Jahres
In Betrieb gewonnene Weichkohle . 7
Jahr befindliche v9... "ner Gem Maschine”
Maschinen enge förderung
nn sh.t sh. t
1891 545 6211 732 5,27 11.398
1900 3.907 52 784 523 24,86 13510
1905 9184 103 396 452 32,82 11258
1910 13.254 174 012 293 41,72 13127
1913 16379 242 421 713 50,67 14 801
1914 16 507 218 399 287 51,67 13231
1915 15 692 243 237 551 54,95 15 501
1916 16.198 283 691 475 56,45 17 514
1917 17235 306 396 127 55,53 37777
1918| 18463 : 323931 133 55,91 17 545
1919 18 9059 276 019 799 59,25 14 559
1920 19103 339 813 476 59,76 17 788
1921 19618 272 702 389 65,57 13 901
1922 20 436 ı 267 032 931 63,24 13 067
1923 21229 ' 377435543 66.85 17779
Im Jahre 1923 wurde zum ersten Male’ die Auf-
merksamkeit in größerm Maße auf eine andere
Maschine gelenkt, der vielleicht ein ähnlicher Einfluß
auf die Entwicklung des amerikanischen Bergbaus
beschieden sein wird wie der Schrämmaschine; es
handelt sich um die Lademaschine. In dem genann-
ten Jahr waren erst 125 derartige Maschinen im Ge-
brauch, eine: Zahl, die sich binnen zwei Jahren ver-
dreifacht hat, gleichzeitig ist die geladene Kohlen-
menge von 2 auf mehr als 6 Mill. t gestiegen.
Ein weiterer Vorzug von nicht zu unterschätzen-
der Bedeutung für den amerikanischen Bergbau ist
die Reinheit und Gleichmäßigkeit der Kohle. Infolge-
Nasse dessen spielt auch das Waschen der Kohle nur eine
Aufbereitung. geringe Rolle (s. Zahlentafel 11). Im Jahre 1923 wur-
den nur 22 Mill, t dem Waschvorgang unterworfen,
das waren rd, 310% der Förderung. In einzelnen
Staaten kommt dem Waschen eine weit größere Be-
deutung zu als im Durchschnitt des Landes, so wer-
den in Alabama etwa 60 % der Förderung gewaschen.

18
        <pb n="20" />
        Zahlentafel 11. Nasse Aufbereitung im
amerikanischen Weichkohlenbergbau.
Anteil d
EEE Gewaschene' Wasch- gewaschenen
Jahr Kohle Kohle verluste Den Sn % En
a sh. t as sh. t =. 9/n 9/9 nn
1906| 10425 455 9251 946 11,26 27
1907 12 981 514 11269518 13,19 FO
1908 | 13 660 478 11 870 438 13,10 SO
1909| 16541 874 14 443 147 12,69 „&amp;
1910| 183095 382 16 035 387 12,83 5
1911 12355 716 10830 823 12,34 at
1912 ° 19844517 17 538 572 11,62 ©
1913' 25051 801 22 069 691 11,90 4
1914 | 22848 647 20 264 141 11,31 4
1915 | 23472 036 20 873 727 11,07 4
1916! 25632 974 22922218 10,58 4
1917| 28587 137 25 483 696 10,86 €
1918| 25119548 22017 293 12,35
1919| 19187 837 16 884 062 12,01 S
1920| 20595 750 17 984 289 12,68 3,6
1921 | 15 355 169 13 628 724 11,24 33
1922 . .
1923| 22364986 | 20140385 9.05
Die kurz angedeuteten geologischen Vorzüge des
amerikanischen Bergbaus haben zur Folge, daß seine N ;
Leistung eine vergleichsweise sehr große Höhe aufweist Förderanteil.
(s. Zahlentafel 12 und Abb.12). Dies gilt weniger
Zahlentafel 12. ‚Förderanteil eines Arbeiters.
Hartkohlenbergbau Weichkohlenbergbau
Jahr ! Schicht- | Jahres- Schicht- | _Jahres-
förderanteil förderanteil
sh.t. Im „sh.f sh. t | sh.t
1890 | 1,85 369 2,56 579
1891 1,98 401 2,57 573
1892 206 | 407 ' 2 506
1893 2,06 406 2,73 557
1894 2,08 395 ) 2,84 486
1895 2,07 406 2,90 563
1896 2,10 365 2,94 564
1897 | 2,34 351 3.04 596
1898 2,41 367 . 09 651
1899 2,50 433 ‚05 713
1900 2,40 398 2,98 697
1901 2,37 464 2,94 664
1902 2,40 279 3.06 703
1903 2,41 496 3,02 680
1904 | 2,35 469 3,15 637
1905 2,18 470 3,24 684
1906 2,25 439 3,36 717
1907 2,33 512 3,29 769

os 26
19
        <pb n="21" />
        Hartkohlenbergbau Weichkohlenbergbau
Jahr Schicht- | Jahres- Schicht- | Jahres-
förderanteil förderanteil
sh.t 1 shit sh.t | sh. t
1908 2,39 478 3,34 644
1910 2,17 498 3,46 751
1911 2,13 524 3,50 | 738
1912 2,10 485 3,68 820
1913 2,02 520 5,61 837
1914 2,06 505 3,71 724
1915 2,19 504 3,91 794
1916 2,16 548 5,90 896
1917 2,27 646 3,77 915
1918 2,29 672 78 942
1919 2,14 570 2,84 749
1920 2,28 618 4,00 881
1921 2,09 567 4,20 627
1922 2,31 349 4,28 609
1923 | 2,21 592 4,47 801
1924 2,00 550 4,56 781
4 Her Staaten
Op
DU An
1890 1895 7900 1905 1910 Bed A A
Abb. 12. Schichtleistung eines Arbeiters der
Gesamtbelegschaft.
Vergleich des vom Hartkohlenbergbau, der ja durch die Gunst der
Förderanteils Verhältnisse nicht so sehr ausgezeichnet ist, als vom
tn wor Weichkohlenbergbau, in dem sich im letzten Jahr
Ruhrbergbau. (1924), für das Angaben vorliegen, eine Schicht-
leistung von 4,56 t je Kopf der Gesamtbelegschaft
ergab. Im Hartkohlenbergbau ist die Leistung nicht
halb so hoch, und — was besonders bemerkenswert
ist — sie zeigt hier, wo die maschinelle Gewinnung bis
jetzt irgendwelche Bedeutung nicht erlangt hat — der
Anteil der maschinell geschrämten Kohle an der
Gesamtgewinnung beläuft sich in 1923 auf 1,3%
(s. Zahlentafel 13) —, durchaus keine Aufwärtsent-
wicklung, während sich die Leistung im Weichkohlen-

0
        <pb n="22" />
        Zahlentafel 13. Die Schrämmaschine im Die N
H 7 maschine im
| artkohlenbergbau I Hartkohlen-
Maschinell ET Maschinell ee bergbau.
Jahr gewonnen derung | Jar ' gewonnen derung
sh. * 9 . sh. t 9 RR
1916 | 1839506 2,10 1920 938 073 1,05
1917 | 1955223 1,96 1921 979 145 1,08
1918 | 1857514 1,88 1922 502 793 0,92
1919 | 1575205 1,79 1923 1 208 542 1,29
bergbau im Laufe des letzten Menschenalters ganz
bedeutend gehoben hat, indem sie von 2,56 auf 4,56 t
stieg, das ist ein Unterschied, der annähernd doppelt
so groß ist, wie die Leistung bei uns. Diese Höhe der
Leistung auf den Kopf der Gesamtbelegschaft erklärt
sich nicht zuletzt aus der günstigen Zusammensetzung Gliederung der
Belegschaft,
Übertag®
en
20
90 UMENTEIP
80, =
70 |
60 |
50 L
40 ı
80L
20L
10
N Werenwang Hartkonn Grofsbritannien Rahrbezich
Abb. 13. Gliederung der Belegschaft.
der Belegschaft, der wir im amerikanischen Weich-
kohlenbergbau auf Grund der angedeuteten geologi-
schen Verhältnisse begegnen (s. Zahlentafel 14 und
Abb. 13), machen in ihm doch 1925 die Hauer — unterster

921
        <pb n="23" />
        Zahlentafel 14. Gliederung der Belegschaft
im Jahre 1925.
Sonstige Untertage-!r; &gt;
Hauer Arbeiter arbeiter ee
untertage , insges.
I Oo fo 0% 0%
Großbritannien. 42.9 373 81,8 18,2
Ver. Staaten:
Weichkohlen-
bergbau .. 61,4 A 85,8 14,2
Hartkohlen-
bergbau . . 47,5 27 74,6 25,4
Ruhrbezirk .... 459 35,0 81,5 18,5
Balkenteil — 6114 % der Gesamtbelegschaft aus gegen
420% in Großbritannien und 46% im Ruhrbezirk. Im
Hartkohlenbergbau dagegen beläuft sich der Hauer-
anteil nur auf 471/2%.

Abbauverluste, Hier mag ein Wort über die Abbauverluste ein-
geschoben werden. Der Zug der Verschwendung, des
Wirtschaftens aus dem Vollen, der im Gefolge des
Reichtums des Landes durch das ganze amerikanische
Volk geht — man denke nur an die Waldverwüstun-

ni ZZ gewonnene Kohle
N vermeidbarer Verlust
unvermeidbarer Verlust
0 — 200
501
#ol
EO
z
20
GO
60
5 SD R
RER ER RS
mE RATE EIS ST
Abb. 14. Abbauverluste im Weichkohlenbergbau.

zu v.E
9%
        <pb n="24" />
        gen —, hat auch vor dem Steinkohlenbergbau nicht
Halt gemacht, sondern gelangt hier gerade mit be-
sonderer Stärke zum Ausdruck. Eine von dem Bureau
of Mines veranlaßte Untersuchung hat zu dem Ergebnis
geführt, daß sich die Abbauverluste in 10 der wichtig-
sten Kohlenstaaten, die etwa 90% der Gesamtförde-
rung aufbringen, auf rd. 35% belaufen. Die Hälfte
dieses Verlustes soll vermeidbar sein. Nach Staaten
bewegen sich die Abbauverluste (s. Abb. 14) zwischen
20 und 49 %, der vermeidbare Verlust zwischen 5 und
30%. Die besondere Höhe des Verlustes in Illinois
wird daraus erklärt, daß dort die Kohle unter ebenem
Lande gewonnen wird, das einen hohen landwirt-
schaftlichen Wert hat, weshalb sich die Notwendigkeit
ergibt, viele Sicherheitspfeiler stehen zu lassen.
Es wurde bereits bemerkt, daß der amerikanische
Markt fast die ganze Förderung aufnimmt, So daß
sich Gewinnung und Verbrauch annähernd decken. Kohlen-
Deshalb sei auch davon abgesehen, Zahlen über die verbrauch.
Entwicklung des Gesamtverbrauchs zu geben; es mag
an den aus Zahlentafel 15 und Abb. 15 ersichtlichen
Zahlentafel 15. Kohlenverbrauch der Ver. Staaten.
? je Kopf der . je Kopf der
Jahr !nsgeS. Bevölkerung Jahr ' Insges. Bevölkerung
1000 1. t Lt . 10001.t ,; lt
1885 98 780 1.76 1917 | 554421 5,35
1890 | 139655 2,21 1918 | 580 282 5,49
1895 | 169 957 2,47 ia 472 243 4,47
1900 |! 234 360 | 3,08 1920 | 548 402 5,19
1905 342459 ' 4,07 | 1921 * 428 074 3,97
19101 434 928 4,71 / 1922 416572 3,79
1913 | 486 976 | 5,02 1 563 765 5,00
1914 1441 562 4,48 1924 491 225 4,30
010 454.758 4,54 1925 509016 4,39
1916 | 503776 | 4,94 .
Angaben über die Entwicklung des Kopfanteils sein
Bewenden haben. Von einem kleinen Bruchteil einer
Tonne in dem Jahrzehnt 1825/34 ist dieser um die
Jahrhundertwende auf 31% t gestiegen und hat in dem
Jahrzehnt 1915/24 eine Höhe von 51% t erreicht. Bei
uns ist er nicht halb so hoch.
Der gewerbliche Aufschwung des Landes und
seine Gesamtentwicklung werden jedoch nur unzu-
reichend durch diese Zahlen gekennzeichnet, da in
neuerer. Zeit andere Kraftmittelquellen in Kraftmittel-
wachsendem Maße neben die Kohle getreten sind. Im quellen neben
Jahre 1926 brachten Weich- und Hartkohle nur noch der Kohle,

23
        <pb n="25" />
        Z
Her Slaalen
3
7
m ZT ak
$ 85 SS 8 N &gt; Wen Pe
Abb. 15. Kohlenverbrauch je Kopf der Bevölkerung.
73,3 0% des Kraftbedarfs der Union auf, 21,3 % wurden
von Öl aus heimischer und fremder Gewinnung geliefert.
Daneben war Naturgas mit 5,4 % beteiligt, etwas
höher (6,6%) war der Anteil der Wasserkräfte. Diese
Zahlentafel 16. Anteil der einzelnen Kraftquellen
an dem Energiebedarf (=100) der Ver. Staaten.
Kohle Öl und Naturgas 5% ze
mu O
Hei- | Ein- 5508
Jahr Hart- Weich] isch geführtes Natur- |. Ras 5%
kohle | kohle Sn Öl Öl gas [NSECS SS S
_ Kl A ka
1819 108 1100 0
1829 | 5 4 104.
1839 | 40,4 5: 0 1100,06
1849 O5 37,2 |100,0
1859 | 62,3! 37,7 |100,0
1869 | 51,3 | 45,9 97,2 | ; A
1879 | 42,5 | 51,3 | 93,8" i 3 |
1889 | 29,3 | 59,3 ! 88,6 | A
1899 | 22,5 | 69,5 92,0 X „I
1909 | 16,0’ 72,2 88,2 du 48 11,60. 30
1 Da die Zahlen für Wasserkraft erst von 1889 ab vorliegen, sind diese,
damit auch für die frühern Jahre vergleichbare Angaben geboten werden
können, in dem Gesamtbedarf nicht einbegriffen, sondern von dem genannten
Jahre ab in Prozenten des aus den andern Quellen befriedigten Gesamt-
bedarfs daneben gesetzt.
2 Weniger als 0,1%.

74
        <pb n="26" />
        Kohle Öl und Naturgas ze „5%
h Hei- Ein- ] EP
Jahr - Hart- Weich-| ‚ misches| geführtes| Natur- li ‚82255
kohle | kohle 1!NSgeS.. Öl Öl gas [NSBES]| 5 GE
‚&gt;
| 5% | % An% | % Yo A lo VE Yo
1913 | 14,2! 72,91 871) VO
1918 | 13,0 | 70,9 | 8. 9 1
1919 | 125 | 69,7 | 82,2 I | al
1920 | 11,9 68,8 | 80 7 164
1921 ' 13,91 63,8 | 77.7 ı 2
1922 9,3 | 65,6 [74,7 16. ; 2231| 5
1923 113 | 641 A| 17 246) 5%
1924 ı 10,91 62,2 72.1] 1: 262| 55
1925 8,5 | 635.77 | 2 * ' 2 6,0
1926?| 9,0! 64,3 . 73,3 || 147 3 26,71 6,0
7 A°s, Anm. 18.24.
2 Geschätzt auf; Grund der Ergebnisse der ersten 5 Monate des Jahres.
Da im weitern Verlauf die Kohlenförderung stärker gewachsen ist als die
Gewinnung aus andern Kraftquellen, wird das endgültige Ergebnis für
1926 gegen die vorliegenden Zahlen eine Verschiebung zugunsten der
Kohle erkennen lassen,
1879
1829 En
7838 DE
1649 EEE Aa
1859 SEE
1869 x = E =
1879 Eee er theme tat
7895 n ST
7904 MA U =
79173 ul hr N zen d im 2) .
1
7918 . Dt
19253 VA
1925 N en n
1926 DAN En
2 40 60 SU I00 4
ER Harlkohle EB Weichkohle Binländ. 0!
Demgeführtes Öl Gas B3 Wasserkraft
Abb. 16. Die Deckung des Kraftbedarfs der Ver. Staaten
in den letzten 100 Jahren.
25
        <pb n="27" />
        Zurück- Zurückdrängung der Kohle ist nicht von heute auf
drängung der morgen gekommen. Wie sich die Deckung des Kraft-
Kohle, bedarfs im Laufe der letzten 100 Jahre vollzogen hat,
ist aus Zahlentafel 16 und Abb. 16 zu ersehen. Immer-
hin hat doch erst im letzten Jahrzehnt der Anteil des
Öls an der Bedarfsdeckung in einem Maße zuge-
nommen, daß man ihn, vom Kohlenbergbau aus
gesehen, für bedrohlich halten könnte. Aller Voraus-
sicht nach hat man es jedoch nur mit einer vorüber-
gehenden Erscheinung zu tun, und die Kohle wird
mit weitgehender Gewißheit ihre beherrschende
Stellung in der Deckung des Kraftbedarfs der Union
auch weiterhin behaupten. Die Vorräte an Petroleum
und Naturgas sind nur beschränkt, und dem Ausbau
der Wasserkräfte in den Rocky Mountains — anders-
wo im Lande sind die Wasserkräfte weitgehend aus-
gebaut — stehen vorläufig große Hemmnisse ent-
gegen.
Gliederung Wenn wir die Gliederung des Kohlenver-
des Kohlen- brauchs näher betrachten, so haben wir zwischen
verbrauchs. Hart- und Weichkohle zu unterscheiden. Die Hart-
kohle ist die ausgesprochene Hausbrandkohle, wie sie
ja in dieser Stellung auch durch behördliche, die Ver-
wendung rauchfreier Kohle vorschreibende Bestim-
mungen in den ihrem Gewinnungsgebiet nahegelege-
nen Neuenglandstaaten geschützt ist. Die auf den
Hartkohlengruben in den großen Brecherwerken her-
gestellten sogenannten Hausbrandgrößen machen
5600 des Absatzes ats. 20 % werden von der Industrie
aufgenommen, 500 gehen an die Eisenbahnen, 5%
gelangen zur Ausfuhr (s. Zahlentafel 17 und Abb. 17).
In ganz anderer Weise gliedert sich der Absatz der
Weichkohle. Sie ist die” ausgesprochene Industrie-
kohle und ihr Absatz geht zu 30% an gewerbliche
Unternehmungen, ungerechnet die 15%, welche in
Koksöfen zu Koks verarbeitet und damit fast ganz
wieder industriellen Zwecken zugeführt werden. Auch
der 7% ausmachende Bedarf der öffentlichen Ein-
richtungen, der Gaswerke, ' Elektrizitätswerke usw.,
dient zum guten Teil industriellen Zwecken. Die
Eisenbahn beansprucht die ungeheure Menge von
28 %, der Hausbrand dagegen nur 12%. Der Bedarf
der Schiffahrt ist geringfügig, und der Ausfuhrbedarf
fällt auch nicht sonderlich ins Gewicht. Augenfällig
Zechen- ist der Unterschied in dem Bedarf für den Zechen-
selbst- selbstverbrauch bei den beiden Bergbauzweigen.
verbrauch. Während im Weichkohlenbergbau der Selbstbedarf
26
        <pb n="28" />
        Zahlentafel 17. Kohlenversorgung
und Verteilung des Verbrauchs im Jahre 1923.
Hart- | Weich-
kohle zZ
— 1000 sh.t _ nn
Förderung „0.0. 93339 | 564565 657904
+ Einfuhr . A 500 1882 2182
zus. 93639 ' 566447 660 086
— Ausfuhr AN 5 090 | 21 447 26 537
— Zunahme der Lagermenge , 1635 26 000 | 27635
Verbrauch . . 86914 ' 519000 605914
davon entfielen auf:
Grubenselbstverbrauch. . . 8018 | 8765 16 783
andere Bergbauzweige. . . - 4190 4 190
Eisenbahnen ..... . . 4578 155795 160373
Industrie. ......... 18600 119280 137880
Hausbrand . .. . . . . 52344 66400 118744
Kokereien 0 84365 384365
Elektrizitätswerke und elek-
trische Eisenbahnen . . . 2273 36800 39073
Eisen- und Stahlwerke (ohne
Kohle für Kokereien) . . - 30220 30220
Oaswerke:. u. 00 Hr 1101 5150 6251
Bunkerkohle für fremde Schiffe — 5 095 5 095
Bunkerkohle für Küsten- und |
Binnenschiffahrt . . .. = — 2940| 20940
HWeichkohle
100%
90 7
re Ä zu
HE ee
SS 7 30
a 0
Abb. 17. Gliederung des Verbrauchs
von Hart- und Weichkohle,

us.
927
        <pb n="29" />
        nur 2% der Gewinnung beansprucht, entfallen im
Hartkohlenbergbau auf ihn 9%. Dieser Unterschied
rührt einmal von der leichtern Zugänglichkeit: und
der geringern Teufe der Weichkohlengruben her,
die zudem sehr wenig unter Wasserzuflüssen zu leiden
haben. Dann stellt sich der Weichkohlenbergbau auch
ganz überwiegend als ein rein extraktives Gewerbe
dar, während sich‘ der. Hartkohlenbergbau in der
Gewinnung der Kohle keineswegs erschöpft, sondern
sich durch die mittels der großen Brecherwerke vor-
genommene Aufbereitung der Kohle nach den ver-
schiedenen marktgängigen Größen als eine weiter-
verarbeitende Industrie ausweist.

Der Anthrazitbergbau, auf den jetzt etwas
näher eingegangen werden soll; ist in einem kleinen
Gebiet konzentriert; das Vorkommen liegt in Ost-
pennsylvanien und deckt ein Feld von 480 Quadrat-
meilen. Die räumliche Zusammendrängung des Vor-
kommens begünstigte ganz von selbst die Zusammen-
fassung des Bergwerkseigentums, des Betriebes und
der Beförderung in verhältnismäßig wenigen Händen
und führte so schon. frühzeitig zu der Bildung der

Die Anthrazit- sogenannten Anthrazitkombination, welche eine
kombination. Vereinigung der Anthrazitgruben und der ihre Kohle
auf den Markt bringenden Eisenbahngesellschaften
darstellte. Richterliche Entscheidungen machten
diesen Gebilden ein Ende, die als ein Verstoß gegen
den Sherman Act angesehen wurden. Obgleich nun
vor dem Gesetze das frühere Anthrazitkartell nicht
mehr besteht, so ist das gemeinsame Interesse der
sogenannten Eisenbahngesellschaften, d.s. die früher
mit den Eisenbahnen verbundenen Bergbaugesell-
schaften, doch auch nach den trennenden Entschei-
dungen des höchsten Gerichts noch so stark, daß von
einem eigentlichen Wettbewerb unter ihnen nicht die
Rede ist. Man kommt zusammen, wie man mir sagte,
faßt allerdings keine Beschlüsse, redet aber über eine
Sache so lange, daß vernünftige Leute wissen, was
sie zu tun haben. Die Preise der Gesellschaften sind
praktisch genommen dieselben. Die Stellung der
Außenseiter ist übrigens mit der Zeit immer schwächer
geworden; von der Förderung brachten sie 1895 noch
45 0% auf, 1921 dagegen nur 19%. Die 10 Eisenbahn-
gesellschaften fördern ganz überwiegend aus eigenem
Kohlenlande und nur zum geringsten Teil aus Pacht-
land gegen eine Grundbesitzerabgabe, sie eignen neun
Zehntel der Kohlenvorräte des Reviers und ver-
z8
        <pb n="30" />
        fügen über vortrefflich ausgebildete Verkaufseinrich-
tungen, so daß sie die Hauptmenge ihrer Förderung
unmittelbar an Verbraucher und Kleinhändler ab-
setzen und sich des Großhandels. nur in geringem
Umfange bedienen. Dagegen vertreiben die neben
ihnen bestehenden Gesellschaften ihre Förderung, die
größtenteils aus gepachtetem Land stammt, über-
wiegend an Großhändler; sie pflegen bei schlechter
Marktlage die Preise der Eisenbahngesellschaften
etwas zu unterschreiten, nehmen aber bei gutem
Markt wesentlich höhere Preise als diese.

Während die Bevölkerung in den Gebieten, die
für den Absatz von Anthrazit vornehmlich in Betracht
kommt, ständig zunimmt, ist in der Aufwärtsentwick-
lung der Anthrazitförderung, von den Kriegsjahren
1917 und 1918 abgesehen, seit 1910 ein Stillstand
eingetreten, und man geht wohl kaum fehl, hierin
den Ausfluß einer bewußten Einschränkungspolitik
der Eisenbahngesellschaften zu erblicken, wenn diese
es auch nach außen weit von sich weisen, eine der-
artige Politik zu betreiben. Seit 1910 bewegt sich die
Förderung so um 90 Mill. t im Jahr; gleichzeitig mit
diesem Stillstand hat sich aber in den Preisen eine
starke Aufwärtsbewegung geltend gemacht, und
Anthrazit ist immer mehr zu einem Luxusbrennstoff
geworden. Ein Teil seines frühern Marktes ist an
Gas und Öl sowie an die Weichkohle, nicht zuletzt
in Form von Koks, verlorengegangen. Es erscheint
nicht ausgeschlossen, daß diese Entwicklung mit der
Zeit; namentlich mit der Ausdehnung der Verwendung
des elektrischen Stroms, so große Fortschritte machen
wird, daß die Hartkohle wieder genötigt wäre, was sie
in der letzten Zeit verlernt hat, sich um Absatz zu
sorgen. In dem Falle würde sich mithin die Zurück-
haltungspolitik der großen Anthrazitgesellschaften als
ein grundlegender Fehler erweisen.

Für den Absatz ist die Lage des Anthrazitreviers Hartkohlen-
außerordentlich günstig (Abb.18); es liegt inmitten verbrauch
eines Gebiets mit langen, kalten Wintern, das von nach Staaten.
einer dichten und dazu schnell wachsenden Bevölke-
rung bewöhnt ist. Zu drei Vierteln wird die Förde-
rung in den Staaten an der Küste des Atlantik, von
Maine bis Maryland, innerhalb 400-500 Meilen von
den Gewinnungsstätten verfeuert. Das letzte Viertel
verteilt sich in einer immer dünner werdenden Decke
fast über das ganze Land. Verhältnismäßig stark ist

90
        <pb n="31" />
        Ko
1 . {
fu
/ =
I 76 u mehr _
BR -7t 3
ZZ 200 ls. tat nn -
E23 200/bs. u weniger %
1 michts
Abb. 18. Hartkohlenverbrauch je Kopf der Bevölkerung
nach Staaten.
der Verbrauch noch an den großen Seen. Nur in vier
Staaten wird kein Anthrazit verfeuert.
Entsprechend der weiten Verbreitung des
Weichkohlen- Weichkohlenvorkommens — in 30 Staaten der
verbrauch Union wird Weichkohle gewonnen — zeigt ihre Ver-
nach Staaten. teilung ‚über das Land zum Gebrauch ein ganz
anderes Bild als die Hartkohle (Abb. 19). In den Neu-
englandstaaten ist der Verbrauchsanteil je Kopf ver-
hältnismäßig gering, um so höher in den Staaten
Pennsylvanien, West-Virginia, Ohio, Indiana, Michi-
gan und Illinois, in denen auch die Schwerindustrie
des Landes ihren vornehmlichsten Sitz hat.
- 5tumehr Se En
814-5 EZ 77. N '
Zaid-4: FEAyte weniger
Abb. 19. Weichkohlenverbrauch je Kopf der Bevölkerung
nach Staaten.

30)
        <pb n="32" />
        In dem Versand der Kohle (Abb. 20) spielen die Absatz-
Flüsse des Landes eine verhältnismäßig geringe richtungen
Rolle. Weniger als 30 Mill. t, in der Hauptsache aus der Kohle.
West-Pennsylvanien und West-Virginien stammend,
gehen jährlich über den Monongahela und den Ohio
auf den Markt. Unter dem Wettbewerb der Eisenbahn
hat sich der Wasserstraßenverkehr nicht recht ent-
wickeln können. Die Wasserstraßen sind infolge-
dessen auch in einem stark vernachlässigten Zu-
stand. Sehr umfangreich ist der Versand über die
großen Seen. Die betreffenden Kohlenmengen
werden aus einer ganzen Reihe von Staaten nach den
Südhäfen des Eriesees gebracht und gelangen von
da in ganzen Eisenbahnzügen oder auch in Schiffen
bis nach Chikago oder auch in die obern Erzgebiete,
von denen sie als Rückfracht Eisenerz, das dann zum
guten. Teil in Pennsylvanien verhüttet wird, zurück-
bringen.

HANAL
NemOrleäme-
Rh
G anf MEL/,
Abb. 20. Absatzrichtungen der amerikanischen Kohle.

21
        <pb n="33" />
        Zahlentafel 18. Brennstoffausfuhr! der Ver. Staaten in den Jahren 1913—19262.
1013 1917 +18 1920 1021 1022 1023 1024 5 "226
1.t 1.1 1. J.t LI Lt 1.t Lt . 1. vi
Hartkohle .. x 2 ee 4 154 386 5 400 509 4 435 543 4 824 776 4 176 221 2 365 587 4 544 766 3 587 308 2 838 398 3 597 903
nt er RA 17986 757 21362670 19956009 34390254 20652827 11083112 19154981 15268167 15590679 31 492 801
avon nach:
Frankreich 4.0 0 4 —_ — 3 646 349 607 531 12012 , 842 669 420 894 233 706 485 844
atalien 1. 2 a ae —_ 560 628 9 994 2 387 734 1 549 460 124 083 | 585 085 870 666 778 084 1 542 015
Holland 1.1 Rn 16 512 2 146 947 334 090 2537 378 926
dem übrigen Europa .. 2 059 412 2 433 391 13 972 584 524 65 387 24484 12083 965
Kanada ve Ela 13 496 190 16256006 16191364 14491252 110961 405 9675310 15048444 11298990 11983042 12172 779
Panama 489 761 618 962 504 129 155 042 222 829 104 458 19 265 235 824 311 886 397 594
Mexik0 5. 0 NN 477 046 184 345 162 631 203 212 172 211 91 056 94 648 81 703 112 325 114 851
Britisch-Westndien . .. : 30 199 232 090 106 525 90586 | 116 704 136 380 151 831 205 912
Kuba nv 4 Be ar en 1 275 538 1 410 564 1 440 457 1.332 632 524 572 463 858 ‚| 610 619 534 751 619 754 549 751
dem übrigen Westindien . 608 762 402 812 224 302 139 470 100 256 103 918 | 169 986 244 398 271 708 290 254
Argentinien; .. x... 70 048 317 563 178 899 1 718 493 752 636 78 971 131 065 196 480 147 064 996 005
Brasiliens EEE 279 933 685 142 559 099 965 019 527 225 152 133 310 724 759 138 587 400 1 190 750
Chile 2. n 300 062 494 121 150 844 46 916 19 629 55 304 24 357 3 040
Ägypten a = — = 476 200 52 118 | 22 996 41 290 35 730 320 923
Französisch-Afrika. . .. = Se — = 182 809 27 224 82 710 83 718 102 039 245 471
andern Ländern‘. .... 1 289 479 926 648 338 361 4418 481 ' 550 843 43 960 ' 136 987 243 244 207 269 803 647
Koke. Zr AS en 881 603 . 1253321 | 1506986 821 252 ı 273 888 456 733 | 1104770 588 705 851 618 881 482
Gesamtausfuhr an Kohle® , 23 456 068 28633807 26640785 140440779 25237836 14130390 25348657 19734139 19700149 36 406 349
Von der Gesamtförderung % 4,92 5,43 4,58 8,18 4,29 3,13 4,32 3,87 3,79 6,15
Bunkerkohle für fremde |
Schiffe 5.27 in 7 700 520 | 6883176 | 5532175 ' 9362178 | 7 547 518 | 4 120 207 4547343 | 30982511 4344 215 | 6906 791
ı Ohne Bunkerkohle.
2 Nach der monatlichen Außenhandelsstatistik der Ver. Staaten (Monthly summary of foreign commerce of the U. S.). fe
3 Koks auf Kohle umgerechnet; 0,67 t Koks = 1 t Kohle. *)

zu. iyıv De Ku Az AS: a 19_ 19.
        <pb n="34" />
        Große Bedeutung hat auch der Versand nach der
Seeküste ebensowohl zur Versorgung der‘ dort ge-
legenen großen Plätze wie zum Weiterversand in der
Küstenschiffahrt und über See. Die Neuengland-
staaten werden zum guten Teil auf dem Wege. der
Küstenschiffahrt mit Kohle versorgt. Die wichtig-
sten Häfen hierfür sowie für die Ausfuhr sind Neu-
york, Philadelphia, Baltimore und vor allem Hampton
Roads.
In diesem Zusammenhang soll die Ausfuhr etwas Kohlenausfuhr:
näher behandelt werden. Ihre Entwicklung im ganzen
ist aus Zahlentafel 18 und Abb. 21 zu ersehen. Der
vor dem Kriege erreichte Höchstumfang hat sich in
der Nachkriegszeit in zwei Jahren annähernd ver-
doppelt, was lediglich auf den durch Ausnahme-
verhältnisse gewaltig gesteigerten Überseeversand
zurückzuführen ist. In gewöhnlichen Jahren, wie 1925,
entfallen auf den Überseeversand nur etwa 16%, alles
übrige geht über die trockne Grenze, ganz über-
00 Ve A ML A A 2 7926
Abb. 21. Ausfuhr der Ver. Staaten und Deutschlands
au Steinkohle (Koks und Preßkohle auf Kohle umgerechnet).
wiegend nach Kanada, das auch die ausgeführte Hart- Kohlenausfuhr
kohle und den Koks fast ganz aufnimmt. In großen nach Ländern.
Zügen unterrichtet über die Richtung der Ausfuhr
Abb. 22. Schon vor dem Kriege hatte die amerika- Kohlen-
nische Kohle in Südamerika festen Fuß gefaßt und versorgung
hat seitdem, wie Zahlentafel 19 und Abb. 23 zeigen, Südamerikas.

2393
        <pb n="35" />
        100 Yo
X
10
LA
.
34

80 zo
übr Länder
EUr0pES nn
AfTika ZZ
Simons Weichkohl. oo
HWestindien
PEnama-Mexik
Do
Abb. 22, Kohlenausfuhr der Ver. Staaten
nach Bestimmungsländern im Jahre 1925,
dort beträchtlich an Boden gewonnen, und zwar auf
Kosten der britischen Kohle, die in gewissem Umfang
auch der deutschen Kohle ‚weichen mußte. Der
Zahlentafel 19. Ausfuhr an mineralischen Brennstoffen
nach Südamerika.
Ausfuhrstaat 143 1925
_ KE Lt %
Ver. Staaten . . . 366923' 4,95 | 778 637 14,51
Deutschland . . . 156542 2,11 | 370931 6,91
Großbritannien bs 6 892 905 | 92,94 ' 4 214 817. 78,58
zus. ‚7416370 | 100,00 |5 364 385 | 100,00
30 0
Abb. 23. Ausfuhr an Kohle nach Südamerika in 1913 und 1925.
        <pb n="36" />
        mittelamerikanische Markt lag schon vor dem
Kriege in den Händen der Amerikaner, denen hierbei
das Moment der Rückfracht (kubanisches Eisenerz)
zustatten kommt. Dagegen gelangte amerikanische
Kohle früher nur gelegentlich auf. den europäischen Absatz nach
Markt; im Kriege bestritt die Union aber in Europa.
erheblichem Umfang bereits die Deckung des Bedarfs
Italiens, und nach dem Kriege, vor allem im Jahre
1920, erreichte die Ausfuhr mach Europa einen
riesigen Umfang, betrug sie doch mehr als 10 Mill. t,
um zwei Jahre später allerdings nur noch 150000 t
auszumachen. Der Ruhrkampf hat dann von neuem
ihrem Versand nach Europa stark Vorschub geleistet,
und diesmal ist sie nicht wieder vom europäischen
Markt verschwunden; in den beiden folgenden Jahren,
die man im ganzen als normal ansprechen kann, be-
trugen die Lieferungen 1,3 und 1 Mill..t, vornehmlich
waren daran Italien und Frankreich beteiligt. Im
Jetzten Jahre, das. infolge des britischen Aus-
standes ganz ungewöhnliche Verhältnisse aufwies
und deshalb hier keiner nähern Betrachtung unter-
zogen werden soll, erhielt Europa 14 Mill. t an
amerikanischer Kohle.

Wir werden gut daran tun, die amerikanische Zukunfts-
Kohle als bleibenden Faktor auf dem europäischen aussichten der
Kohlenmarkt zu betrachten. Ihre Wettbewerbsfähig- amerikanischen
keit.ist eine Frage des Preises am Verbrauchsort, Kohlenausfuhr.
mithin. bestimmt durch den Grubenpreis, die Vor-
frachtkosten mit der Eisenbahn zur See und. die
Schiffsfrachten. Die Ausfuhrkohle, welche ihren Weg.
hauptsächlich über die Häfen Hampton . Roads,

Norfolk, Baltimore nimmt, stammt. zum ‚größten Teil
aus. Bezirken, die durch niedrige Selbstkosten aus-
gezeichnet sind, wozu nicht in.letzter Linie der Um-
stand beiträgt, daß es sich hier überwiegend um Non-
Union-Gruben handelt. Gerade letzterer Umstand
gibt einer weitern Senkung der Selbstkosten durch
Verminderung des Lohnanteils eine gewisse Wahr-
scheinlichkeit. Dann erwartet man aber auch von der
fortschreitenden Verwendung der, Lademaschinen
eine Herabsetzung der Gestehungskosten in diesen Senkung der
Fördergebieten, und könnte sie 'erst recht von einer Selbstkosten
Beseitigung‘ der bestehenden Übersetzung und einer und Frachten.
damit gegebenen regelmäßigen Beschäftigung im
Weichkohlenbergbau in Aussicht nehmen. Die
Frachten zur Küste sind sehr hoch und betragen
10-12 .6 je Tonne. Daß sie die bisherige Höhe bei-

35
        <pb n="37" />
        behalten werden, kann jedoch nicht als wahrschein-
lich gelten. Jedenfalls sind ernstliche Bestrebungen
auf. ihre Herabsetzung im Gange. Senkung der Ge-
stehungskosten und der Eisenbahnfrachten, denen
man in Großbritannien und Deutschland’ kaum mit
entsprechenden Maßnahmen begegnen könnte, wür-
den ‚aber die Wettbewerbsfähigkeit der amerikani-
schen Kohle beträchtlich steigern, auch wenn die
Schiffsfrachten unvermindert bleiben, die ja wohl
nach wie vor für die Versendung nach Frankreich
und dem Mittelmeer zugunsten Großbritanniens und
Deutschlands liegen werden.

Ein Hindernis für die Entwicklung der ameri-
kanischen Kohlenausfuhr nach Europa liegt in dem
Fehlen der Rückfracht; da schlägt die Autarkie des
Landes ‚einmal zu seinen Ungunsten aus. Bei der
starken Übersetzung des amerikanischen Weichkohlen-
bergbaus und der unzulänglichen Aufnahmefähigkeit
des heimischen Marktes drängt sich einem die Frage
auf, warum man sich denn nicht zur Bildung eines

Ausfuhr- Syndikats für die Ausfuhr — dem keine gesetz-

Syndikat, lichen Hindernisse entgegenstehen, insoweit ist der
Sherman Act abgeändert worden. — entschließt, aber
das läßt die Geistesverfassung des amerikanischen
Unternehmertums nicht zu. Im Kriege war zur Ver-
meidung von Frachtstauungen für die Versendung ab
Seehafen ein Zwangspool gegründet worden; dieser
bestand noch kurze Zeit nach dem Kriege, brach
aber nach Beseitigung der Zwangswirtschaft zu-
sammen, weil die betreffenden Gesellschaften sich
nicht damit abfinden konnten, daß die Identität ihrer
Kohle verschwand. Es ist jedoch keineswegs aus-
gemacht, daß diese Geistesverfassung bestehen
bleiben wird.

Köhleneinfuhr. Der Vollständigkeit halber sei auch die Kohlen-
einfuhr der amerikanischen Union kurz behandelt,
obwohl ihr, wie schon weiter oben erwähnt, keine
nennenswerte Bedeutung zukommt. Ihre Entwicklung
seit 1890 ist in Zahlentafel 20 dargestellt.

Danach schwankt der Bezug von ausländischer
Kohle in dem aufgeführten Zeitraum zwischen !/2 Mill.
und 4,7 Mill.1.t. Die letztgenannte ungewöhnlich
hohe Zahl war ein Ergebnis des großen Ausstandes
vom Jahre 1922.

236
        <pb n="38" />
        Zahlentafel 20. Brennstoffeinfuhr der Ver. Staaten
Jahr Hartkohle Weichkohle ‚Kohle insges. Koks
1.t Lt 4 Lt Kt
1890 17 246 838 543 855 789 18 579
1895 141337 | 1229109 1 370 446 26 448
1900 118 1 909 258 1 909 376 | 103 175
1905 , 34 262 1618581 1 652 843 181 376
1910 8 196 1 991 943 2 000 139 156 417
1913 921 1 413 857 1 414 778 93 507
1914 19347 1.375 316 1.394 663 120 777
1915 2.998 1521 237 1 524 235 47 520
1916 5 693 1530212 1 535 905 49 067
1917 11 188 1.293 262 1 304 450 22 207
1918 33 279 1301 229 1334 508 26 936
1919 73 945 903 170 977 115 14 720
1920 | 28 346 1111 598 1 139 944 36 735
1921 7 941 1 122 847 1.130 788 27 670
1922 208 507 4517857 4 726 364 84 132
1923 268 179 1 680 630 1.948 809 75 895
1924 , 105313 372523 477 836 73 958
1925 | 341 870 537 290 879 160 | 179 981
1926 726 746 4714677 ‘ 17201423 254 061
In den Jahren 1925 und 1926 verteilte sich die
Weichkohleneinfuhr nach Ländern wie folgt:
Weichkohleneinfuhr.
Herkunftsland He Da
Kanada , .. . 471213 404 784
Großbritannien . 35918 34 292
Japan =... + 15348 28977
Australien... 9 749 4411
Sonstige Länder . 5 037 2210
Entsprechende Zahlen über die Hartkohlen-
einfuhr für die Jahre 1924 und 1925 sind nach-
stehend‘ angegeben.

Hartkohleneinfuhr. ı.,
Herkunftsland ” 7 ® )
Großbritannien . , 88529 284.457
Deutschland . . NER MIT
Kanada .‘.".. Cu 14507 6102
Holland «+, 400 5 790
Belgien; +00. 5075
Sonstige Länder . 1877 7735

Die Einfuhr von Koks (s. Zahlentafel 20) ‚ist
nür in 6 Jahren ‚des behandelten: Zeitraums. über
100000 t hinausgegangen, 1925 erreichte sie 180000 t,
die aus Großbritannien (100000 t), Kanada (47000 t),
Holland (15 000 t) und Deutschland (14 000 t). kamen.

27
        <pb n="39" />
        Tonnenwert Die Bewegung des Tonmnenwertes der einge-
„der führten mineralischen Brennstoffe ist für die Jahre
eingeführten 1805 bis 1926 in Zahlentafel 21 wiedergegeben.
Brennstoffe,
Zahlentafel 21. Tonnenwert der eingeführten
Brennstoffe.
' Hart- | Weich- Hart- ich-
Jahr ee) kohle Koks | Jahr kohle Ne | Koks
$ 1 8 $ $ $ $
1895 2,33 2,96 2,70 1918 6.15 5,14 8,23
1900 | 4,65 2,65 3,60 |! 1919 | 7,06 5,48 9,86
1905 | 3;13.| 2,42 | 4,39 | 1920 | 9,09 | 6,05 | 10,97
1910 | 5,14 | 2,69 4,00 | 1921 | 11,73 6,56 | 12,16
1913 | 6,19 | 2,73 | 4,73 1922 | 7,21 | 5,93 | 9,55
1914 | 1,96 | 2,80 4,60 1923 | 7,88 6,03 | 11,37
1915 | 4,98 | 2,96 4,68 '| 1924 | 8,36 5,74 | 10,76
0 5 3,08 5,09 ı | 9,40 4,90 8,94
1917 | 416 | 371 | 6,60 | 1926 | 9.63 | 4,85 | 856
Um wieder auf die Weichkohle zurückzu-
kommen, so stehem die weitgehende Verteilung der
Vorkommen, die praktisch unbegrenzte Kohlenmenge
sowie die leichte Zugänglichkeit und der dadurch für
die Eröffnung neuer Gruben erforderliche nur geringe
Kostenaufwand der Schaffung einer Einrichtung, wie
sie das stillschweigende Anthrazitkartell darstellt,
durchaus hindernd im Wege und führen in gleicher
Weise dazu, daß der Weichkohlenbergbau jeder Zu-
sammenfassung entbehrt.
Besitz- Während bei Anthrazit sowohl der Besitz wie der
verhältnisse Vertrieb der Kohle ausschließlich in privaten Händen
im liegen, verfügt die Allgemeinheit noch über
Weichkohlen- 20 Mill. acres Weichkohlenland. Dieses Land wird
bergbau. nicht mehr verkauft, sondern gegen eine Grund-
besitzerabgabe zur Ausbeutung verpachtet. Als Be-
sitzer von Kohlenland finden wir dann in ausgedehn-
tem Maße neben der öffentlichen Hand die Eisen-
bahnen, sodann die sogenannten public utilities; dar-
unter sind in erster Linie Gas- und Elektrizitäts- sowie
Straßenbahngesellschaften zu verstehen, ferner die
großen Stahlgesellschaften und andere industrielle
Werke; diese besitzen aber nicht nur Kohlenland, son-
dern sie betreiben auch Bergbau in großem Stil. Man
schätzt, daß etwa 23% der gegenwärtigen Weich-
kohlengewinnung auf diese captif mines, gefangene
Gruben, Hüttenzechen würden wir sagen, entfallen.
Die größte Hüttenzechengesellschaft ist der Stahl-
trust, er eignet und kontrolliert 750000 acres Kohlen-

38
        <pb n="40" />
        land in einer ganzen Reihe von Staaten. Seine Förde-
rung belief sich im Jahre 1920 auf 31 Mill. t. Bei
den Hüttenzechen dürfte es sich durchgängig um
orößere Anlagen handeln, im übrigen umfaßt aber
der Weichkohlenbergbau eine außerordentlich be-
trächtliche Anzahl von ganz. kleinen unbedeutenden
Gewinnungsstätten. Im Jahre 1920 (Abb. 24) zählte
700%
of Do
Abb. 24. Grubenarten im Weichkohlenbergbau.
man allein 1440 sogenannte Country Banks, die nur Grubenarten
für den örtlichen Absatz in Frage kommen und gar im
nicht mit der Eisenbahn verfrachten; zusammen hatten VWeichkohlen-
sie nur eine Förderung von 420000 t, so daß sich bergbau.
je Betrieb eine Fördermenge von etwa 300 t ergibt.
Daneben wurden 4400 Wagon mines gezählt, die zwar
eine etwas größere Bedeutung haben, auch mit Schiff
oder Bahn verfrachten, aber zusammen doch nur
4,5 Mill. t aufbrachten, so daß sich je Betrieb eine
Förderung von nicht viel mehr als 1000 t ergibt. Auch
die sogenannten Commercial Mines, die gewerblichen
Gruben, die im wesentlichen die Versorgung des
Marktes betreiben, zeigen nur eine geringe Durch-
schnittsgröße, kommen doch auf einen Betrieb nur
gut 60000 t. Die rd. 9000 gewerblichen Gruben
standen im Besitz von wenig mehr als 6000 Gesell-
schaften, so daß auf jede Gesellschaft nur etwa
11% Gruben entfielen. 80 Gesellschaften hatten eine
Förderung von je 1 Mill. t und mehr, darunter waren
4 Gesellschaften mit einer Gewinnung von zusammen

230
        <pb n="41" />
        Größe der 41 Mill. t. Wie abweichend die Verteilung der Unter-
Kohlengruben. nehmungen des Hart- und Weichkohlenbergbaus auf
die verschiedenen Größenklassen ist, zeigt Abb. 25.
SarıKohle
Unlernehmunner FÄRerung
L Öis 10000 €
AI 170000 -50000€
AI 50000-700000 €
MP 700000 -500000€ 2
F 500000 - 7/0
ZZ Hl -SMÜL
ZI über 5 Millt
T hs 100008 =
ZT 70000-500000 €
AT 50000-700000 €
IP 700000 - 500000€ us
"7 500000 - TIME
VA ”
ZT über SMILE
70 60 60 40 8020107 077710720730 40%
Abb. 25. Verteilung der Kohlengewinnung‘ nach der Größe
der Unternehmungen im Jahre 1920.
Nur 7% der Förderung werden im Weichkohlenberg-
bau von den Unternehmungen mit einer Gewinnung
über 5 Mill. t aufgebracht, im Hartkohlenbergbau ist
N es dagegen fast die Hälfte. |
Übersetzung ‘ Das hervorstechendste Kennzeichen ‚des Weich-
Wei vo nl kohlenbergbaus ist.die bereits mehrfach erwähnte
er "a Übersetzung, das. sogenannte Over-develope-
gDau, ment, welches gemeinhin kurz mit den Worten ausge-
drückt wird »Too many mines and too many miners«,
Früher bestand es. auch im Hartkohlenbergbau; diesem
ist es aber dank seiner Geschlossenheit gelungen, sich
seit der Kriegszeit davon freizumachen. Im Weich-
kohlenbergbau. herrscht es nach wie vor in unver-
minderter Stärke. In Abb. 26 ist für die‘ einzelnen
Jahre ab 1890 die theoretische Leistungsfähigkeit des
Weichkohlenbergbaus dargestellt und dazu die‘ tat-
sächliche Förderung, die Ausnutzung der theoreti-
schen Leistungsfähigkeit (capacity) — der Unterschied
40
        <pb n="42" />
        beider gibt den Grad des Over-developement an — in
Vergleich gesetzt. Die theoretische Leistungsfähigkeit
ist in der Weise berechnet, daß durch Division der
durchschnittlichen Betriebstage der Zechen (s. Zahlen-
tafel 22) in die Jahresförderung eine durchschnitt-
liche Tagesförderung ermittelt worden ist. Die Multi-
00
200
5 DR W
Id - 17900 70 1870 7979 T9ZU TIL
SS eierschichten WB Beiriebstage
Abb. 26. Übersetzung im Weichkohlenbergbau.

plikation dieser mit der theoretisch vollen Arbeits-
zeit im Jahr (308 Tage) ergibt dann die Leistungs-
fähigkeit des Gesamtbergbaus. Ohne in eine Kritik
dieser Berechnungsart eintreten zu wollen, glaube ich
aus den mit ihrer Hilfe gewonnenen Zahlen doch
unbedenklich einen riesigen Grad von Over-develope-
ment ableiten zu können; es ist im Durchschnitt der
betrachteten. Jahre, mit etwa einem Drittel zu ver-
anschlagen, mit andern Worten, bei einer um ein
Drittel geringern Anzahl von Gruben in durchschnitt-
licher Größe oder bei einer in gleichem Ausmaß ver-
minderten Belegschaft ließe sich die wirtschaftliche
Aufgabe des Weichkohlenbergbaus, die ausreichende
Deckung: des Kohlenbedarfs des Landes, in gleicher
Weise erreichen wie bisher, Das Over-developement
hat zur Folge, daß die Zechen nur etwa zwei Drittel
der verfügbaren Zeit im Jahre im Betriebe sind: für
den Durchschnitt der Jahre 1890-1923 berechnet sich
im Weichkohlenbergbau die Zahl der jährlichen Be-

4

del
4
        <pb n="43" />
        Betriebstage. Zahlentafel 22. Zahl der Betriebstage im Kohlen-
bergbau.
Hart- | Weich- Hart- Weich-
Jahr kohlen- kohlen- Jahr kohlen- | kohlen-
bergbau . bergbau
1890 200 226 1908 200 193
1891 203 223 1909 215
1892 / 198 219 1910 | 229 217
1893 197 204 1911 246 211
1894 190 171 1912 231 223
1895 . 196 194 1913 257 232
1896 174 192 1914 245 195
1897 150 196 1915 230 203
1898 152 211 1616 253 230
1899 173 234 147 285 243
1900 166 234 1:18 293 249
1901 196 225 1919 266 195
1902 116 230 1920 271 220
1903 206 225 1921 271 149
1904 200 202 1922 151 142
1905 215 211 1923 268 179
1906 | 1095 213 1924 274 172
1907 220 234
triebstage auf 209 und im Hartkohlenbergbau auf 215.
Aber während sich für letztern in der Nachkriegszeit
— das große Ausstandsjahr 1922 mit einem. Verlust
von 125 Betriebstagen außer acht gelassen — durch-
schnittlich 270 Betriebstage im Jahre ergeben, be-
trug die Zahl im Weichkohlenbergbau — ebenfalls
unter Nichtberücksichtigung des Jahres 1922, in dem
auch der Weichkohlenbergbau von einem Riesenaus-
stand heimgesucht wurde, der ‚einen Verlust von
78 Betriebstagen zur Folge hatte — im ganzen nur
183 Betriebstage. Das hohe Maß des Over-develope-
ment zeigt sich auch darin, daß sich selbst in Aus-
standsjahren wie 1922 die Einbuße. aus andern Grün-
den, es handelt sich in erster Linie. um Absatzmangel,
gleichwohl auf.88 Tage belief, so daß in diesem Jahre
die Zahl der Betriebstage bei 142 nur 46 % der theore-
tisch vollen Zeit ausmachte; aber selbst in dem unge-
wöhnlich günstigen Jahr 1920, das keine wesentlichen
Störungen durch Ausstände aufweist, betrug die Zahl
der Betriebstage bei 220 doch nur wenig mehr als zwei
Drittel der zur Förderung verfügbaren Zeit. Über den
störenden, um nicht zu sagen verheerenden Einfluß
. des Over-developement auf den Zechenbetrieb
Übersetzung brauchen keine weitern Ausführungen gemacht zu
und werden. ‚Man hat berechnet, in. welchem Maße da-
Selbstkosten. durch die Selbstkosten gesteigert werden und ist dabei

42
        <pb n="44" />
        zu dem Ergebnis gekommen, daß der Ausfall, von
einem Tag im Monat‘sie um 1%, von zwei- Tagen
um 2%, von acht Tagen um 10 % erhöht. Ei Grube,
die in der Woche nur vier Tage arbeitet, hat damit
Selbstkosten, die 11-12 % höher stehen, als we ie
an jedem Arbeitstag in Betrieb wäre. Auch die Gruben-
sicherheit leidet außerordentlich unter der Unregel-
mäßigkeit des Betriebes; nicht minder hart sind die
Belegschaften auch in anderer Hinsicht davon be-
troffen: ihre Löhne schwanken in geradezu unerträg-
licher Weise, die geeignet ist, die Haushaltungen in
völlige Unordnung zu bringen, ganz zu schweigen
von der demoralisierenden Wirkung, die der ständige
Wechsel von Arbeitstagen und Feierschichten zur
Folge haben muß. Die Feierschichten fallen nämlich Feierschichten.
nicht wie in gewissen Saisonindustrien auf bestimmte
Jahreszeiten, sie sind unvorhersehbar und verteilen
sich über das ganze Jahr, wobei sie allerdings im
Sommer zahlreicher sind als im Winter. Wenn keine
ausreichenden Aufträge vorliegen, wird die Grube in
der Regel nicht für Wochen stillgelegt, sondern der
Betrieb setzt je nachdem für 2, 3, 4, 5 Tage in der
Woche aus. Ertönt dann die Pfeife oder ist ein ent-
sprechender Anschlag ausgehangen worden, so wissen
die Leute, daß an dem betreffenden Tage gefördert
wird, mehr aber auch nicht. Wie es am nächsten Tage
aussehen wird, ist ihnen unbekannt. Dabei fehlt es
fast durchgehend an Ersatzarbeit; hier und da mag
sich beim Wegebau oder auf einer Farm eine vorüber-
gehende Arbeitsgelegenheit bieten, aber auf eine
solche zu rechnen, wäre ganz abwegig. Die Verteilung
der Feierschichten auf die einzelnen Gruben ist natür-
lich nichts weniger als gleichmäßig. Weitgehend von
Feierschichten frei sind die Gruben, die nach Art ihrer
Kohle, Lage zum Markt, Höhe der Selbstkosten unter
besonders günstigen Bedingungen fördern und daher
weniger Absätzschwierigkeiten begegnen. Eines leid-
lich regelmäßigen Absatzes haben sich vor allem die
Hüttenzechen zu erfreuen (captif mines). Im Jahre
1920, das, wie schon bemerkt, außerordentlich günstig
war, aber gleichwohl durchschnittlich nur 220 Be-
triebstage zählte, arbeiteten 61% % Weichkohlenleute
tatsächlich voll, anderseits aber 15%, d.s. 100000
Mann, weniger als Halbzeit, also weniger als 150 Tage
im Jahre. Welche Lohnsätze, die vernünftig und gang-
bar wären, lassen sich denken für voll- und nur Halb-
zeit arbeitende Leute?! Denn auch der letztern Ein-

43
        <pb n="45" />
        kommen muß so sein, daß sie ein Jahr davon leben
können. Der lohnhochhaltende Einfluß dieser Ver-
hältnisse liegt auf der Hand.
Die durch das Over-developement geschaffenen
Verhältnisse fordern gebieterisch eine Abhilfe, Die
Beseitigung Frage seiner Beseitigung ist daher auch von der
„der Kohlenkommission ernstlich ins Auge gefaßt worden,
Übersetzung. und sie hat vorgeschlagen, das Recht zum Versand
von Kohle im zwischenstaatlichen Handel, sei es als
Unternehmer oder Händler, von ‚einer. Genehmi-
gung der Interstate Commerce Commission ab-
hängig zu machen und so dem Entstehen neuer
Gruben entgegenzuwirken. Hier sei noch angefügt,
daß die Kohlenkommission auch der Aufhebung des
Sherman Act das Wort redet. Bis jetzt stehen aber
ihre Vorschläge nur auf dem Papier.
Ich gehe mun kurz auf die Selbstkosten ein. Im
Gewinnungs- letzten Jahrzehnt haben sich die Gewinnungs-
kosten. kosten‘ der amerikanischen Kohle mehr als ver-
doppelt. Das ist vornehmlich auf die allgemeine
Verteuerung des Lebens und die damit zusammen-
hängende Erhöhung der Löhne und Materialpreise
zurückzuführen. Im Hartkohlenbergbau hat dazu auch
der Umstand beigetragen, daß er schon länger bei
wachsender Teufe und zurückgehender Flözmächtig-
Gesetz des keit unter dem Gesetz des abnehmenden Ertrags steht
abnehmenden (Abpb.27), während ein Gleiches auf den Weichkohlen-
Ertrags, bergbau nicht zutrifft. Hier ist das Gesetz des ab-
Va
700 .
200.
EZ
1872 LE TE U 0 TG &amp; Ik
Abb. 27. Flözmächtigkeit und Schachtteufe im Hartkohlenbergbau.

414
        <pb n="46" />
        nehmenden Ertrags infolge der umfassenden Verwen-
dung von Maschinen nicht zur Geltung gekommen.
Sodann hat es der außerordentliche Reichtum des
natürlichen Vorkommens gestattet, immer mehr
Felder in Angriff zu nehmen und damit neue Gruben
zu erschließen, deren Kohle sich noch völlig aus
geringer Teufe unter auch sonst günstigen natürlichen
Bedingungen gewinnen läßt.

Den Hauptbestandteil der Selbstkosten _Selbstkosten
bildet im Weich- wie im Hartkohlenbergbau der im Hartkohlen-
Lohnaufwand. Er macht im letztern nach einer um- bergbau,
fassenden Erhebung vom Jahre 1921, die sich auf
930% der Hartkohlenförderung erstreckte, rd. 70 %
aus. Insgesamt beliefen sich in dem genannten Jahre
die Selbstkosten auf 5,81 $, davon entfielen 89 c
oder 15,32 00 auf Materialien, 87 c oder 14,97 % auf die
allgemeinen Ausgaben und 4,05 $ oder 69,71 % auf die
Arbeitskosten. Die Entwicklung der drei genannten

%) Allgemeine Ausgaben
200\
A A | /
ET ET
7
Beiriebsstofe
20C |
100|
ArbeitsHosten 1
Yo n
200\
100| „100, 0 A m
A Ct A GT WE nt
Abb. 28. Entwicklung der verschiedenen
Selbstkostenbestandteile im Hartkohlenbergbau.

A5
        <pb n="47" />
        Selbstkostenbestandteile seit der Vorkriegszeit ist für

den Hartkohlenbergbau in Abb. 28 dargestellt, die

nach ihren drei Teilen getrennt zu betrachten ist.

Interesse kann noch die Gliederung der Generalausgaben
beanspruchen, die in Abb. 29 wiedergegeben ist. Auf-

72
70°
Abb. 29, Gliederung der Generalunkosten
im Hartkohlenbergbau im Jahre 1921.

fällig ist der hohe Abschreibungssatz auf die Substanz,

der sich auf 17 c oder 70 Pf. beläuft. Dazu treten noch

die allgemeinen Abschreibungen in Höhe von reichlich

40 Pf. Für Steuern werden rd. 90 Pf. aufgewendet; für
Versicherung — im wesentlichen handelt es sich da-

bei um die Unfallversicherung — rd. 30 Pf. Die Ge-

hälter erscheinen mit dem geringen Betrag von 34 Pf.

Selbstkosten im Die Selbstkosten im Weichkohlenbergbau
Weichkohlen- „eigen eine ähnliche, nach Bezirken allerdings sehr
bergbau, unterschiedliche Entwicklung; so sind sie in 6 Förder-
gebieten von Pennsylvanien, Ohio und West-Virginien

um 126—-190% gestiegen. Ihre Gliederung in den-

selben Gebieten ist für 1922 aus Abb. 30 ersichtlich.

Die Arbeitskosten machten danach in dem Pocahontas-

bezirk von West-Virginien nur 60% aus, gegen 76%

in Ohio. Die Materialkosten bewegten sich zwischen

8 und 18%, die, allgemeinen Ausgaben zwischen 15

und 25%. Die Selbstkosten zeigen sonach im Weich-

46
        <pb n="48" />
        kohlenbergbau nicht nur von Grube zu Grube — das
ist ja selbstverständlich —, sondern auch nach Förder-
bezirken außerordentliche Unterschiede, sie sind
höher im Westen als im Osten, ebenso in den Union-
Gebieten als in den Non-Unionfeldern.
Yisburglt
Ptittel
Tennsylvanien
Ihio
ocahonlas
KMirg.
Ye River
MWVirg.
BE TE NE „200%
beitshosten FR Betriebsstafe ZA Mlgemeine Ausgaben
Abb. 30. Gliederung der Selbstkosten
im Weichkohlenbergbau.

Wenn ich nunmehr zur Betrachtung der Preise _Kohlenpreise,
übergehe, so ist auch hier wie sonst ein großer Unter-
schied zwischen Hart- und Weichkohle festzustellen.
Gemeinsam ist beiden die starke Steigerung des
Preises seit der Kriegszeit,. nachdem in den voraus-
gegangenen 20 Jahren die Preise eine verhältnismäßig
große Stetigkeit aufzuweisen gehabt hatten; aber
während der Weichkohlenpreis seit einigen Jahren
wieder nach unten gerichtet ist, hat sich der Hart-
kohlenpreis nicht nur auf der bisherigen Höhe ge-
halten, sondern ist noch weiter gestiegen, ein Zeichen
der Wirksamkeit des Anthrazitkartells. Des nähern
Zahlentafel 23. Wert einer Tonne geförderter Kohle

nn Weich- Weich- nn
Jatır I Kohle (gartkohle an A Kohle U ertkohle
— N “ K N $ $ N
1880 12 1917 2,26 2,85
1890 0,99 1918 2,58 3,40
1900 1,04 1,45 1919 2,49 4,14
1905 1,06 1,83 „ 1920 | 3,75 4,85
1910 1,12 1,90 | 1921 2,89 5,00
1913 , 1,18 2.13 I 1922 3,02 5,01
1914 1,17 2,07 ; 1923 2,68 5,43
1915 | 1,13 2,07 1924 | 2,20 5,43
1916 1,32 2,30 1ı 1925 2.00 5,94

47
        <pb n="49" />
        unterrichten über die Entwicklung der Preise Zahlen-
tafel 23 und Abb. 31.
Hartkohlen- ‚Preiserhöhungen für Hartkohle finden in der
preis und Öffentlichkeit ein viel stärkeres Echo als solche für
Verbraucher. Weichkohle. Sie treffen zum guten Teil unmittelbar
den letzten Verbraucher — die Hartkohle findet ja
HA MET re u
A a 5 BO TEE
Abb. 31. Wert von 1 sh. t Kohle.
überwiegend als Brennstoff in Haushaltungen Ver-
wendung —, wogegen die Steigerung des Preises von
Weichkohle sich in der Hauptsache erst mittelbar im
Preise anderer Waren fühlbar macht. i
Weichkohlen- Der Preis der Weichkohle, der keinen künst-
preis und lichen Einflüssen unterliegt, ist in stärkstem Maße von
freier Markt. der Verfassung des Marktes und dem allgemeinen
Geschäftsgang abhängig. Ein sehr beträchtlicher Teil
der Weichkohle geht unmittelbar, ohne irgendwie,‚auf
den Markt zu kommen, in den Verbrauch über. Es
handelt sich hierbei um die Kohle der schon erwähn-
ten captif -mines, die unsern Hüttenzechengesell-
schaften entsprechen, und: denen, wie,sich aus Zahlen-

48
        <pb n="50" />
        tafel 24 ergibt, auch in Amerika eine große Bedeutung
zukommt. Soweit die Weichkohle auf den Markt
gelangt, wird sie. zum größten Teil auf feste Ab-
Zahlentafel 24. Die »Hüttenzechengesellschaften« Hüttenzechen-
im amerikanischen Steinkohlenbergbau. gesellschaften.
I Zechen-
Art der »Hütten- |Versand Verkokte selbst- | Gesamt-
zechengesellschaften« Kohle verbrauch, förderung
Landabsatz
in 1000 t
Eisenbahnen . . . . 43997! 909 | 1799 ' 46705
Eisen- und Stahlwerke
mit zugehörigen Ko-
kereien. . . .... 53259 a 4399 75 232
Sonstige Industrien . 7302. 300 917 | 8519
Öffentliche Ein-
richtungen... .. 781: 81 | 1080 | 8602
zus. 111989| 18964 | 8195 |139148
in % der Gesamtsumme
Eisenbahnen . . . . 393 “x 22,0 | 33,6
Eisen- und Stahlwerke
mit zugehörigen Ko-
kereien. .'. .. + 47,6 92,7 53,7 54,1
Sonstige Industrien . 6,5 Lö 11,1 6,1
Öffentliche Ein-
richtungen. . .'. .ı 6,6 * 40 | 32 | 6,2 _
zus. |.100,0 | 100,0 ‚ 100,0 | 100,0
Ta
700
600 |
500
#00
300
200
100:
O laudar + Aare
7975 Wa a a PT PR
Abb. 32. Entwicklung des Preises von Weichkohle
im freien Markt.

49
        <pb n="51" />
        schlüsse verkauft. Diese Art des Verkaufs übt einen
ausgleichenden Einfluß auf die Preise aus; viel
schärfer sind die Preisschwankungen bei den im freien
Markt verkauften Mengen, wofür die sogenannten
spotprices-Notierungen der Zeitschrift Coal Age
(s. Zahlentafel 25 und Abb. 32) einen Anhaltspunkt
bieten. Diese Spot-Preise reagieren sehr scharf auf
vorübergehende Verhältnisse der Absatzlage, wie etwa
Wagenmangel und Verkehrsstörungen. Eine der Be-
dingungen, die stark bestimmend auf die Preise des
freien Marktes wirken, ist ferner der Umfang der
Vorräte bei den Verbrauchern (Lagerung auf den
Zahlentafel 25. Preis von 1 sh. t Weichkohle ab Grube
nach Monaten 1913, 1920, 1922 —1926.

1913 | 1920 | 1922 | 1923 | 1924 | 1925 | 1926

$ $ $ $ $ $ $

Januar .... 1,46 257 2,25 4,38 2,21 12,10 | 2,18
Februar‘. . .„. 1,22 258 2,20 3,59 | 2,25 | 2,04 ! 2,09
März. =. . 011702581 2,12 320 215 1,99. 2,01
April... .‘. . 1,17 3851224 2841207(1,95 192
Mai. 0.7. 1115 045003,11 02,68 112,04 111,97. 01,03
Juni... . .11,14 7,18 13,32 2,56 ı 2,03 ! 1,95 1,90
Juli... 88,24 14,6712,40 11,98 1,930191
August ... .. 1,22 9,5116,13 2,39 1,99 2,04 2,00
September .-. . 1,23 8,52 5,58 2,46 202 ı2,18 2,15
Oktober. . . .'1;29 7,78 4,48 2,28 2,10 !2,13 2,70
November . . . 1,31 5,87|4,11 2,25 2,06 ı 2,26 3,19
Dezember . . . 1,26 4,38 | 4,05 2,18 ı 2,06 2,19 2,53
1. Vierteljahr . 1,28 ; 2,58 ' 2,19 3,72 2,20 2,04 2,09

Zn „1,15 | 5,20 ı 2,64 2,69 ı 2,04 1,96 1,92

8 . 1211876 546 242 2,00 205 2,02

EN „1291601 451/293 207 219 281

Jahresdurchschnitt .1,23 | 5.64 3.07 2.77 2,08 | 2,06 2,21

Juli 1913 bis Juni 1914 = 100,

% % nn %% \ % % \ %

Januar... . ; 120/212 1/1806 | 362 , 183 (173 | 180
Februar ... .. 1011| 213 | 182 | 207 | 180 | 168 (172
März. 4 ic 97 1213| 175 | 2641 178: 1051166
April... ..‘ 97: 318/185 | 235 | 171 | 161 1.159
Mal .. .. . © 379 | 2571| 221 | 169 | 162 / 159
Juni:. .....”%. 95'503, 274 | 212 | 167 | 161 | 157
Juli... . . 07 681 | 386 | 198 ! 163 ‘160 ' 158
August . . ..: 100, 786 ' 507 | 198 164 166 . 165
September . . .ı 102 704 ‘ 461 | 203 167 | 179 | 178
Oktober. . . ‚1106 643 | 370 188 174 | 176 | 223
November . . .'108 485 340 | 186 170.| 187 | 264
Dezember. ; . 104 362 335, 180 170 | 181 | 209
1. Vierteljahr . 106 213! 181 307 182 | 169 | 173

2. ” . 9% 430 218 222 169 ' 162 | 158

3; .„ 100 723 451 200 165 168 | 167

4. Y „106 497 348 , 184 171 , 181 | 232

Jahresdurchschnitt 102 466303 226 172 ı 170 | 182

50
        <pb n="52" />
        Zechen kommt. im Weichkohlenbergbau so gut wie
nicht vor).

Unter den unsichern, im Weichkohlenbergbau Geldliches
herrschenden Verhältnissen leiden die Unternehmer Ergebnis im
nicht minder als die Arbeiter. Die Erträgnisse des VWeichkohlen-
Kapitals sind ebenso unregelmäßig und ungewiß wie bergbau.
der Lohn, auf den der Arbeiter angewiesen ist. Das
geschäftliche Ergebnis zeigt bei der Verschiedenheit
der natürlichen Verhältnisse von Grube zu Grube
selbstverständlich die größten Abweichungen, aber
auch bei demselben Werk sind die Schwankungen von
Jahr zu Jahr außerordentlich bedeutend. Von Gesell-
schaften, die ihre Geschäftsergebnisse der Bundes-
regierung zu Steuerzwecken eingereicht haben, wiesen
für das Jahr 1920 unter 3500 83% ein reines Ein-
kommen nach, und zwar betrug dieses 26,5% des
Gesamtkapitals. Aber gleichzeitig hatten 17% kein
reines Einkommen erzielt, oder mit einem Verlust ge-
arbeitet. Im folgenden Jahre, das mit das schlechteste
war, das das amerikanische Wirtschaftsleben je
gesehen hat, berichteten zwei Drittel aller Gesell-
schaften einen Verlust, aber auch in diesem Jahre
gab es 21 Gesellschaften, deren Reingewinn 100%
und mehr des Anlagekapitals ausmachte.

Der dramatische Wechsel in dem geschäftlichen
Ergebnis des Weichkohlenbergbaus ist . auf Grund
einer Erhebung der Kohlenkommission in Abb. 33
dargestellt.

Mit Verlust nn Mit Geminn

Dahn Arbeiten“ (1. sellschaften

17977 %

7918| Uhr.
7979

7920| 752

| 9927| 7.
Abb. 33. Geldliche Ergebnisse im Weichkohlenbergbau.

51
        <pb n="53" />
        Für 88 große Gesellschaften, die zusammen etwa
15% der Gesamtförderung‘ des‘ Landes aufbringen,
liegen auch Angaben für einen längern Zeitraum vor
(10 Jahre). Das Ergebnis ist in Abb. 34 wiedergegeben.

© Jet Förderung
30
60
40
0
TEE NETTE TE
RE nn in % des Aktienhapftals
20
75
70
5
0 ( Z E
BD TEE EEE HOT WM
Abb. 34. Gewinn je t Förderung und Dividende
im Weichkohlenbergbau.,
Die obere Balkenreihe gibt den Gewinn je Tonne
wieder, der danach in dem Zeitraum 1913 bis 1922
zwischen einem Mindestmaß von 13 und einem
Höchstmaß von 89 c gelegen hat.‘ Gleichzeitig hat
sich der Gewinn auf das Aktienkapital — unterer Teil
des Bildes — zwischen 2,6 und 24,8% bewegt.

Alles in allem lehren diese wenigen Angaben über
die finanziellen Ergebnisse des Weichkohlenbergbaus,
daß ungewöhnlich hohe Gewinne mit verderben-
bringenden Verlusten wechseln und daß, wie schon
gesagt, eine ständige Ungewißheit bezüglich seines
wirtschaftlichen Erträgnisses ein hervorstechendes
Merkmal des Weichkohlenbergbaus ist.

592
        <pb n="54" />
        Daraus erklärt sich auch das ungewöhnliche Auf
und Ab in der Zahl der betriebenen Gruben. Das
kann bei den Kleinbetrieben mit einer Förderung von
10000 t und weniger nicht wundernehmen, es trifft
aber auch mit derselben Stärke auf die Gruben mit
mehr als 200000 t Förderung zu. So zählte man
deren 1918 821, 1919 nur 550, 1920 wieder 701 und
1922 415 oder wenig mehr als die Hälfte von 1918.

Das finanzielle Ergebnis des Hartkohlen- Geldliches
bergbaus stellt sich weit günstiger als das des Ergebnis im
Weichkohlenbergbaus dar, im besondern zeigt es N arU En
gegen die Vorkriegszeit eine stark aufsteigende Rich- EORBAN:
tung (Abb. 35). Es wäre jedoch irrig, anzunehmen,

60\.

50

KO

30

20

70|

%

7973 76 , 77 oo MM os
et
Abb. 35. Gewinn oder Verlust je t Förderung
im Hartkohlenbergbau,
daß alle Hartkohlengesellschaften gewinnreich seien,
so wurden in 1921 7% der Kohle mit Verlust ge-
fördert, der bis zu 1,50 $ je Tonne ging. Weitere
12% blieben mit ihrem Gewinn unter 40 c, auf 45%
wurde ein Gewinn von 40-60 c erzielt, und bei den
restlichen 35 % überschritt der Gewinn 60 c und ging
im Einzelfall über 1,50 $, d.s. mehr als 6 /, hinaus.

53
        <pb n="55" />
        Dividende Für einige Gesellschaften bin ich auch in der Lage,
einzelner Angaben über die verteilten Dividenden in dem
Hartkohlen- —7eitraum 1913 bis 1922 zu machen (Abb. 36). Man
gesellschaften.
A 20 al
7913 14.175 06 u -
Pennsylvania Goal Com Hillside Coal and Jron Vompany
ZB 27
AA ZZ
1971819 ku ZZ A ZU 2.9
Lehigh Valley Coal Como. DB 16.1617 1819 u
Coxe Bros. and Company, INC.
191314 7516 17 18.19 20 27 22
dehjgh Coal and Navigation Company
At MALE
AA AAAAAAAAAB
19 148 17576 17 78.19 20 27 Zu I 14 75.76 17 78 79 20 21 Z2
Lehigh and Wilkes-Barre Coal Company Hudson Coal Company
Abb. 36. Dividenden (%) bei verschiedenen Gesellschaften
im Hartkohlenbergbau.
findet auch hier bei der Mehrzahl sehr große Schwan-
kungen in den Dividendensätzen, im ganzen kann aber
der Aktionär mit dem Erträgnis seiner Kapitalanlage
sehr zufrieden sein. In einzelnen Jahren erhält er
den ganzen Nominalbetrag des angelegten Kapitals,
ja das Doppelte und mehr wieder.
. Der amerikanische Steinkohlenbergbau beschäf-
Arbeiter- tigt sehr große Menschenmassen. Der Höchst-
verhältnisse. stand seiner Belegschaftsziffer fällt mit rd. 860000
in das Jahr 1923 (s. Zahlentafel 26 und Abb. 37).
Seitdem ist ein Rückgang eingetreten, so daß 1925

BA
        <pb n="56" />
        Zahlentafel 26. Entwicklung der Belegschaftsziffer im Belegschafts-
amerikanischen Kohlenbergbau.. ziffer,
Hartkohlen- Weichkohlen- .

Jahr bergbau bergbau SEC,
1900 144 206 304 375 i 448 581 .
1901 145 309 340 235 485 544
1902 148 141 370 056 518 197
1903 150 483 415 777 566 260
1904 155 861 437 832 593 693
1905 165 406 460 629 626 035
1906 162 355 478 425 640 780
1907 167 234 513 258 680 492
1908 174 174 516 264 690 438
1909 173 504 543 152 716 656
1910 169 497 555 533 725 030
1911 172 585 549 775 722 360
1912 174 030 548 632 722 662
1913 175 745 571 882 747 627
1914 179 679 583 506 763 185
1915 176 552 557 456 734 008
1916 159 869 561 102 720 971
1917 154 174 603 143 757317
1918 147121 615 305 762 426
1919 154 571 621 998 776 569
1920 145 074 639 547 784 621
1921 159 499 663 754 823 253
1922 156 849 687 958 844 807
1923 157 743 704 793 862 536
1924 | 160 009 619 604 779 613
1925 160 009 591 681 751 690

Bf

800,

|

700|-

600|

500

#00| —

Be
300
Cr

ML} [Herehahlenbe 3 a

FF - + U De
N DM Fa
1890 1895 1900 8805 7910 27916 1920 18925

Abb. 37. Belegschaftsziffer,

55
        <pb n="57" />
        nur eine Belegschaft von 750000 Mann gezählt wurde.
Diese entfällt zu reichlich einem Fünftel auf den Hart-
kohlenbergbau und zu annähernd vier Fünfteln auf
den Weichkohlenbergbau. Vergleichsweise be-
schäftigt der amerikanische Bergbau sehr wenig
Leute, was mit der Höhe seiner Förderleistung zu-
sammenhängt. Die Belegschaftsziffer im englischen
Bergbau geht bei entfernt nicht halb so großer Förde-
rung über 1 Mill. hinaus und wir in Deutschland
hatten sogar in der Zeit der 7-Stundenschicht einen
größern Belegschaftsstand als die Union. Deren
Belegschaftsziffer könnte noch weit kleiner sein, wenn
die Gruben mit derselben Regelmäßigkeit arbeiteten
wie. die Zechen in‘ England und vor allem. in
Deutschland.

Der schweren und gefährlichen Bergarbeit ist der
eingeborene Amerikaner nicht sonderlich geneigt. Das
führt dazu, daß im Steinkohlenbergbau des Landes

Ausländer sehr viel Fremdbürtige ihr Brot finden. Vor allem
unter der gilt dies vom Hartkohlenbergbau, der den Einfall-
Belegschaft. toren, durch die der Einwandererstrom seinen Einzug
hält, am nächsten liegt. Hier machen die Fremd-
bürtigen nach Ermittlung der Kohlenkommission
mehr als die Hälfte der Belegschaft aus. Ganz über-
wiegend stammt hier ebenso wie im Weichkohlenberg-
bau der Fremdenbestandteil aus dem Osten und Süd-
osten Europas. In den südlichen Staaten ist auch das
schwarze Element unter der Belegschaft stark ver-
treten. So beträgt es in Alabama mehr als die Hälfte.
Der Kulturstand der Belegschaft wird durch diese Zu-
wanderer nicht gerade gehoben, da sie zum guten Teil
Analphabeten sind. Auch ist dadurch der Prozentsatz,
der nicht einmal Englisch sprechen kann, recht stark,
was natürlich wieder auf die Unfallhäufigkeit zurück-
wirkt.
Wohn- Die Hartkohlenarbeiter wohnen zum größten Teil
verhältnisse — rd... 70% — in städtischen Gemeinwesen, d.h. in
der solchen mit mehr als 2500 Einwohnern (Abb. 38),
Belegschaft. während die Weichkohlenarbeiter ganz überwiegend
auf dem Lande angesiedelt sind, und zwar zum guten
Teil-in abgelegenen Gegenden auf sogenannten com-
pany-controlled communities, d. h. in Zechenkolonien,
wo auch Einzelheiten des Zusammenlebens der Auf-
sicht der Arbeitgeber unterliegen, so daß hier Verhält-
nisse anzutreffen sind, wie man sie in dem Amerika
des 20. Jahrhunderts nicht zu finden erwarten sollte
und die an die Feudalzeit errinnern, von der die Ver.

56
        <pb n="58" />
        Staaten doch verschont geblieben sind. Hausbesitz
findet sich bei den Weichkohlenarbeitern im Gegen-
satz zu den Hartkohlenarbeitern nur selten. Etwa zur
Hälfte wohnen erstere in Zechenhäusern. Dabei be-
steht der engste Zusammenhang zwischen Arbeits- und
Mietverhältnis. Die Bergwerksgesellschaft als Eigen-
Weichkohlenbergbau WTartkoblenbenq6au
Sl a
Egg N
ZZ
Abb. 38. Verteilung der Kohlenbergarbeiter nach Wohnstätten.
tümerin des ganzen Gebiets, in dem die Zechenkolonie
liegt, geht nun vielfach so weit, daß sie auch den
persönlichen Verkehr ihrer Arbeiter regelt, was vor
allen Dingen dem Zwecke dient, ein Eindringen der
Union auf der betreffenden Grube zu verhindern. Da
sie über die Wege, die öffentlichen Plätze und die
öffentlichen Gebäude verfügt, ist es ohne ihren Willen
einem Fremden kaum möglich, in eine solche Zechen-
kolonie und bei ihren Bewohnern Eingang zu finden.
Es liegt auf der Hand, daß diese Verhältnisse den
stärksten Widerspruch der Union hervorrufen und
nicht selten bei deren‘ Propagandafeldzügen zu
Gewalttätigkeiten Anlaß geben. Die Wohnungsver-
hältnisse in diesen Zechenkolonien entsprechen,
wenn es auch Musterkolonien gibt, zum guten Teil
nicht den bescheidensten Anforderungen. Die wenig-
sten Häuser sind unterkellert oder mit Wasser sowie
Gas und Elektrizität versehen, im besondern lassen die
Abortanlagen vielfach alles zu wünschen übrig.

Die wichtigsten Seiten der Arbeitsbedingun- Arbeits-
gen werden durch Lohn und Arbeitszeit dar- bedingungen;
gestellt. Was letztere anlangt, so wird es manch einen A
überraschen, zu hören, daß der amerikanische Berg- Arbeitszeit.
arbeiter länger arbeitet als sein deutscher Kamerad.

Eine Reglung der Arbeitszeit durch Gesetz liegt, so-

57
        <pb n="59" />
        weit ich feststellen konnte, im amerikanischen Berg-
bau nicht vor. Während in den Non-Union-Mines die
Arbeitszeit: der einseitigen Feststellung seitens der
Zeche unterliegt, gründet sie sich in den Union-
Gebieten auf den Tarifvertrag. Soweit erkennbar, er-
geben sich jedoch aus diesem Unterschied keine
wesentlichen Abweichungen. Dem Namen nach besteht
in den Union-Gebieten wie bei uns der 8stündige
Arbeitstag, aber dieser versteht sich dort nicht vom
Betreten des Förderkorbs bis zum Wiederbetreten,
sondern in diese 8 Stunden sind die Wege und Pausen
nicht eingeschlossen. So heißt es in der zurzeit
gültigen Abmachung für den Anthrazitbergbau: »Ein
8-Stundentag bedeutet 8 Stunden tatsächliche Arbeit
für alle Arbeitergruppen an dem üblichen Arbeits-
platz, Mittagspause nicht einbegriffen, und zwar für
6 Wochentage, sofern der Unternehmer sein Berg-
werk in diesem Umfang zu betreiben wünscht, mit
alleiniger Ausnahme gesetzlicher Feiertage.« Diese
Vorschrift gilt für die gesamte Belegschaft, also auch
für die Gedingearbeiter. Im Weichkohlenbergbau,
soweit seine Verhältnisse tarifvertraglich geregelt
sind, bezieht sich dagegen die sonst im gleichen Sinne
zu verstehende 8stündige Schicht nur auf die Schicht-
löhner, während die Gedingearbeiter nicht darunter fallen.
Aber ungeachtet der anders lautenden Festsetzung
Schichtzeit der des Tarifvertrages bestimmt ebenso wie im Weich-
Gedinge- kohlenbergbau auch im Hartkohlenbergbau der Ge-
arbeiter. dingearbeiter selbst die Länge seiner Schicht, und
zwar hört er im allgemeinen auf, wenn er sein Soll
oder das, was er dafür hält bzw. was der Gewerk-
verein als solches festsetzt, erreicht hat, wobei er
neben dem Maße seiner Ermüdung vor allem von der
Höhe des erzielten Lohnes ausgeht. Nach einer neuen
Erhebung des Bureau of Mines (s. Zahlentafel 27)
ist der sogenannte Contract-Miner — unser Hauer —
im Hartkohlenbergbau 7 st 30 min im Durchschnitt
in der Grube, davon 6 st 48 min an seiner Arbeits-
stelle; der Weg zu und von dieser erfordert mithin
42 min. Die reine Arbeitszeit stellt sich um eine halbe
Stunde kürzer als der Aufenthalt vor Ort, da das Früh-
stück diese Zeit beansprucht. Mit 6 st 18 min ist sie
fast gerade so lang wie zurzeit bei uns. Im Weich-
kohlenbergbau hat die betreffende Erhebung für das
Jahr 1924 für die Hauer eine Schichtzeit von 8 st
24 min festgestellt, bei einer Aufenthaltsdauer vor Ort

58
        <pb n="60" />
        von 7 st 42 min und einer reinen Arbeitszeit von
7 st. 12 min.
Die Arbeitszeit der Schichtlöhner geht in
beiden Bergbauzweigen durchgehends über 8, bei
einigen Gruppen über 9 Stunden hinaus. Das legt
die Annahme nahe, daß die 8stündige Schicht zum
Zahlentafel 27. Arbeitszeit im amerikanischen Schichtzeit
Steinkohlenbergbau. und reine
— = = Arbeitszeit.
Aufenthalt Reine
in der Grube | vor Ort, Arbeitszeit
— st min | st min, st min __
Hartkohlenbergbau
Hauer.” 7 30 6 48 9-18
Gedingeschlepper . . 7 48 7 22 042
Weichkohlen-
bergbau
Hauer... . Ms 2 7 al 7 ©
Gedingeschlepper . , 8 30 | 7 48 TB
Reine Arbeitszeit
Hart- / Weich-
Sonstige Arbeiter kohlenbergbau N E
untertage et m St An
Reparaturhauer . . - 8 12 = 18
Anschläger . . . 9 18 ö 42
Pferdeführer . . . - “ 36 8 12
Ungelernte . . .- 8 36 3 18
Grubenlokomotiv-
führer. 4: 22 ; : 36
Pumpenwärter . . - 3u 48
„. Schienenleger . . 8 42 &gt; 18
Übertagearbeiter
Schmiede . . . . - 9 6 ö 36
Zimmerleute . . . - 54 { 36
Schlosser. . + +. 36 ö 54
Heizer 24 N ß 48
Ungelernte . . + y 6 8 36
guten Teil nur auf dem Papier steht, insofern, als die
tägliche Arbeitszeit infolge von Überschichten oder
aus anderm Grunde nicht unwesentlich länger ist. Die
8stündige Schichtzeit dürfte dabei lediglich als Rech-
nungsgröße zur Ermittlung des Lohnes dienen. Über-
schichten werden übrigens nicht mit einem Zuschlag
bezahlt.
Wenn sich bei der verhältnismäßigen Länge der
Arbeitszeit im amerikanischen Bergbau keine stärkere Verkürzung
Bewegung auf eine Verkürzung geltend macht, so der
mag dies seine Erklärung darin finden, daß der ameri- Arbeitszeit,
kanische Bergarbeiter, wie wir bereits sahen, ver-

50
        <pb n="61" />
        hältnismäßig wenig Schichten im Jahre verfährt.
Übrigens wird in dem Statut des Gewerkvereins die
6stündige Arbeitszeit verlangt, aber man hat es hier
mit einer kaum ernst zu nehmenden Forderung zu
tun. Zum mindesten ist sie nicht so sehr aufgestellt,
um dem Bergarbeiter durch eine kürzere Arbeitszeit
mehr Muße zu ermöglichen, es wird vielmehr damit,
in Verbindung mit der gleichzeitig geforderten
5Stägigen Arbeitswoche, die Beseitigung der Über-
setzung im amerikanischen Weichkohlenbergbau
bezweckt.
Lohn- Es ist allgemein bekannt, daß die Löhne in der
verhältnisse. Union weit höher stehen als in Europa, zunächst gilt
das von den Nominallöhnen. Der amerikanische
Arbeiter mag an Geldlohn annähernd ebensoviel
in Dollar wie unser Arbeiter in Mark erhalten. Das
wäre etwa das Vierfache. Da der Dollar aber nur die
Kaufkraft von rd. 2.4 hat, so stellt sich sein Reallohn
nur ungefähr doppelt so hoch. Auf die Goldwage
ist diese Angabe nicht zu legen, aber die vergleichs-
weise große Höhe des amerikanischen Lohnes steht
Bevölkerung Erdoberfläche SCHENENMEZE Hasserhräfte
Steinkohle Petroleum LISENETZ PFoheisen
Stahl Hunter Let Zink
Silber Gold Getreide Baumrolle
Abb. 39. Anteil der Ver. Staaten an der Weltgewinnung
der wichtigsten Güter.

60
        <pb n="62" />
        fest; die Gründe dafür sind auch bei uns viel Gründe für
erörtert worden, sie scheinen mir in der Hauptsache den hohen
in dem außerordentlichen Reichtum des Landes an Lohn in der
Naturschätzen und Kräften zu liegen, der in Abb. 39 Union.
für das Jahr 1924 dargestellt ist. (Der Anteil der
Ver. Staaten ist in dem Bild durch den schwarzen
Kreisausschnitt ausgedrückt.) Die diesem zugrunde
liegenden Zahlen sind in Zahlentafel 28 aufgeführt,
Zahlentafel 28. Anteil der Ver, Staaten
an der Weltgewinnung der wichtigsten Güter.
1913 1924
davon | davon
Welt |Ver. Staaten ‚7.14 | Ver.Staaten
in Mill. Ma | %
Bevölkerung Personen 1631,5| 96,5: 5,92 1829,8/112,1| 6,13
Oberfläche . . . km 143,0 0 5,38 - 8 5,38
Schienenweg . . km 1,1| 0,4 37,02 1,2 0,4| 34,19
Wasserkräfte . . PS 8 6,5/ 28,26 | 29,0 10,0| 34,61
Gewinnung an:
Steinkohle . . . . t 1213,7517,1! 42,60 1183,5/524,5| 44,32
Erdöl . na ‚ Faß WE ©. 71,66
Eisenerz ...... t 178,0 63,0 35,38 150,3 60,9 40,52
Roheisen . . . .t 79,1 31,5 39,78. 76,0| 37,3 49,07
Stahl. .... .t 76,2| 31,8/41,74 89,5/ 46,1 51,53
Kupfer... 3 1,0 X 58,60 1,4! 0,8| 58,99
Blei. Pt 2732 0,4133,74  15| 0,71 44,40
Silber . .. Unzen 225,4| 66,8 29,64 235,1| 64,8| 27,56
Gold. .. . . . $ 460,5| 88,9| 19,30 384,1| 50,2| 13,08
Getreide . . . Dz. 21224195 1548 es 18,32
Baumwolle . Ballen | 25,5 14,6/ 57,25 24,8! 13,6! 54,95
die gleichzeitig die entsprechenden Angaben für das
Jahr 1913 bringt und damit die Verschiebung erkennen
läßt, welche sich in den letzten 12 Jahren auf wichtigen
Gebieten der Weltgeltung der Ver. Staaten vollzogen
hat. Von den Menschen, welche unsern Planeten be-
völkern, wohnen nur 6% in den Ver, Staaten. Auf
diese entfällt aber von der Weltgewinnung der wich-
tigsten Güter, wie die Abbildung erkennen läßt, in den
meisten Fällen annähernd die Hälfte oder noch
mehr. Da ist es nicht zu verwundern, wenn ein Land,
das in solchem Maße vor andern in der Ausstattung
mit Naturschätzen und Kräften bevorzugt ist, seinen
Arbeitern auch weit höhere Löhne bezahlt als Länder,
bei denen eine gleiche Ergiebigkeit der Arbeit an der
Kargheit der Natur scheitert. Dazu treten noch eine
Reihe anderer Umstände: In erster Linie die Vorteile
des ungeheuern Wirtschaftsgebiets, das ohne Zoll-

61
        <pb n="63" />
        grenze, Paß- und Sprachschwierigkeiten einen
ungehemmten Warenaustausch gestattet. Die hervor-
ragende Wirtschaftsenergie des Amerikaners, der nach
der Seite der Tatkraft so etwas wie eine Auslese aus
den Völkern darstellt, die zur Bildung des amerikani-
schen Menschen beigetragen haben, sei dabei nicht
unerwähnt gelassen, ebensowenig die besondere
Arbeitsorganisation, die sich das amerikanische Wirt-
schaftsleben geschaffen hat, zu der es aber vornehm-
lich erst durch den riesigen innern Markt befähigt
worden ist.
Löhne Die Löhne im Kohlenbergbau entsprechen
nach Arbeiter- dem angedeuteten Gesamtbild. Über den Schichtver-
gruppen. dienst im Hart- und Weichkohlenbergbau unterrichtet
Zahlentafel 29. Eine besondere Hervorhebung ver-
Schicht- Zahlentafel 29. Schichtverdienst im amerikanischen
verdienst. Steinkohlenbergbau nach Arbeitergruppen im Jahre 1924.
Hart- Weich-
Arbeitergruppe kohlenbergbau kohlenbergbau
—r $ m $ nn
untertage:
Hauer von Hand . .. 9,07 6,27
Maschinenhauer . . . . 9,65
Gedingeschlepper . . . 6,47 6,32
Zimmerhauer . .._ .. 6,38 6,44
Anschläger ... 6,20 7,46
Pferdeführer. .. .7. 7. 5,46 6,12
Ungelernte. .. , . 5,67 5,47
Grubenlokomotivführer . 6,60 6,46
Pumpenwärter. . . .. 5,90 6,02
Schienenleger . ... . . 6,47 6,14
übertage:
Schmiede 1. 02 6,75 6,72
Zimmerleute . . . .”. 6,40 5,93
Schlösser... 44 17 6,17 7,09
N er 5,50 6,25
Ungelernte 2! 5,25 4.93
dient der Lohn des Hauers, der im Hartkohlenbergbau
als Hauer von Hand reichlich 9 $ verdient, während
er im Weichkohlenbergbau in gleicher Betätigung fast
um ein Drittel hinter diesem Satz zurückbleibt, dafür
aber als Maschinenhauer bei 9,65 $ noch beträchtlich
darüber hinausgeht. Bemerkenswert erscheint sodann
die große Spannung, die zwischen dem höchsten und
dem niedrigsten Lohn besteht: Im Weichkohlenberg-
bau beispielsweise ist der Verdienst des Maschinen-
hauers fast doppelt so hoch wie der des ungelernten
Arbeiters. Im Ruhrbergbau steht dagegen der Hauer-

62
        <pb n="64" />
        tariflohn noch nicht einmal 50% höher als der
niedrigste Schichtlohn für den Erwachsenen.
Wenn wir die wirtschaftliche Lage der amerikani-
schen Bergarbeiter beurteilen wollen, so dürfen wir
nicht den Schichtverdienst. zum Ausgangspunkt
nehmen, sondern müssen den Jahresverdienst zu- Jahres-
grunde legen. Was hilft ein hoher Schichtverdienst, verdienst..
wenn die Beschäftigung so unregelmäßig und lücken-
haft ist, wie sie im Hartkohlenbergbau in der Zeit
vor dem Kriege war und im Weichkohlenbergbau
heute noch ist? Was die Jahreslöhne im Hart-
kohlenbergbau anlangt, so ergab eine umfassende
Erhebung der Kohlenkommission für 1921 einen
Jahresverdienst von 1605 $. Für die mehr als 50 %
der Belegschaft, welche das ganze Jahr über im
gleichen Arbeitsverhältnis standen, lagen die Jahres-
löhne zwischen weniger als 500 und mehr als 4000 $,
und zwar betrug für die Hauer der Durchschnitt
2065 $, für die Füller 1450 $, für die Schichtlöhner
untertage 1535 $ und die Leute übertage 1475 $.
Während mithin der Durchschnitt der Hauer reich-
lich 2000 $ im Jahre erzielte, verdienten 10% mehr
als 2700 $ und 20% mehr als 2400 $. Auf der andern
Seite betrug der Verdienst von 10% der Belegschaft
weniger als 1500 $ in einem vollen Jahr und von 20 %
weniger als 1700 $. Seitdem diese Löhne ermittelt
worden sind, ist eine Erhöhung um 10% eingetreten.
Daß unsere Bergarbeiterlöhne nicht an diese Sätze,
auch wenn man sie auf ihre Kaufkraft zurückführt,
heranreichen, bedarf keiner besondern Hervorhebung.
Für den Weichkohlenbergbau liegt keine ent-
sprechende Aufstellung vor, doch lassen sich ein-
schlägige Angaben auf konstruktivem Wege
gewinnen. Zunächst aber noch ein Wort über den
Schichtverdienst in den einzelnen Weichkohlenstaaten Löhne in den
(s. Zahlentafel 30). Er zeigt naturgemäß von Staat einzelnen
zu Staat große Abweichungen. Für die Hauer und Staaten,
Gedingeschlepper finden wir 1924 bei einem Durch-
schnittslohn für das ganze Land von 6,56 $ in
Tennessee nur einen Schichtverdienst von 4,08 $, in
Indiana dagegen einen solchen von 8,56 $. Die Non-
Union-Staaten, wie vor allen Dingen Alabama, West-
Virginien, Kentucky, liegen beträchtlich unter dem
Durchschnitt, wogegen die Unionstaaten IMinois,
Indiana, daneben auch Ohio und Kolorado überdurch-
schnittliche Verdienste aufweisen.

623
        <pb n="65" />
        Zahlentafel 30. Schicht- und Jahresverdienst
eines Hauers im amerikanischen Weichkohlenbergbau
nach Staaten im Jahre 1924.
icht- res-
* Ten Betriebs- VErdlesa
tage
$ $
Alabama... 457 220 1005
Kolorado 2. 7,23 178 1287
A 148 1265
Indiana, +. Ss6 136 1164
Kansas 1 5,92 151 894
Kentucky... . 1". 15,63 174 980
Ohio... N 143 1025
Pennsylvanien. .. ... 6,40 180 1152
Tennessee. 4,08 159 649
Virginien.... 0... 4,05 226 | 1051
West-Virginien .. .. . 610 182 * 1110
insges.| 6,56 | 172 | 1128
In der zweiten Spalte der Zahlentafel 30 sind die
durchschnittlichen Betriebstage der Zechen im Jahre
1924 aufgeführt. Für das ganze Land ergibt sich eine
Zahl von 172 Tagen, die allerdings unterdurchschnitt-
lich ist. Nimmt man an, die Arbeiter hätten an allen
Tagen, an denen die Zechen geöffnet waren,
gearbeitet, wären also nicht wegen Krankheit und aus
andern Gründen, wie etwa willkürliches Feiern, von
der Arbeit ferngeblieben, so berechnet sich ein Durch-
schnittsverdienst von 1128 $ im Jahr. Der Hauer in
Tennessee verdiente dabei nur 649 $, sein Kollege in
Kolorado 1287 $. Gegenüber dem Durchschnittsver-
dienst von 1128 $, d.s. rd. 4750 4, die ihrer Kauf-
kraft nach etwa 2400 jetzigen Mark entsprechen
Lohnvergleich dürften, kann sich auch der Verdienst unsers Hauers
mit dem bei rd. 2500 ./ im letzten Jahr sehr wohl sehen lassen,
Ruhrbezirk. um so mehr, als dieser gegen die Wechselfälle des
Lebens in ganz anderer Weise gesichert ist als sein
amerikanischer Arbeitskamerad.
Sozial- Denn die soziale Versicherung ist drüben,
versicherung, abgesehen von der Unfallversicherung, noch völlig
unentwickelt; eine gesetzliche Krankenversicherung
besteht ebensowenig wie eine Invaliditäts- und Alters-
versorgung. Wohl unterhalten einzelne industrielle
Werke, und so auch Gruben, neben den bei ihnen
vorhandenen Verbandstuben große, vortrefflich aus-
gestattete Hospitäler, in denen im Krankheitsfalle
Arbeiter sowie vielfach auch ihre Angehörigen, teil-
weise unentgeltlich, teilweise gegen regelmäßige

Staat
64
        <pb n="66" />
        monatliche Abhaltung eines bestimmten Beitrages vom
Lohn (meist 1,50 $) Pflege und Heilbehandlung
finden. Ein Krankengeld für die Zeit der Arbeits-
unfähigkeit wird jedoch nicht gezahlt. Wird der
Arbeiter, außer durch Unfall, arbeitsunfähig, so steht
ihm im allgemeinen, wenn er nicht über eigene Er-
sparnisse verfügt oder die Hilfe seiner Angehörigen
in. Anspruch nehmen kann, nur das Armenhaus oder
die öffentliche Wohltätigkeit offen. Das Fehlen einer
sozialen Versicherung mag hingehen und vielleicht
lie beste Reglung bedeuten, da es den Mann auf sich
selbst. stellt, wenn Lohnverhältnisse bestehen, wie
zurzeit im Hartkohlenbergbau; wie die Dinge aber
im Weichkohlenbergbau liegen, müssen sich ohne eine
Sozialversicherung vielfach unhaltbare Bedingungen
ergeben.

Was die Unfallversicherung anlangt, so ist Unfall-
die früher bei Betriebsunfällen lediglich bestehende versicherung,
Haftpflicht des Unternehmers, die zum Wirksam-
werden Fahrlässigkeit zur Voraussetzung hatte, nicht
lange vor dem Kriege durch staatliche Entschädi-
gungsgesetze ersetzt worden. Gegenüber dem An-
spruch aus diesen Gesetzen steht dem Unternehmer
ein dreifacher Weg offen: die Selbstversicherung,
Versicherung bei staatlichen Versicherungsanstalten
oder bei privaten Versicherungsgesellschaften. Die Ent-
schädigungsgesetze weichen von Staat zu Staat je
nachdem sehr stark ab. Nach dem Gesetz des
wichtigsten Kohlenstaates Pennsylvanien wird eine
Entschädigung erst gewährt, wenn ein Unfall eine
Arbeitsunfähigkeit von mehr als 10 Tagen zur Folge
hat; für die ersten 30 Tage nach dem Unfall liegt
dem Arbeitgeber die Übernahme der Kosten der ärzt-
lichen Behandlung bis zum Höchstbetrage von 100 $
ob. Die Unfallentschädigung beträgt bei voller Ar-
beitsunfähigkeit 60 % des durchschnittlichen Wochen-
lohnes, jedoch nicht länger als 500 Wochen und nicht
mehr als 5000 $ im ganzen. Bei tödlichen Unfällen
trägt der Arbeitgeber die Begräbniskosten bis zum
Betrage von 100 $; die Höhe der Entschädigung an
die Hinterbliebenen hängt von deren Zahl ab, sie wird
in Prozenten des Lohnes bis zur Höchstdauer von
300 Wochen gewährt, dabei wird der Berechnung ein
Wochenlohn von nicht mehr als 20 und nicht weniger
als 10 $, also ein weit hinter der Wirklichkeit zurück-
bleibender Satz, zugrunde gelegt.

65
        <pb n="67" />
        In diesem Zusammenhang soll kurz auf die
Unfall- Unfallhäufigkeit im amerikanischen Bergbau ein-
häufigkeit. gegangen werden.

Im Hinblick auf die Gunst der natürlichen Ver-
hältnisse, unter denen sich Gewinnung und Zutage-
förderung der Kohle in den Ver. Staaten voll-
ziehen: das Vorwiegen des Stollenbaus und damit das
Zurücktreten der Gewinnung aus Schächten, die gute
Beschaffenheit des Nebengesteins, die eine außer-
ordentliche Weiträumigkeit der einzelnen Grubenbaue
zuläßt, schließlich weitgehende Schlagwetterfreiheit
— sollte man auch eine niedrige Unfallziffer erwarten;
das Gegenteil ist der Fall. Die Verhältniszahl der
tödlichen Unfälle — für die allein einwandfreie An-
gaben vorliegen — geht weit über die entsprechenden
Zahlen für Deutschland oder gar Großbritannien
hinaus. Während wir im deutschen, genauer gesagt
im preußischen Steinkohlenbergbau im Durchschnitt
der letzten drei Jahrzehnte (die Kriegszeit sowie die
ersten Nachkriegsjahre unberücksichtigt gelassen) auf
1000 Vollarbeiter etwa 2 Todesfälle im Betriebe zu
beklagen haben — im Ruhrbezirk, dessen Verhältnisse
der Zahlentafel 31 sowie der zugehörigen Abb. 40
zugrundeliegen, finden wir etwas höhere Zahlen —,
sind es im amerikanischen Bergbau im Durchschnitt

Zahlentafel 31. Tödliche Unfälle

auf 1000 Beschäftigte im Steinkohlenbergbau.

Jahr Ver, Staaten N UT

1907 6,24 2,15

1908 5,54 3,27

1909 5;38 227

1910 5,31 2,25

1911 4,97 2,23

1912 4,46 2,92

1913 4,70 2,64

1914 4,66 2,62

1915 4,44 „38

1916 3,13 3,88

1917 4,25 4,48

1918 3,94 4,10

1919 4,27 2,81

1920 3,78 2,53

1921 4,19 2,20

1922 4,89 2,08

1923 4,39 1,28

1924 4,79 2,27

1925 4,36 2,86

1926 2.45

66
        <pb n="68" />
        der Jahre 1915 bis 1924 414, im Hartkohlenbergbatt
annähernd 4, im Weichkohlenbergbau 41/3 Unfälle je
1000 Vollarbeiter.

Was überrascht, ist nicht nur die Höhe dieser
Ziffer, die zudem, wie aus dem Bilde zu entnehmen
ist, trotz aller Safety-First-Bewegung keine aus-

VE _
1907 WW Rn n de
Abb. 40. Tödliche Unfälle auf 1000 Vollarbeiter
im Steinkohlenbergbau.

gesprochene rückläufige Entwicklung aufweist, son-

dern auch die Verteilung der Unglücksfälle auf die Unfallarten.
einzelnen Ursachen, die aus Zahlentafel 32 und

Abb. 41 zu ersehen ist.

Zur Hälfte entfallen sie ungeachtet des guten
Daches auf Stein- und Kohlenfall, bei uns nur zu
einem Drittel. Die erwähnte weitgehende Schlag-
wetterfreiheit der Gruben vermag nicht zu verhindern,
daß auch der Anteil der Explosionen verhältnismäßig
hoch ist (12% gegenüber 5% bei uns). In noch
höherm Maße sind die Unfälle bei der Streckenförde-
rung (18% gegen 90%) an der Gesamtzahl beteiligt.
Sehr zurück treten dagegen aus Gründen, die auf der
Hand liegen, die Unfälle in Schächten (3 gegen 29 %).

567
        <pb n="69" />
        Vergleich der Die vergleichsweise große Höhe der ameri-
Unfall- _ kKanischen Unfallziffer je 1000 Vollarbeiter, die in
häufigkeit mit
dem A Zahlentafel 32. Verteilung der tödlichen
bergbau. Verunglückungen im Kohlenbergbau auf die einzelnen
Unfallarten in Prozenten.
Ver VE
Unfallart Staaten (Durchschn. 1913/14
und 1919— 10924)
% U
Stein- und Kohlenfall. . . . . 50 32,82
Grubenwagen und Lokomotiven 1: 9,07
Gas- und Kohlenstaubexplosionen 12 5,12
Schießarbeit . . . » 3,38
Schächte 2. ee 28,86
Andere Ursachen untertage . . 6.46
Elektrizität... ... u ' )
Übertage . . . Ann bo 14,20
zus. | 100 | 10° °9
Sau
+“ 6G
% CZ
»
WO mm Z0
{ler Staaten
v = (Weichkoh. 4 0
%
En 100
\ Ahrbezir!
10°
. ö0
Abb. 41. Tödliche Verunglückungen nach Ursachen.
Zahlentafel 33 und Abb. 42 noch eine etwas anders
geartete Darstellung gefunden hat, verlangt eine Er-
klärung. Sie ist vornehmlich in folgendem zu finden:
Es fehlt in der Union an einer einheitlichen Berg-

„JUL
68
        <pb n="70" />
        Zahlentafel 33. Tödliche Verunglückungen
jm Steinkohlenbergbau untertage der Ver. Staaten (1923)
und im Ruhrgebiet (1924) auf 1000 Vollarbeiter,
Ver. Staaten / Ruhr-
Unfallart (auf 300 Arbeits- | berg-
tage umgerechnet)| bau
Stein- und Kohlenfall. . . . . 2,50 1,21
Grubenwagen und Lokomotiven 0,89 0,33
Jas- und Kohlenstaubexplosionen 0,80 0,05
Schießarbeit . . . - x 0 0,25 0,08
Schächte 1. 0,11 0,83
Andere Ursachen untertage . . 0,17
Elektrizität... . - nt 0,25 0,13
zus. | 4,97 ‚ 2,63
am (7923)
_ VMuhrbezirk (1924)
20
© “yo
051 EI
9ı
Abb. 42. Tödliche Verunglückungen im Steinkohlenbergbau
untertage.
gesetzgebung; jeder Staat hat seine bergpolizeilichen
Vorschriften, die zum Teil auf ein ansehnliches Alter
zurückblicken und infolgedessen den derzeitigen Ver-
hältnissen heute in keiner Weise mehr entsprechen.
Zudem ist die Durchführung ‚dieser Vorschriften von
Staat zu Staat verschieden und läßt vielfach zu
wünschen übrig. Nicht selten sind es Rücksichten auf
die Wettbewerbsfähigkeit der in seinen Grenzen ge-
legenen Gruben, welche einen Staat von der Ein-
führung bzw. Verschärfung bergpolizeilicher Vor-
schriften absehen lassen. Es finden sich deshalb auch Die Unfälle in
von Staat zu Staat außerordentliche Unterschiede in den einzelnen
der Unfallziffer (s. Zahlentafel 34 und Abb. 43), die Staaten.
weniger der Verschiedenheit der natürlichen Verhält-
nisse als der eben berührten Lage der Dinge ent-
springen.

69
        <pb n="71" />
        Zahlentafel 34. Tödliche Verunglückungen auf
1000 Mann im Durchschnitt 1915—1924 nach Staaten.
a Aut Aut

ef 1000 “taat 1000
Mann Mann
Alabama . .. . . 4,76 Neu-Mexiko . . . . 9,61
Arkansas . . . . . 5,38 Nord-Dakota. . ,‚ . 3,44
Kalifornien, Idaho, Ohl0.. 0.7.2. LO
Nevada CM 3,170 Oklahoma. . . . 5,53
Koloradofi. .. 2. 7,99 Oregon... .. . 06,55
Georgien, Nord- Pennsylvanien (Weich-
Karolina . . . . . 267 _kohlenbergbau) . . 3,23
Illinois. . .. . . 3,41 Pennsylvanien (Hart-
Indiana. . . . . . 4,21 | kohlenbergbau) . . 3,93
Jowa.. ‚A 293 Tennessee. . :; . 2,93
Kansas EP 3,90 Texas. 0... 7 A 102
Kentucky 1...” 4,05 Utah... U. 014,02
Maryland [.. .. 03,4 EVirginien . . .. 44,16
Michigan . ... . . 3,06 Washington . . . . 7,01
Missouri ‚ .. . . 1,99 West-Virginien . . . 06,47
Montana... 5,36 1 Wyoming . ... 08,07
Abb. 43. Tödliche Verunglückungen auf 1000 Mann
in den einzelnen Staaten im Durchschnitt der Jahre 1915—10924.
Hier sei erwähnt, daß der Gebrauch des Schwarz-
pulvers. und- die Verwendung offenen Lichtes im
amerikanischen Bergbau noch durchaus vorherrschen.
Von Einfluß auf die Höhe der Unfallziffer ist dann
auch die Unregelmäßigkeit in der Beschäfti-
gung der Gruben. Auch der Umstand, daß die
Belegschaft bunt zusammengewürfelt ist, daß ein
erheblicher Bruchteil von ihr nicht einmal lesen kann,
auch nicht das Englische versteht, trägt hierzu bei.

Staa 5
70
        <pb n="72" />
        Ich komme nun zu den Organisationen der Organisation
Arbeitgeber und Arbeitnehmer im amerikanischen der Arbeit-
Bergbau. Letztere sind in dem bereits mehrfach er- nehmer.
wähnten Gewerkverein der United Mine workers of
America zusammengefaßt. Es handelt sich dabei um
einen lediglich wirtschaftlichen Verband, weltanschau-
liche‘ und politische Fragen spielen in ihm keine
Rolle; auch wird kein Unterschied zwischen den
Angehörigen verschiedener Rassen, im besondern
Weißen und Farbigen, gemacht. Den Kommunismus
allerdings lehnt der Verband als gewerkschaft-
zerstörend grundsätzlich ab. Die Mitgliederzahl, die
Zahlentafel 35. Die Ausbreitung des Tarifvertrags

im amerikanischen Weichkohlenbergbau Ende 1925.
Ü Zahl der Beschäftigt Von der Gesamt-
a er Besc SHE en zahl (=100)
auf KA sich auf
Tarif- :
; ; Tarif- | PA | freien
freien ) Insges. vertragS-! Gruben
vermgs| Gruben BEIDEN ;

. Ü N In m er
Alabama . . . = 26823 26823 — 100,00
Alaska . .. - 157 157 A 100,00
Arkansas . . . 1761 1281 3042 57,89 42,11
Georgien . . = 137 137 &gt; 100,00
Idaho . ‘ - 10 10 = 100,00
Illinois. . . . 74815! 665 75480 99,12 0,88
Indiana ‚20184! 662 20846 096,82 3,18
Jowa . . 9 309 400 9709 095,88 4,12
Kansas. . . 5277 1 107 6384 82,66 17,34
Kentucky A: 26 55965 55991 0,05 99,95
Kolorado , ; — 12886 12886 - 100,00
Maryland . . . = 3543 3543 - 100,00
Michigan . . 1548 31 1579 98,04 1,96
Missouri . . . 3268 931 41991 77,83 22,17
Montana . . &gt; 2314 345 2659: 87,03 12,97
Neu-Mexiko. . - 3440 3440 — 100,00
Nord-Karolina . = 140 140 — 100,00
Nord-Dakota . 1.291 1 291 100,00
Ohio. . .... 33408 3552 36960 190,39 9,61
klahoma . - 553 3318 3871 14.29 85,71
Oregon .. . + — 21 21 100,00
Pennsylvanien . 51003 ' 07479 148482 34,35 65,65
Tennessee . . 529 7277 7806 06,78 03,22
Texas . 2-7 1868 1 868 =. 100,00
Utah 4225 14225 — 100,00
Virginien . . - — 13677 13677 - 100,00
Washington. . 1555 2127 3682 42,23 57,77
West-Virginien . 5693 101531 107224 5,31 94,69
Wyoming. . + 6155 47 6202 99,24 0,76
Sonstige Staaten An 100,00
insges.] 217 398 | 344 940 | 562338 ı 38,66 | 61,34

Staa
73
        <pb n="73" />
        1913 mit annähernd 500000 ihre Höchstziffer ver-
zeichnete, zeigt außerordentliche «Schwankungen, die
zum guten Teil durch Arbeitskämpfe bedingt sind.
Nach einem Gesamtausstand pflegt das Interesse für
den Verband abzuflauen und im Zusammenhang damit
auch seine Mitgliederzahl zurückzugehen. Das Bestreben
des Bergarbeiterverbandes geht naturgemäß dahin,
die Gesamtheit der Bergleute in seiner Organisation
Die zusammenzufassen, aber davon ist er noch weit entfernt,
Ausbreitung jetzt vielleicht mehr als seit langer Zeit. Über die
des Machtstellung des Gewerkvereins in den einzelnen
Tarifvertrags. Staaten geben Zahlentafel 35 und Abb. 44 Auf-
schluß. Eine im wesentlichen unbestrittene Herr-
schaft übt der Gewerkverein unter den großen Kohlen-
staaten in Illinois und Indiania aus, schwächer ist
seine Stellung, abgesehen vom Anthrazitbergbau, in
Pennsylvanien und in Ohio. In den andern Förder-
gebieten finden sich wohl auch mehr oder minder
große Inseln von Uniongruben, sei es, daß es sich
dabei um einzelne Werke oder eine größere Zahl
solcher handelt, aber im wesentlichen sind doch die
andern großen Kohlenstaaten, wie West-Virginien,
Kentucky, Alabama, Tennessee, Non-Union-Gebiete.
Check- Der Befestigung der Herrschaft des Gewerk-
off-system. vereins dient in hohem Maße das sogenannte Check-
/
a
BE weniger als 10%
HI 70-29 %
E00 -49 % va ITTEE
Abb. 44. Die Ausbreitung des Tarifvertrages im amerikanischen Kohlenbergbau.

792
        <pb n="74" />
        off-system, das sich im gesamten Weichkohlenberg-
bau, soweit er den Tarifvertrag besitzt, durchgesetzt
hat, und das darin besteht, daß an den Lohntagen der
Unternehmer die Beiträge, Eintritts- und Strafgelder,
auch etwaige besondere Beiträge seiner Arbeiter, ab-
hält und dann die Gelder mit einer Aufstellung an
den Kassierer der Union abführt. In diesen Weich-
kohlengebieten besteht auch der sogenannte Closed Closed shop.
shop, d. h. auf einer Grube, für die der mit der Union
abgeschlossene Tarifvertrag gilt, dürfen nur Mit-
glieder dieser beschäftigt werden. Theoretisch hat er
ein Gleiches im Hartkohlenbergbau nicht erreicht,
wie es ihm auch noch nicht gelungen ist, hier mit
seiner Forderung auf das Check off durchzudringen.
Eine besondere Stärkung seiner Stellung erfährt der
Gewerkverein im Hartkohlenbergbau noch durch das
dort bestehende Erfordernis eines Hauerscheins, an
dessen Erteilung die Arbeiter und damit der Gewerk-
verein maßgebend beteiligt sind.

Auf Arbeitgeberseite fehlt es an einem Organisation
Gegenstück zu dem Bergarbeiterverband. Zunächst der .
begegnen wir hier wieder der Scheidung von Arbeitgeber.
Weich- und Hartkohlenbergbau, die sich scharf
gegeneinander abheben, und wie sie miteinander im
Wettbewerb stehen, auch gerade in der Arbeiterfrage
vielfach gegensätzliche Interessen aufweisen. Für die
Verhandlungen mit dem Bergarbeiterverband besteht
im Hartkohlenbergbau das sogenannte General Poli-
cies Committee, das in dem Bureau of Information in
Philadelphia eine Art Geschäftsstelle hat. Der Weich-
kohlenbergbau kennt wohl eine umfassendere Organi-
sation, die American Coal Association, d.h. sie ist
als umfassend gedacht, sie begreift aber in Wirklich-
keit nur etwa 50% der Förderung, und da ihr eben-
sowohl Union- wie Non-Uniongruben angehören, so
kann sie sich bei deren gerade in der Arbeiterfrage
meist entgegengesetzten Interessen nicht als Zechen-
verband betätigen, sondern ist auf die Aufgaben eines
Bergbauvereins beschränkt. Und auch dafür ergeben
sich noch Hemmungen, insonderheit auf dem Gebiete
der Fisenbahntariffragen, die von Bezirk zu Bezirk
einer unterschiedlichen Beurteilung unterliegen.

Für die Behandlung der Arbeiterfragen bestehen
in den einzelnen Tarifvertragsstaaten Zechenverbände.,
Für den Abschluß bzw. die Erneuerung des Gesamt-
tarifvertrages im Weichkohlenbergbau wird jedesmal
aus den Vertretern der Zechenverbände der ältesten

73
        <pb n="75" />
        Vertragsstaaten — das erklärt sich aus dem geschicht-
lichen Entwicklungsgang — eine Unternehmerabord-
nung zu der Zwischenstaatlichen Lohnkonferenz, auf
der der Gewerkverein als Gegenpartei auftritt, zusam-
mengestellt. Die Uniongruben der andern Staaten
haben bisher stets die Beschlüsse der Konferenz, ohne
auf ihr vertreten zu sein, angenommen.

In unserer Beurteilung der amerikanischen Ver-
hältnisse macht sich vielfach eine gewisse Über-
schwenglichkeit geltend. Nicht zuletzt gilt dies auch

Verhältnis für das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und
zwischen Arbeitnehmern. Da wird dem Arbeiter ein Gefühl
Arbeitgebern ger Zugehörigkeit zu seinem Werk nachgerühmt, von
A Arbeitchmern einem Vertrauensverhältnis von Arbeitgeber zu Arbeit-
* nehmer gesprochen, die Fairness des amerikanischen
Arbeiters betont, der sich unbedingt an die von ihm
getroffenen Abmachungen halte. Dieses gute Einver-
nehmen werde zwar gelegentlich durch gewaltige
Arbeitskämpfe, die mit großer Erbitterung durchge-
führt würden, gestört, aber nach ihrer Beendigung

herrschte wieder. Ruhe und Frieden.

Ich habe dieses rosige Bild durch die Verhältnisse
des amerikanischen Kohlenbergbaus in keiner Weise
bestätigt gefunden. Zunächst sprechen dagegen die

Ausstände außerordentlich hohe Zahl und der Umfang der Aus-
und stände (s. Zahlentafel 36 und Abb. 45). In den Jahren
Aussperrungen. 1000 bis 1923 gingen im amerikanischen Steinkohlen-
bergbau mehr als 211 Mill. Arbeitstage durch Streiks

und Aussperrungen verloren. Wie aus der Abbildung

zu entnehmen ist, schwankt der Verlust an Arbeits-

tagen infolge von Arbeitsstreitigkeiten ganz außer-
ordentlich. Bei näherm Zusehen finden wir aber, daß

es mit Ausnahme von 1919 vor allem die graden

Jahre sind, welche besonders hohe Verluste aufweisen.

Das rührt daher, daß in diesen nach Ablauf der

auf 2 Jahre abgeschlossenen Lohnabkommen die
Erneuerungsverhandlungen stattfinden, die, wenn

nicht immer, so doch meist mit Arbeitsunterbrechun-

gen verbunden sind. Wollte man diese Arbeitsunter-
brechungen als etwas in der Natur der Sache Liegendes
betrachten, etwa als ein Korrektiv der Übersetzung

im Weichkohlenbergbau, womit für eine Spannung

zwischen den beiden Parteien nichts bewiesen sei, so

ist doch darauf hinzuweisen, daß auch in den andern

Jahren während das Abkommen läuft, die Verluste

an Arbeitstagen vielfach außerordentlich groß sind.

Hierbei handelt es sich fast durchgehends, wenigstens

74
        <pb n="76" />
        Zahlentafel 36. Ausstände und Aussperrungen
im amerikanischen Kohlenbergbau.
Jahr Belegschafts- Verlorene Arbeitstage
| ziffer ii. insges. |  auf1 Arbeiter
1900 448 581 4878 102 | 10,87
1901 | 485 544 733 802 1,51
1902 518 197 16 672 217 32,17
1903 566 260 1341 031 2,37
1904 5093 693 3.382 830 5,70
1905 626 035 796 735 1,27
1906 640 780 19 201 348 29,97
1907 680 492 462 392 0,68
1908 | 690 438 5 449 938 7,89
1909 716 656 731 650 1,02
1910 ' 725 030 19 250 524 26,55
1911 722 360 983 737 1,36
1912 722 662 12 527 305 17,33
1913 747 627 3 049 412 4,08
1914 763 185 11013 667 14,43
1915 734 008 2467 431 3,36
1916 720 971 3 344 586 4,64
1917 | 757317 2 348 399 3,10
1918 762 426 508 526 0,67
1919 776 569 15 761 410 20,30
1920 784 621 5 914 473 7,54
1921 © 823 253 3 106 103 3,77
1922 844 807 73 497 043 87,00
1923 | 862536 3 868 543 4,49
S ZZ Ausstendstage insgesamt in Mil.

U a9 S m w T Bar einen Streikenden_ THT0 Te
k — 7
7900 7905 780 7875 -

Abb. 45. Ausstände im amerikanischen Kohlenbergbau.

75
        <pb n="77" />
        soweit Tarifvertragsbezirke in Frage kommen, um
Ausstände, die als gegen die betreffenden Abkommen
verstoßend und daher als vertragswidrig zu bezeich-
Roosevelt- nen sind. Das Roosevelt-Abkommen vom Jahre
Abkommen. 10903, das in seinen Grundbestimmungen auch noch
heute die Arbeitsverhältnisse des Anthrazitbergbaus
bestimmt, hat für die Reglung von Streitigkeiten Ein-
richtungen getroffen, die nun bald ein Menschenalter
in Geltung sind, und in ähnlicher Weise vom Weich-
kohlenbergbau der Union-Staaten übernommen wor-
den sind. Danach gelangen die Streitpunkte, die sich
nicht durch eine Verhandlung des Grubenausschusses
mit dem. Betriebsführer beilegen lassen, zu einem
Einigungsamt, das sich aus drei Unternehmern und
den Vorsitzenden der drei Distrikt-Unions der United
Mine Workers für das Anthrazit Gebiet zusammen-
Einigungsamt. setzt. Wird auch hier keine Einigung erzielt, so
kommt der Fall vor den Umpire, den unparteiischen
Schiedsrichter, der endgültig und bindend entscheidet.
Das Vorhandensein dieser Einrichtung, die geschützt
wird. durch die Bestimmung des Abkommens, daß
während seiner Dauer keine Arbeitsunterbrechung
durch Streik oder Aussperrung Platz greifen soll,
vermag ‘nicht zu. verhindern, daß die Ausstände in
dem. Anthrazitgebiet nicht abreißen. Ebenso liegen
die Verhältnisse im. Weichkohlenbergbau. Nach An-
gabe der Unternehmer tut- im allgemeinen die Union
nichts, diese Streiks abzuwenden, sondern ruft sie viel-
mehr häufig unmittelbar hervor. Anderseits behauptet
die Union, daß . die Schwerfälligkeit des Schieds-
verfahrens und die von den Unternehmern geübte
Praxis, die, Entscheidung solcher Einzelfälle hinzu-
ziehen, ihr die Verhütung dieser Ausstände häufig un-
möglich mache. Meist handelt es sich bei diesen so-
genannten Petty-Streiks um Arbeitsstreitigkeiten auf
einer einzelnen Zeche. Sie knüpfen vielfach an die Ent-
lassung und Bestrafung von Arbeitern an, Maßnahmen
der Betriebsverwaltung, welchen sich die Kameraden
der davon Betroffenen widersetzen. Auch Verlegungen
an einen andern Arbeitsort, die sich aus den Bedin-
gungen des Betriebes ergeben, die Anstellung eines
Beamten, der aus irgendeinem Grunde mißliebig ist
oder an dessen Platz man einen der Union genehmen
Mann haben möchte, geben Anlaß zu Ausständen.
Eine besondere Erwähnung verdienen die sogenann-
Button-Streiks. ten Button-Streiks, eine FEigentümlichkeit des
Anthrazitbergbaus. Erscheinen einzelne Belegschafts-

76
        <pb n="78" />
        mitglieder ohne ihren Quittungsknopf — Button —,
welcher das Zeichen dafür ist, daß sie der Union an-
gehören und die schuldigen Beiträge geleistet haben,
zur Arbeit, so legen die Gewerkschaftsbeamten, um
die betreffenden Belegschaftsmitglieder zur Erfüllung
ihrer Beitragspflicht bzw. zum Beitritt zur Union zu
zwingen, die Gruben für mehr oder minder lange
Zeit still, obwohl das bestehende Abkommen aus-
drücklich vorsieht, daß die Nichtzugehörigkeit zu
der Union keine unterschiedliche Behandlung‘ des
betreffenden Arbeiters begründen darf. Der, Zweck
dieser Button-Streiks ist klar, die Vervollständigung
des Monopols der Union durch die Begründung der
Unmöglichkeit für jedweden, auf den Zechen zu
arbeiten, wenn er nicht Mitglied der Union ist. Wie
es nach alledem mit dem Recht der Entlassung im
Hartkohlenbergbau bestellt ist, mögen folgende Aus-
sprüche dartun. Ein Betriebsführer auf einer der Entlassung
größern Gesellschaften: »Entlassung von Arbeitern von Arbeitern,
wird sehr selten vorgenommen und dann. nur, wenn
die Beamten wissen, daß keine Beschwerde von der
Union zu erwarten ist.« Der Generaldirektor derselben
Gesellschaft äußerte sich wie folgt: »Das Recht der
Entlassung unter dem, Abkommen kann’ nicht aus-
geübt werden, wenn die Grube nicht Gefahr laufen
will, Tag für Tag stillgelegt zu werden.« Der General-
direktor einer andern Grube: »Entlassung von Ar-
beitern erfolgt sehr selten, weil sie zu starkem Ein-
spruch von seiten der Arbeitskameraden begegnet. Größte
Vorsicht istdaher geboten. Der Betriebsführer muß wissen,
ob die Kameraden des zu Entlassenden damiteinverstanden
sind.« Ein anderer Grubendirektor sagte: » Warum von
Entlassungen sprechen? Sowas kennen wir gar nicht.«

Die Kohlenkommission hat auch ihre Aufmerk-
samkeit der interessanten Frage der Zurückhaltung Zurückhaltung
der Leistung zugewandt und hat dabei das Vor- der Leistung,
handensein dieser Übung festgestellt. Auch dieses
Verhalten, wenn es gleich nicht von den Zentral-
stellen, sondern von den Lokalstellen ausgeht,
kann nicht gerade als Ausdruck der dem amerikani-
schen Bergarbeiter nachgerühmten Fairness gelten.

Ein kurzes Wort noch über den im Gang be- Gegenwärtiger
findlichen Ausstand: Die Unternehmer der Union- Ausstand.
gruben waren außerstande, die bisherigen, Löhne
weiterzubezahlen; sie liefen sonst Gefahr, von dem
Wettbewerb vollständig‘ an die Wand gedrückt zu
werden. : Wie Abb. 46 zeigt, befindet sich seit 1920

77
        <pb n="79" />
        JO
3
6U

Tarjvertragsstaeten Gemischt Überwiegend

| nicht Tarifverfragsstaaten

Abb. 46. Vordringen der Nicht-Tarifvertragsstaaten

im Weichkohlenbergbau (1926 gegen 1920 = 100).
die Förderung der Vertragsstaaten in stärkster Ab-
nahme, während die Non-Union-Staaten entsprechend
gewonnen haben. Dem Verlangen der Arbeitgeber auf
eine bewegliche Lohnskala, die unter Berücksichti-
gung der in den Non-Union-Gebieten geltenden Sätze
aufgestellt werden sollte, hat der Gewerkverein nicht
stattgegeben, und so ist der Streik unabwendbar
geworden. Er hat jedoch nur einen beschränkten
Umfang angenommen. Im Gefühl seiner Schwäche
hat der Gewerkverein von seiner bisherigen Taktik,
bei Nichterneuerung des Tarifabkommens seine
gesamten Mitglieder zum Ausstand aufzurufen, ab-
gesehen und den Belegschaften der einzelnen Bezirke
oder Gruben gestattet, solange ein neues Gesamt-
abkommen noch aussteht, unter den alten Bedingun-
gen weiterzuarbeiten. Davon ist reichlich Gebrauch
gemacht worden. Infolgedessen dürften kaum mehr
als 150000 Mann im Ausstand sein. Eine Be-
einflussung des Weltkohlenmarktes in nennenswertem
Maße durch den Ausstand ist vorläufig bei der Größe
der vorhandenen Vorräte und der Fähigkeit der nicht
in Mitleidenschaft gezogenen Gruben, den Ausfall
einigermaßen zu decken, nicht zu erwarten. Wie der
Ausstand ablaufen wird, läßt sich nicht sagen; die
Widerstandskraft der Unternehmer ist dadurch sehr
herabgemindert, daß ihnen bei einem allzu langen
78
        <pb n="80" />
        Anhalten des Ausstandes der dauernde Verlust ihrer
Märkte droht, für die nur allzu viele Anwärter vor-
handen sind; umgekehrt würde die Annahme der
Bedingungen . des Gewerkvereins für sie nichts
anderes, als die Rückkehr zu unhaltbaren Verhält-
nissen bedeuten, die schließlich zu dem gleichen Er-
gebnis führen müßten. Für den Gewerkverein
handelt es sich um eine Prestige-, vielleicht sogar
Existenzfrage. Deshalb tut man gut daran, mit einem
hartnäckigen Kampf zu rechnen; ein Eingreifen der
Regierung scheint nicht in Frage zu kommen. Ihre
Zurückhaltung findet auch eine Stütze in der Stellung-
nahme der Kohlenkommission, welche zur Reglung
des Verhältnisses von Arbeitgeber zu Arbeitnehmer ein
zwangsweises Vorgehen, im besondern auch ein Zwangs-
schiedsgericht ablehnt. Über den Einfluß, welchen der
am 1. Mai d. J. ausgebrochene Ausstand bisher auf die
Förderung ausgeübt hat, unterrichtet Zahlentafel 37.
Zahlentafel 37. Entwicklung der Kohlenförderung seit Beginn des
Ausstandes (1. Mai 1927).
Weichkohle Hartkohle
41927 + 1927
1926 1927 in a
_ 1000 sh. t 1000 sh. t N
Januar 1. .. . 12352! 129091 + 557 391! 14981! +1459
Februar. ........ 116441 132571 41613 520° 14621 + 942
Woche endigend am:
5. März. „2... 7. . 10460 13262 12802 1789 1211 — 578
2 N 069015 776-3088 1966 1488 — 478
19. 0 02030130200 -2757 1513 1432 — 81
nA 0626 113373 | A377 [90 | 12 1-82
2. April... ..'..'. 9040 11054 -+4+2014 1549 1127 — 422
9 „ A A120 255-165 1793 1651 — 142
16. 7... 09306 8001’ —1305 2086 1762 — 324
A 9271 7937 -—1334 2087 1662 — 425
30. . 9125 8424 — 701 2098 1921 — 177
7. Mai . 9039 3185 — 854 1985 1866 — 119
14. . 9299 8402 — 897 1904 1989 + 85
Al 0 . 09282 8273 —1009 1750 1970 + 220
BB. 1 + + 5 + + +, 0083 8476 1207 2089 1844 — 245
4 Ju 8660 7379 —1281 1678 1571 — 107
N 0624 11852 —1100 1825 1732 — 93
By A 9 8284 —1219 2082 1668 — 414
2 6 8479 —1367 2087 | 1585 — 502
2 Ju .. 0.9490 7981 —1509 1970 1278 — 692
1 Wochendurchschnitt.

Dem Staatssekretär Hoover, dem Leiter des Staatssekretär
Handelsministeriums der Union, wird das Wort zu- Hoover und
geschrieben, daß der Kohlenbergbau die schlechtest- - NO
organisierte Industrie des Landes sei, und. in der Tat, SEEN:

79
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        man’ kann ihm im: ganzen nicht unrecht geben. Ein

wunderbar reiches Gut hat die Natur mit der Kohle

in den Schoß der amerikanischen Erde gelegt, der
Menschenwitz hat es jedoch nicht verstanden, bei der

Nutzung dieses Gutes auch nur einer Seite der dabei

unmittelbar Beteiligten gerecht zu werden. Für den

Unzulängliche Verbraucher, um ihn zuerst zu nennen, kann von
Organisation einer Gewährleistung einer stetigen ausreichenden
„des Versorgung nicht wohl die Rede sein. Die zahlreichen
hen Ausstände stehen ihr vielfach hindernd im Wege und
ra führen dabei häufig zu Preisen, die namentlich für
. den Kleinverbraucher überaus drückend sind. Die
Arbeiter bringen bei der Gewinnung der Kohle
außerordentlich schwere Opfer an Leib und Leben,

die in der Natur der Verhältnisse keineswegs voll be-

gründet sind, ohne daß sie in der Höhe ihres Jahres-

einkommens und der Stetigkeit der Beschäftigung

— vom Hartkohlenbergbau ‚abgesehen — ein ent-

sprechendes Entgelt fänden. Auch der Unter-

nehmer kommt im ganzen gesehen nicht auf seine

Rechnung. Im Hartkohlenbergbau allerdings ist das

Kapital gesichert und seine Rente hoch, richtig gesagt

zu hoch, namentlich in Anbetracht dessen, daß sie auf

Kosten der Kleinverbraucher, der einzelnen Haus-

haltungen, erzielt wird; im Weichkohlenbergbau ist

weder das Kapital gesichert noch die Rente einiger-

maßen stetig, auch ihre durchschnittliche Höhe kann

nicht als angemessen gelten. Die unzulängliche

Organisation des Weichkohlenbergbaus bedeutet eine

ungeheure Verschwendung in volkswirtschaftlicher Hin-

sicht, die auch die Zukunftsinteressen des Volkes bedroht.

Zurückweisung Neuerdings tritt uns das Wort America docet
des „America mit einer gewissen Aufdringlichkeit entgegen, womit
docet“. * ich nicht sagen möchte, daß die Amerikaner sich uns
als Lehrmeister aufdrängen, aber wir selbst sind viel-

fach allzusehr geneigt, die ganz anders gearteten

Verhältnisse dieses Landes als auch für uns vorbild-

lich zu betrachten. Dieses Wort mag für eine Reihe

von Gebieten seine volle Berechtigung haben, für den
Steinkohlenbergbau, wenigstens was seine wirt-
schaftlichen und sozialen Verhältnisse anlangt,

möchte ich es jedoch in keiner Weise gelten

lassen: hier haben wir es verstanden, trotz aller

Kargheit der uns zuteilgewordenen Gaben der

Natur ein weit besseres Ergebnis zu erzielen.

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        Verzeichnis der wichtigsten benutzten Veröffentlichungen.

Report of the U. S. Coal Commission, Teil I bis V.

Whatthe Coal Commission found. An authoritative Summary by the Staff.

Edward Thomas Devine: Coal, Economic Problems of the mining, marketing
and consumption of anthracite and soft coal in the U. S.

Cost Reports of the Federal Trade Commission: Coal. Publication
of Production and Profits in Coal (Verhandlungen des Industrie-Aus-
schusses des Senats der Ver. Staaten).

Preliminary Report of the Federal Trade Commission on Investment and
Profit in Soft-Coal Mining.

Veröffentlichungen des Geologischen Landesamts (Geological Survey),
Washington, im besondern: Coal, Coke, Fuel Briquets, Coal-Mine Fatalities,

Bulletins of the U. S. Bureau of Labor Statistics.

Monthly Labor Review. U.S. Department of Labor. Jg. 1925 und 1926.

Coal Age, New York.

Coal Trade Journal, New York:

The Anthracite Bureau of Information, Philadelphia: The Anthracite
Strike of 1922. The Anthracite Strike of 1923. The Anthracite Strike of
1925/26.

Federal Trade Commission: Premium Prices of Anthracite,

Arthur E. Suffern: The Coal Miners’ Struggle for Industrial States.

Walton H. Hamilton und Helen R. Wright: The Case of Bituminous Coal,

Isador Lubin: Miners’ Wages and the Cost of Coal.

John L. Lewis: The Miners Fight for American Standards. ,

John L. Lewis: The Anthracite Controversy.

The Railroad Problem, A Collection of Papers on various Aspects of the
Railroad Problem (The Academy of political Science New York).

FG. Tryon: The underlying Facts of the Coal Situation in the U. S.

F.G. Tryon und Lida Man: Mineral Resources for future Populations.

F.G. Tryon und Margaret H. Schoenfeld: Comparison of physical Condi-

_ tions in British and American Coal Mines.

The Price of Coal, Anthracite and Bituminous (The Academy of political
and social Science).

The Daily Mail: Trade Union Mission to U. S.

F. E. Cash und E, H. Johnson: Mechanical Loading in Coal Mines.

Walter Barnum: Self-Government in the Coal Industry.

Walter Barnum: What the Bituminous Coal Industry has done for itself and
for the Nation.

Ernest M. Mervill: American Coals for Export.

George S. Rice: Mining Costs and Selling Prices of Coal in the U. S. and
Europe.

Dr. Henry M. Payne (Coal Age, Jg. 1921): Where classified Tidewater Coals
come from.

Louis Bloch: The Coal Miners’ Insecurity.

V. A. Demant u. a.: Coal.

Proceedings of the International Conference on Bituminous Coal, 1926.

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        <pb n="84" />
        (Ohlenbergbau nicht nur von Grube zu Grube — das
St ja selbstverständlich —, sondern auch nach Förder-
jezirken außerordentliche Unterschiede, sie sind
1Sher im Westen als im Osten, ebenso in den Union-
jebieten als in den Non-Unionfeldern.
. sburgh
Mittel
"ennsylvanien
Yaio
| ocahontas
W.Hirg
Vew River
W.Virg.
A740 507607 90 td WOR%
\olsHOsten | betriebsatafe EA Hgemeine Ausgaben
Abb. 30. Gliederung der Selbstkosten
im Weichkohlenbergbau.

Wenn ich nunmehr zur Betrachtung der Preise Kohlenpreise,
ibergehe, so ist auch hier wie sonst ein großer Unter-
schied zwischen Hart- und Weichkohle festzustellen.
jemeinsam ist beiden die starke Steigerung des
Preises seit der Kriegszeit,, nachdem in den voraus-
jegangenen 20 Jahren die Preise eine verhältnismäßig
zroße Stetigkeit aufzuweisen gehabt hatten; aber
vährend der Weichkohlenpreis seit einigen Jahren
vieder nach unten gerichtet ist, hat sich der Hart-
&lt;ohlenpreis nicht nur auf der bisherigen Höhe ge-
ıalten, sondern ist noch weiter gestiegen, ein Zeichen
'er Wirksamkeit des Anthrazitkartells. Des nähern
Jahlentafel 23. Wert einer Tonne geförderter Kohle

Weich- Weich- IS
Jahr , kohle Hartkohle Jahr kohle Hartkohle
$ $ $ Be
1880 1,25 1,47 1917 2,26 2,85
1890 | 0,99 1,43 1918 2,58 3,40
1900 1,04 1,49 1919 2,49 4,14
1905 1,06 1,83 1920 3,75 4,85
; 1910 1,12 1,90 1921 2,89 5,00
1913 ı 1,18 2,13 1922 3,02 5,01
u 1914 117 2,07 1923 2,68 5,43
1915 1,13 2,07 | 1924 2,20 5,43
© 1916 | 1,32 2:30 | 1025 | 200 | 5.04
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Se

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