Nr. 2785 »indung geht hauptsächlich über Binnenwasser— itraßen. Die Aufnahme von Weizen durch die in— ändische Mühlenindustrie vermag deshalb in den Pintermonaten, während welcher wegen Unter— bindung der Binnenschiffahriswege die Ausfuhr un— möglich ist, keine Erleichterung für den Mackt zu bringen. *7 Absatzorganisation und Gesetzgebung auf dem Gebiet der Getreidewirtschaft bis zur Eutstehung der Weizenpools In Europa war die landwirtschaftliche Produk— tion groß geworden, ehe sich der Handel der Boden— erzeugnisse annehmen konnte und die Verbesserung der Beförderungsmittel die Bewegung von Massen zütern von Land zu Land möglich machte. In Nordamerika waren“es der Handel und die Trans— borteinrichtungen, die die Landwirtschaft in neue Bebiete hinaustrugen. Der Neusiedler, der in den anadischen Prärien neues Land unter den Pflug nahm, um in den jungfräulichen Boden Weizen zu säen, konnte natürlich nicht auf örtlichen Absatz ür seine Ernte rechnen. Er erzeugte von Anfang in für Verbraucher, die mindestens einige tausend dilometer entfernt von ihm lebten, für die wachsende Industriebevölkerung des amerikanischen Hstens und der europäischen Zuschußländer. Die Anbau— läche konnte nur soweit vorgeschoben werden, als die Eisenbahn für die einfachen Beförderungsmittel des Landwirtes erreichbar blieb und eine Zwischen⸗ handelsorganisation zur Aufnahme und Weiter— leitung der Erzeugnisse an den fernen Verbraucher bereitsland. In den Prärieprovinzen Kanadas konnte sich deshalb der Getreidebau so plötzlich ent— vickeln, weil Verkehrseinrichtungen und eine Han⸗ delsorganifation ihm Bahn brachen, die sich nach den Erfahrungen gestaltet hatten, wie sie untet gleichartigen Bedingungen vorher in den benach⸗ zarten Prärien der Vereinigten Staaten gesammelt vorden waren, und die der besonderen Eigenart des Getreides als Handelsware und Massengut an— zJepaßt waren. Die Ausfuhr zeigte von Beginn die Hauptcharakteristika des amerikanischen Getreide— jandels: es galt, das technische Prinzip des Trans— vorts und der Lagerung in loser Schüttung und das cechtliche Prinzißp der Vertretbarkeit ermöglicht durch Standardifierung der Erzeugung und Ein— reihung des Erzeugnisfses in allgemein anerkannte Qualitätsgrade. Im Gegensatz dazu sind die Tharakteristika des europäischen Getreidehandels heute noch: für die Verkehrstechnik der Grundsatz des Kollitransports, für die rechtliche Organisation die Nichtvertretbarkeit?). Die Eisenbahngesellschaften, die bestrebt sein mußten, das Entftehen von Siedlungen an den neu vorgeschobenen Linien zu erleichtern, errichteten nach em Muster des mittleren Westens der Vereinigten Staaten an den Landstationen Getreidesilos, die dazu beftimmt waren, das aus den Farmen ange⸗ lieferte Getreide anzusammeln, bis di zum Beladen eines Güterzuges ausreichende Menge zusammen— Schumacher: Volkswirtschaftliche Studien. Leib— zig 10116 4 zebracht war. Zur Erleichterung der übernahme ius der Karre des Farmers und der Verladung n die Eisenbahnwagen waren die Silos mit mecha⸗ nischen Transporteinrichtungen und Wiegevorrich⸗ ungen versehen, nach denen die ganze Anlage Ele— »ator genannt wurde. Handelsgesellschaften, die —D——— Getreidemenge an ich zu bringen und den Absatz nach den fernen Närkten zu übernehmen, schufen gleiche Anlagen. der Eisenbahnbau war zeitweise der Entwicklung »orausgeeilt. Die Rentabilität der zum Teil unten ich konkurrierenden Linien machte Schwierigkeiten. Die Eisenbahnen traten deshalb vielfach wieder ihre slevatorenanlagen an Handelsgesellschaften ab, der sie verpachteten die ihren eigentlichen Aufgaben remden, in der pfleglichen Behandlung des Ge— reides besondere Fachkenntnisse erfordernden Be— riebe an die Handelsgesellschaften, die mit der Uber— ahme zur Weiterbefoͤrderuug zugleich den Aufkaus es Getreides verbinden konnlen. Der Farmer war urch diese Einrichtungen der Sorge für Lagerung, Reinigung, Pflege und Verfrachtung der Eruͤte em sjoben. Die Schaffung eigener Lageeinrichtungen uuf der Farm hätte viel Anlagekapital erfordert, as der Neusiedler in der Regel nicht besaß und das udem bei, den großen Schwankungen der Ernte— erträge häufig ganz oder teilweise ungenußt ge⸗ lieben wäre. Durch die Beförderung und Lage⸗ ung in loser Schüttung wurde an Betriebskapilal »er Sackbestand erspart, der in einem industrie⸗ irmen Ausfuhrlande, in dem ebensowenig auf eine illige Herstellung im Inland wie auf eine billige kückbefoͤrderung der gebrauchten Säcke gus denn luslande gerechnet werden konnte, einen erheblichen Losten ausmachte. Die Handhabung des offenen setreides als trockenflüssige Masse ermöglichte beiter noch die Anwendung mechanischer Transport⸗ inrichtungen unter Ausnußuug der Schwerkraft ind damit die Ersparung teuerer Arbeitskraft bei er Erntebewegung. Sie machte aber auch das Zu— ammenschütten der vom Farmer angelieferten ẽinzelmengen nach Klassifizierung nach bestimmten dlgemein anerkannten Qualitätsmerkmalen not⸗ oendig. Nur die Durchführung der Vertretbarkeit n Verbindung mit der Beförderung in loser S„chüttung sicherte dem Handel bei dem Absatz nach em entfernten ausländischen Markte die not vendige Beweglichkeit und ermöglichte die Verein— achung aller Handelsmaßnahmen?). Diese Einrichtungen kommen den Bedürfnissen »es Farmers entgegen, sie machen ihn, aber auch n hohem Grade von dem Zwischenhandel abhängig. Ddas führt zu einer scharfen Kampfstellung zwischen darmern und Händlern. Die Händler suchen durch zusammenschlüsse aus ihrer Vormachtstellung mög ichst Nutzen zu ziehen. Es entsteht die Tendenz der Monopolisierung des effektiven Getreidehandels in er Hand der Lagerhausgesellschaften. Als Gegen⸗ ewicht entstehen Selbsthilfeorganisationen der Landwirte. Die Gesetzgebung sieht sich genötigt, in den Kampf einzugreifen. Der Kampf ist noch mmer im Gang. Die Gegensätze sind schärfer aus jeprägt, als in den Vereinigten Staaten, weil Schumacher, a. a.O. S. 212.