<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Psychologie der Werbung</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Karl</forname>
            <surname>Marbe</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1748641581</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>Naturwissenschaften sind, soweit sie nicht rein beschreibender 
Natur sind, bestrebt, das Ideal der experimentellen Physik und 
Chemie zu erreichen. Und dieses Experiment im engeren Sinne 
oder doch ihm möglichst angenäherte Experimente haben wir im 
Auge, wenn wir in den Naturwissenschaften schlechtweg von 
Experiment sprechen. Dieses naturwissenschaftliche Experi- 
ment ist, wie schon im ersten Abschnitt angedeutet wurde, eine 
Hauptmethode der modernen Psychologie, während es in der 
alten Psychologie, wo wir freilich auch schon Experimente im 
weiteren Sinne finden, noch unbekannt war. 
Auch in der Psychologie der Reklame werden solche Experi- 
mente im naturwissenschaftlichen Sinne angestellt. So ließ z. B. 
Lysinski zwei verschiedene Schaufenster eines Damenhutgeschäf- 
tes in verschiedener Weise ausstatten und er stellte die Reak- 
tionen des Publikums auf diese Schaufenster fest. Es wurden 
zu bestimmten Tageszeiten die Anzahl aller Straßenpassanten 
und die Anzahl der Beschauer des einen und des andern Schau- 
fensters gezählt und es wurde mittels Stoppuhren festgestellt, 
wie lange jeder Beschauer die Auslage betrachtete. Dieser Außen- 
statistik trat eine Innenstatistik gegenüber, bei der im Laden die 
Häufigkeit der Bezugnahme auf die Schaufenster und die Anzahl 
der auf Grund der Schaufensterreklamen verkauften Gegen- 
stände gezählt wurden. Bei einer der vorgenommenen Unter- 
suchungen waren die Hüte des einen Fensters mit Preisen ver- 
sehen, die des andern nicht. Dann wurde ein Schaufenster bunt, 
das andere einfarbig, nur mit in einem dunkeln, unauffälligen 
Blau gehaltenen Hüten dekoriert. Zu weiteren Untersuchungen 
wurden hinter dem einen Fenster mehr Hüte, hinter dem andern 
nur eine geringere Anzahl aufgestellt. Weiterhin wurde die Wir- 
kung eines Fensters mit dekorativem Beiwerk ‘und die eines 
andern ohne solches Beiwerk verglichen. Die Anzahl der Hüte 
betrug in jedem Schaufenster 20; für das Schaufenster mit 
weniger Gegenständen wurden bei einer ersten Untersuchung 15, 
68</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
