Gleichförmigkeit des amerikanischen Menschentypus nn ö geworfen wird. Die meisten Haushaltungen beziehen heute fabrikmäßig hergestellte Speisen; „vierzig Religionen und nur eine Sauce,“ so hat sich bereits Brillat-Savarin entrüstet, und man kann in allen großen Städten in den Restaurants seine Bestellungen machen, ohne nach der Speisekarte zu sehen, man wird das Gewünschte erhalten und überall zu genau dem gleichen Preise. Von einer innerhalb Europas unmöglichen Einförmigkeit ist aber auch die geistige Kost. Die Zeitungen zeigen über das weite Land vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean hin so wenig Individuelles, daß man meinen könnte, sie seien alle von der gleichen Hand geschrieben. Und was die Lektüre von Büchern betrifft, so hat eine Umfrage über das ganze Land das Resultat ergeben, daß die meistgelesenen überall dieselben sind und daß sie sogar fast immer in der- selben Reihenfolge genannt wurden 5. Macht man die Bekannt- schaft der Menschen, so wird der Eindruck einer „sameness“ im günstigsten Falle erst bei weitgehender Intimität weichen; man möchte die Menschen für vertauschbar nehmen, so ähn- lich scheinen sie in ihren Lebensformen und Anschauungen zu sein. Man muß immer wieder von neuem erstaunen, wie es möglich gewesen ist, aus einer so ungleichartig zusammen- gesetzten Masse, wie sie die europäischen Einwanderer waren, eine derart homogen sich darbietende Bevölkerung zu schaffen. Die Amerikaner selbst haben begreiflicherweise ein feineres Unterscheidungsvermögen. Ihnen drängen sich Differenzen auf, die dem Ausländer entgehen, und wenn man das aus- gezeichnete Sammelwerk, das Gruening vor kurzem heraus-