Wille zur Gleichheit meinsamen Ziele zum Opfer gebracht. Das erste, was man von dem ‚Greenhorn‘“ forderte, war, daß er sich diesem Ideale unterwerfe, was die Majorität für gut und böse erklärte, das mußte auch für ihn die Richtschnur in seinem Leben abgeben. Wer die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit nicht stören lassen, wer etwa seine europäischen Kulturideale weiter pflegen wollte, war ein Verbrecher an der Allgemein- heit; er bekam die Faust der gesellschaftlichen Ächtung zu spüren und mußte sich als ein zweitklassiger Mensch ansehen lassen. Die Gleichheit galt nur jenen gegenüber, die gewillt waren, sich der neuen Kultur bedingungslos zu übergeben. So frei sich der Einzelne sein Dasein ausgestalten durfte, wenn er mit der öffentlichen Meinung in keinen Konflikt geriet, so unfrei wurde es unter dem Zwange der Konvention. Neben dem schrankenlosen Individualismus, der sich im Erwerbs- leben betätigen konnte, stand der Herdensinn, der „ameri- kanische Pseudoindividualismus“ 7, großgezogen durch den übermächtigen Einfluß des Mehrheitswillens, der es verbot, in irgendeiner für den Menschen wesentlichen Frage ein ihm ent- gegenstehendes Urteil zu haben und der so viele geistige Kräfte unterdrückt hat. Aber man beugte sich ohne Protest vor der Majorität und der harten Disziplin, der man unterworfen wurde, weil man den Willen zur Unterordnung und den Glau- ben an die Überlegenheit der neuen Kultur hatte. So wurde das Individuum durch die Konvention gebändigt und eine Do- mestizierung und Standardisierung des Menschen bis zu einem bis dahin unbekannten Grade herbeigeführt.