Geringe Ausbreitung des Sozialismus 3 Prosperität des Landes eine kräftige Stütze erhielt. Schärfster Individualismus beherrschte auch die Masse, sie war aufs tiefste überzeugt von dem Segen des Konkurrenzprinzips. Von sozialpolitischen Maßnahmen, von einer Schutzgesetzgebung, gleichgültig welcher Art, wollte man nichts wissen; der Un- ternehmer sah in ihnen nur Hemmnisse und unnötige Be- lastungen, aber auch der Arbeiter wollte lieber der eigenen Kraft vertrauen. Die soziale Abstufung war ausschließlich auf das Geld gegründet, und da alle gleich in den Daseinskampf eintraten, niemand mit Privilegien irgendwelcher Art ausge- stattet war, niemand nach seinem Herkommen gefragt wurde, vermochte ein Klassenhaß nicht aufzukommen. So stellte man sich dem Arrivierten nicht mit Mißtrauen oder Haß gegen- über, sondern zollte ihm als dem Erfolggekrönten Bewun- derung, und auch der große Reichtum erweckte jene Ge- fühle nicht, weil seine Träger ihn selbst erworben hatten. Man bejahte nicht nur die soziale Ordnung, sondern in dem Gefühl des Frei- und Gleichseins auch die politische Struk- tur, die den vollen Anteil am öffentlichen Leben gewährte, und bemitleidete den Europäer mit seiner Klassen- und Kasten- gebundenheit, mit seinem „aristokratischen‘“ Gesellschafts- aufbau. Ein Klassenbewußtsein innerhalb der Arbeiterschaft und ein Zusammenschluß wurden schließlich auch dadurch sehr erschwert, daß sie nach Rassenzugehörigkeit und Niveau so inhomogen wie nur möglich zusammengesetzt war. Die Widerstände gegen die Ausbreitung des Sozialismus waren also ungemein stark. Man will keine fremde Hilfe in