Die Überproduktion an Kaliwerken in der Vergangenheit. Die vorhin gekennzeichnete starke Zusammenpressung des Produktions- apparates als Folge der Rationalisierung war aber nur möglich, weil ihr eine ung eh eure Auf bl äh un g vorausgegangen war. Um die frühere Pro duktionsmittelverschwendung in der Kali-Industrie näher kennen zu lernen, ist es notwendig, die Entwicklungsgeschichte der Kali- Industrie kurz zu umreißen. Die Bedeutung der Kalisalze für Industrie und Landwirtschaft wurde 1856 entdeckt. Bis dahin wurden sie als wertlose A b r a u m s a 1 z e auf die Halden geworfen. Allmählich stieg ihr Verwendungszweck in Industrie und Landwirt- schaft, damit auch der bergmännische Abbau. Bis 1875 gab es in Deutschland nur zwei kalifördernde Werke, St a ß f ur t und Le op o l d s h all, beides staatliche Werke;, das erstere dem preußischen, das andere dem anhaltischen Staat gehörig. Frühzeitig schlossen sich die Werke zu einer Verkaufs- vereinigung zusammen. Im Jahre 1888 wurde von den damals in Betrieb befindlichen acht Kaliwerken der organisatorische Vorläufer des heutigen Kali- syndikakts gegründet. Wurde in den ersten Jahrzehnten die Wirtschaftspolitik der Kali-Industrie unter dem Einfluß der staatlichen Werke von dem Gedanken der Rücksicht auf die allgemeinen volkswirtschastlichen Belange geleitet, so änderte sich dieses, als um die Jahrhundertwende die Kali-Industrie die Beute des Finanz- und Spekulationskapitals wurde. Ein wüstes Gründungsfieber sehke ein. Sollen doch 1907 nicht weniger als 544 Kalibohrunternehmungen vorhanden gewesen sein. Nicht vernünftige wirtschastliche Überlegung, sondern wüsteste Spekulationsgier beeinflußte die Weiterentwicklung der deutschen Kali- Industrie. Inkernationales Kapital hatte sich in der deutschen Kali-Industrie eingenistet und suchte in Gemeinschafl mit deutschem Kapital höchstmöglichen Nutzen aus dem Weltmonopol Deutschlands in der Kaliversorgung zu ziehen. Wir erinnern an die Versuche der amerikanischen Schmidtmann-Gruppe, die im Besitz der Werke Aschersleben und Sollstedt war, das Kalisyndikat zu sprengen. Als infolge der Quertreiberei dieser Gruppe am 30. Juni 1909 die Erneuerung des abgelaufenen Kalisyndikatsvertrags nicht zustande kam, schloß sie in der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1909 mit amerikanischen Abnehmern einen fünfjährigen Vertrag aus Lieferung von zirka 120 000 Tonnen Reinkali zu einem Preis, der fast zur Hälfte unker dem Syndikatspreis lag. Die hannoversche Gewerkschaft „Einigkeit”, deren Kuxenmehrheit sich im Besitz der amerikanischen Virginia Karolina Chemical Co. befand, benutzte die syndikats- lose Zeit, um 30 000 Tonnen Reinkali nach Amerika zu verschleudern.