Hohe Rabatte für den Handel. Der Vertrieb von Kalisalzen durch das Kalisyndikat vollzieht sich über die Organisation des Handels. Die Händlerorganisation bekommt von den vom Reichskalirat festgesetzten Preisen einen bestimmten Prozentsatz als Rabatk. Die Vertreter des Handels haben daher an hohen Kalipreisen das gleiche Interesse wie die Kaliindustriellen. Deshalb stimmen bei Preiserhöhungs- anträgen des Kalisyndikats die Vertreter des Handels im Reichskalirat auch immer für Preiserhöhungen. Würde an Stelle des prozentualen Anteils dem Handel ein bestimmter Betrag für jeden Doppelzentner Reinkali gegeben, welcher ebenfalls vom Reichswirtschaftsminister festgesett werden müßte, dürften auch die Vertreter des Handels für die Zukunft weniger für Preis- erhöhungen zu haben sein. In der Vorkriegszeit wurde dem Handel ein Rabatt von 7 Prozent gewährt. Jetzt zahlt das Kalisyndikat den Händlern 17 Prozent Rabatt. Diese Skeigerung von 142 Prozent ist völlig unberechtigt. Bei einer Gesamkteinnahme des Kalisyndikats von 180 Millionen Mark bekommt der Großhandel nach den heutigen Rabattsätzen den ansehnlichen Betrag von 30,6 Millionen Mark, während im ersten Halbjahr 1926 sämtlichen Kaliarbeitern nur 16,7 Millionen Mark Lohn ausgezahlt wurden. Ein Dutzend Großhändler in der Kali-Industrie verdienen fast ebensoviel wie die Belegschaften sämtlicher Kaliwerke. Durch eine Kürzung des Händlerrabatts um 2 Prozent könnten die Tariflöhne der Kaliarbeiter um 10 Prozent erhöht werden, ohne daß der Industrie daraus irgendwelche Belastungen erstehen. Nach der vom Reichswirtschaftsminister aufgestellten Berechnung unter Annahme der von der Kaliprüfungsstelle errechneten engeren Selbstkosten hat die Industrie an jedem Doppelzentner Reinkali einen Reingewinn von 0,92 Mk. Demgegenüber dürfte der Handel, welcher bei den heutigen Preisen und Rabaltsätzen für jeden Doppelzentner den Betrag von 2,25 Mk. bekommt, nach Abzug sämtlicher Unkosten einen höheren Reingewinn zu buchen haben. Da die Rabatte auf Grund einer Vereinbarung zwischen dem Kalisyndikat und der Händlerorganisation bestehen, dürfte es am nächsten liegen, wenn die Werke mit den jetzt bestehenden Kalipreisen nicht auskommen, ein e n Aus- gleich dur Verminderung det: Händlerrahbatte - zu schaff en. Es ist vo m volk swirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet direkt wid ersinnig, wenn d er Handel mehr b erdient als die Ind ustrie und die Arbeiter. [ 7