m YA n Schließlich ist ja auch, wie Rathenau in einem seiner Briefe in Anlehnung an ein altbiblisches Wort es ausge- drückt hat, nicht entscheidend, wo wir stehen, sondern wo- her wir kommen und wohin wir fahren. Ueber dieses Kom- men und Fahren nach einem bestimmten Ziele will ich daher heute einige Ausführungen machen, die unter dem Titel „Kameralwissenschaften und vergleichende Betriebswirt- schaftslehre“ zusammengefaßt werden sollen. Wenn ich, wie das Folgende zeigen wird, bei diesen Darlegungen den Schwerpunkt auf die Kameralwissenschaf- ten lege, so hat dies wiederum seinen besonderen Grund. Als im Juli d. J. der Lehrkörper der Universität mich zum Rektor erkor, waren fast auf den Tag 200 Jahre vergangen, daß in Deutschland der erste Lehrstuhl für Kameralwissen- schaften und damit für ökonomische Wissenschaften. über- haupt begründet worden war. Es ist ein eigentümlicher Zufall, daß aus der wirtschafts- wissenschaftlichen Fakultät gerade der Mann erwählt wurde, dessen Spezialforschungen bereits an den so vergessenen und verkannten Kameralismus wieder angeknüpft hatten. Daher betrachte ich es als eine Ehrenpflicht, an diesem Tage im Rahmen eines aktuellen Problems des Kameralismus be- sonders zu gedenken, um damit zur besseren Einschätzung seiner Leistungen beizutragen. ; Indem ich zu zeigen versuche, wie der Kameralismus kommen und vergehen mußte, was er in Wirklichkeit war, worin seine Leistungen für die Betriebswirtschaftslehre be- standen haben und welche Lehren wir aus ihm für die Weiterfahrt ziehen können, hoffe ich, dieser Pflicht gerecht zu werden. Die : Kameralwissenschaften stellen eine spezifisch deutsche Form der Wirtschaftswissenschaften dar und haben — bereits im 16. Jahrhundert beginnend — in der Zeit nach Beendigung des 30jährigen Krieges bis zum Eindringen der 11