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        <title>Kameralwissenschaften und vergleichende Betriebswirtschaftslehre</title>
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            <forname>Ernst</forname>
            <surname>Walb</surname>
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            <idno>1752239113</idno>
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        ad Ab
EIGENTUM
DES
INSTITUTS
FÜR
WELTWIRTSCHAFT..
KIEL
BIBLIOTHEK
U 2526
        <pb n="2" />
        <pb n="3" />
        Inhalt,

Greuling, Wilhelm:Die Steuerlehre
Ricardos, 1927,

Lamberz, Hermann: CarYey und Dühring,.
1026,

Moser, Albrecht Otto:Ceistige Havpt-
strömungen in Philosophie
und Wirtschaftswissenschaft
und Friedrich List, 1928,

Neumann, Karl:Die Lehren K,H, Rau's,
1927,

Rickel, Harry: Friedrich List, whom
American history forgot,
1926:

Rupprecht, Hans: Zur Entstehung der
mittelalterlichen Stadt,
insbes, Sombarts Theorie
der Städtebildung. 1926,

Schauchet, Pauline: Individualistische
und sozialistische Gedanken
in den Lehren John Stuart
Mills, 1926,

Schulz, Werner:Das Lohngesetz Hein-
rich Dietzels, 1924,

Stieda, Wilhelm: Friedrich List. 1928,

Walb, Ernst:Kameralwissenschaften und
vergleichende Betriehswirt-
schaftslehre, 1927,
        <pb n="4" />
        UL ST All en x
KOLNER UNIVERSITATSREDEN
18
Kameralwissenschaflen
und vergleichende
Beitriebswirtschafislehre
Rede
gehalten bei der feierlichen Übernahme
des Rektorates der Universität Köln am
12. November 1927 von
DR. ERNST WALB
ORD. PROFESSOR DER BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE
aM
Mit Verwallungsbericht der Universität für das Winter-
Semester 1926/27 und das Sommer-Semester 1927 von
; Prorektor Professor
DR. PHIL. ARTUR SCHNEIDER
En üelen Um rSESG
KOLN 1927 =
© OSKAR MULLER VERLAG ;
4 ' u galten ‚HM /
E, Pilgram, Hoffnungsthal-Köln
        <pb n="5" />
        Kameralwissenschaften
und vergleichende
Belriebswirtschaftslehre
Rede
gehalten bei der feierlichen Übernahme
des Rektorates der Universität Köln am
12. November 1927 von
DR. ERNST ,WALB
ORD. PROFESSOR DER BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE
Mit Verwaltungsbericht der Universität für das Winter-
Semester 1926/27 und das Sommer-Semester 1927 von
; Prorektor Professor
DR. PHIL. ARTUR SCHNEIDER
KOLN 1927
OSKAR MULLER VERLAG
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        20,25
        <pb n="7" />
        Kameralwissenschaften
und vergleichende
Betriebswirtschaftslehre
Li

Der heutige Tag, an dem ich vor der Oeffentlichkeit das
Amt des Rektors dieser Universität übernehme, ist nicht
ohne historische Bedeutung,

Zum erstenmal in der Geschichte der deutschen Uni-
versitäten ist dieses Amt einem Vertreter meiner Disziplin,
der Betriebswirtschaftslehre, übertragen worden, und zum
erstenmal hat ein Vertreter dieses Faches die Ehre, be-
kleidet mit der höchsten amtlichen Würde, die die deutschen
Hochschulen zu vergeben haben, vor die Oeffentlichkeit zu
treten.

Die Besonderheit dieses Ereignisses legt es nahe, die
fachwissenschaftliche Rede, die alter Veberlieferung gemäß
der Rektor an diesem Tage zu halten hat, mit ihm in Ver-
bindung zu bringen,

Wenn ich in dem Alter wäre, in dem gewöhnlich an
deutschen Universitäten einem Gelehrten das Rektorat über-
tragen wird, würde ich heute, einer der schönsten Sitter
folgend, Rechenschaft über mein Lebenswerk ablegen, zei-
gen, was ich für die Entwicklung meines Faches gewollt
und was ich erreicht hätte.

Da ich mich aber noch nicht am Ende meiner wissen-
schaftlichen Tage zu befinden glaube, sondern, wie Goethe
gesagt hat, in jenem glücklichen Alterszustand, in dem die
Produktionskraft noch ungeschwächt ist, aber die Besinnlich-
keit beginnt, sich ebenbürtig neben sie zu’ stellen, soll die-
ser Tag ein Anlaß sein zum Rück- und Ausblick zugleich,
        <pb n="8" />
        m YA n

Schließlich ist ja auch, wie Rathenau in einem seiner
Briefe in Anlehnung an ein altbiblisches Wort es ausge-
drückt hat, nicht entscheidend, wo wir stehen, sondern wo-
her wir kommen und wohin wir fahren. Ueber dieses Kom-
men und Fahren nach einem bestimmten Ziele will ich daher
heute einige Ausführungen machen, die unter dem Titel
„Kameralwissenschaften und vergleichende Betriebswirt-
schaftslehre“ zusammengefaßt werden sollen.

Wenn ich, wie das Folgende zeigen wird, bei diesen
Darlegungen den Schwerpunkt auf die Kameralwissenschaf-
ten lege, so hat dies wiederum seinen besonderen Grund.
Als im Juli d. J. der Lehrkörper der Universität mich zum
Rektor erkor, waren fast auf den Tag 200 Jahre vergangen,
daß in Deutschland der erste Lehrstuhl für Kameralwissen-
schaften und damit für ökonomische Wissenschaften. über-
haupt begründet worden war.

Es ist ein eigentümlicher Zufall, daß aus der wirtschafts-

wissenschaftlichen Fakultät gerade der Mann erwählt wurde,
dessen Spezialforschungen bereits an den so vergessenen
und verkannten Kameralismus wieder angeknüpft hatten.
Daher betrachte ich es als eine Ehrenpflicht, an diesem Tage
im Rahmen eines aktuellen Problems des Kameralismus be-
sonders zu gedenken, um damit zur besseren Einschätzung
seiner Leistungen beizutragen.
; Indem ich zu zeigen versuche, wie der Kameralismus
kommen und vergehen mußte, was er in Wirklichkeit war,
worin seine Leistungen für die Betriebswirtschaftslehre be-
standen haben und welche Lehren wir aus ihm für die
Weiterfahrt ziehen können, hoffe ich, dieser Pflicht gerecht
zu werden.

Die : Kameralwissenschaften stellen eine spezifisch
deutsche Form der Wirtschaftswissenschaften dar und haben
— bereits im 16. Jahrhundert beginnend — in der Zeit nach
Beendigung des 30jährigen Krieges bis zum Eindringen der

11
        <pb n="9" />
        A
Lehren von Adam Smith in den deutschen Hochschulbetrieb,
etwa bis 1830, in Blüte gestanden.

Ein besonderes wirtschaftstheoretisches System bedeu-
ten sie nicht. Sie sind vielmehr im Grunde nichts anderes
als die auf die besonderen deutschen Verhältnisse zuge-
schnittene Anwendung jener bekannten politischen, ökono-
mischen und ethischen Ideen, die in Europa unter dem sog.
Merkantilismus in Geltung waren.

Die besonderen deutschen Verhältnisse ergaben sich
aus den staatsrechtlichen und wirtschaftlichen Wirkungen
des großen Religionskrieges und stellen sich als einzelstaat-
licher Absolutismus auf der einen, Entvölkerung und Ver-
armung auf der anderen Seite dar.

Der 30jährige Krieg stellte all die Fürsten der deutschen
Einzelstaaten zunächst vor die Aufgabe der ökonomischen
Wiederaufrichtung, später vor die des Stärkermachens und
Starkerhaltens ihrer Territorien und daneben der Durchfüh-
rung des Absolutismus.

Für diese große Aufgabe bedurften die Fürsten der Hel-
fer als Gutachter, Kritiker, Propagandisten und Beamten-
unterweiser, und diese Helfer erstanden ihnen zunächst aus
dem Kreise ihrer gehobenen Staatsdiener, die, weil den
Kammerkollegien der reformierten Verwaltungen entnom-
men, als Kameralisten bezeichnet wurden. Mit ihnen be-
ginnt in Deutschland die andauernde und vielseitige litera-
rische Pflege ökonomischer Gedankengänge, die unter dem
Namen Kameralwissenschaften zusammengefaßt werden.

Es ergibt sich also, daß in Deutschland, wie auch sonst
in der Welt, die ökonomische Wissenschaft zuerst außerhalb
der hohen Schulen gepflegt worden ist.

Zwar haben sich Lehrer der Philosophie oder der Welt-
weisheit, wie man damals gerne sagte, auch mit ökonomi-
schen Problemen befaßt, wie es vorher schon die Kirchen-
väter und Theologen getan hatten. Zu einer fruchtbringen-
den Behandlung sind sie jedoch.in Deutschland nicht ge-
langt.
        <pb n="10" />
        — 6° —

Die große Bedeutung der ökonomischen Kenntnisse für
die Erkenntnis der Wirklichkeit einerseits und für die Vor-
bildung des Beamtentums andererseits mußte jedoch der
unakademischen Pflege ein Ende bereiten.

Es ist insbesondere das Verdienst Hallenser Gelehrter
wie Thomasius und Ludewig, den Ruf nach hochschul-
mäßiger Pflege und schließlich nach eigenen ökonomischen
Professuren eindringlichst erhoben zu haben, und es ist das
Verdienst des in wirtschaftlichen Dingen so hellhörigen
Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I., diesem Rufe Folge
geleistet zu haben.

Am 14. Juli 1727 ergeht das Edikt über die Begrün-
dung einer Professur für Oekonomie, Polizey und Kameral-
sachen an der Universität Halle, die durch Simon Peter
Gasser, der ursprünglich Jurist war, besetzt wird.

Bald darauf wird die zweite Professur an der Univer-
sität Frankfurt a. d. O. geschaffen und mit dem ursprüng-
lichen Historiker Dithmar besetzt.

Von nun an sind die Kameralien akademisches Lehr-
fach, das zum Teil an den Universitäten, zum Teil an be-
sonderen Kameralhochschulen beheimatet ist, wobei der
Streit, was das Bessere sei, alsbald entbrannte.

Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang noch
die später mit Heidelberg vereinigte Kurpfälzische Kameral-
hochschule in Kaiserslautern, von der aus Joh. Hch. Jung, der
kein anderer als Jung-Stilling war, seine Laufbahn als
Kameralprofessor begann. Jung-Stilling ist somit als der
Vorläufer des Organisators der späteren deutschen national-
ökonomischen Wissenschaften, des Heidelbergers Karl Hein-
rich Rau, zu betrachten.

HN.

Nach diesen Feststellungen des äußeren Verlaufes ha-
ben wir uns der Betrachtung des eigentlichen Inhaltes der
Kameralwissenschaften zuzuwenden.

Der Fragenkomplex, der auf Grund der merkantilisti-
schen Einstellung zu bearbeiten war, löste sich zunächst
        <pb n="11" />
        — DT —
in’zwei natürliche Gruppen-auf: das Finanzwesen, d. h. die
Einkünfte von Fürst und Staat nebst deren Verwaltung (Ka-
meralwissenschaft im engeren Sinne) und das allgemeine
Regierungs- oder Verwaltungswesen, insbesondere die mer-
kantilistische Wirtschaftspolitik (Polizeiwissenschaft).

Zu diesen zwei Gruppen nahmen aber die Kameralisten
— und das ist das spezifisch Deutsche an ihnen und zugleich
der Grund, weshalb sie uns hier interessieren — noch eine
dritte hinzu: die Privatökonomie oder die Gewerbswissen-
schaften (kurz Oekonomie genannt), und zwar zunächst
in der mittelalterlichen Gliederung in Landökonomie, d. i.
Land-, Forst- und Bergwirtschaft, und Stadtökonomie, d. i.
Oekonomie des Handels und der Manufakturen.

Diese Befassung mit der Privatökonomie hatte mehr-
fache wichtige Ursachen.

Zunächst waren in Deutschland im Gegensatz zu ande-
ren Ländern die Domänen in stärkerem Maße erhalten ge-
blieben.

Um deren Bedeutung zu verstehen, muß man sich ein-
mal einen Etat Friedrichs des Großen vor Augen halten.
Hier entfielen von 22 Millionen Talern Einnahmen 10 Mil-
lionen auf Domänen, 6,5 Millionen auf Grundsteuer, 5,5 Mil-
lionen auf Zölle und Regie.

Die Fürsten als Verwalter der Domänen waren daher
selbst in starkem Maße Privatökonomen.

Daneben war den Kameralisten das Sprichwort von der
Henne mit den goldenen Eiern durchaus gegenwärtig, d, h.
sie waren von der klaren Einsicht getragen, daß die Finan-
zen des Staates nur gedeihen konnten, wenn die Gewerbe
blühten. Die Finanzen erforderten also Hebung der Ge-
werbe. Da nach merkantilistischer Auffassung diese Hebung
Aufgabe des Staates war, ergab sich auch aus diesem Grunde
die Notwendigkeit, sich mit den Lebensbedingungen der
Gewerbe zu befassen,

Schließlich wurde die wiederum sehr vernünftige Mei-
nung vertreten, daß, wer die privaten Wirtschaften zu den
        <pb n="12" />
        — SS —
jeweiligen steuerlichen Leistungen heranziehen wolle, die
dort obwaltenden Ertragskräfte kennen müsse, um nicht fehl
zu gehen. Es ist außerordentlich interessant, bei ‚den Ka-
meralisten gelegentlich Ausführungen über gewerbliche Kal-
kulationen nicht zur Belehrung der Gewerbetreibenden son-
dern nur zum Zwecke der Steuerveranlagung anzutreffen.

Die klare Herausarbeitung dieser Dreiteilung ist nun
aber nicht von Anfang an vorhanden gewesen.

Zwar bewegten sich die Gedankengänge der Kamera-
listen immer, wenn auch mit verschiedenem Schwergewicht,
auf diesen drei Gebieten, und die Benennung der Hallenser
Professur bringt dies ja auch deutlich zum Ausdruck.

Während aber noch bei dem ersten Akademiker Gasser
Oekonomisches und Polizeyliches, d. h. also Privatwirt-
schaftliches und Wirtschaftspolitisches ungegliedert neben-
einander steht, ist es erst sein Frankfurter Kollege Dithmar
gewesen, der die Dreigliederung klar begründet und in
seiner „Einleitung“ streng durchgeführt hat.

Diese Systematik bildet die erste Frucht der akademi-
schen Pflege.

Von nun an wird die Dreigliederung nicht mehr ver-
lassen. Ja, sie ist sogar für die durch Karl Rau später
vorgenommene Gliederung der Nationalökonomie vorbild-
lich geworden. Auch diese zeigt bis auf den heutigen Tag
eine Dreiteilung, und die Stellung der Finanzwissenschaft
dort als drittes Glied, die sich nur in Deutschland so
durchgesetzt hat, ist unmittelbare Folge der alten Kameral-
gliederung.

Die Frage der Dreiteilung ist nun aber noch aus einem
anderen Grunde bedeutsam.

Sie beweist, daß die in der späteren deutschen National-
Ökonomie üblich gewordene abfällige Beurteilung der Ka-
meralisten als reine Regalisten bezw, Fiskalisten oder als
reine Privatökonomen bezw. Technologen nicht richtig sein
kann.
        <pb n="13" />
        Schon Zielenziger hat in seinem Werke über die „Alten
Kameralisten“ für die vorakademische Zeit einwandfrei nach-
gewiesen, daß aus der merkantilistischen Zentralidee heraus
grundsätzlich das Mittelstück auch in diesem Tryptichon
das Hauptstück sein mußte und daß daher grundsätzlich die
Kameralisten primär Wirtschaftspolitiker waren und nur
sekundär Privatökonomen und Fiskalisten gewesen sein
konnten.

Diese Tatsache läßt sich auch für die spätere akade-
mische Zeit nachweisen.

So haben z. B_ Dithmar ebenso wie sein Nachfolger
Darjes die Polizeywissenschaft, deren Hauptinhalt ja in der
Wirtschaftspolitik bestand, geradezu „als die Seele und das
Leben des Staates“ und somit ihrer Lehraufgabe bezeichnet.

Daß die Wirtschaftspolitik diese Stellung tatsächlich
innehatte, das zeigt sich auch in dem Umstand, daß die
Veröffentlichungen der Kameralisten, soweit sie das Gesamt-
system umfassen, die Privatökonomie vielfach durchaus un-
vollständig behandeln, daß aber bis zum Schluß kein ein-
ziger auf die Darstellung der Wirtschaftspolitik verzich-
tet hat.

T

Nachdem auf diese Weise über das Wesen und Wollen
der Kameralisten genügend Klarheit verbreitet worden ist,
haben wir uns nunmehr der für uns entscheidenden Frage
der Behandlung der Privatökonomie durch sie zuzuwenden.

Geht man, was ja zur Klärung in solchen Fällen immer
zweckmäßig ist, den Entwicklungstendenzen, die sich hier
feststellen lassen, nach, so scheinen sie mir in vierfacher
Richtung gegeben zu sein.

Die Frage, die zunächst Beantwortung erheischt, be-
trifft die Stellung der verschiedenen Arten der Privat-
Ökonomie im Kameralsystem.

Hier ist festzustellen, daß der Schwerpunkt sich immer
mehr nach der Seite der Landökonomie verschiebt, d. h.

-9
Az
        <pb n="14" />
        — T—
nach den‘ Gebieten der Land- und Forstwirtschaft mit ihren
Nebengewerben.

Dies muß als eine notwendige Folge des Uebergangs an
die Hochschulen angesehen werden.

Während für die alten Kameralisten die Propagierung
der Merkantilidee und damit die privatökonomischen Fragen
des Handels, des Kredites, der Banken, der Wechselkurse
im Mittelpunkt standen, tritt jetzt die Frage der Beamten-
vorbildung und deren Unterrichtsziele in den Vordergrund.
Schon Friedrich Wilhelm I. hatte bei Begründung der Pro-
fessur deutlich betont, daß die „Anfänger und jungen Leute“
eine gute Unterweisung in ökonomischen Dingen erhalten
sollten, da er mit der juristischen Ausbildung unzufrieden
war. Sie sollten, wie Gasser nachher schrieb, nicht wie
ABC-Schützen im Amte anfangen müssen.

Die Beamten, die vorzubilden waren, waren nun aber
in besonderem Maße für die Domänen und die Rentheyämter
bestimmt, und für beide Fälle war wegen der Bewirtschaf-
tung oder der Besteuerung die Landökonomie der wichtigste
privatökonomische Lehrgegenstand. Die Verschiebung nach
dieser Seite ist daher fast eine Selbstverständlichkeit.

Mit dieser Verlagerung hängt es auch z. T. zusammen,

daß nach der Auflösung der Kameralistik die land- und
forstwirtschaftliche Privatökonomie ein akademisches Lehr-
fach geblieben ist, während die merkantile als die weniger
gepflegte und für ‘das Beamtentum wenigstens unmittelbar
weniger erforderliche mit dem Zusammenbruch der Kameral-
wissenschaften als akademisches Lehrfach für etwa 70 Jahre
heimatlos werden mußte.
' Mit der Frage des Unterrichtsbetriebes scheint auch
noch eine zweite Entwicklungsreihe im Zusammenhang zu
stehen, und zwar das Vordringen des technologischen Ele-
mentes innerhalb der einzelnen Privatökonomien,

Die akademischen Lehrer ‚mußten ihren Zöglingen aus
den einzelnen Privatökonomien Stoff darbieten, und sie nah-
men ihn zunächst, wo sie ihn fanden.

In
        <pb n="15" />
        N

Nun liegt aber in allen Oekonomien das Technologische
viel mehr zu Tage als das Wirtschaftliche.

Wie der Landwirt zweckmäßig sät und erntet, wie ein
Wald angepflanzt und Holz abgeschleppt wird, wie gebraut,
gebrannt, gemahlen, gegerbt, gefärbt und gebleicht wird,
all das war in einer Zeit, in der es nur eine empirische Tech-
nologie gab, offenkundiger als die wirtschaftlichen Erwä-
gungen, die diese Handlungen bestimmen.

Hält man noch dazu, daß die technologischen Methoden
jener Zeit in ständigem Fortschreiten begriffen waren und
daß man sich der. Problematik innerwirtschaftlicher Vor-
gänge nur allmählich bewußt wurde, so kann das: Ueber-
wiegen des Technologischen in den Privatökonomien nicht
wunder nehmen.

Es behält diese Stellung auch bis zum Ende der Ka-
meralepoche und hat, wie schon erwähnt wurde, den Ka-
meralisten stellenweise die Bezeichnung als „nur“ Privat-
Ökonomen oder Technologen eingetragen.

Parallel zu diesem Vordringen des technologischen Stof-
fes läuft dann dessen grundsätzliche Abtrennung vom wirt-
schaftlichen in den Privatökonomien.

Ursprünglich hängt genau so wie Polizeyliches und
Oekonomisches hier auch Technologisches und Wirtschaft-
liches zusammen. Den technologischen Ausführungen wer-
den nur gelegentlich oder zum Schluß wirtschaftliche Be-
merkungen angefügt, bei denen Berechnungen, insbesondere
Voranschläge für Wirtschafts- und. Steuerzwecke vielfach
eine besondere Rolle spielen.

Die grundsätzliche Trennung beider Fragenkreise
scheint auf den Göttinger Kameralisten Beckmann zurück-
zuführen sein, jenen Gelehrten, von. dem der alte Schlözer
sagte, daß er „der Schöpfer zweier neuer Wissenschaften,
der gelehrten Oekonomie‘ und Technologie“ geworden sei.
Sie zieht sich von nun an ebenfalls durch alle Kameral-
systeme hindurch, Ob man das Wirtschaftliche in besonde-
ren sog. Haushaltungslehren. zusammenfaßt, wie
        <pb n="16" />
        m 12 —

Jung (-Stilling) in seinen Grundlehren von 1779 es tat, ob
man später trennt zwischen technologischem und
merkantilem Teil, wie der Berliner Schmalz in seiner
Encyklopädie 1819, oder zwischen Gewerbslehre und
Betriebslehre, wie der Heidelberger Baumstarck 1835,
es ist immer dieselbe grundsätzliche Auseinanderhaltung
der‘ Technologie und der Betriebswirtschaft, die vorgenom-
men wird.

Mit dieser Feststellung leiten wir nunmehr zu der für
unsere Betrachtung wichtigsten Entwicklungstendenz hin-
über, der Ausbildung einer rein betriebswirtschaftlichen Sy-
stematik,

Wie die Dreiteilung an den Namen Dithmar, die Ab-
sonderung des Technologischen an den Namen Beckmann
geknüpft ist, so die Grundlegung‘ der betriebswirtschaft-
lichen Systematik an den Namen des Helmstädter Kamera-
listen Zincke.

In Zinckes Kameralwissenschaft vom Jahre 1755 sind
all die leitenden Ideen vorgebildet, die bis zu Rau und
Baumstarck die betriebswirtschaftliche Systematik später be-
herrschen.

Zinckes Verdienst beruht darin, daß er die Notwendig-
keit begriff, der Einheit der Idee in der Vielheit der Er-
scheinungen nachzuspüren, und daß er somit der Kamera-
listik das wissenschaftliche Knochengerüst gab,

Dieses Streben nach zentralen Gesichtspunkten zeigt
sich bei ihm in doppelter Richtung.

Zunächst scheidet er das Allgemeingültige vom Beson-
deren der einzelnen Fälle, worauf seine Trennung in G e-
neralökonomik und Spezialökonomik beruht.
Wenn auch der tatsächliche Inhalt seiner Generalökonomik
vielfach Banalitäten (wie Ueberlegung, Entschluß, Ausfüh-
rung, Geschicklichkeit, Vorsicht, Glück, göttliche Schickung
u. dgl.) behandelt, so war doch bei der bislang herrschenden
chaotischen Betrachtung schon die Aufwerfung des Ge-
dankens verdienstlich.
        <pb n="17" />
        Wenn später Jung (-Stilling) die Idee einer „allg e-
meinen“ Gewerbs- und Haushaltungswissen-
schaft vertritt, wenn der Jenenser Kameralist Schulze
aus Gävernitz, der Großvater des bekannten Freiburger Ge-
lehrten, 1826 in seinem Kameralsystem eine allgemeine
Privatwirtschaftslehre vorsieht, und wenn Rau und
Baumstarck 1823 und 1835 darüber hinaus ihrem gesamten
ökonomischen System eine allgemeine Wirtschafts-
lehre voranstellen wollen, so greifen sie formell und ma-
teriell durchaus auf Zincke zurück.

Fruchtbringender als diese allgemeine Idee war für
die in Frage stehende Systematik aber die besondere, die
als zentrales Problem aller Wirtschaften, der öffentlichen so-
wohl wie der privaten, die Erlangung, Erhaltung
und Nutzung des Vermögens, sowie die Einkünfte-
verwendung erkannte und dabei im Rechnungswesen
einschließlich der Voranschläge das wichtigste Mittel für
die Vermögenserhaltung sah.

; Diese Idee, die Zincke selbst nur für die Landwirt-
schaft und die öffentliche Wirtschaft im einzelnen durch-
geführt hat, ist für die Betrachtung aller späteren Kamera-
listen wiederum vorbildlich geworden.

‚ Wenn z. B. nach der Entdeckung der Theorie vom
Volksvermögen durch Adam Smith der Kameralist Schmalz
die gesamte ökonomische Wissenschaft trennt in die G e-
werbskunde, das ist die Lehre vom Vermögen und Ein-
kommen des Einzelnen, und die politische Oeko-
nomie, deren Hauptteil durch die Lehre von der Bildung
des Gesamtvermögens und -einkommens dar-
gestellt wird, so findet die Zinckesche Idee darin ihre Krö-
nung. Ebenso bildet diese Idee den Hauptinhalt der sog.
Haushaltungslehre der späteren Kameralisten und der Be-
triebslehre Baumstarcks.

Daneben zeigt Zincke aber auch in der weiteren Durch-
gliederung seiner Landwirtschaftslehre klare systematische

Gedankengänge. Die Einteilung in: Objekt der Geschäfte,

13
        <pb n="18" />
        — 14 —
Zweck, Absicht und Nutzen, Vermögens- und Einkommens-
gestaltung sowie Personenfragen zieht die wesentlichsten
Probleme bereits ans Licht.

Wenn 70 Jahre später Karl Rau den Problemkreis der
Privatökonomie untersucht und ihm zuweist: die Unter-
suchung des Arbeitsprogrammes und der Arbeitsordnung,
der Kapitalien, der Mittel, um Ausgaben zu sparen und die
Erlöse zu vergrößern, sowie der Rechnungsführung, so ba-
siert auch er auf Zinckeschen Gedanken.

Die stärkste Ausbildung Zinkescher Ideen findet sich
aber bei Baumstarck, dem letzten bedeutenderen kamera-
listischen Systematiker und Encyklopädisten.

Schon seine allgemeine Wirtschaftslehre ist Zinckesche
Generalökonomie vermischt mit Rauschen Gedankengängen.

Am deutlichsten aber wird der Zinckesche Einfluß in
seinem System der verschiedenen Privatökonomien.

Hier wird erstmals der Versuch unternommen, die Ein-
zelprobleme der verschiedenen Privatökonomien lückenlos
unter die gleichen Gesichtspunkte unterzuordnen. Nachdem
Baumstarck das Technologische unter der Bezeichnung Ge-
werbslehre überall streng ausgesondert hat, faßt er das
Betriebswirtschaftliche. unter dem selbständigen Ausdruck
Betriebslehre für jede Privatökonomie zusammen.

So entstehen bei ihm die Bergmännische Betriebslehre,
die Land- und Forstwirtschaftliche, und drei merkantile Be-
triebslehren: die Werkmännische, die Umsatz- und die
Dienstbetriebslehre,

Innerhalb jeder dieser Betriebslehren behandelt er den
Fragenkomplex einheitlich nach 5 Hauptgesichtspunkten, und
zwar: den allgemeinen Bedürfnissen, insbesondere Kapital

und Arbeit; der Organisation der Betriebe, insbesondere
Betriebsform; der Betriebsleitung, insbesondere Betriebs-
systeme; der Betriebswirtschaft, worunter er das Rech-
nungswesen versteht, und der Ertragsanschläge.

Hiermit ist die höchste Stufe der betriebswirtschaft-
lichen Systematik im Kameralismus erreicht. Daß dabei das
        <pb n="19" />
        Ziel schon überschritten wurde, wird gleich noch zu be-
weisen sein.

Eine besondere Beachtung verdient in diesem Zusam-
menhang noch die Bezeichnung „Betriebswirtschaft“ bei
Baumstarck. Als wir hier in Köln im Jahre 1919 nicht ohne
Erfinderstolz der merkantilen Privatökonomie den Namen
Betriebswirtschaftslehre gaben, war uns die Vorwegnahme
dieser Bezeichnung durch Baumstarck 80 Jahre vorher nicht
bekannt. Es sieht wie ein Vorahnen kommender Dinge aus,
daß Baumstarck den Namen Betriebswirtschaft in seinem
System gerade dem Fragenkomplex beilegte, der notwen-
digerweise in der kaufmännischen Betriebswirtschaftslehre
im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen muß, dem Rech-
nungswesen.

Die Untersuchung der Entwicklung der betriebswirt-
schaftlichen Systematik leitet hinüber zu der letzten und für
das Schicksal des Kameralsystems besonders wesentlichen
Entwicklungsfrage: dem Eindringen der Lehre von Adam
Smith. Diese Lehre stellte die Kameralisten vor die beson-
dere Frage, wie sie die Theorie des Volksvermögens, der
Einkommensverteilung und der Preisbildung mit den Be-
triebslehren der verschiedenen Privatökonomien in Verbin-
dung bringen sollten.

Mit dieser Frage haben außer dem schon erwähnten
Schmalz besonders Friedrich Schulze und Karl Rau ge-
rungen. Während eine Reihe von anderen Autoren den Zu-
sammenhang dieser neuen Probleme mit dem Kameralsystem
kurzweg ableugnete, sahen beide Gelehrte wesentliche Be-
ziehungen, die sie in organische Verbindung bringen wollten.

Schulze, dem eine hervorragende philosophische Bildung
eigen war, glaubte die Frage der Trennung von Sein und
Sollen sehr einfach lösen zu können.

Für ihn war die Volkswirtschaftslehre eine rationale
Grundwissenschaft, in der alle wirtschaftlichen Gesetzmäßig-
keiten darzustellen seien, während die Privatökonomien ihm
als rein pragmatische Disziplinen erschienen, die. nur die

15
        <pb n="20" />
        Lehrsätze der Volkswirtschaft neben denen der Naturwissen-
schaft zweckbetont zur Anwendung zu bringen hätten.

Die Frage, ob nicht auch in den Spezialdisziplinen Ge-
setzmäßigkeiten aufzuhellen seien, die erst die Volkswirt-
schaftslehre zu befruchten hätten, war ihm fremd geblieben.

Viel weniger einseitig war Rau. Er sah deutlich, daß die
Volkswirtschaftslehre auch abgeleitete Sätze aus der Privat-
Ökonomie zu übernehmen habe und hat den Gegnern ins
Stammbuch‘ geschrieben, daß, „wer dies leugne, sich seiner
Quellen selbst nicht ganz hell bewußt gewesen sei oder
durch das Unterlassen des Zurückgehens auf diese für die
Gründlichkeit seiner Behauptung nicht genügend Sorge ge-
tragen habe“. Aus der Erkenntnis dieses Zusammenhanges
zieht er die schon erwähnte Folgerung einer. allgemeinen
Wirtschaftslehre, die vor die Privat- und Volkswirtschafts-
lehre zu stellen :sei.

Wie sehr Rau grundsätzlich recht hatte, das weiß heute
jeder, der etwa die betriebswirtschaftlichen Untersuchun-
gen über die Intensivierung und Integrierung in der Land-
wirtschaft kennt oder die Untersuchungen über das Kosten-
problem, die Frage des Beschäftigungsgrades und die Frage
der Preisuntergrenze in der kaufmännischen Betriebswirt-
schaftslehre.

Die Formel Schulzes, die ja heute noch ‘gerne ge-
braucht wird, und die die Privatökonomien als Kunstleh-
ren, die Volkswirtschaftslehre als philosophische Disziplin
darzustellen beliebt, stimmt eben nicht, und sie wird durch
ständige Wiederholung auch nicht richtiger. Sie berücksich-
tigt ebensowenig die Tatsache der Gesetzmäßigkeiten bei
den Problemen der Betriebswirtschaftslehre wie die Tat-
sache, daß die Volkswirtschaftspolitik im wesent-
lichen auch Kunstlehre ist und sein muß.

Ve

Das Problem des Verhältnisses der Volkswirtschafts-
lehre zu der Betriebswirtschaftslehre ist durch den Kamera-
lismus nicht mehr gelöst worden.

16
ce
        <pb n="21" />
        — IT
2 Bibli )

Gerade als es auftauchte, erwies sich, daß seineAZeit
erfüllet war und er zusammenbrechen mußte.

Es ist für unsere Aufgabe erforderlich, auch den Grün® Kie\*
den dieses Zusammenbruches noch etwas nachzugehen, |

Wenn man das Auftreten von Adam Smith und das

Faszinierende seiner Lehre allein für das fast geschlossene
Abschwenken der Kameralisten in das nationalökonomische
Lager verantwortlich zu machen sucht, so sieht man, wie
mich dünkt, nur eine von mehreren zusammenwirkenden
Ursachen.
' Eine solche weitere Ursache war zunächst das allmäh-
liche Absterben der Merkantilidee, die schon bei Darjes,
dem Frankfurter Kameralisten Friedrichs des Großen, sich
deutlich ankündigt. Es ist unverkennbar, daß mit dem Weg-
fall dieses Mittelstückes das ganze Gebäude schwer erschüt-
tert werden mußte.

Was dem Kameralismus aber am meisten zum Verhäng-
nis gedieh, ist nach meiner Auffassung die Vernachlässigung
der Spezialforschung, insbesondere in der Privatökonomie.
Der Kameralismus ist über das schwierige
akademische Problem: das Verhältnis von
Lehre und Forschung zu Fall gekommen.

Zufolge ihres riesenhaften Lehrauftrages waren nämlich
die Kameralisten in zunehmendem Maße Encyklopädisten
geworden. Während die Vorakademiker ganz ausgespro-
chene Politiker, die ersten Akademiker insbesondere auf dem
Gebiete der Landökonomie noch beachtliche Spezialforscher
waren, sind die späteren fast nur noch Stoffsammler, -ordner
und -übermittler gewesen. Stoffsammler und Encyklopädisten
können nun zwar einzelne Personen in einem Fache sein,
niemals aber kann ein ganzes Fach selbst sich auf diese
Aufgabe beschränken. Wenn der Forstmann Bernhardt spä-
ter in bezug auf sein Fach von den Kameralisten sagte, daß
sie vergessen hätten, daß eine echte Wissenschaft vom Walde
nur bei inniger Anlehnung an die Wirtschaft im Walde mög-
        <pb n="22" />
        n— VAL
lich sei, so gilt dieses Urteil in entsprechender Umformung
auch für die anderen Privatökonomien.

Daß der Verfall im Anzug war, das zeigt deutlich die
Tatsache des Uebergangs der privatökonomischen Forschung
auf nichtakademische Fachmänner gegen die Jahrhundert-
wende. In der Landwirtschaft ersteht Albrecht von Thaer, in
der Forstwirtschaft nehmen Hartig und Cotta, in der kauf-
männischen Betriebslehre Leuchs, May und Büsch die Füh-
rung in die Hand.

Man muß sich diese um die Jahrhundertwende auf-
tretenden privatökonomischen Spezialforschungen einmal an-
sehen und in Vergleich setzen mit einem rein kameralisti-
schen Buch, wie etwa den Grundsätzen der bürgerlichen
Wirtschaft und Haushaltung von Merrem, 1817, um die
Unhaltbarkeit des Kameralsystems deutlich zu erkennen.

Es ist ein bemerkenswertes Zusammentreffen, daß sämt-
liche Auflösungsursachen, wie das Eindringen der Lehren
von Adam Smith, das Notwendigwerden der privatökono-
mischen Einzelforschung und der Verfall der Merkantilidee
fast zu gleicher Zeit mit voller Kraft wirksam werden und
den Kameralismus zu Fall bringen. Es bedeutet dies im
letzten Grunde nichts anderes, als daß der Kameralismus
als echtes Kind seiner Zeit mit dieser Zeit zu Grabe getragen
wird. Die Zeit der Merkantilidee war ebenso vorbei wie die
Zeit der unkritischen Betrachtung der Erscheinungswelt und
die Zeit, da das Wissen ausgedehntester Gebiete sich in
einer Person noch vereinigen konnte.

Bevor wir nunmehr die Brücke von dieser Vergangen-
heit zur Gegenwart schlagen, ist es erforderlich, noch einen
Blick auf die Hinterlassenschaft der Kameralwissenschaf-
ten für die Betriebswirtschaftslehre zu werfen.

Soweit ich heute sehe, kommen hier drei verschiedene
Erbmassen in Frage,

18
VI
        <pb n="23" />
        U —

Was zunächst die sog. kaufmännische Verkehrslehre
betrifft, so dürfte der akademische Kameralismus hier nicht
allzuviel Neues zutage gefördert haben. Er bietet jedoch
eine gute Ideen- und Literaturgeschichte, die der Aus-
schöpfung noch harrt.

In bezug auf die engeren Betriebsprobleme dagegen
ist der Kameralismus durchaus fruchtbar gewesen. Man
muß heute lebhaft bedauern, daß vieles, was er schon deut-
lich gesehen hat, erst später nach langen Umwegen wieder
erschlossen worden ist.

Dafür mögen folgende Beispiele Zeugnis ablegen:

Schon bei Darjes, 1768, findet sich eine Zergliederung,
der Fabrikationskosten und eine Behandlung des Zinsen-
und Abschreibungsproblems in der Kalkulation, wie sie erst
im 20. Jahrhundert wieder in der Literatur auftritt.

Bei Schmalz, der durch die Schule der Physiokraten
gegangen war, finden wir in der merkantilen Privatökonomie
neben beachtlichen Ausführungen über den Unternehmer-
gewinn Untersuchungen über das Verhältnis von Arbeits-
lohn und Zinsen, die durchaus an Thünen gemahnen, und
weiter eine ganz ausgezeichnete Gewinn- und Kostenanalyse.
Wenn Schmalz dabei darauf hinweist, daß beim Gewinn
des Fabrikanten jener Teil abgesondert werden müsse, der
auf Grund inzwischen erfolgter Preissteigerung am Material
erzielt worden sei, so stoßen wir auf ein in der neuen Zeit
erst wieder akut gewordenes Bewertungsproblem, sowie auf
die ebenfalls erst wieder neu zu entdecken gewesene Frage
der Absonderung des Konjunkturgewinnes am Material in
der Erfolgsrechnung, Diejenigen modernen Betriebswirt-
schafter, die so stolz auf die Entdeckung dieser Abson-
derungsnotwendigkeit sind, mögen ihm ihre Reverenz er-
weisen.

Und schließlich für die Betriebswirtschafter noch ein
Besonderes, ;

Die Erscheinung des eisernen Bestandes, die seit der
Inflationszeit die Betriebswirtschaftslehre so eingehend be-

1C
        <pb n="24" />
        in I)
schäftigt und deren Charakter als automatischer Gewinn-
regulator gegenüber den Preisschwankungen jetzt erkannt
worden ist, hat an sich schon Thaer gesehen.

Thaer schreibt beim Kapital: „Man sollte noch ein
drittes Kapital unterscheiden, welches bei den Manufaktur-
gewerben in dem Vorrat des zu bearbeitenden Materials
besteht: das Material-Kapital. Es gehört in einer
Hinsicht zu dem umlaufenden, weil sein Stoff verbraucht
wird, in anderer Hinsicht zum stehenden, weil es immer
in einem fast gleichmäßigen Bestande erhalten werden muß.“

Als Schmalenbach mehr als 100 Jahre später den eiser-
nen Bestand wieder entdeckt und als erster fruchtbar ge-
macht hat, konnte er ihn fast nur mit den gleichen Worten
beschreiben.

Wenn man erlebt hat, in welcher Weise an den: ersten
Handelshochschulen Betriebswirtschaftslehre getrieben wor-
den ist, und wie vor allen Dingen die engeren Betriebs-
fragen nur langsam in Bearbeitung genommen worden sind,
kann man das lebhafteste Bedauern darüber, daß die mer-
kantile Betriebswirtschaftslehre bei ihrem Wiederaufbau
nicht an die Kameralisten angeknüpft hat, nicht unter-
drücken.

Als drittes Erbgut ist schließlich noch die betriebswirt-
schaftliche Systematik des Kameralismus zu betrachten.

Daß die akademischen Kameralisten auf diesem Gebiet
etwas geleistet haben, ist bereits genügend hervorgehoben
worden. Auch hier wäre es zu wünschen gewesen, daß die
Erneuerer der systematischen Forschung an sie angeknüpft
hätten.

Wichtiger aber als das Positive ist für unsere Be-
trachtung das Negative, was uns ihr Streben, zu einem
System zu kommen, lehrt.

Dieses Negative liegt in einem Doppelten begründet.

Zunächst hat gerade das Suchen nach Systematik einen
wesentlichen Teil ihrer Kraft beansprucht und sie gehindert,
der Problematik der einzelnen Erscheinungen näher zu kom-

A
        <pb n="25" />
        men. Daraus erklärt sich auch die relative Dürftigkeit des-
sen, was vielfach hinter den Einteilungen steht. Man wird
gar oft den Eindruck nicht los, daß „das Portemonnaie ihnen
wichtiger war als das Geld“.

Dieses übertriebene Streben nach Systematik scheint
nun seinerseits wiederum in einer nicht genügenden wissen-
schaftlichen Selbständigkeit begründet zu sein, was mit einer
allgemeinen Ueberschätzung der Bedeutung der Philosophie
für die Einzelwissenschaften. in jener Zeit zusammenhängen
dürfte.

Der Gedanke, daß alle Systeme der Einzeldisziplinen
streng in einem philosophischen System begründet sein
müßten und daß dieses philosophische System selbst wieder
in einem oberen Satze gipfeln müsse, dieser systematische
Schematismus spukte in vielen Köpfen der Kameralisten;
Er verführte dazu, dem System überhaupt eine zu große
Bedeutung beizumessen und gab den Systemen selbst eine
außerordentliche Unbeweglichkeit und Starrheit. Lehrhafte
Beispiele bieten hier Klipstein und Seutter.

Klipstein wollte ein ökonomisches System genau nach
den Kantschen Kategorien aufbauen; und von Seutter ist
uns die bewegte Klage überliefert, daß er seinen Stand-
punkt zu tief in der Sphäre der höheren Philosophie ge-
nommen habe, während er doch nur an der Grenze der-
selben gefaßt werden dürfe, und daß dies seinen Versuch,
zu einer reinen Wirtschaftslehre zu kommen, vereitelt habe.

Die Gefahr dieser deduktiven Systemerrichtung mußte
sich aber am stärksten bei der Aufrichtung eines General-
systems für alle Privatökonomien zeigen, zu dem ja der Ka-
meralismus bei der bestehenden Personalunion notwendiger-
weise hingedrängt wurde. Diese a priori aufgestellten Ka-
tegorien mußten dazu führen, daß die vielfach ungenügend
beobachtete Wirklichkeit ‚wie in dem Bett des Prokrustes
vergewaltigt wurde.

Es gibt keinen besseren Beweis dafür als das System
Baumstarcks mit seinen 5 Gliederungsgruppen für alle

21
        <pb n="26" />
        a

Betriebslehren. Wer sieht, wie diese Gruppen nachher mit
Inhalt gefüllt werden, und wie sehr Richtiges und Gutes
durch Banalitäten, Unvollständigkeiten und Verzerrungen
beeinträchtigt wird, der erkennt, daß auf dem Gebiete der
Gesamtsystematisierung der betriebswirtschaftlichen Seite
der Privatökonomie dem Kameralismus ein Erfolg nicht
beschieden war.

Die Frage einer organischen Verbindung der verschiede-
nen Betriebswirtschaftslehren, die der Kameralismus nicht
zu lösen vermocht hat, pocht in der Gegenwart wieder an
die Türe.

Auf den alle Wirtschaftslehren zusammenfassenden aka-
demischen Kameralismus, der fast genau 100 Jahre gedauert
hat, ist, etwa wiederum 100 Jahre dauernd, die Zeit streng-
ster Spezialisierung gefolgt.

Betrachten wir die gegenwärtige Situation in den Wirt-
schaftswissenschaften, so kennzeichnet sie sich, was die Be-
triebswirtschaftslehre angeht, wie folgt:

Neben dem kaufmännischen Zweig — meist ganz allge-
mein nur Betriebswirtschaftslehre genannt —, der in sich
wieder spezialisiert ist, steht der landwirtschaftliche, dort
Betriebslehre genannt, und der forstwirtschaftliche, als Forst-
statik und Waldwertrechnung bezeichnete. All diese Zweige
haben z. Zt. keine engere Fühlung untereinander.

Die wissenschaftliche Pflege eines vierten Zweiges, der
Öffentlichen Betriebswirtschaft, ist in der Gegenwart so gut
wie überhaupt nicht in Uebung.

Was die Beziehung zwischen Volkswirtschaftslehre und
Betriebswirtschaftslehre anlangt, so muß sie — vielleicht
mit Ausnahme der landwirtschaftlichen — zum mindesten
als lose bezeichnet werden.

Daß diese Spezialisierung erforderlich war und auch
erforderlich bleibt, bedarf keines weiteren Beweises. Daß
wir aber, und zwar ebenfalls als Kinder unserer Zeit, in ein

YIL
        <pb n="27" />
        Spezialisierungsextrem verfallen sind, aus dem wir den Aus-
weg suchen müssen, scheint mir ebenso feststehend zu sein.

Es leuchtet ja ohne weiteres ein, daß ein Verständnis
der Gesamtökonomie auf dem gegenwärtigen Wege nur
schwer zu erlangen ist. Insbesondere ist das Verhältnis
der einzelnen Gewerbezweige zueinander und zu der Ge-
samtwirtschaft bei diesem Zustand nur schwer erkennbar.

Daneben schadet der unverbundene Zustand aber auch
— und das ist hier zunächst wichtiger — der Spezialfor-
schung selbst. Wenn irgendwo, so gilt hier der Satz, daß
im engeren Kreise sich auch der Sinn verengert. Je mehr
man über die Zaunpfähle seines Bezirkes hinaussieht, desto
mehr lernt man erst dessen Wesensart verstehen.

Der gegenwärtige Erneuerer der landwirtschaftlichen
Betriebslehre Aeroboe schreibt in der Vorrede seines Wer-
kes, daß das, was er am wenigsten dafür gelesen habe, die
engere Fachliteratur gewesen sei, daß er sich aber weit auf
anderen Gebieten umgesehen habe, um einen neuen Stand-
punkt zu gewinnen.

Ich selbst habe die Wohltat der Ueberwindung der ein-
seitigen Spezialisierung zweimal an mir erlebt; zunächst als
ich nach engster Spezialisierung in Köln an der Universität
Freiburg das Gesamtgebiet der kaufmännischen Betriebs-
wirtschaftslehre zu bearbeiten hatte und dann, als ich dar-
über hinaus meine Studien auf das kameralistische Rech-
nungswesen ausdehnte. Daß ich das kaufmännische Rech-
nungswesen in seinem tiefsten Wesenskerne erst begriff,
nachdem ich das kameralistische bearbeitet hatte, ist eines
meiner stärksten wissenschaftlichen Erlebnisse geworden.
VII.

Es erhebt sich nunmehr zum Schluß die präzise
Frage, wie der Weg beschaffen sein soll, der uns aus der
überspitzten Spezialisierung herauszuführen vermag.

Bei der Skizzierung dieses Weges muß ich mich heute
auf die Beziehungen der Betriebswirtschaftslehren unter-

23
        <pb n="28" />
        DR m
einander beschränken, weil mir dies als das Näherliegende
und vorerst Wichtigere erscheint.

Diese Beziehungen möchte ich durch den Begriff „V er-
gleichende Betriebswirtschaftslehre“ gekenn-
zeichnet wissen.

Die Aufgabe dieser Lehre sehe ich in Folgendem:

' Sie hat als Erstes und Wichtigstes und im starken
Gegensatz zu den Kameralisten die besondere We-
sensart jeder Betriebswirtschaft herauszuarbeiten.

Nicht was alle Wirtschaftsarten eint, son-
dern was sie voneinander unterscheidet, gilt
es zuerst zu erkennen.

Ist dies festgestellt, dann erst ist es möglich, diejenigen
Einzelfragen, die bei allen Betriebswirtschaften gleich oder
doch ähnlich liegen, zu ermitteln und in Vergleich zu stellen,
um auf diese Weise zu einer gegenseitigen Befruchtung zu
gelangen. Gleichzeitig wird damit auch die besondere Stel-
lung jeder Art von Betriebswirtschaft zu der Gesamtwirt-
schaft geklärt.

Aus der Unzahl möglicher Beispiele seien zur Erläu-
terung nur einige wenige repräsentative für allgemeine und
Einzelprobleme genannt:

In der landwirtschaftlichen Betriebslehre findet man das
Muster einer Betrachtungsweise, die man als die biologische
bezeichnen kann.

Die landwirtschaftlichen Betriebe stellen sich als Boden-
und Produktionsmittel-Gemeinschaften dar, bei denen jede
Maßnahme an einer Stelle eine Fülle von Folgerungen an

verschiedenen anderen Stellen nach sich zieht. Die Folge
davon ist, daß im landwirtschaftlichen Betriebe niemals
stur gradlinig, sondern immer um die Ecke herum gedacht
werden muß, eben weil die Wirkung jeder Maßnahme nach
allen Seiten bis zum Ausgangspunkt zurück zu erwägen ist.

Dies ist aber gerade jene Denkungsart, die grundsätz-
lich die ganze Oekonomie beherrscht. Keine ökonomische
Erscheinung steht für sich allein, sondern sie wirkt nach
        <pb n="29" />
        At
allen Seiten, und mit ihrer Aenderung ändert sich auch
das andere.

Für die Pflege dieser Denkart in der Betriebs- und
Volkswirtschaft scheint mir daher kein Gebiet so geeignet
wie das der landwirtschaftlichen Betriebslehre.

Ich bin auch der Ueberzeugung, daß die großen Ver-
dienste, die sich die altpreußischen Beamten und auch das
Parlament um die preußische Verwaltung erworben haben,
durch die Herkunft ihrer Glieder aus der Landwirtschaft
ganz wesentlich bestimmt waren. Mit der politischen Seite
der Frage hat diese Feststellung selbstverständlich gar nichts
zu tun.

Was die Forstwirtschaft anlangt, so ist ihre besondere
Stellung im folgenden begründet:

Sie steht sozusagen an der Grenze der üblichen geld-
kapitalistischen Betrachtungsweise. Die Forstwirtschaft ar-
beitet mit Produktionsfristen von 70—300 Jahren, d. h.
mit Zeiträumen, für die es keine zuverlässige Rentabili-
täts-, Ertrags- und Wertschätzung mehr gibt. Sie steht
somit in einer zwangsläufigen Spekulation, wie das bei
keiner anderen Wirtschaftsart anzutreffen ist.

— Daneben befinden sich die Forsten zum größten Teil
seit Jahrhunderten im gleichen Besitz, und niemand kennt
die darin investierten Kapitalien. Somit rückt die Forst-
wirtschaft gegenüber den anderen Wirtschaften wiederum
aus der Reihe.

Diese Sonderstellung macht sie für alle Fragen der
unsicheren Wertbestimmung sowie für alle Fälle, in denen
im Betriebsleben das sachkapitalistische vor das geldkapita-
listische Moment tritt, zum Musterbeispiel.

Daneben ist sie aber noch Musterbeispiel in einer be-
sonderen Hinsicht. ‘

Sie zeigt nämlich in ihrer Waldwertrechnung, wohin
man gerät, wenn man sich von einer fachfremden Disziplin,
hier der Mathematik, zu sehr ins Schlepptau nehmen läßt.
70 Jahre kostbarer Arbeitszeit sind auf diese Weise in

zB
        <pb n="30" />
        — 26 —
der Forstwirtschaftslehre verloren gegangen infolge eines
Streites um Prinzipien, die doch niemand in die rauhe Wirk-
lichkeit umzusetzen den Mut hatte.

Diese Hinweise auf die Bedeutung der vergleichenden
Betriebswirtschaftslehre für die allgemeinen Probleme mögen
schließlich noch durch einige Beispiele aus dem Gebiete der
Einzelfragen ergänzt werden.

Das Problem des industriellen Beschäftigungsgrades
z. B. findet seine Parallele im landwirtschaftlichen Boden-
gesetz und — wenn auch abgeschwächter — in der finan-
ziellen Umtriebszeit des Waldbaues.

Die Frage des optimalen Betriebssystems, d. h. des
günstigsten Wirkungsverhältnisses aller Betriebsfaktoren, ist
in der Landwirtschaftslehre hervorragend bearbeitet worden
und findet sich in der kaufmännischen und forstlichen Be-
triebslehre wieder. Das Gleiche gilt für die Frage des
außerbetrieblichen Einflusses auf die Rentabilitätsgestaltung.

Die Frage, wo die Grenze zwischen Geld- und Natural-
oder Materialrechnung liegt, beschäftigt ebenfalls alle Be-
triebslehren und ist in den erstgenannten Betriebslehren gut
vorgearbeitet; desgleichen die Frage nach den möglichen
Beziehungsgrundlagen des Gewinnes.

Das Problem der Etats oder Voranschläge ist wie-
derum altes, schon durch die Kameralisten gepflegtes Erb-
gut der Land- und Forstwirtschaftslehre und beginnt jetzt
in die kaufmännischen Großbetriebe einzudringen. Ebenso

ist dort der Betriebsvergleich vorgebildet, und über das
Wesen absolut und nur relativ richtiger Betriebszahlen fin-
den sich z. B. in Ostwalds Forstschriften geradezu klassi-
sche Ausführungen.

Auch über die Frage des Bewertungsproblems, der Ver-
rechnungspreise in der Betriebsrechnung und des Goodwills
oder Firmenwertes liefert die landwirtschaftliche Betriebs-
lehre ausgezeichnetes Vergleichsmaterial, desgleichen über
die Personalwirtschaft, insbesondere über das Entlöhnungs-
problem.
        <pb n="31" />
        CE ML

Schließlich sei noch auf eines hingewiesen.

In der kaufmännischen Betriebslehre spielt die Frage
des kontinuierlichen Wertansatzes in den Bilanzen eine große
Rolle, die sich zu der Parole Anschaffungs- oder Zeitwert
verdichtet hat.

Es will mir scheinen, daß die Landwirtschaftslehre, die
die Ertragsbeziehung auf das investierte und das (hier
allerdings objektiv feststellbare) Zeitwertkapital vornimmt,
ebenso wie die Vorschläge der Forstwirtschaftslehre, die
jeden neuen Abschnitt mit Neubewertungen beginnen las-
sen, auch hier beachtenswertes, wenn auch mit Vorsicht zu
benutzendes Vergleichsmaterial bieten.

Damit mögen der Beispiele genug sein. Wenn ich bei
ihrer Erörterung das in den Vordergrund gestellt habe, was
die anderen Betriebslehren der kaufmännischen bieten kön-
nen, so liegt darin kein Maßstab für die hier obwalten-
den tatsächlichen Verhältnisse, sondern nur eine Beschrän-
kung auf das Gebiet, auf dem ich das größere Sachver-
ständnis besitze. Daß in bezug auf das Rechnungswesen
die kaufmännische Betriebslehre für alle anderen vorbild-
lich ist, soll aber doch der Vollständigkeit halber hervor-
gehöben werden.

Es ist jetzt nur noch ein Wort zu dem Begriff „Ver-
gleichende Betriebswirtschaftslehre“ nachzutragen.

Diese Bezeichnung deckt mehr Inhalt, als ich ihr zu-
nächst geben möchte.

An eine neue selbständige Lehre denke ich dabei noch
gar nicht.

Das, was ich zunächst fordere, ist nur, daß jeder be-
triebswirtschaftliche Forscher, gleichgültig welches Fach er
vertritt, sich der hier aufgeworfenen Fragen bewußt wird
und daß er keine Spezialforschung als beendet ansieht, ehe
er sich nicht auf den Nachbargebieten gründlich umge-
sehen hat. Es handelt sich also vorerst nur um das Sich-
vertrautmachem mit dem Wesen der anderen Betriebswirt-
schaften und dem Stand der Forschung ihrer Lehren, so-
        <pb n="32" />
        wie um die Orientierung der eigenen Forschung an diesen.

Ob sich aus einer solchen Arbeitsweise einmal eine
selbständige Lehre entwickeln wird, und ob wir auf diese
Weise zu einer allgemeinen Betriebswirtschaftslehre oder gar
einer allgemeinen Wirtschaftslehre im Sinne der Kamera-
listen gelangen werden, das mag ruhig der Zeit überlassen
bleiben.

IX.

Hiermit stehen wir am Ende unserer Betrachtung‘ und
zugleich an der Stelle, wo Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft sich die Hand reichen.

Wenn wir die Vergangenheit heute so stark beschworen
haben, so befinden wir uns damit nicht allein.

Ueberall in der ökonomischen Wissenschaft zeigt sich
hach der Umwertung so vieler Werte das Bestreben, an das
Alte wieder anzuknüpfen, wo man das Verhältnis von Idee
und Stoff in so hervorragender Weise auszubalanzieren ver-
standen hat.

In der Volkswirtschaftslehre sind die Klassiker wieder
zu Ehren gekommen. Die landwirtschaftliche Betriebslehre
setzt heute unmittelbar Thünen’sche Gedankengänge fort,
und in der Forstwirtschaftslehre geht Wagner-Freiburg auf
den alten Hundeshagen von 1821 zurück.

Der Zweck dieser Ausführungen bestand weniger darin,
das eigene Fach an dem Alten neu zu orientieren, als für
eine erweiterte Aufgabe den Weg ins Freie zu suchen.

Daß ich bei diesem Suchen zum Gedächtnis wertvoller
Ahnen im Haine der Wissenschaft heute ein neues Reis
pflanzen konnte, ist mir bei meinem Verhältnis zu ihnen
eine besondere Freude,

“Möge die Ehrung deutscher Meister, die hiermit voll-
zogen wird, gute Geister bannen, auf daß bald ein Baum
erwachse, der vielfältige Frucht bringt.

2€
X
N
        <pb n="33" />
        m A anna
Verzeichnis der in dem Vortrag genannten
Schriften,
Gasser, Simon Peter: Einleitung zu den ökonomischen, politischen
und Kameralwissenschaften. Halle 1729.
Dithmar, Justus Christoph: Einleitung in die ökonomische Polizei-
und Kameralwissenschaft. Frankfurt a. O. 1731.
Zincke, Gg. Hch.: Anfangsgründe der Kameralwissenschaft, Leip-
zig. 1755,
Darjes, Joachim Gg.: Erste Gründe der Kameralwissenschaften.
Jena. 1756. 2. Aufl. 1768.
Jung, Johann Hch.: Versuch einer Grundlehre sämtlicher Kameral-
wissenschaften. Mannheim. 1779,
Derselbe: Grundlehren der Staatswissenschaft. A. u. d.T. System
der Staatswirtschaft, Teil 1. Marburg. 1792.
Büsch, Johann Geo: Theoretisch-praktische Darstellung der Hand-
lung in ihren mannigfaltigen Geschäften. 1792.
Schmalz, T. A. H.: Encyklopädie der Kameralwissenschaften.
Königsberg. 1797. 2. Aufl. 1819. :
Merrem, Blas.: Allgemeine Grundsätze der bürgerlichen Wirt-
schaft und Haushaltung. Göttingen. 1817.
Hundeshagen, Joh. Chr.: Encyklopädie der Forstwissenschaft.
Tübingen. 1821/31.
Rau, Karl Heinrich: Ueber die Kameralwissenschaften. Heidel-
berg. 1823,
Hundeshagen, Joh. Chr.: Die Forstabschätzung. Tübingen. 1826.
Schulze, Friedrich G.: Ueber Wesen und Studium der Wirt-
schafts- oder Kameralwissenschaften. Jena. 1826.
Baumstarck, Eduard: Kameralistische Encyklopädie. Heidel-
berg und Leipzig. 1835.
Bernha rd, August: Ueber die historische Entwicklung der Wald-
wirtschaft und Forstwissenschaft. Neustadt-Eberswalde. 1871.
Ostwald: Fortbildungsvorträge über Fragen der Forstertrags-
regelung. Riga. 1915,
Aereboe, F.: Allgemeine landwirtschaftliche Betriebslehre. Teil1:
Bewirtschaftung von Landgütern und Grundstücken. 1. Aufl.
Berlin 1917.

2C
        <pb n="34" />
        — 1°
Verwaltungsbericht
über das Winter-Semester 1926/27 und das
Sommer-Semester 1927.
Hochansehnliche Festversammlung!
Sehr verehrte Kollegen!
Werte Kommilitonen!

Die feierliche Uebergabe des Rektorats gibt mir als
Rektor des verflossenen Amtsjahres Gelegenheit, über das
abgelaufene Amtsjahr Bericht zu erstatten.

Zwei Gegenstände waren es vor allem, die wegen
ihrer Wichtigkeit für das gesamte Leben der Universität
die Aufmerksamkeit des Lehrkörpers und des Senats im
besonderen in Anspruch nahmen, die Raumnot und die
Büchernot.

So erfreulich das ungeahnte Anwachsen der Frequenz-
ziffer unserer Universität ist, so bringt diese doch eine große
Schwierigkeit mit sich, als ihr, «wie allgemein bekannt ist,
die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten des Univer-
sitätsgebäudes in keiner Weise entsprechen. Diese Verhält-
nisse sind in den letzten Semestern geradezu unerträglich
geworden. Umso erfreulicher ist es, daß der Vorsitzende
des Kuratoriums, Herr Oberbürgermeister Dr. Adenauer,
dessen energische Bemühungen in dieser Angelegenheit wir
dankbar anerkennen, in der am 7.d. M. abgehaltenen Sitzung
des Vereins der Freunde und Förderer der Universität er-
klären konnte, daß trotz aller Schwierigkeiten Aussicht be-

3C
        <pb n="35" />
        steht, im Frühjahr mit dem Bau des neuen Universitäts-
gebäudes zu beginnen.

Außer der Raumnot drückt uns leider noch eine andere
Not schwer; dies ist die Büchernot. Als Universitäts-
bibliothek dient die Stadtbibliothek. Da diese bis zur Neu-
begründung der Universität in erster Linie den Bedürfnissen
der allgemeinen Bildung und nicht denjenigen der wissen-
schaftlichen Forschung zu entsprechen hatte, so ist es be-
greiflich, daß die Bücherbestände in letzterer Hinsicht große
Lücken aufweisen. Während die Wirtschafts- und Sozial-
wissenschaftliche Fakultät in der Bibliothek der früheren
Handels-Hochschule erfreulicherweise ein ausgezeichnetes
Werkzeug für ihre wissenschaftlichen Arbeiten besitzt, für
die Medizinische Fakultät die bibliothekarischen Verhält-
nisse immerhin als annehmbar bezeichnet werden können,
sind sie für die Juristische Fakultät und für eine Reihe
von Disziplinen der Philosophischen Fakultät einfach kläg-
liche. Um diesem für unsere Universität unwürdigen und
ihren geistigen Wettbewerb mit anderen Hochschulen
außerordentlich erschwerenden Zustand Abhilfe zu schaffen,
hat der Senat im verflossenen Winter-Semester ein genaues
Gutachten ausarbeiten lassen und dieses mit dem Antrag,
hier wenigstens soweit einzugreifen, daß der Anfang zu
einigermaßen erträglichen Verhältnissen geschaffen wird,
dem Kuratorium überreicht. Möchte auch hier aus dem
Dunkel der schwierigen finanziellen Lage in nicht allzu fer-
ner Zeit das Morgenrot der Aussicht einer Besserung der
Verhältnisse emporsteigen können.

Was die Entwicklung der Kölner Universität im ver-
flossenen Jahr betrifft, so kann gesagt werden, daß sie
auch in diesem Zeitabschnitt kraftvoll vorwärts geschritten
ist. Die Zahl der Lehrstühle und damit diejenige der Lehr-
kräfte hat sich vermehrt.

Auf den neuerrichteten Lehrstuhl für Alte Geschichte
wurde Professor Dr. Johannes Hasebroek aus Zürich
berufen, auf den neubegründeten Lehrstuhl für technische

- 31
        <pb n="36" />
        — 02 —
Physik Dr. Hans Rukop aus Berlin. Das neugegründete
Ordinariat für mittelalterliche und neuere Geschichte über-
nahm Professor Dr. Gerhard Kallen aus Münster, das
neugegründete Ordinariat für neuere Geschichte Professor
Dr. Johannes Ziekursch aus Breslau. Die drei erstgenann-
ten Herren traten ihr Lehramt mit dem vergangenen Sommer-
Semester an, Professor Ziekursch mit dem jetzt begonnenen
Winter-Semester. Es seien diese neuen Kollegen auf das
herzlichste willkommen geheißen.

Die durch den Tod Professor Dr. Preysings ausge-
fallene Vorlesungstätigkeit wurde durch ministeriellen Lehr-
auftrag für das Winter-Semester 1926/27 und das Sommer-
Semester 1927 an Professor Dr. med. Linck, Königsberg,
übertragen. Die Leitung der Klinik für Ohren-, Nasen- und
Halskrankheiten übernahm ministeriellem Auftrage gemäß
bis zur endgültigen Besetzung der Stelle Professor Prey-
sings Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Tillmann.

Sehr erfreulich ist es für mich, berichten zu können,
daß der Vertreter der neueren deutschen Literaturgeschichte,
Professor Ernst Bertram der Lockung, einen .an ihn er-
gangenen Ruf an die Universität München, als Nachfolger
Professor Munckers, anzunehmen, widerstanden hat. Ebenso
freuen wir uns, daß Professor Joseph Schüller einen Ruf
an die Universität Tübingen, als Nachfolger Professor Ja-
cobys den Lehrstuhl für Pharmakologie zu vertreten, ab-
gelehnt hat.

Professor A. E. Brinckmann erhielt einen Ruf an
die Universität Minnesota (Minneapolis) für die Dauer eines
Jahres zur Errichtung eines kunsthistorischen Lehrstuhls
und zur Einrichtung eines Instituts für Kunstgeschichte.
Professor Nicolai Hartmann, der im vergangenen Jahr
bei dem internationalen philosophischen Kongreß in Cam-
bridge-Massachusetts Vorträge gehalten hat, erhielt eine
Einladung als Gastprofessor an die  Standford-Universität
in Palo-Alto (Kalifornien) für das Sommerhalbjahr 1920.
        <pb n="37" />
        Beide Herren haben den Ruf abgelehnt, um sich ihren hie-
sigen Aufgaben zu widmen.

Professor Nipperdey wurde zum Landgerichtsrat
und zum stellvertretenden Vorsitzenden des Arbeitsgerichts
in Köln ernannt.

Von Professor Bertram habe ich noch zu erwähnen,
daß er für das Winter-Semester beurlaubt wurde.

Als Privatdozenten habilitierten sich:

Dr. Georg Kaboth für Geburtshilfe und Gynäkologie,

Dr. Kurt Sonnenschein für Hygiene und Bakterio-

logie,

Dr. Eduard Williger für klassische Philologie,

Dr. Gerhard Hammer {für Röntgenwissenschaft,

Dr. Otto Harnisch für Zoologie,

Dr. Julius Lips für Völkerkunde und Zoologie,

Dr. Gerhard Wüllenweber und Dr. Paul Uhlen-

bruck für innere Medizin,

Dr. Martin Nordmann für Pathologie,

Dr. Kurt Blum für Psychiatrie und Neurologie,

Dr. Erich Reisinger für Zoologie,

Dr.. Johannes Malsch für Physik,

Dr. Walther Däbritz für wirtschaftliche Staatswissen-

schaften.

In der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakul-
tät wurde Landesrat Dr. Mewes, Düsseldorf, mit einer
Vorlesung über Wohnungs- und Siedlungspolitik betraut.

Privatdozent Dr. Paul Honigsheim wurde zum
nichtbeamteten a. o. Professor ernannt.

Privatdozent Dr. med. Klee übernahm die Leitung
eines Krankenhauses in Bonn, behielt jedoch seinen Wohn-
sitz in Köln bei und blieb somit der hiesigen Medizinischen
Fakultät erhalten. .

a, 0. Professor Dr. med. Thomas erhielt einen Ruf
als Leiter der Städt. Kinderklinik in Duisburg,

33
        <pb n="38" />
        CL

a. 0. Professor Dr. med. Budde als Leiter des Marien-
krankenhauses in Gelsenkirchen,

. a. 0. Professor Dr. med. Bungart als Leiter der
Städt. Krankenanstalt Krefeld,

a. 0. Professor Dr. med. Schott als Leiter des Städt.
Krankenhauses in Solingen.

Sie wurden von der Fakultät zunächst beurlaubt.

Zu einem Studienaufenthalt in Zürich auf 1 Jahr wurde
Privatdozent Dr. Falkenhagen von der Philosophischen
Fakultät beurlaubt.

Die a. o. Professoren Dr. med. Heß und Beltz, deren
zweijähriger Urlaub abgelaufen war, wurden für zwei wei-
tere Jahre beurlaubt;

desgl. a. o. Professor Dr. Würs chmidt, z. Zt. Or-
dinarius für Physik an der Universität Tucuman (Argen-
tinien).

Die Privatdozentin Dr. Ermentrude von Ranke hat
infolge ihrer Berufung an die Pädagogische Akademie in
Kiel ihre venia legendi niedergelegt; desgl. Privatdozent
Dr. Paul Finsler infolge Berufung an die Universität
Zürich.

Max Harzmann, hauptamtlicher Dozent an der frü-
heren Handelshochschule Köln, der an dieser seit 1901 und
seit 1919 an der Universität Vorlesungen und Uebungen
auf dem Gebiete der Betriebswirtschaftslehre hielt, ist am
1. April 1927 in den Ruhestand getreten.

Professor Dr. med. August Pröbsting und Pro-
fessor Dr. phil. Stefan Lorck wurden zum 1. Oktober d. J.
mit dem Erreichen der Altersgrenze von den amtlichen Ver-
pPflichtungen entbunden.

Es sei diesen Herren der wärmste Dank für ihre, der
Wissenschaft und Lehre geleisteten großen Verdienste aus-
gesprochen mit dem Wunsche, daß es ihnen noch recht
viele Jahre vergönnt sein möge, an der weiteren Entwick-
lung unserer Alma mater lebhaften Anteil zu nehmen.
        <pb n="39" />
        Durch‘ den Tod verlor die Universität am. 20; April d. J.
den‘ nichtbeamteten ao. Professor in der. Medizinischen
Fakultät Dr. Rudolph Graeßner, der als Leiter des
Röntgen-Instituts Bürgerhospital sich hohe Verdienste um
die Entwicklung der Röntgenlehre und der | chirurgischen
Therapie erworben hat. Die Universität wird sein An-
denken in Ehren halten.

Privatdozent Dr. Vleugels erhielt einen ministeriel-
len Lehrauftrag für Genossenschaftswesen, Privatdozent Dr.
Lejeune für Geschichte der Medizin, Oberschulrat Dr.
Jungbluth für Deutsche Sprache.

Mit der Abhaltung betriebstechnischer Uebungen wurde
Dr. rer. pol. Schlüter. betraut.

Bibliotheksrat Dr. Witzel wurde zum Ersten Biblio-
theksrat und Stellvertreter des Direktors der Universitäts-
und Stadtbibliothek in Angelegenheiten der Universitäts-
bibliothek ernannt.

Der Lehrkörper umfaßt z. Zt. 63 ordentliche Profes-
soren, 15 Honorarprofessoren, 29 außerordentliche Profes-
soren, 55 Privatdozenten, 15 Lektoren, 10 ministeriell mit
Vorlesungen Beauftragte, 15 von den Fakultäten mit Vor-
lesungen und Uebungen betraute Lehrkräfte, 2 Lehrer der
Künste, 5 Sportlehrer, insgesamt 209 Mitglieder.

Promoviert wurden zu Doktoren der Wirtschaftl.
Staatswissenschaften im Winter-Semester 1926/27 69 Kan-
didaten, im Sommer-Semester 1927 31, zu Doktoren der
Rechtswissenschaft 34 bezw. 39, der Medizin 36 bezw. 23,
der Zahnheilkunde 5 bezw. 4, der Philosophie 18 bezw. 23.

Zu Ehrendoktoren wurden ernannt:

Von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät
der preußische Ministerpräsident Otto Braun,

von der Philosophischen Fakultät Direktor Dannie Heine-
mann, Brüssel, ‚Museumsdirektor Karl Josef Rade-
macher, Köln; Generaldirektor Karl Adler, Berlin,

Generaldirektor Johann W. Welker, Duisburg und

Direktor‘ Dr. ing. h. c. Albert Schreiber, Köln.

35
        <pb n="40" />
        Der Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät, Gehei-
mer Hofrat Max Martersteig, früher Intendant der Ver-
einigten Kölner Stadttheater, ist am 3. November 1926 ver-
storben.

Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
förderte ihren Ausbau durch die Einrichtung eines Seminars
für internationale Finanzwissenschaft unter Professor Dr.
Mann.

Im Laufe des Winter-Semesters veranstaltete die Wirt-
schafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät einen Zyklus
von Einzelvorträgen über „Kreditprobleme der Gegenwart“,
im Sommer-Semester einen solchen über „Das deutsche
Exportproblem“, unter Heranziehung auswärtiger Gäste als
Vortragende,

Die Neuregelung des Promotionswesens dieser Fakul-
tät erreichte durch die ministerielle Genehmigung der Pro-
motionsordnung ihren Abschluß.

Als besondere Publikation der Fakultät erschienen im
Sommer-Semester die in zwei Bänden gesammelten Vor-
träge: „Die Kreditwirtschaft“,

Zur vorläufigen Behebung des Raummangels wurden
dem Kriminalistischen Institut sowie dem Seminar für Ar-
beitsrecht. besondere Räume zur Verfügung gestellt.

Der endgültige Entwurf der Promotionsordnung der
Philosophischen Fakultät wurde dem Ministerium zur Ge-
nehmigung eingesandt.

Das Volkswirte-Diplom erhielten:

im Winter-Semester von 16 Kandidaten 14,

im Sommer-Semester von 38 Kandidaten 33:

das Kaufmännische Diplom:

im Winter-Semester von 99 Kandidaten 71,

im Sommer-Semester von 75 Kandidaten 58;

das Handelslehrer-Diplom:

im Winter-Semester von 53 Kandidaten 40,

im Sommer-Semester von 47 Kandidaten 41:

36
        <pb n="41" />
        die Diplomprüfung für Kommunalbeamte
bestanden:
im Winter-Semester von 7 Kandidaten 5,
im Sommer-Semester von 7 Kandidaten 6;
die Diplomprüfung für Sozialbeamte:
im Winter-Semester von 3 Kandidaten 3,
im Sommer-Semester 1 Kandidatin,

Was die Frequenz unserer Universität betrifft, so hat
sie in den beiden verflossenen Semestern ihre Stellung
als zweitbesuchteste in Preußen und als drittbesuchteste
im. Reiche (nach Berlin und München) beibehalten. Die
Zahl der immatrikulierten Studierenden be-
trug im Winter-Semester 4830, im Sommer-Semester 5179;
hiervon entfielen auf die Wirtschafts- und Sozialwissen-
schaftliche Fakultät 2235 bezw. 2202 Studierende, auf die
Rechtswissenschaftliche 1183 bezw. 1398, auf die Medi-
zinische 226 bezw. 258 und auf die Philosophische 1186
bezw. 1321; hierzu kamen 713 bezw. 691 Gasthörer und
1120 bezw. 417 Hörer der allgemeinen öffentlichen Vor-
lesungen, sodaß die Gesamt-Besucherzahl im Winter-
Semester 6663, im Sommer-Semester 6287 betrug.

Der hohen Frequenz entspricht leider auch die Zahl
der durch frühen Tod entrissenen Kommilitonen. Die Uni-
versität verlor dadurch 7 Studierende:

Peter Creutz aus Bergheim,
Rudolf Kunze aus Hilden,

Moritz Behrsing aus Fellin,
Wilhelm Stephan aus Almersbach,
Hans Kuznitzky aus Köln,

Reiner Fonck aus Luxemburg,

Leo August aus Essen.

Mitfühlend denken wir in dieser Stunde nicht nur die-
ser in der Blüte des Lebens Abgerufenen, sondern auch
des Leidens derjenigen, welche durch ihren Verlust als
nächste betroffen wurden.

37
        <pb n="42" />
        ‘“ Am 21. Mai‘ veranstaltete die‘ Studentenschaft im‘ Zoo-
logischen Garten ein Sommerfest zum Besten der Studenti-
schen Wirtschaftshilfe; am 28. Juni im Hörsaal VI eine
Kundgebung in der Kriegsschuldfrage, bei der Professor
Dr. Kallen mit kraftvollen Worten dem deutschen Stand-
punkt Ausdruck verlieh.

Angesichts der Kulturpropaganda, welche andere Staa-
ten, vor allem Frankreich, in sehr energischer und ge-
schickter Weise entfalten, ist es von größter Wichtigkeit,
daß die deutschen Universitäten und so auch die unsrige
diesem Punkt ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Aus diesem
Grunde fand am 2. Juni auf Einladung des Rektors im Senat-
saal der Universität unter Beteiligung der Dekane und meh-
rerer Professoren eine Besprechung mit den sämtlichen an
der Universität Köln immatrikulierten ausländischen Stu-
dierenden über Fragen der Durchführung ihres Studiums,
Einführung besonderer Vorlesungen, Schaffung von Erleich-
terungen usw. statt. Auf Vorschlag des Rektors beschlos-
sen die ausländischen Studierenden, zunächst einen engeren
Zusammenschluß untereinander und gründeten am 27. Juni
d. J. einen „Bund ausländischer Studierender“, dessen Ver-
tretung‘ dem Rektor geeignete Wünsche und Anregungen
unterbreiten soll.

An Stiftungen und Schenkungen sind u. a:
besonders zu erwähnen eine Zuwendung des Direktors
Dr. Heinemann, Brüssel, in Höhe von RM 99000
zur Einrichtung je eines Instituts für Technische Physik und
für Physikalische Chemie, eine solche der Telefunken-
Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b. H., Berlin, von
RM 30000 zur Dotierung des Lehrstuhls für Technische
Physik, eine ‚Schenkung von Modellen, Karten und Ent-
würfen als Lehrmittel an das Theaterwissenschaftliche Insti-
tut im Werte von RM 35000 durch die Mitteldeutsche
Ausstellungs-Gesellschaft Magdeburg und verschiedene
Magdeburger Aussteller, eine Schenkung des Landeshaupt-
manns der Rheinprovinz in Höhe von RM 5000 für die

38
        <pb n="43" />
        — OO) am

studentischen Wohlfahrtseinrichtungen (Freitische usw.), die
Ueberweisung eines Betrages von RM 1700 als Ergebnis
einer Sammlung im Kreise von Mitgliedern der Kölner
Industrie- und Handelskammer zur Vervollständigung” der
Bibliothek des Englischen Rechts, außerdem 16 Schenkungen
im Gesamtwerte von rund RM 25000, Zuwendungen des
Vereins der Freunde und Förderer der Universität an ein-
zelne Universitäts-Institute und Seminare im Betrage von
RM 12000, sowie Bücherschenkungen der Notgemeinschaft
der Deutschen Wissenschaft.

Zahlreich waren auch in diesem Jahr die Einladungen
zu Festlichkeiten und Tagungen. Bei der Feier der 100-
jährigen Jubiläen der Universitäten München und Graz,
dem 450jährigen Jubiläum der Universität Tübingen, dem
400jährigen Jubiläum der Universität Marburg, bei der
Enthüllung der Ehrentafeln für die im Kriege gefallenen
Straßburger Dozenten und Studenten in der Frankfurter
Universität, der Enthüllung des Gefallenen-Denkmals der
Deutschen Studentenschaft in Würzburg war die Universität
vertreten durch den Rektor, bei der Feier des 250jährigen
Bestehens der Universität Innsbruck durch den Prorektor,
bei der am 21. Februar von der Sozietas Spinozana im
Haag veranstalteten Spinozafeier durch Professor Scheler,
bei der Eröffnung der Ausstellung „Der Rhein, sein Wer-
den und Wirken“ durch Geheimrat Professor Dr. Thieß,
den Jubiläen der Gymnasien zu Krefeld und M.-Gladbach
durch Professor Dr. Kahl.

Außerdem war die Universität bei einer großen Reihe
von Tagungen wissenschaftlicher Vereine usw. durch den
Rektor oder sonstige Mitglieder des Lehrkörpers vertreten.

Auch eine Reihe yon Besuchen wurden unserer Uni-
versität zuteil, so am 6. Januar durch 50 Studenten und
Studentinnen Südafrikanischer Universitäten, am 1. März
von seiten einer Reisegesellschaft Argentinischer Wissen-
schaftler, am 23. April von 35 Studierenden der Reichen-

3C
        <pb n="44" />
        == 40 —
berger Handelsakademie, Ende Juli von 30 Tirolern sowie
65 rumänischen Professoren und Studierenden.

Von eigenen Veranstaltungen der Universität seien fol-
gende erwähnt: Am 18. Januar beging die Universität in der
Aula eine Reichsgründungsfeier, bei der Professor Dr. von
Beckerath die Festrede über das Thema „Der moderne
Absolutismus“ hielt, am 7. Mai d. J. ihr Gründungsfest, ver-
bunden mit einer Beethovenfeier, bei der Professor Dr.
Bertram die Festrede über das Thema „Beethovens Bild“
hielt und Professor Dr. Bücken über „Die Wandlungen
in der musikalischen Beurteilung Beethovens“ sprach.

Am 8. März hielt Professor Dr. Shotwell, Profes-
sor der Geschichte an der Columbia-Universität in New-
York, Inhaber des Carnegie-Lehrstuhls an der deutschen
Hochschule für Politik Berlin, auf Einladung der Universität
in der Aula einen öffentlichen Vortrag über das Thema:
„Die geschichtlichen Grundlagen der neuen Weltpolitik“;
am 27. Juni sprach Professor Dr. Sihler von der Univer-
sität New-York im großen Hörsaal der Universität über das
Thema: „10 Downing Street, die Auslandspolitik Englands
vor dem Weltkriege‘“, und am 21. Juli auf Vermittlung des
Japan-Instituts Berlin Professor Dr. med. Sata aus Japan
in der Aula‘ der Lindenburg über: „Die Infektionspforte
und Lokalisation sowie die Bedeutung der Re- und Super-
infektion bei Tuberkulose“.

Das Andenken der im Weltkriege gefallenen Studie-
renden ehrten Rektor und Senat wie Studentenschaft am
Volkstrauertage (13. März) durch Niederlegung von Krän-
zen am Gefallenen-Ehrenmal vor der Universität,

Zum 80. Geburtstage. ihres Ehrenbürgers, Reichs-
präsidenten von Hindenburg, übersandte die Uni-
versität ein Glückwunschtelegramm, auf welches der Herr
Reichspräsident durch ein Handschreiben dankte.

Da unsere Universität sich keineswegs als eine schlecht-
hin neue, vielmehr als die älteste rheinische Hochschule, als
den modernen Anschauungen entsprechend ausgestaltete Fort-
        <pb n="45" />
        A

führerin der alten, von- Urban VI. durch Stiftungsbrief vom
21. Mai 1388 genehmigten Universität betrachtet, so sucht
sie, wo immer es ihr möglich ist, auch äußerlich an die
Tradition anzuknüpfen. Durch die rastlosen Bemühungen
des Herrn Senatspräsidenten Universitätsrat Professor Dr.
Graven gelang es dem Senat, an wertvollen Erinnerungs-
gegenständen an die alte Universität eine Truhe, die „Cista
Magnifici Domini Rektoris“, wie ihre Aufschrift
besagt, sowie das Oelgemälde eines Rektors der alten Uni-
versität Dr. Caspar Ulenberg zu erwerben.

Dem Bestreben, an die alte Tradition anzuknüpfen, ent-
sprang auch der Senatsbeschluß vom 27. April, für den
Rektor an Stelle der bisherigen aus der Zeit der Handels-
Hochschule stammenden Amtskette eine neue anzuschaf-
fen. Diese ist nach einem Entwurf von dem Professor an
den Kölner Werkschulen Ernst Riegel angefertigt wor-
den. Die große Medaille zeigt das Wappen der alten Univer-
sität, drei von den vier Querstücken die Siegel der alten
philosophischen, juristischen und medizinischen Fakultät, das
hintere Schlußstück das Jurisdiktionssiegel des Rektors der
ehemaligen Universität. Möge diese Kette stets Rektoren
zieren, welche mit sicherem Blick und festen Händen das
Steuer führend die Zukunft der Universität günstig beein-
flussen und in aufrechter Gesinnung ihre Rechte gegen
jedermann wahren.

Die Amtstracht des Rektors erfuhr noch eine weitere
Veränderung, insofern der Senat anstelle des bisherigen R e k-
tormantels, welcher unter den Streichen einer ihm nicht
günstig gesinnten Kritik dahinsank, einen neuen Talar durch
Beschluß vom 18. November 1926 anschaffte. Die Her-
stellung erfolgte durch das Pelzhaus Franz Herbst
in Köln.

Schließlich habe ich noch zu erwähnen, daß die Neu-
wahl des Rektors und der Dekane für das Stu-
dienjahr 1927/28, die am 6. Juli stattfand, folgendes Er-
gebnis hatte:

4
        <pb n="46" />
        SE —
Als Dekane wurden gewählt:
in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät:
Professor Dr. rer. pol. Jakob Breuer;
in der Rechtswissenschaftlichen Fakultät:
Professor Dr. jur. Hans Karl Nipperdey;
in der Medizinischen Fakultät:
Professor Dr. med. Otto Veit;
in der Philosophischen Fakultät:

Professor Dr. phil. Albert Erich Brinckmann.
Zum Rektor wurde Professor Dr. rer. pol. Ernst

Walb gewählt.

Sehr verehrter Herr Kollege!

Nachdem Sie durch das Vertrauen der Kollegen zum
Rektor gewählt wurden, habe ich Ihnen noch das äußere
Zeichen Ihrer Würde, die goldene Kette, zu überreichen.
Das Amt des Rektors ist ein schönes und ehrenvolles, aber
auch ein schweres. Er soll alt sein an Erfahrung und Um-
sicht, um sein Schiff durch mancherlei Klippen sicher hin-
durchzugeleiten; er soll jung sein an Willensstärke und
Kraft, um der Fülle der an ihn herantretenden Aufgaben
nie ermüdend gewachsen zu sein, und auch jung sein an
Herzen, um die Ideale der uns anvertrauten akademischen
Jugend nachfühlen zu können, ihr ein verständnisvoller
Freund und Berater zu sein. Von Herzen wünsche ich im
Namen der Kollegen, daß es Euer Magnifizenz leicht falle;
allen diesen Anforderungen zu entsprechen, damit Ihr Amts-
jahr reich sein möge an Erfolg und Verdienst.
        <pb n="47" />
        "ARRKNANARDEUKKNSAKKAKFDAKAKHANKEARANKKANDENKNEKKANANKNKNNKAANNANUEU NAME ur ==&gt; ST Da
In der Reihe der Kölner Universitäts-
Reden erschienen bisher:

Bertram, Ernst: Beethovens Bild. Bücken, Ernst:

Die Wandlungen in der musikalischen Beurtei-

lung Beethovens ; „ 1.20
Schneider, Artur: Albertus Magnus, sein Leben und

seine wissenschaftliche Bedeutung . „1.20
Reden zur Gründungsfeier der Universität Köln

15. V. 26.: Stier-Somlo: Verwaltungsbericht. —

Eckert: 25 Jahre Handelshochschulstudium. —

Planib: Europäisches Recht 4 «1.20
Stier-Somlo, Fritz: Politische Freiheit, insbesondere

in der Demokratie „1.50
Hashagen, Justus: Rheinisches Schicksal . —75
Tilmann, Otto: Rückblicke und Ausblicke in der

Chirurgie . ‚475
Schneider, Artur: Kant-Feier der Kölner Universität

Festrede . «‚ —50
Thieß, Karl: Universität im Kampf .L—
Müller, Reiner: Die Hygiene im Bunde mit der

Volks- und Weltwirtschaft ; . —.60
Schröer, Arnold: Ueber die Sprache als Kunst und

die Weltmachtstellung der Engländer „ —.40
Nord, F. E. u. a.: Rhein’Land bleibt Deutsch’Land.

Reden deutscher Studenten am Rhein ; . —50
Lehmann, Heinr.: Die Grundgedanken des neuen

Arbeitsrechts . . —.50
Beckmann, Friedr.: Der Zusammenschluß in der

westdeutschen‘ Großindustrie. 2. Auflage . —.50
Spahn, Martin: Reichsgründung. Gedenkrede —.50
Moritz, Friedr.: Ueber die Heilkraft der Natur . —.50
Kuske, Bruno: Gustav Mevissens Stellung in der

Wirtschaftsentwicklung . —.50
Eckert, Chr.: Die neue Universität —.50

4
&amp;
Verlag Oskar Müller, Köln
le 77"77""""41KNBENDERDANKANAARANKENDELKNLLLGGNLINFSTCGLANNTFUSPIIETANNANDENAIQNENAASNR SAU N En Tn NENNEN NANNNNNURNANAP EI ENRENNEEEEen ii.
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        DAL —
erin der alten, von: Urban VI. durch Stiftungsbrief vom
Mai 1388 genehmigten Universität betrachtet, so sucht
wo immer es ihr möglich ist, auch äußerlich an die
; dition anzuknüpfen. Durch die rastlosen Bemühungen
- Herrn Senatspräsidenten Universitätsrat Professor Dr.
aven gelang es dem Senat, an wertvollen Erinnerungs-
n enständen an die alte Universität eine Truhe, die „Cista
9 gnifici Domini Rektoris“, wie ihre Aufschrift
ıgt, sowie das Oelgemälde eines Rektors der alten Uni-
ität Dr. Caspar Ulenberg zu erwerben.
Dem Bestreben, an die alte Tradition anzuknüpfen, ent-
ng auch der Senatsbeschluß vom 27. April, für den
for an Stelle der bisherigen aus der Zeit der Handels-
hschule stammenden Amtskette eine neue anzuschaf-
Diese ist nach einem Entwurf von dem Professor an
Kölner Werkschulen Ernst Riegel angefertigt wor-
Die große Medaille zeigt das Wappen der alten Univer-
‚ drei von den vier Querstücken die Siegel der alten
&gt;sophischen, juristischen und medizinischen Fakultät, das
ere Schlußstück das Jurisdiktionssiegel des Rektors der
naligen Universität. Möge diese Kette stets Rektoren
mn, welche mit sicherem Blick und festen Händen das
er führend die Zukunft der Universität günstig beein-
ien und in aufrechter Gesinnung ihre Rechte gegen
rmann wahren.
Die Amtstracht des Rektors erfuhr noch eine weitere
'nderung, insofern der Senat anstelle des bisherigen Rek-
mantels, welcher unter den Streichen einer ihm nicht
tig gesinnten Kritik dahinsank, einen neuen Talar durch
hluß vom 18. November 1926 anschaffte. Die Her-
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Schließlich habe ich noch zu erwähnen, daß die Neu-
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