troffenen, des Handels. Im frühen deutschen Mittelalter freilich, als die zum Leben notwendigen Erzeugnisse noch sämtlich hauswirtschaftlich oder wenigstens in der engeren Gemeinde gewonnen werden konnten, bedeutete der Kauf- mann, der meistens zwar wertvolle, aber entbehrliche Waren brachte, nur wenig. Die steigende Zivilisation aber vermehrte die Bedürfnisse, die großenteils nur durch fremde Waren be- friedigt werden konnten, und damit stieg die Bedeutung des Handels für das Wirtschaftsleben. Die Kaufleute schlossen sich mancherorts zusammen, und so gelangte der Handel all- mählich zu größerer Macht, die den ersten achtunggebietenden Ausdruck in der deutschen Hansa fand. Der entscheidende Aufstieg jedoch begann erst, als durch die Erschließung über- seeischer Gebiete infolge der Entdeckung Amerikas und des Seeweges nach Osstindien auch dem deutschen Handel frische, fortan nicht mehr versiegende Anregung und Kraft zugeführt wurde. Nachdem dieser sich endlich auch von dem schweren Rückschlage des Dreißigjährigen Krieges erholt hatte, war er zu einer wirtschaftlichen Macht geworden, deren Gedeihen oder Not fortan auch den Staat fühlbar berührte. Volkswirt- schaftliches Denken gewann Einfluß auf die Staatsleitung, und das Zeitalter des M erk ant il s y ste m s brach an, in dem es als oberster wirtschaftlicher Grundsatz galt, die Aus- fuhr zu heben und die Einfuhr einzudämmen und überhaupt den inländischen Handel zu stärken. Das bisherige reine Finanzzollsystem mußte fallen, und es wurden in immer stei- gendem Umfange „W ir t ch a f t s z öl l e“ eingeführt, deren Höhe für die einzelnen Warengattungen nach den Bedürf- nissen des einheimischen Handels und der inländischen Indu- strie, soweit sich eine solche schon entwickelt hatte, abgewogen wurde. Damals begannen sich auch die naturgemäß entgegen- gesetzten Bestrebungen von Handel und Indusftrie zu scheiden, am deutlichsten zuerst in England, das durch den Dreißigjähri- gen Urieg kaum berührt worden war: Der Handel begehrte Bewegungsfreiheit ohne Zollschranken, Industrie und Land- wirtschaft dagegen wollten durch möglichst hohe Einfuhrzölle gegen den Wettbewerb ausländischer Erzeugnisse im eigenen Lande gesichert werden. Dieser Gegensatz zwischen Frei- handels- und Schu tzz oll gedanke ist seitdem lebendig geblieben und übt auch heute noch maßgebenden Einfluß auf die Zollgesetzgebung jedes Staates aus, in dem neben einem