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        <title>Die Vereinigte Stahlwerke A.-G.</title>
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            <idno>1755109040</idno>
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        f}
9

EIGENTUM
DES
INSTITUTS
NELTW"TSCHAFT
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BIBLIOTHEK

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T 12590

a.
        <pb n="2" />
        Tuhatl+t

wm m x mn. um. mm wm m. nm. a
mg Ay Au A A 2A.

1, Die deutsche Elektrizifäts-Industrie.
1927.

2. Die Einkaufsverbände und Einkaufskon-
zerne im Textil-Einzelhan-
del. 1987,

3. Friedel, Peter: Doch deutscher Seiden-
bau! 1927,

4. Lüutz,Leopold: Taylorisierung. 1927.

5. Die IL.G.Farben-Industrie ‚A.-6C. und
ihre Bedeutung. 1927.

6. Die Vereinigte Stahlwerke A.-G. 1926,
        <pb n="3" />
        Die
Vereinigte Stahlwerke A.-G.
Ihr Aufbau und ihre Bedeutung
für Deutschland und die
Weltwirtschaft

Herausgegeben und überreicht von
Schwarz, Goldschmidt &amp; Co.
Berlin W8
        <pb n="4" />
        1. Auflage
        <pb n="5" />
        Die
Vereinigte Stahlwerke A.-G.

Ihr Aufbau und ihre Bedeutung
für Deutschland und die
Weltwirtschaft.

Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.
        <pb n="6" />
        <pb n="7" />
        Die Gründung der „Vereinigte Stahlwerke A.-G.‘““ ist im
In- und Ausland berechtigtem Interesse begegnet, weil sie
den ersten Erfolg versprechenden Versuch der deutschen
Montanindustrie darstellt, durch Konzentration größten Stils
wieder zur Rentabilität zu gelangen. Das Unternehmen ist
die stärkste Potenz Europas in Kohle und Eisen und. findet
lediglich ein Gegenstück in der United States Steel Corporation.

Der Umstand, daß mit dieser Gründung eine neue
Epoche der deutschen Montanwirtschaft eingeleitet wird,
hat uns bestimmt, unseren Geschäftsfreunden eine Schrift
über die Bedeutung dieses Werkes für Deutschland und die
Weltwirtschaft zu unterbreiten, die wir gemeinschaftlich mit
einem ersten Fachmann des Eisenhüttenwesens verfaßt haben.
Wir sind uns indessen völlig klar darüber, daß ein abge-
schlossenes Bild nicht gegeben werden kann, um so weniger,
als das Riesengebilde noch vollständig in der Entwicklung steht.
Berlin, Anfang August 1926.

Schwarz, Goldschmidt &amp; Co.

2
        <pb n="8" />
        Inhalt.

Seite
Geleitwort
Einleitung
Europa, seine Mineralschätze und Verkehrswege ,
Stammbaum der deutschen Eisenindustrie .
Die Roheisenerzeugung der Hauptindustrieländer
Rohstahlerzeugung , ..

Verwertung der Nebenprodukte

Der finanzielle Aufbau der Vereinigte Stahlwerke A.-G.
Die provisorische Eröffnungsbilanz per 1. April 1926
Die Gründergesellschaften . .

*

Rhein-Elbe-Union ...
Gelsenkirchen und Rheinstahl
Beteiligungsziffern . . vn
Der technische Aufbau der Vereinigte Stahlwerke A.-G.

we EA a TE 1
ee ee NEN

Anhang...
Abbildung 1 Weltverkehrswege,
- Kohlenförderung,
3 Roheisenerzeugung,
Rohstahlerzeugung,
Zahlentafel 1 Kohlenförderung,
2 Roheisenerzeugung,
3 Rohstahlerzeugung,
United States Steel Corporation.

3

P
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16
20
29
39
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59
7]
        <pb n="9" />
        Einleitung.
m 14. Januar 1926 wurde in :Düsseldorf..die
„Vereinigte Stahlwerke Aktiengesellschaft“
errichtet. Durch Vertrag vom 6. Mai 1926, und zwar mit
Wirkung vom 1. April 1926, ging der Hauptteil der Werke
der vier gründenden Gesellschaftsgruppen auf die Vereinigte
Stahlwerke A.-G. über.

Der Entschluß hervorragender rheinisch-westfälischer In-
dustrieller, ihre Werke in dieser Gesellschaft zu vereinigen,
war eine Tat von weltwirtschaftlicher Bedeutung,
die dazu beitragen wird, Europa von den Folgen des Welt-
krieges zu befreien und ihm seine Vorkriegsstellung in
der Weltwirtschaft zurückzugewinnen.

Welches waren die tragenden Pfeiler dieser Machtposition ?
Die zentrale Lage Europas zu allen Weltverkehrs-
wegen,

sein gemäßigtes Klima,

die Arbeitsamkeit seiner Bevölkerung,

die Gewinnung von Kohle,

die Erzeugung von Eisen,

der intensive Handelsverkehr der europäischen Völker
untereinander und mit der übrigen Welt.
Durch den Weltkrieg sind hierin bedeutende Verände-
rungen eingetreten. Die Arbeitsamkeit seiner Bevölkerung hatte
erheblich nachgelassen. Der Handelsverkehr hat auch heute
noch nicht wieder den Vorkriegszustand erreicht. Ebenso ist

5
        <pb n="10" />
        die Gewinnung von Kohle und die Erzeugung von Eisen — von
jeher die Grundlagen für die gewerbliche Entwick-
lung der heutigen Industrieländer — gegenüber den
früheren Zeiten noch im Rückstand geblieben.

Die moderne Organisation der industriellen Großbetriebe
wird uns die technische Möglichkeit und die finanzielle Kraft
geben, in diesen außerordentlich wichtigen Faktoren die
Schäden des Krieges und die Versäumnisse früherer Jahr-
zehnte zu beseitigen und auszugleichen.

Schon im 14. und 15, Jahrhundert hat Deutschland eine
Blütezeit erlebt, die ihm eine bevorzugte Stellung vor allen
anderen Ländern der Welt gab. Ihren Ursprung bildete die
an vielen Orten innerhalb des deutschen Landes stattfindende
Erzeugung von Eisen, die der Ausgangspunkt für eine um-
fängliche Herstellung von Gebrauchsgegenständen war. Der
Vertrieb dieser Erzeugnisse war die Grundlage des für die
damalige Zeit außerordentlich weitreichenden Handels. und
Verkehrs der deutschen Hansa, die ihre Stahlhöfe in England,
Norwegen, Schweden und in den baltischen Ländern besaß.
Der industriellen Blüte war der Wohlstand der deutschen
Gebiete und ihr hoher Kulturstand zu danken.

Der materielle und geistige Besitz des deutschen Volkes
der damaligen Zeit wurde zerschlagen durch die kriegerischen
Verwicklungen des 17, und 18. Jahrhunderts; Das Ausscheiden
Deutschlands aus der industriellen Erzeugung und dem Ver-
kehr der Welt gab England die Bahn frei für die Entwicklung
der eigenen Industrien, die ebenfalls sich zunächst auf Kohle
und Eisen stützte.

Erst der Friedens tätigkeit Friedrichs des Großen ver-
danken wir die Wiederbelebung gewerblicher Tätigkeit in
Deutschland. Mit ihr beginnt seine zweite wirtschaftliche

Blüteperiode, die durch den Weltkrieg jäh unterbrochen wurde.

A
        <pb n="11" />
        Der Weltkrieg und seine Folgen habe zur Verarmung
Europas geführt. Ein Aufstieg kann nur erreicht werden durch
Wiedereinschaltung Europas in die Güteterzeugung der Wel
und ihren Handelsverkehr, und zu diesem iele kann als ein-
leitender Schritt die organisatorische Zusam henfAssunh der
Arbeitskräfte der Hauptindustrieländer bezeichne werden,
wie er beispielsweise in Deutschland durch die vor kurzem
erfolgte Schaffung der I. G. Farbenindustrie A.-G. und der
Vereinigte Stahlwerke A.-G. erkennbar geworden ist.

Europa ist,wie aus Abbildung 1 (siehe Anhang) dieser Schrift
deutlich hervorgeht, wie kein anderes Land der Welt
bevorzugt durch die innerhalb seines Gebietes angehäuften,
fast unerschöpflich großen Schätze von Kohle und
Eisenerz, die schon frühzeitig zur Erzeugung von Eisen
geführt haben. Dazu kommt, daß in seinem gemäßigten
Klima eine intensive, regelmäßige und andauernde Arbeit
möglich ist, und ferner der wiederum einzigartig günstige
Umstand, daß schiffbare Meeresarme und Flüsse bis tief in
das Ländergebiet Europas hineinführen.

Aus der Möglichkeit, industrielle Werte zu erzeugen und
sie auf bequemen Wasserwegen zu vertreiben, erwuchs der
Handelsverkehr Europas, der, wie gleichfalls aus Abbildung 1
hervorgeht, aus ihm ein Zentrum des Weltverkehrs gemacht hat.

Außer Europa besitzen in der ganzen Welt nur die Ver-
einigten Staaten von Amerika so große Mengen von Kohle
und Eisenerz, daß ihre Eisenerzeugung einen bedeutenden
Einfluß auf den Weltmarkt gewinnen könnte. Amerikas
Lage zu den Weltverkehrswegen ist aber nicht ent-
fernt so günstig wie diejenige Europas, und überdies ist
bis vor wenigen Jahren der Eigenbedarf der Vereinigten
Staaten an Eisen so groß gewesen, daß der Weltmarkt durch
ihre Eisenlieferungen nicht stark beeinflußt worden ist.
        <pb n="12" />
        In Abbildung 1 sind die Erzeugungsmengen von Kohle
und Eisen eingetragen für die beiden Jahre 1913 und 1924.
In ihr sind durch die blau angelegten Flächen die Kohlen-
mengen gekennzeichnet, die 1924 gefördert, durch die roten
Flächen die Rohstahlmengen, die ebenfalls 1924 erzeugt
worden sind. Die äußeren Umrahmungen der blau beziehungs-
weise rot angelegten Flächen kennzeichnen die Förder- und
Erzeugungsmengen des Jahres 1913. Aus dem Diagramm
ersicht man somit, daß allgemein die Produktion der wich-
tigsten Industrieländer durch den Krieg und seine Folgen
abgenommen hat. Die Produktion Frankreichs nahm zwar
an sich auch ab, erreichte jedoch durch Hinzurechnung der
Erzeugung des Saargebietes annähernd die Produktionshöhe
des Jahres 1913.

Bei einzelnen Quadraten findet man Abgrenzungslinien
innerhalb der farbig angelegten Flächen; sie bedeuten, daß in
diesen Ländern die Produktion des Jahres 1913 kleiner ge-
wesen ist als diejenige des Jahres 1924 (siehe z. B. Japan und
Indien).

Zwischen den Jahren 1913 und 1924 lag der Weltkrieg.
Die Abbildung lehrt aber, daß die Grundlagen der industriellen
Stellung Europas auch heute noch unverändert erhalten ge-
blieben sind,

Es ist allerdings erforderlich, daß zur Wiederherbei-
führung einer Blütezeit die Hemmnisse beseitigt werden,
die der weiteren Ausbildung des Verkehrs zwischen den
europäischen. Völkern selbst und zwischen Europa und der
übrigen Welt entgegenstehen.

Nichts kann die wunderbare Entwicklung der Industrie-
länder der Welt, welche sich in den letzten 70—80 Jahren voll-
zogen hat, deutlicher vor Augen stellen als die wenigen Linien
der Diagramme der Abbildungen 2 und 3 (Anhang), die zeigen,
        <pb n="13" />
        in welchem außerordentlich raschen Ansteigen in den Haupt-
industrieländern die Gewinnung von Kohle und die Erzeugung
von Roheisen sich vollzogen hat. Die Bedeutung dieser Linien
wird erst dann dem geistigen Auge vollkommen klar, wenn
man sich vergegenwärtigt, daß während der vorangegangenen
Jahrhunderte die Linien der Diagramme, welche die Erzeugung
von Eisen versinnbildlichen, nur .in unendlich langsamem
Ansteigen sich nahezu pavallel der Null-Linie dieser Dar-
stellung fortbewegt haben, von welcher sie erst etwa in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen unvergleichlichen
Anstieg genommen haben. Diesen Kurven entsprechend hat
sich in allen diesen Ländern die industrielle Entwicklung voll-
zogen, während die gesamte übrige Welt heute noch annähernd
in dem gewerblichen Zustande vergangener Jahrhunderte
verharrt.

Die’Erzeugung von Eisen ist heute untrennbar
gebunden an die Gewinnung von Kohle und deren
Umwandlung in Koks. Deshalb sind die Zentren der
Kohlegewinnung im letzten Jahrhundert auch die Mittel-
punkte der Eisenerzeugung geworden, selbst wenn es die
Lage der Vorkommen von Kohle und Eisenerz notwendig
gemacht hat, die Erze unter Überwindung weiter Transport-
wege zur Kohle hinzuführen. Von der Natur bevorzugt waren
selbstverständlich diejenigen Gegenden, in denen Kohle und
Eisenerz nahe bei einander gefunden wurden.

Die moderne Eisengewinnung nahm ihren Ausgang von
der Verarbeitung der Eisenerze mit Hilfe von Koks in Hoch-
öfen, deren anfängliche tägliche Leistungsfähigkeit von einem
Ausmaße von etwa 50 Tonnen in der Gegenwart bis zum
mehr als zwanzigfachen Betrage je Ofen gesteigert worden ist.

Es ist ein unvergleichliches Ruhmesblatt in der Ge-
schichte eines der Werke. der Vereinigte Stahlwerke A.-G.,

Q
        <pb n="14" />
        der August Thyssen-Hütte, daß es ihren leitenden
Hüttenmännern erstmalig gelungen ist, in ihren Öfen gegen
Ende des 19. Jahrhunderts Tagesproduktionen von 500 bis
600 Tonnen zu erreichen. Sie wurden im ersten Jahrzehnt
des gegenwärtigen Jahrhunderts übertroffen durch die Rekord-
ziffern der täglichen Ofenerzeugung nordamerikanischer Werke,
die zur Zeit etwa bis auf 750 Tonnen je Ofen gesteigert worden
sind. In neuester Zeit aber ist es wiederum einem Werke
der Vereinigte Stahlwerke A.-G., der Dortmunder Union,
gelungen, diese Leistungen bis zu einer Tagesproduktion
von 1200 Tonnen und mehr zu erhöhen.

Wie gewaltig diese technische Arbeitsleistung ist, kann
für den Nichtfachmann vielleicht einigermaßen erkennbar
gemacht werden, wenn man sich vergegenwärtigt, daß zur
Fortführung der in einem Ofen an einem Tage er-
zeugten Eisenmenge ein Eisenbahnzug von 60 Wagen
erforderlich sein müßte, deren jeder die Ladefähigkeit
von 20 Tonnen besitzen müßte.

Annähernd die gleichen Transportleistungen sind zu
bewirken, um die gleichzeitig im Ofen erschmolzenen Schlacken
von ihm fortzuführen, und auch die Zuführung von Koks
zum Ofen erfordert nahezu die gleiche - Massenbewegung,
während Erze und Kalksteine sogar etwa die dreifache Menge
zu transportierenden Materials ausmachen.

Moderne Hüttenwerke besitzen eine Anzahl solcher Groß-
produktionsapparate. Entsprechend ihrer Zahl steigert sich
die Tagesleistung des betreffenden Werkes.

Diese ungeheuren Mengen von Roheisen werden nun
überwiegend an Ort und Stelle weiterverarbeitet, indem
das gewonnene Rohprodukt in Gebrauchsgegenstände aus
gießbarem Eisen oder in Halbfabrikate aus schmied- und
walzbarem Stahl umgewandelt und in dieser Form den weit-

at

10
        <pb n="15" />
        verzweigten Betrieben der Eisenweiterverarbeitungsindustrie
zugeleitet wird,

Die durch diese Zahlenangaben in großen Umrissen
erkennbar gemachte gewaltige Erzeugung von industriellen
Werten hat nun in gegenseitiger Befruchtung auf die Ent-
wicklung aller anderen Industrien maßgebenden Einfluß geübt.

Wir sind heute gewohnt, die Welt zu durcheilen auf
eisernen Wegen, die die Erde umspannen. Wir erachten es
als selbstverständlich, als kaum noch erwähnenswert, daß
unsere eisernen Schiffe, unsere Schienenwagen die Massen-
güter der Welterzeugung in die entferntesten Teile der Erde
tragen und von dort wiederum die der Erde entnommenen
Rohprodukte den Arbeitszentren der Welt zuführen.

Diese ganze industrielle Betätigung und dieser
ganze unser heutiges gewerbliches Leben befruchtende Welt-
verkehr kann aber immer nur bestehen, wenn ßge-
sicherte Arbeitsbedingungen es gewährleisten, daß dem
geistig und körperlich arbeitenden Menschen ein
angemessener Ertrag seiner Arbeitsleistung zufließt.
Hierin liegt der wirksamste Ansporn für die Wieder-
belebung der Arbeitsamkeit der Bevölkerung.

Die großen industriellen Organisationen, deren Schöpfung
durch Zusammenfassung und Rationalisierung zahlreicher
kleinerer Betriebe wir in den letzten Jahrzehnten erlebt
haben, bieten heute nahezu allein die Möglichkeit, diejenigen
Bedingungen zu schaffen und zu erhalten, welche die in-
dustriellen Völker der Welt zur Erfüllung ihrer kulturellen
Aufgaben befähigen.

Die wirtschaftliche Bedeutung der letzten Neuschöpfung
dieser Art, der „Vereinigte Stahlwerk A.-G.“, rechtfertigt
es, ihrer Entstehung und ihren Zukunftsaussichten eine ein-
gehendere Betrachtung zu widmen,

11
        <pb n="16" />
        Wenn die Schaffung dieser großen Organisation nicht
als ein gefährliches Experiment, als ein Sprung ins Dunkle
aufgefaßt zu werden braucht, so verdanken wir das dem Um-
stande, daß ein großes Vorbild für ihre Bildung vorhanden
ist. Sein Werdegang und seine Weiterentwicklung sind in
hohem Maße aufschlußgebend für die technischen und wirt-
schaftlichen Aussichten des neuen industriellen Gebildes,
Dieser Vorgänger ist die. -

United States Steel Corporation.
Es war am 25. Februar 1901, als zahlreiche hervorragende
Eisenindustrielle der Vereinigten Staaten in Verbindung mit
den ersten Bankhäusern der Union den Entschluß faßten,
annähernd die Hälfte aller damals in den Vereinigten Staaten
existierenden Eisenerzeugungs- und Weiterverarbeitungswerke
in einer großen Organisation zu vereinigen. Es wurden in
der Gesellschaft zusammengefaßt 149 Eisenwerke der ver-
Schiedensten Art, welche 78 Hochöfen, mehr als 1500 km
Eisenbahn und eine Flotte von 120 Schiffen besaßen nebst
weit ausgedehnten Berechtigungen zur Ausbeutung von
Eisenerz- und Kohlenlagern und großartigen Naturgasquellen
sowie allem Zubehör, welches zur Eisenerzeugung und -weiter-
verarbeitung erforderlich ist. Die jährliche Leistungsfähigkeit
dieser Werke betrug damals etwa 7% Millionen Tonnen
Roheisen, etwa 9% Millionen Tonnen Rohstahl, etwa
7,7 Millionen Tonnen fertige Stahlprodukte.

Die Schaffung der Gesellschaft erforderte die Ausgabe
eines Kapitals von fast 1400 Millionen $, einer Summe, die
in der damaligen Zeit ganz unvorstellbar erschien.
Unter den 149 ehemals selbständigen Werken befanden
sich gut und weniger gut arbeitende, und es gab damals in

1m
Li
        <pb n="17" />
        den Vereinigten Staaten viele Zweifler, die der Ansicht waren,
daß es der Gesellschaft unmöglich sein würde, für ihr un-
geheures: Kapital die erforderliche Rentabilität zu erzielen.
Die Zweifel waren nicht unberechtigt. Das bedeutendste
Werk, welches der Steel Corporation einverleibt wurde, war
die Carnegie Steel Co., deren Produktion im Jahre 1900
bereits ein Fünftel der gesamten Stahlerzeugung der Ver-
einigten Staaten umfaßte. Carnegie stellte der neuen Gesell-
schaft für Übertragung seiner Werke die Forderung von

303 450 000 $ in Obligationen,
98 267 120. $ in Vorzugsaktien und
90 279 040 $ in Stammaktien,
also rund 492 000 000 $.

Die Forderung wurde angenommen und belastete die neue
Gesellschaft mit einer festen Jahreszahlung von über
25 Millionen $.
Wie aus einer im Anhange zu dieser Schrift reproduzierten,
von der United States Steel Corporation veröffentlichten Tabelle
(Zahlentafel 4) über ihr Einkommen und dessen Verteilung
hervorgeht, hat diese Vorbelastung der Gesellschaft‘ in den
ersten fünfzehn Jahren ihres Bestehens einen erheblich
größeren Anteil ihres Erträgnisses in Anspruch genommen,
als den Besitzern der Stammaktien zugeführt werden konnte,
In den Jahren 1904 und 1905 sind die letzteren sogar leer
ausgegangen. Ungeachtet dieser ungeheuren Auflage, die
wohl in Vergleich gestellt werden kann mit den heute in
Deutschland bestehenden gewaltigen Lasten der Eisenindustrie
für die Ablösung der staatlichen Steuern und der Auflagen
der Arbeiterwohlfahrtsgesetze, ist es der Leitung der United

1
        <pb n="18" />
        States Steel Corporation gelungen, innerhalb der ersten
20 Jahre ihres Bestehens ihre Werke durchweg zu moderni-
sieren und auszugestalten durch Aufwendung von über
900 Millionen $ für diese Zwecke. Überdies besitzt die
United States Steel Corporation zur Zeit ein bares Bank-
guthaben von über 500 Millionen $. Die Papiere der Gesell-
schaft stehen höher im Kurse als die Staatspapiere der Ver-
einigten Staaten und werden als sicherere Anlagen gegenüber
diesen Papieren angesehen. Dabei ist die Zahl der Anteils-
eigner der Gesellschaft von ursprünglich etwa 13 000 bis auf
über 95 000 im Jahre 1920 gestiegen.
Es ist bekannt, daß die Steel Corporation seit ihrem
Bestehen ihren Arbeitern und Angestellten zu besonders
günstigen Bedingungen den Erwerb ihrer Anteilspapiere
zugänglich gemacht hat, so daß das große Wachstum der
Anteilseigner, welches sich in den obigen Zahlen ausspricht,
zu einem sehr erheblichen Teile auf die Beteiligung der
Arbeiter und Angestellten des Werkes an diesem zurück-
zuführen ist.
Die Wirtschaftspolitik der Gesellschaft wurde so vor-
sichtig geleitet, daß die Vergrößerung ihrer Werke stets
Schritt’ gehalten hat mit der allgemeinen Erhöhung der
Produktion der Vereinigten Staaten, so daß auf die Werke
der Gesellschaft vom Jahre 1901 an bis zum Jahre 1920
regelmäßig nicht über 43 bis 45% der Produktion der Ver-
einigten Staaten entfallen. Die glänzenden wirtschaftlichen
Ergebnisse sind im wesentlichen zurückzuführen auf die
machtvolle Handelspolitik, welche die gewaltige Organi-
sation zu führen erlaubte, ferner auf die mustergültige Aus-
gestaltung der der Corporation angehörenden einzelnen Werke
und die durch Zusammenfassung aller betriebstechnischen

14
        <pb n="19" />
        Erfahrungen gewährleistete nahezu unübertreffliche tech-
nische Durchbildung der Arbeitsverfahren.

Es erscheint wohl berechtigt, diese für alle Welt offen-
liegenden Betriebsergebnisse der United Steel Corporation
als Vorbild anzusehen für die voraussichtliche Ent-
wicklung der deutschen Vereinigte Stahlwerke
A.-G. und ihre Ergebnisse.

15
        <pb n="20" />
        Europa,
seine Mineralschätze und Verkehrswege.
Im ersten Abschnitt dieser Schrift wurde bereits kurz auf
die Abbildungen 1 und 2 hingewiesen, aus denen wichtige Er-
kenntnisse über die Stellung Europas in der Weltwirtschaft
abgeleitet werden können.

In Abbildung 1 (Anhang) ist ein Ausschnitt aus einer
Weltkarte in Merkatorprojektion gegeben, in welchem die
Hauptverkehrswege eingezeichnet sowie Quadrate eingetragen
wurden, deren Feldgröße den jeweiligen Produktionen der
Länder an Steinkohlen und Roheisen in den Jahren 1913 und
1924 entspricht.

Die Weltverkehrswege bestehen einerseits in Schiffahrts-
linien, andererseits in den großen transkontinentalen Eisen-
bahnlinien. Die Karte zeigt, in wie starker Konzentration
die Schiffahrtslinien in die europäischen Gewässer münden.
Sie läßt besonders deutlich erkennen, wie günstig die
ozeanischen Wasserwege bis in das Herz Europas
hineinreichen, während andererseits aus ihr hervorgeht,
daß die Geschlossenheit der amerikanischen Landmasse einzig
und allein an der Ostküste Amerikas einen größeren Welt-
schiffahrtsverkehr gestattet.

Der amerikanische Unternehmungsgeist hat allerdings
durch eine Reihe von transkontinentalen Eisenbahnlinien die
Ostküste der Vereinigten Staaten mit der Westküste ver-
bunden, und der Panamakanal hat auch einen Wasserweg

16
        <pb n="21" />
        vom Osten der Vereinigten Staaten nach dem Westen er-
schlossen. Es ist aber auch für ein Laienauge leicht erkennbar,
daß die Transportkosten der beiden letzteren Wege wesentlich
höher sein müssen, als diejenigen der Schiffahrtslinien,
welche in Europa zusammenlaufen.
Diese geographischen Verhältnisse begünstigen
Europa dauernd hinsichtlich der Bewegung der Welt-
güter. Große geschlossene Landgebiete bilden ein Hindernis
für den Verkehr. Selbst die großartige transkontinentale Eisen-
bahnlinie, die Europa mit dem Osten Asiens verbindet, die
sibirische Bahn, vermag dem in diesem Falle sogar viel
weiteren Wasserwege im Hinblick auf den Transport von
Massengütern eine fühlbare Konkurrenz nicht zu bereiten.
Um in diese Karte möglichst sichtbar diejenigen Ein-
tragungen machen zu können, die einen Überblick über die
Weltproduktion von Steinkohle und Roheisen gewähren,
mußte bei den Hauptindustrieländern zu dem Hilfsmittel
gegriffen werden, diese Quadrate auf die benachbarten Meeres-
flächen zu verlegen und sie durch Pfeile mit denjenigen Flächen
zu verbinden, die in der Karte die betreffenden Länder dar-
stellen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika ragen mit ihrer
großen Produktion an Kohle und Eisen weit über alle einzelnen
Länder hervor; aber ein Blick auf die Karte lehrt überzeugend,
daß eine die Produktion Amerikas noch weit überragende
Konzentration in der Hervorbringung dieser wichtigen Natur-
produkte in Europa stattfindet, die im Verein mit der Gunst
seiner Verkehrswege Europa stets seine Stellung in der
Weltwirtschaft wahren wird, wenn endlich die Erkennt-
nis von dem innigen Zusammenhange der wirtschaftlichen
Interessen dieser Länder dazu geführt haben wird, daß die

17
        <pb n="22" />
        auf politischem Gebiete liegenden Hemmnisse für die
Entfaltung des wirtschaftlichen Lebens beseitigt sein werden.

In der Karte sind in blauer Farbe diejenigen Felder be-
zeichnet, welche die Steinkohlenproduktion des Jahres 1924
charakterisieren, während mit roter Farbe die Quadrate der
Roheisenproduktion desselben Jahres gekennzeichnet sind.

Die Linien, welche die Produktion an Kohle und Eisen
des Jahres 1913 kennzeichnen, sind leicht neben den farbig
hervorgehobenen Flächen in der Karte aufzufinden. Es geht
aus ihnen hervor, daß im Jahre 1924 an einer gewissen Zahl
von Stellen die Produktion des Jahres 1913 erreicht oder über-
troffen wurde, während an anderen Stellen, beispielsweise in
Rußland, von einem nennenswerten Wiederaufleben der Roh-
eisenproduktion noch nicht gesprochen werden kann.

Die Veränderungen, welche in der Roheisenproduktion der
Hauptindustrieländer innerhalb der letzten Jahrzehnte vor
sich gegangen sind, werden in einem späteren Abschnitt dieser
Schrift behandelt werden. Es soll deshalb hier nur auf die
Abbildung 2 (Anhang) hingewiesen werden, welche die Stein-
kohlenproduktion der Hauptindustrieländer in Schaulinien zu-
sammenfaßt, die einen Vergleich ihrer Größe während der
einzelnen Jahre von 1895—1924 ermöglichen. Es ist aus
diesem Diagramm deutlich zu erkennen, wie der Weltkrieg die
Steigerung der europäischen Steinkohlenförderung hemmend
beeinflußt hat, während die Vereinigten Staaten von Amerika
durch dieses Ereignis in dieser Hinsicht nicht nur unberührt
geblieben, sondern sogar, wie aus dem Abstieg der Linien in
den letzten Jahren gefolgert werden kann, in hohem Maße
begünstigt worden sind.

In den Linien der Länder mit der größten Kohlenpro-
duktion finden sich gegen Ende der dargestellten Periode tief
einschneidende vorübergehende Produktionsverminderungen.

18
        <pb n="23" />
        Diese entsprechen

in der Linie der amerikanischen Produktion im Jahre 1919
dem Aufhören der Materiallieferung für den Krieg, im
Jahre 1922 dem Bergarbeiterstreik,

in der Linie der englischen Kohlenerzeugung im Jahre 1921
dem Bergarbeiterstreik,

in der Linie der deutschen Kohlenförderung im Jahre 1914
dem Kriegsbeginn, im Jahre 1919 den Revolutionsfolgen,
im Jahre 1923 der Ruhrbesetzung.

Gegenüber der Steinkohlenproduktion der Vereinigten
Staaten von Amerika und der europäischen Länder hat die
Kohlenförderung der gesamten übrigen Welt bisher eine er-
hebliche Bedeutung nicht erlangt, und es ist auch nicht zu
erwarten, daß das Übergewicht der Steinkohlenländer
gegenüber der übrigen Welt in absehbarer Zeit ver-
schwinden und dadurch eine grundlegende Verschiebung in
der Stellung der gegenwärtigen Hauptindustrieländer in der
Weltwirtschaft eintreten könnte. Die Vereinigten Staaten
von Nordamerika und die europäischen Länder
werden bisin ferne Zukunft ihre Stellung in der Welt-
wirtschaft beibehalten, wenigstens solange die Energie-
quellen, welche in ihren Kohlenvorkommen seit vergangenen
Jahrtausenden aufgehäuft liegen, nicht durch andere bisher
unbekannte und unerschlossene vielleicht einmal ersetzt
werden können.

I*

19
        <pb n="24" />
        Stammbaum der deutschen Eisenindustrie.

Ein für das Jahr 1922 aufgestellter Eisen-Stammbaum
läßt erkennen, welche Stadien der Verarbeitung das Eisen
durchlaufen muß, ehe es von den Stätten der Eisenerzeugung
denjenigen der Weiterverarbeitung und dem Verbrauch zu-
geführt werden kann.
Aus den Eisenerzlagerstätten Deutschlands stammt von
den in den Hochöfen erschmolzenen Roheisenmengen nur etwa
ein Drittel, während zwei Drittel aus denjenigen Erzen her-
rühren, die aus dem Auslande bezogen werden. Die Haupt-
lieferanten der Auslandserze sind die Länder Schweden,
Spanien und Frankreich. Die beiden ersten liefern Erze mit
einem Eisengehalt von etwa 60%, während die französischen
Erze, die nach Deutschland kommen, ebenso wie die in
Deutschland geförderten, im Mittel nur etwa 30% Eisen ent-
halten.

Der durchschnittliche Eisengehalt des heute in deutschen
Hochöfen erschmolzenen Erzmöllers liegt deshalb bei
etwa 45%. Die Hochöfen müssen also annähernd ebensoviel
Schlacken schmelzen wie Eisen, während die Restbestandteile
der Erze gleichzeitig mit dem verbrannten Kohlenstoff des
Koks als Hochofengichtgas den Hochofen verlassen.

0
        <pb n="25" />
        FERTIGFRBRIKATE
a ———&gt;——————
FLUSSEISE

N

P

— BUSSEISEN I.SCHMELZUNG
SCHWEISSEISEN eL

STAHLFORMGUSS
“A =
A

GUSSEISEN
L.SCHMELZUNG
R

HALBZEUG
NEUSCHROTT
U
eu
ROHRLÖCKE

m

THONAS-C
ROHEISEN
ADELS

1 GIESSEREI
STIALE PUDDEL-  ROHEISEN:
BESSEMER- 7 ROHEISEN DEE
ROHEISEN { 3
Se 3 C &gt;
SE ; 1
en 1
EL A — N
le =

GESAMT. __—
ROHEISENVERSORGUNG

GESAMTVERBRAUCH
VON _ALT-UND NEU-
SCHROTT

EISENERZ2-
VERSORGUNG

Stammbaum der deutschen Eisenindustrie.

79
        <pb n="26" />
        Das verschmolzene Eisen wird, sofern es für die Weiter-
verarbeitung in Gießereien bestimmt ist, in Formen gegossen
und gelangt in erstarrtem Zustande zum Versand. Die weit
überwiegende Menge desjenigen Eisens. welches die Hochöfen
liefern, wird aber in flüssigem Zustande den Stahlwerken zur
Weiterverarbeitung zugeführt.
Im Stammbaum ist diejenige Verteilung der Roheisen-
mengen, die in der eben erwähnten Art stattfindet, durch die
verschiedene Größe der Würfel dargestellt.

Es ist leicht erkennbar, daß in Deutschland die weitaus
größte Menge des Roheisens zu Thomasstahlwerken geht, um
hier in Thomasstahl umgewandelt zu werden.
Man bezeichnet als Thomasstahlprozeß ein Verfahren, in
dessen Verlauf Roheisen dadurch in schmiedbares Eisen oder
Stahl umgewandelt wird, daß durch das flüssige Roh-
eisen hindurch Luft geblasen wird. Dieser Vorgang voll-
zieht sich in sogenannten Birnen oder Convertoren, deren Boden
mit vielen feinen Öffnungen versehen ist, durch welche die auf
etwa 2% Atmosphären komprimierte Luft in kräftigen Strahlen
durch das flüssige Eisen hindurchgeblasen wird. Die normale
Größe oder das Fassungsvermögen eines derartigen Convertors
beläuft sich heute in Deutschland auf etwa 30 Tonnen, und
diese große Menge flüssigen Eisens wird in der außerordentlich
kurzen Zeit von etwa 15 Minuten auf dem Wege dieses wahrhaft
gewaltig erscheinenden Arbeitsverfahrens in flüssigen Stahl
umgewandelt. Die Größe der hierbei in Wirkung tretenden
Kräfte und Reaktionen mag aus der Angabe einigermaßen
erkennbar werden, daß die hierfür erforderlichen Ge-
bläsemaschinen eine Stärke von etwa 2500 Pferden haben
müssen, um die notwendigen Windmengen liefern zu können.
Jedes moderne derartige Stahlwerk besitzt im allgemeinen

29
        <pb n="27" />
        fünf solcher Convertoren, von denen gewöhnlich drei sich in
Betrieb befinden, während die anderen in Reserve gehalten
werden. Ein einziges Thomasstahlwerk vermag deshalb ge-
waltige Mengen von Stahl zu liefern.

Man nennt dieses Stahlherstellungsverfahren das Tho-
masverfahren nach dem Namen eines seiner englischen
Erfinder Thomas und Gilchrist.

Das Verfahren ist insbesondere dadurch charakterisiert,
daß die Convertoren mit basischem Material (gebranntem
Dolomit) ausgekleidet werden, um den Prozeß mit einer hoch-
basischen Kalkschlacke durchführen zu können. Die Anwen-
dung einer derartigen Schlacke gibt allein die Möglichkeit,
den im Roheisen enthaltenen Fremdkörper Phosphor in Phos-
phorsäure umzuwandeln und diese in der Schlacke aufzu-
sammeln. Der Prozeß liefert als wichtiges Nebenprodukt die
Thomasschlacke in einer Menge, die etwa den vierten Teil
des Roheisengewichtes ausmacht und nach entsprechender
Feinmahlung als höchst wertvolles Düngemittel der Land-
wirtschaft zugeführt wird.

Die im Stahlwerk erzeugten Rohblöcke werden in un-
mittelbar neben dem Stahlwerke liegenden Walzwerksanlagen
zu Halb- oder Fertigfabrikaten weiterverarbeitet.

Es ist bemerkenswert, daß es durch die neuere Ausge-
staltung dieser Prozesse möglich geworden ist, die auf diesem
Wege erfolgende Umwandlung des Roheisens in Stahl und
dessen Weiterverarbeitung in den Walzwerken mit Aus-
nutzung derjenigen Wärme durchzuführen, die der Hoch-
ofen dem Material einverleibt und zwar einerseits in Form
seiner fühlbaren Wärme, andererseits in Form der im
Roheisen vorhandenen chemischen Energie. Auf dem
ganzen langen Wege vom Hochofen bis zum fertigen

23
        <pb n="28" />
        Walzprodukt braucht also dem‘ Eisen keinerlei
Wärme von außenher mehr zugeführt zu werden.
In erheblich geringerem Maße wird in Deutschland aus
phosphorfreien Erzen, die überwiegend aus Spanien oder
Schweden bezogen werden müssen, auf dem Wege des älteren
Bessemerverfahrens, im Prinzip aber in gleicher Arbeits-
weise, Bessemerstahl hergestellt. Der Prozeß trägt den
Namen seines Erfinders, Sir Henry Bessemer, und unter-
scheidet sich vom Thomasprozeß im wesentlichen nur da-
durch, daß die Convertoren mit sauren (überwiegend aus
Kieselsäure bestehenden) feuerfesten Steinen ausgekleidet
werden, und daß bei ihm eine saure kieselsäurehaltige Schlacke
fällt, die eine Verwendung bisher nicht gefunden hat.
Gehen wir in der Betrachtung des Stammbaumes der
Eisenindustrie in derselben Horizontalreihe nach rechts, so
finden wir dargestellt, daß ein weiterer erheblicher Teil des
Roheisens unter dem Namen Stahleisen ‚in anderer chemischer
Zusammensetzung erblasen, den Martinöfen zugeführt wird,
um in diesen in Martinstahl umgewandelt zu werden. Der
Prozeß trägt eigentlich zu Unrecht den Namen zweier fran-
zösischer Hüttenleute, der Gebrüder Martin, die in einem
kleinen Hüttenwerke in Sireuil in Frankreich erstmalig Stahl
in Herdöfen hergestellt haben. Er müßte eigentlich als Siemens-
prozeß bezeichnet werden, da die von den Gebrüdern Siemens
geschaffene Konstruktion des Regenerativherdofens allein die
Möglichkeit bietet, diejenigen hohen Temperaturen in einem
Herdofen zu erzeugen, die zur Führung dieses Prozesses er-
forderlich sind. Das Charakteristikum des Regenerativofens
besteht darin, daß ein erheblicher Teil derjenigen Wärme, die
in den vom Ofen wegströmenden Abgasen enthalten ist,
deren Temperatur etwa 1700 Grad beträgt, durch Anwendung
des Siemensschen Regenerativprinzips dadurch dem Herde

D4
        <pb n="29" />
        wieder zugeführt wird, daß sowohl das ihm zuströmende Gas
als auch die Verbrennungsluft auf ungefähr 1000 Grad vor-
gewärmt werden.

In der eben besprochenen Horizontalreihe des Stamm-
baums erscheint nun erstmalig neben demjenigen Würfel,
welcher die Menge des Stahleisens repräsentiert, ein in punk-
tierten Linien gezeichneter Würfel, der durch eine ebenfalls
punktierte Verbindungslinie mit einem etwas größeren, eine
Reihe tiefer stehenden Würfel in Verbindung gebracht ist,
der den Gesamtverbrauch von Alt- und Neuschrott darstellt.

Man bezeichnet mit dem Namen „Schrott“ alles das-
jenige Altmaterial, welches in irgendeiner Form den Hütten-
prozessen wieder zugeführt wird. Dieses Material besteht
sowohl aus schmiedbarem Eisen als auch aus Stahl und aus
Gußeisen, und je nach seiner Beschaffenheit wird dieses
Material nun den verschiedenen Hüttenprozessen wieder zu-
geleitet. Der Stammbaum zeigt dabei, besonders hervor-
gehoben, gewisse Mengen von „Neuschrott‘“, die, wie die
Pfeile der punktierten Linien andeuten, aus verschiedenen
hüttenmännischen Vorgängen herrühren. Man bezeichnet mit
diesem Namen diejenigen Abfalleisenmengen, welche in den
Hüttenwerken selbst fallen und von ihnen meist unmittelbar
im eigenen Betriebe wieder weiterverarbeitet werden, während
„Altschrott‘“ alle diejenigen Eisenmengen benannt werden,
welche im Laufe der Zeit durch Unbrauchbarwerden eiserner
Fertigwaren entfallen. Sie werden überall dort, wo Eisen in
nennenswerten Mengen verbraucht wird, vom Schrotthandel
gesammelt und nach entsprechender Sortierung den Eisen-
werken wieder zugeführt.

Der Martinprozeß besitzt nun von allen hüttenmännischen
Arbeitsweisen die ihn besonders kennzeichnende Fähigkeit,
solchen Schrott in sehr großen Mengen wieder zu verarbeiten.

OB
        <pb n="30" />
        Im allgemeinen wird der Martinofenprozeß so durchgeführt,
daß im Herde der Öfen 80 % Schrott mit nur etwa 20 %
Stahleisen eingeschmolzen werden. Hieraus wird erkennbar,
welche besondere Stellung der Martinofenprozeß unter allen
hüttenmännischen Prozessen einnimmt, und welche hervor-
ragende Bedeutung die Wiederverarbeitung des Schrotts im
Laufe der hüttenmännischen Prozesse besitzt.
Im Martinofen wird nun nicht nur Rohstahl für die
Weiterverarbeitung in den Walzwerken hergestellt, sondern
es wird ein nicht unbedeutender Teil der vorhandenen Martin-
Öfen in Stahlgießereien für Zwecke der Herstellung von Stahl-
formguß betrieben.

Die Martinöfen können in ihrem Herde entweder ent-
sprechend den Thomasconvertoren basisch zugestellt sein und
mit basischen Schlacken geführt werden, oder sie sind ent-
sprechend den Bessemerbirnen mit sauren Steinen aus-
gekleidet, und der Prozeß wird mit saurer Schlacke geführt.
Ein näheres Eingehen auf diese Spezialisierungen dürfte hier
zu weit führen.
Im Stammbaum der deutschen Eisenindustrie (S.21) finden
wir, auf der bereits mehrfach erwähnten Horizontalreihe weiter
nach rechts gehend, die Notiz, daß auch heute noch eine re-
lativ geringe Menge eines für diesen Zweck speziell erblasenen
Roheisens in Puddelöfen in Schweißeisen umgewandelt wird,
welches für die Herstellung von Fertigfabrikaten wiederum
verschiedenen Walzvorgängen unterworfen werden muß.

Die Umwandlung von Roheisen in schmiedbares Eisen,
welche im Puddelofen vor sich geht, ist die älteste von den
hier besprochenen Methoden zur Erzeugung von schmied-
barem Eisen. Der Puddelprozeß hat eine große historische
Bedeutung, da er etwa vom Beginn des‘ 19. Jahrhunderts

Vf

26
        <pb n="31" />
        bis zum Jahre 1860, dem Geburtsjahre des Bessemerprozesses,
der einzige Arbeitsweg gewesen ist, auf welchem die Um-
wandlung von Roheisen in schmiedbares Eisen erfolgte. Der
Puddelprozeß ist ein typischer Arbeitsvorgang der kleinen
Mengen, denn es ist im allgemeinen auch heute noch nicht
möglich, die einzelne Charge eines solchen Ofens in einem
Einsatz durchzuführen, der das Gewicht von 500—600 kg
überschreiten würde.
Er ist gleichzeitig ein Prozeß der stärksten Inanspruch-
nahme menschlicher Leistungsfähigkeit, so daß es heute den
wenigen Werken, welche zur Herstellung besonderer Quali-
täten von Eisen den Puddelbetrieb im Gange erhalten haben,
kaum möglich ist, für diese äußerst schwere Arbeit, auch bei
hohen Löhnen, die entsprechende Zahl Arbeitskräfte zu
gewinnen.
Die gesamte moderne industrielle Entwicklung, welche
sich etwa nach dem Jahre 1860 vollzogen hat, würde nicht
durchführbar gewesen sein, wenn nicht an Stelle des Puddel-
prozesses die vorher erwähnten modernen Prozesse zur Um-
wandlung von Roheisen in schmiedbares Eisen getreten
wären. Es würde einfach nicht möglich gewesen
sein, das Eisen, welches zur Schaffung der Eisen-
bahnen, der großen Schiffsflotten und dergleichen
verwendet worden ist, auf dem Wege des Puddel-
prozesses in der erforderlichen Menge und Qualität
herzustellen. Das im Puddelofen erzeugte Schweißeisen
kann mit erheblichen Mengen von Schrott verschweißt werden.
Die Vorbedingung hierfür ist aber, daß dieser Schrott von
Eisen stammt, welches ehemals ebenfalls im Puddelverfahren
erzeugt worden war. Daher ist die Verwendung von Schrott
hier eine relativ wesentlich geringere als im Martinofen,

Ba

9”
        <pb n="32" />
        Im Stammbaum finden wir endlich noch in der schon
mehrfach erwähnten Horizontalreihe am weitesten nach rechts
stehend, die Verwendung des Roheisens für Gießereizwecke,
Es gibt hier zweierlei Verwendungsarten, da eine Erzeugung
von Gußwaren entweder stattfinden kann, indem man das
im Hochofen erblasene Eisen unmittelbar für die Ausführung
des Gusses benutzt, oder indem man das Gießereieisen zum
zweiten Male in besonderen, den Eisengießereien eigen-
tümlichen Öfen, den sogenannten Kupolöfen, umschmilzt
und es erst auf diesem Wege gießbar macht.
Der erstgenannte Weg ist der sehr viel einfachere, aber
er wird trotzdessen nur für verhältnismäßig geringe Eisen-
mengen in Anwendung gebracht, weil er nur für Gußwaren
geringerer Qualität in Ausübung genommen werden kann.
Es ist im allgemeinen im Hochofen nicht möglich, diejenigen
Bedingungen hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung
des Gußeisens einzuhalten, welche erforderlich sind, um Guß-
stücke derjenigen Güte aus ihm gießen zu können, die in
der Jetztzeit verlangt wird.

Deswegen sind die Gießereien gezwungen, in sorgfältiger
Auswahl (Gattierung) der verschiedenen auf dem Markte
befindlichen Roheisensorten für den jeweiligen Zweck den von
ihnen verwendeten Gußgegenständen diejenigen Eigenschaften
zu geben, welche heute gefordert werden. Das ist der zwingende
Grund für die Notwendigkeit der Erzeugung von Gußwaren
zweiter Schmelzung, wie diese Arbeitsweise im Gegensatz zu
der ersterwähnten genannt wird. Sie bietet andererseits die
Möglichkeit, an jeder beliebigen hierfür geeignet erscheinenden
Arbeitsstätte eine Gießerei zu errichten.
Deutschland besitzt z. Zt. etwa 1200 verschiedene GieBe-
reien, die ihre Betriebe in der mannigfaltigsten Weise variieren,

IQ
        <pb n="33" />
        um den Anforderungen ihrer Kundschaft gerecht zu werden.
Es würde überdies nahezu eine wirtschaftliche Unmöglichkeit
sein, diese ganze Gußwarenerzeugung an denjenigen relativ
wenig zahlreichen Orten zu konzentrieren, an denen Hoch-
öfen auf Gießereieisen betrieben werden können.

Auch im Betriebe der Eisengießereien bildet die Ver-
wendung von Schrott ein wesentliches Mittel zur Verbilligung
und Vermehrung der Produktion. Die deutschen Gießereien
haben insbesondere während der Kriegszeit gelernt, Gußware
in guter Qualität unter Verwendung eines wesentlich höheren
Schrottsatzes herzustellen, als vor dem Kriege. Hierdurch ist
das Verhältnis zwischen Gießereiroheisen und Schrott bei den
Eisengießereien zu Gunsten des letzteren in erheblichem
Maße verschoben worden.

Die Erzeugung von Roheisen hat bis in die neueste Zeit
hinein einen bestimmenden Einfluß auf die Entwicklung der
Eisenindustrie der hauptsächlich eisenerzeugenden Länder
gehabt. Es ist deshalb richtig, die statistischen Angaben über
die Entwicklung der Roheisenerzeugung als Maßstab zu be-
nutzen für die Kennzeichnung der industriellen Entwicklung
der auf dem Weltmarkte miteinander konkurrierenden Haupt-
industrieländer.

u

Die
Roheisenerzeugung der Hauptindustrieländer
ist übersichtlich in dem Schaubild Nr. 3 (Anhang) dargestellt,
und zwar ausgehend vom Jahre1850, fortgeführt bis in die neueste
Zeit. Das Schaubild läßt deutlich erkennen, daß bei einer
Verlängerung seiner Linien nach links sehr bald der Zeit-
punkt im Diagrammbild erscheinen würde, zu welchem alle
die Roheisenproduktion der einzelnen Länder darstellenden
Linien annähernd auf der Basislinie des Diagrammes zu-

20
        <pb n="34" />
        sammenlaufen würden, weil in keinem von ihnen eine Roh-
eisenproduktion vorhanden sein würde, die auch nur an eine
Million Tonnen jährlich heranreichte.

Die Herstellung von Roheisen aus seinen Erzen im
Hochofen hat tatsächlich etwa vom Jahre 1750 an zuerst in
England einen nennenswerten Aufschwung genommen, als
es hervorragenden englischen Hüttenleuten gelungen war, aus
Steinkohle Koks zu machen und nunmehr dieses in großen
Mengen herstellbare Produkt zum Betriebe von Hochöfen zu
benutzen, während vor dieser Zeit die Holzkohle das alleinige
Brennmaterial für Hochöfen gebildet hatte.

England ist der übrigen Welt in dieser Beziehung um
50—100 Jahre vorausgeeilt, weil seine günstige insulare
Lage die ruhige Entwicklung seiner Industrie gegen die
zerstörenden Wirkungen der festländischen Kriege im 17. und
18. Jahrhundert sicherte.

Das Schaubild zeigt, daß beispielsweise im Jahre 1870
die Roheisenerzeugung Großbritanniens bereits über 6 Milli-
onen Tonnen jährlich betrug, während die Vereinigten Staaten
von Amerika, Deutschland und Frankreich je nur etwa 1% Milli-
onen Tonnen herstellten.

Die Erfindung des Bessemerprozesses 1860 und die
Schaffung des Siemens-Martinverfahrens im Jahre 1865
gaben den Anstoß zur Massenerzeugung von schmiedbarem
Eisen und brachten dadurch die Möglichkeit, neue Weltverkehrs-
wege durch den Bau von Eisenbahnen und Dampfschiffen zu
eröffnen. Der hierdurch einsetzende Eisenverbrauch wirkte
wieder rückwärts auf die Erhöhung der Roheisenerzeugung.
Diese Umstände sind es, welche den Linien desSchaubildes ihren
höchst eigenartigen Lauf gegeben haben. Es ist außerordent-
lich interessant, aus dem Schaubilde festzustellen, daß die
Roheisenerzeugung der Vereinigten Staaten von Amerika

30)
        <pb n="35" />
        diejenige Großbritanniens bereits etwa im Jahre 1890 über-
troffen hat, während sich der gleiche Vorgang bezüglich der
deutschen Roheisenerzeugung erst 10 Jahrespäter abgespielthat.

Es würde den Bereich dieser Schrift überschreiten, wenn
versucht werden würde, die Ursachen für diese intensive Ent-
wicklung der Roheisenerzeugung in den Vereinigten Staaten
und Deutschland klarzulegen. Für die Entwicklung der
europäischen Verhältnisse tritt bestimmend in Erscheinung die
Tatsache, daß die Vereinigten Staaten von Nord-
amerika ihre Roheisenproduktion in der damaligen Zeit
vollständig im eigenen Lande unterbrachten, während
sich Großbritannien mit Deutschland in die
Versorgung des Weltmarktes teilen mußte. Die
Linien des Schaubildes zeigen, daß die großbritannische
Roheisenerzeugung etwa seit dem Jahre 1880 verhältnis-
mäßig nur noch sehr wenig gestiegen ist, während
die Linie der deutschen Roheisenerzeugung in steilem An-
stiege nach oben strebt, so daß die Versorgung des Welt-
marktes bis zum Beginn des Weltkrieges mehr und
mehr in deutsche Hände übergegangen war. Diese
Tatsache ist eine der ausschlaggebenden Ursachen des Welt-
krieges gewesen. Das Schaubild läßt die Einwirkung des Welt-
krieges auf die Roheisenerzeugung der Hauptindustrieländer
klar hervortreten.

Etwa vom Jahre 1910 an ist indessen die Roheisen-
erzeugung nicht mehr als maßgebend anzusehen für die Ent-
wicklung der Eisenindustrie der sogenannten Eisenländer,
denn es ist von dieser Zeit an in immer steigendem Maße die
Herstellung von Stahl in Martinöfen in Anwendung gekommen,
bei welcher, wie aus dem Stammbaum der deutschen Eisen-
industrie hervorgeht, sehr bedeutende Mengen von Schrott
wieder eingeschmolzen werden. Aus diesem Grunde ist für

ww.

21
        <pb n="36" />
        den Stand der Eisenindustrie in neuerer Zeit schärfer
charakterisierend das Schaubild der
Rohstahlerzeugung,
dessen Linien im Anhang in der Abbildung Nr. 4 dargestellt sind.

Die Linien der beiden letzterwähnten Schaubilder zeigen
insbesondere deutlich bei der Produktion der Vereinigten
Staaten von Amerika neben steilstem Anstiege auch Perioden
nahezu ebenso steilen Zurücksinkens der Produktion. Die
gleichen, wenn auch weniger scharf hervortretenden Ein-
schnitte lassen sich im allgemeinen auch in den Schaulinien
der übrigen Eisenländer erkennen. Sie kennzeichnen die
Kriesenperioden der Wirtschaft der betreffenden Länder.
Ihre häufig auftretende Gleichzeitigkeit liefert den Nachweis,
daß wirtschaftliche Krisen sich in vielen Fällen über die ganze
Welt ausgebreitet haben, nur in einzelnen Fällen auf das eine
oder andere Land beschränkt geblieben sind.

Auch wenn der Weltkrieg mit seiner Störung
der Weltwirtschaft diese Entwicklung nicht beein-
trächtigt haben würde, hätte eine Steigerung der
Roheisenerzeugung und der Rohstahlgewinnung in
den Vereinigten Staaten und in Deutschland nicht
in dem Maße weiter fortschreiten können, welches
die Linien der Schaubilder für die Jahre von etwa 1895—1913
zeigen, denn es ist aus wirtschaftlichen Gründen
nicht durchführbar, die Produktion dieser wert-
vollen Güter über ihren Verbrauch -hinaus zu
steigern. Es sind deshalb die Linien dieser Diagramme
gleichzeitig Kennlinien für die Steigerung des Verbrauchs der
Welt an Eisen.
Die Periode von 1895—1913 ist derjenige Zeitraum, in
welchem sowohl in Nordamerika als auch in Deutschland in

39
        <pb n="37" />
        raschestem. Tempo Eisenbahnen gebaut wurden, und in
welchem in allen anderen ‚Industrien der Verbrauch an Eisen,
gewaltige Anforderungen an die Eisenerzeugung stellte.

Aus dem Schaubilde Nr. 1.(Anhang) geht klar hervor,
daß die: wirtschaftliche Erschließung der Welt sich bisher
überwiegend auf Europa und die Vereinigten Staaten, von
Nordamerika erstreckt hat. Es kann keinem Zweifel
unterliegen, daß die wirtschaftliche Erschließung der
übrigen Weltteile auch dort eine Aufnahmefähigkeit
der Länder für Eisen und Eisenwaren bringen muß,
aber diese Entwicklung ist durch :den Weltkrieg in
empfindlichster Weise unterbrochen worden. Die. Kapital-
zerstörung, welche der Weltkrieg gebracht hat, macht. sich
heute in einschneidendstem Maße geltend als Hemmnis für
ein. Fortschreiten in ähnlicher Weise, wie es sich in dem Zeit-
raume von 1895-—1913 gezeigt hat.

Der Eintritt dieser: Weltkrisis war‘ gegen Ende dieser
Periode wirtschaftlicher Entwicklung nicht vorauszusehen. Es
ist deshalb verständlich, wenn in der damaligen Zeit aus Anlaß
des 11. Internationalen geologischen Kongresses, der
im Herbst 1910 in Stockholm getagt hat, die Frage gestellt und
eingehend erörtert wurde, wie lange denn die Eisenerzvorräte
der Welt dieser ungeheuren Inanspruchnahme gewachsen sein
würden. In den Vorbereitungen zu diesem Kongresse waren
deshalb seit 1908 umfängliche statistische Erhebungen über die
Eisenerzvorkommen durchgeführt worden, und ihre Resultate
sind in einer außerordentlich eingehenden Bekanntmachung
veröffentlicht worden. Man hat die sämtlichen damals be-
kannten Eisenerzvorkommen einer Erörterung unterzogen.
Genauere Angaben lagen naturgemäß aber nur vor über die-
jenigen Vorkommen, welche damals in Abbau genommen und
genügend erforscht. waren.‘ Faßt man die Ergebnisse. dieser

Mm
A

Zu

7
»
        <pb n="38" />
        statistischen Aufnahmen zusammen, so gelangt man zu
denjenigen Angaben, die in der nachstehenden Zahlentafel
vereinigt sind.

Eisenerzvorräte

Eisengehalt
dieser Erze
Millionen
Tonnen

Roheisen-
produktion
des Jahres 1910
Millionen
Tonnen

Jahre
Millionen
Tonnen

A

Deutschland .........
Frankreich... ....0...
Großbritannien .......
Belgien»... 0-04
Rußland... ... 4...
Österreich-Ungarn ....
Die übrigen Länder
Europas 1.1.0...
Europa insgesamt ....
Vereinigte Staaten von
Nordamerika ......

3 600
3 300
1 300
60
860
280

1 270
1 140
455
25
385
105

13,0
3,5
10,0
1,6
28
DS

100
300
50
16
140
60

2 600

1 320

ik

De

12 000

4 700

34 1)

140

4 300

2 300

Zu]

°Ar

90

Die Tabelle enthält eine Zusammenstellung der Eisenerz-
vorkommen in der Art, daß in der ersten Spalte eingetragen
wurde die Menge der damals nutzbaren Eisenerzvorräte der
namentlich aufgeführten Länder, in der zweiten Spalte der
Eisengehalt dieser Erze, in der dritten Spalte die Roheisen-
produktion des Jahres 1910 der betreffenden Länder und in
der vierten “Spalte diejenige Anzahl von Jahren, während
deren unter Annahme einer Fortdauer der damaligen Pro-
duktionshöhe, die Eisenerzvorräte des betreffenden Landes
ausreichen würden, um seinen Bedarf zu decken.

Die Angaben der letzten Spalte der Tabelle sind natürlich
unter der Voraussetzung. berechnet, daß eine Einfuhr von
Eisenerz in das betreffende Land nicht stattfinden. würde und
daher seine Eisenindustrie bei Deckung des Bedarfs auf ihren

31
        <pb n="39" />
        eigenen Erzbesitz angewiesen wäre. Unter dieser. Voraus-
setzung würde, wie Spalte 4 der Tabelle ergibt, beispiels-
weise Großbritannien im Jahre 1910 nur noch mit einem Eisen-
erzvorrat für 50 Jahre versehen gewesen Sein, während
Deutschland damals über Vorräte für wohl noch 100 Jahre
verfügte; die Vereinigten Staaten von Nordamerika würden
nach 90 Jahren des damaligen Betriebes ihre bis dahin auf-
geschlossenen Eisenerzvorräte verbraucht haben. Zieht man
in Betracht, daß insbesondere Großbritannien und Deutsch-
land eine sehr beträchtliche Einfuhr von Eisenerz aus anderen
Ländern zu verzeichnen haben, so wird eine dieser Einfuhr
entsprechende Vermehrung des Zeitraumes für eine genügende
Versorgung mit Eisenerz in Aussicht zu nehmen sein. Immer-
hin würden die gesamten in Europa vorhandenen Eisenerz-
vorräte, vom Jahre 1910 an gerechnet, nur für ca. 140 Jahre
ausreichen, den Gesamteisenbedarf der europäischen Länder
zu decken.

Dieses Ergebnis wird natürlich beeinflußt durch die
weiter zu erwartende Aufschließung von neuen noch uner-
forschten Eisenerzfeldern und durch sicher bevorstehende
Fortschritte der Technik, die dahin führen werden, Eisen-
erze nutzbar zu machen, die heute einer wirtschaftlichen
Verwertung nicht zugänglich erscheinen.

Die im Jahre 1910 abgeschlossenen statistischen , Auf-
nahmen des Geologischen Kongresses berücksichtigen natür-
lich noch nicht die Verschiebungen im Erzbesitze, welche
sich als Folgen des Weltkrieges insbesondere zwischen Frank-
reich und Deutschland ergeben haben. Durch sie werden
indessen die in der vorliegenden Schrift für die Eisenerzeugung
ganz Europas abgeleiteten Folgerungen nicht berührt. :

__ Immerhin kann aus diesen statistischen Erhebungen mit
Sicherheit gefolgert werden, daß in Zukunft der Preis des

239

3:

%
        <pb n="40" />
        Eisens steigen muß, je mehr die Eisenerzvorräte ihrer Er-
schöpfung entgegengehen, und daß die Kulturwelt in abseh-
barer Zeit dazu wird übergehen müssen, andere Metalle, in
erster Linie wahrscheinlich das Aluminium, in immer weiter-
gehendem Maße als Ersatzstoff für Eisen zu verwenden.

Je mehr Eisen auf der Erdoberfläche der Rostbildung
unterliegt, und je mehr es durch den natürlichen Verschleiß in
feinste Teile zerrieben und verstreut wird, um so früher muß
auch aus diesen Ursachen ein Mangel an Eisen hervor-
treten. Auch hierin liegt ein starkes Moment für die in
Zukunft mit Sicherheit zu erwartende Preissteigerung des
Eisens.

26
        <pb n="41" />
        Verwertung der Nebenprodukte.
Das wirtschaftliche Ergebnis der Eisenwerke wird in nicht
geringem Maße beeinflußt durch die Tatsache, daß ihre Be-
triebe nicht ausschließlich auf die Herstellung von Eisen ein-
gestellt sein können, sondern zu berücksichtigen haben, daß
im Verlaufe der Eisenherstellungs- und Eisenumwandlungs-
vorgänge eine bedeutende Menge von Nebenprodukten in
Erscheinung tritt, deren durch die Fortschritte der Industrie
immer wirtschaftlicher zu gestaltende Verarbeitung sowohl
das Erträgnis der Eisenwerksanlagen steigert als auch auf
ihren Ausbau einen von Jahr zu Jahr fortschreitenden Ein-
fluß gewinnt.

Deshalb. ist zur Klarlegung der wirtschaftlichen Verhält-
nisse der deutschen Industrie erforderlich, der Verwertung
der Nebenprodukte eine besondere Erörterung zu widmen.

Es wurde bereits bei der Schilderung des Hochofen-
prozesses darauf hingewiesen, daß der Hochofen in Deutsch-
land neben Roheisen annähernd gleiche Mengen von Schlacken
liefert. Diese Schlacken bestehen überwiegend aus chemischen
Verbindungen zwischen Kalk, Kieselsäure und Tonerde, das
heißt, aus denjenigen Materialien, aus denen beispielsweise
seit langen Jahren in einer von der Eisenindustrie vollständig
unabhängigen Fabrikation Zement hergestellt wird. Die
Verarbeitung der Hochofenschlacke zu Zement bildet deshalb
seit einigen Jahrzehnten eine der lockendsten Aufgaben der
Eisenhüttenleute.

37
        <pb n="42" />
        Ein sorgfältiges Studium der chemischen Zusammen-
setzung der bei verschiedenem Gange der Hochöfen ent-
stehenden Schlacke hat. gelehrt, daß eine nahezu gleiche
chemische Zusammensetzung, wie der sogenannte Portland-
zement, diejenigen Hochofenschlacken besitzen, welche beim
Betriebe. des Hochofens auf Gießereieisen fallen.
Es ist den Bestrebungen der Eisenhüttenleute gelungen,
diese Schlacken zu einem hohen Prozentsatze ihres Entfalls
tatsächlich in Zement überzuführen. Der aus ihnen gewonnene
Zement führt im Handel den Namen Eisenportland-
zement;, um ihn von dem Produkt der selbständigen Zement-
werke (Portlandzement) zu unterscheiden. Seine Eigen-
schaften ‚sind im Laufe der Jahre so weit verbessert worden,
daß heute ein Qualitätsunterschied zwischen diesen beiden
Marken kaum noch besteht. Für besondere Verwendungs-
zwecke hat sich sogar der Eisenportlandzement als geeigneter
erwiesen.
Seit ‚einer Reihe von Jahren ist nun von Eisenwerken,
deren Schlackenführung eine für die Herstellung von Zement
besonders günstige Zusammensetzung besitzt, ein billigeres
Verfahren zur Umwandlung von Hochofenschlacke in Zement
entwickelt worden, welches ein Fabrikat liefert, das nicht
ganz die wertvollen Eigenschaften des Portlandzements be-
sitzt, das. aber für Verwendungszwecke, bei denen höchste
Qualitätsanforderungen nicht gestellt werden, durchaus brauch-
bar ist, Man hat diesem Produkt zur Unterscheidung von
dem vorgenannten den Namen Schlackenzement gegeben,

. Eine in neuerer Zeit immer mehr in Aufnahme kommende
Verwendung der Hochofenschlacke besteht darin, daß man
nach. dem Verfahren des wohlbekannten Hochofendirektors
Dresler in Siegen Schlackensand vom Thomasroheisenbetriebe

38
        <pb n="43" />
        und Schlackenmehl, hergestellt durch Vermahlen von langsam
erstarrter Gießereiroheisenschlacke, in bestimmten Verhält-
nissen miteinander mischt, die Masse anfeuchtet und sie zu
Steinen preßt, denen das Format der Mauersteine gegeben
wird. Setzt man derartige Steine, die auf einfachen eisernen
Plateauwagen aufgestellt sind, in gemauerten Kanälen der
Einwirkung Kkohlensäurehaltiger Hüttenabgase bei Tempe-
raturen von etwa 80—100 Grad aus, so tritt innerhalb von
etwa zwölf Stunden, bewirkt durch Aufnahme von Kohlen-
säure, aus diesen Gasen, eine durchgehende Härtung der Steine
ein, die sie zu sofort verwendungsfähigen klingend: harten
Mauersteinen macht. Es ist das derselbe Härtungsvorgang,
der sich beim Errichten unserer Gebäude im Mörtel, mit
welchem die Mauersteine miteinander verbunden werden,
durch die Einwirkung der Kohlensäure der atmosphärischen
Luft im Laufe von einigen Monaten vollzieht. Diese Steine
haben dieselbe Festigkeit wie ein guter Mörtel und können
deshalb unbedenklich zu Hausbauten verwendet werden,

Wie aus dem Stammbaum der deutschen Eisenindustrie
ohne weiteres ersichtlich ist, umfaßt indessen die Erzeugung
von Gießereieisen nur etwa ein Drittel der deutschen Roh-
eisenproduktion. Es bleibt also noch die Aufgabe ungelöst,
die Schlacken der übrigen Roheisengewinnungsprozesse einer
Verwertung zuzuführen.

Die Schlacken von der Thomasroheisenerzeugung, der
Hauptmenge der deutschen Produktion, sind im allgemeinen
erheblich weniger kalkreich als diejenigen der Gießereieisen-
erzeugung und eignen sich deshalb nicht zur Verwendung bei
der Zementfabrikation. Diese Schlacken haben vielmehr
einige Ähnlichkeit mit derartigen natürlichen Gesteinen, z. B.
Basalt, die vielfältig für Eisenbahnschotterzwecke verwendet
werden. Es muß freilich hierfür eine sorgfältige Überwachung

30
        <pb n="44" />
        der chemischen Zusammensetzung in dem Sinne durchgeführt
werden, daß nur solche Schlacken dieser Verwendungsart
zugeführt werden, welche erfahrungsgemäß der Einwirkung
der Atmosphärilien gegenüber genügende Widerstandsfähig-
keit. besitzen. Immerhin gelangt für diesen Zweck nur ein
kleiner Teil des Schlackenentfalls zur Verwendung.

Es erwächst den Hochofenwerken die unangenehme und
kostspielige Aufgabe, den größten Teil dieser ihrer Schlacken
auf Halden abzuführen, die sich in der Nähe der Hochofenwerke
zu künstlichen Bergen auswachsen. Hochofenwerke, welche
in der Nähe von Steinkohlengruben liegen, die ihre abgebauten
Flöze im Wege des Spülversatzverfahrens mit erdigen Mate-
rialien. wieder ausfüllen, können ihre Schlacken auch durch
Anwendung eines Wasser- oder Luftgranulationsverfahrens in
Schlackensand verwandeln und sie dann den Kohlengruben als
Versatzmaterial zuführen.

‚Für das Auge unsichtbar, in Wirklichkeit aber in viel
größerer Menge als die bisher behandelten Produkte des Hoch-
ofens, entweichen den Öfen an ihrem oberen Ende, der Gicht,
die Hochofengichtgase. Vor etwa 50 Jahren brannten
diese Gase regelmäßig oben an der Gicht. Ihre Energie wurde
also gar nicht ausgenutzt, und die Hochöfen entsandten tags-
über gewaltige Mengen staubiger Abgase in die Umgebung
und leuchteten nachts als immer brennende Fackeln meilen-
weit durch das Land. Man hat inzwischen gelernt, diese Gicht-
gase in sorgfältigster Weise abzufangen, sie von Staub zu be-
freien. und einer nutzbringenden Verwendung zuzuführen.
Jedes Kilogramm Koks, welches im Hochofen . verarbeitet
wird, liefert etwa 4% cbm derartiger Gase. Wenn deshalb
ein Ofen, wie in vorstehendem bereits erwähnt wurde, täglich
1000 oder mehr Tonnen Koks vergast, so entweichen der Gicht
4.500 000 :cbm Gas.

4U

7
        <pb n="45" />
        Der Hochofen selbst verbraucht für seinen eigenen
Betrieb nämlich zur Erzeugung der Kraft für den Antrieb der
Gebläsemaschinen und für die Erhitzung des dem Ofen zuzu-
führenden Windes, den größten Teil dieser Gase. Es
bleiben aber je nach der Güte der für die vorgenannten Zwecke
bestehenden Einrichtungen etwa ein Drittel.oder mehr dieser
Gase für anderweitige Verwendung zür Verfügung.

Findet eine Ausnutzung der Gase in sogenannten Groß-
gasmaschinen statt, in denen unmittelbar aus den Gasen
mechanische Energie gewonnen wird, so liefern 3,5 cbm Gas
stündlich etwa 1 PS, das heißt, der Hochofen kann soviel
Pferdekräfte im Tage für andere Verwendungszwecke abgeben,
als der Zahl der für seinen Eigenbetrieb nicht verbrauchten
Kubikmeter Gas, dividiert durch die Zahlen.3,5 x24 entspricht.
Das sind Tausende von Pferdekräften ‚von jedem
modernen. Hochofen. / /

Das Hochofenwerk ist. deshalb durch. die mo-
derne Ausnutzung der Energie seiner Gichtgase
zu einer Kraftquelle allerersten Ranges im Hütten-
betriebe geworden, und es kann. heute als Regel angesehen
werden, daß ein Hochofenwerk, dessen Roheisenerzeugung
in eigenen Betrieben zu Stahl weiterverarbeitet und verwalzt
wird, seinen gesamten Kraftbedarf aus den Gicht-
gasen seiner. Hochöfen zu decken vermag. Hierin
liegt eine durch die Fortschritte der Technik im Laufe der
letzten 50 Jahre erreichte sehr erhebliche Ersparnis im Be-
triebe.

Bei der Schilderung der Umwandlung des Roheisens in
Stahl auf dem Wege des Thomasprozesses wurde bereits er-
wähnt, daß die hier fallenden Schlacken als hochwertiges
Düngemittel der Landwirtschaft zugeführt werden. Diese
Schlacken besitzen einen Gehalt von etwa 17—20% an Phos-

dr

41
        <pb n="46" />
        phorsäure und gleichzeitig einen sehr hohen Kalkgehalt.
Beide Substanzen werden von unseren landwirtschaftlichen
Nutzpflanzen zu ihrem Aufbau erfordert und müssen deshalb
einem in intensivem Betriebe befindlichen Acker dem durch
die Pflanzen bewirkten Verbrauche entsprechend wieder zu-
geführt werden, wenn das Land nicht verarmen soll. Die hohe
Produktivität unserer heimischen Landwirtschaft ist in aus-
schlaggebendem Maße abhängig von der regelmäßig statt-
findenden Zuführung dieser mineralischen Düngemittel.

Langjährige Versuche haben zu der Erkenntnis geführt,
daß bei geeigneter chemischer Zusammensetzung der Thomas-
schlacke deren Phosphorsäure nahezu restlos von den Pflanzen
aufgenommen werden kann, wenn die Schlacke vollkommen
staubfein gemahlen worden ist. Unsere Thomasstahlwerke
sind deshalb ausnahmslos mit großen Schlackenmühlen aus-
gerüstet worden, in denen diese Feinmahlung der Schlacken
vorgenommen wird. Die Thomasschlacken decken einen
sehr beträchtlichen Teil des Phosphorsäurebedarfs
der deutschen Landwirtschaft, der in den Jahren hoher
Produktion der deutschen Eisenindustrie annähernd ein Drittel
des Befarfs an Phosphorsäuredüngemitteln betragen hat. Da
in Deutschland nur geringe Mengen an Phosphatablagerungen
vorhanden sind, die für die fabrikmäßige Herstellung von
Phosphorsäuredüngemitteln geeignet sind, so muß der gesamte
übrige Bedarf der Landwirtschaft durch Einfuhr von Roh-
phosphaten aus dem Auslande gedeckt werden, für die sehr
bedeutende Summen an das Ausland gezahlt werden müssen.
Die Erzeugung von Thomasschlacke ist deshalb ein wichtiges
Glied in der Gesamtwirtschaft Deutschlands geworden, und
auch aus diesem Grunde besteht ein lebhaftes Interesse daran,
daß die deutschen Thomasstahlwerke in vollem Betriebe
stehen.

49
        <pb n="47" />
        Auch andere Nebenprodukte der Eisenindustrie haben im
Laufe der Jahre hohe wirtschaftliche Bedeutung erlangt.
Die Hochöfen werden mit Koks geheizt. Der Koks wird aus
Steinkohle gewonnen. Die Umwandlung der Steinkohle in
Koks findet zu einem großen Teile auf den Hüttenwerken,
zum anderen Teile auf den Steinkohlengruben selbst statt.
Bei der Destillation der Kohlen wird etwa ein Viertel der
Kohlenmasse in Gasform in den Koksöfen aus der Kohle
entbunden. Diese Gase enthalten drei wichtige Nebenprodukte:
Ammoniak, Benzol und Teer.

Das Ammoniak wird durch Absorption von Schwefelsäure
in schwefelsaures Ammoniak umgewandelt, welches als wert-
volles stickstoffhaltiges Düngemittel wiederum der Land-
wirtschaft zugeführt wird. Das Benzol dient als Betriebs-
stoff für Motore der Automobile usw. Aus dem Teer gewinnt die
deutsche Farbenindustrie ihre wertvollsten Farbstoffe. Die
Gase der Koksöfen dienen teilweise zu deren Beheizung; zu
einem sehr bedeutenden Anteile werden sie für andere Heiz-
zwecke verwendet, beispielsweise an Stelle von Leuchtgas, mit
dem sie nahezu gleiche Zusammensetzung haben, zur Versorgung
großer Städte mit Leucht-, Heiz- und Kraftgas benutzt.

In allen diesen Beziehungen wirkt die Eisenindustrie in
starkem Maße belebend auf zahlreiche andere Industrien des
Landes.

fi
SR
        <pb n="48" />
        Der finanzielle Aufbau der
„Vereinigte Stahlwerke A.-G.“

Die „Vereinigte Stahlwerke A.-G.‘“ ist mit einem Aktien-
kapital von 800 Millionen Reichsmark ins Leben getreten. Dazu
kommen 50 Millionen Reichsmark Genußscheine, Serie A,
und 75 Millionen Reichsmark, Serie B, zusammen 125 Milli-
onen Reichsmark. Die Genußscheine der Serie A erhalten eine
nichtkumulative Vorzugsdividende von mindestens 5%, je-
doch höchstens 7% jährlich. Die Genußscheine der Serie B
erhalten bis zu 5% dieselbe Dividende wie die Stammaktien.
Jedem zusätzlichen Prozent der Stammaktien entspricht %%
der Genußscheine. Der Höchstsatz der Rente dieser Serie
Genußscheine beträgt jedoch ebenfalls nur 7%.

Nach der dem amerikanischen Anleiheprospekt vom
25. Juni 1926 beigefügten provisorischen Eröffnungsbilanz
vom 1. April 1926 waren die folgenden werbenden Mittel vor-
handen.

A. Eigene Mittel.
Stammaktien .............. 800 Mill. M
Genußscheine. .....0..0.... 120,
Offene Reserven ...........

Rücklagen er er Ta

99,5 „
622 „. 1,086,7 Mill. M.
        <pb n="49" />
        B. Fremde Mittel.
a) Anleihen:
7% Rhein-Elbe-Union (25 Mill. s) = 105 Mill. M
7% Aug. Thyssen d05 „ 9= 41
6%% Ver. Stahlwerke (30 »„ = 126 0
Spezial-Anl. 1923 26
287,7 Mill.M.

b) andere fundierte Schulden:
Von den Gründergesellschaften
übernommene Aufwertungsschuld

24 Mill.
den Gründergesellschaften bis 1931
gestundeter Kaufpreis für über-
tragene Werte ..........0.000000 0000

76

” ’”
von 1928—-1934 gestundete Fusions-
SCHE re er AR RP REEL

1 1,2 9 »”
111,2 „398,9 Mill.M.

Werbende Mittel insgesamt ...........

1485,6 .,, »

Flüssige Betriebsmittel waren am 1. April 1926 vorhanden
364,5 Millionen Mark, denen an kurzfristigen Verbindlich-
keiten ca. 70 Millionen Mark gegenüberstanden.. Die Bilanz
muß somit als außerordentlich flüssig bezeichnet werden.
Die gesamten Anlagen stehen mit 1 075,8 Millionen Mark
zu Buche, Beteiligungen sind mit 42,4 Millionen Mark be-
wertet worden. Nach den. letzten veröffentlichten Bilanzen
betragen, wenn man die Anlagen von Phönix plus v.d.Zypen

A
        <pb n="50" />
        und Thyssen gleich setzt, wozu man wegen der gleichen Aktien-
abfindung berechtigt ist, die Anlagebuchwerte der Muttergesell-
schaften etwa 850 Millionen Mark. Somit erscheinen die Anlagen
in der Bilanz der „Vereinigte StahlwerkeA.-G.‘“ höher als in den
Bilanzen der Muttergesellschaften. Trotzdem wird man nicht
von einer Überbewertung sprechen können, weil die Anlagen
zu einer höheren organisatorischen Einheit zu-
sammengefaßt und daher auch bedeutend wertvoller
gewordensind. Der bekannte amerikanische Sachverständige,
Mr.H. A. Brassert, schätzt den gegenwärtigen Aufbauwert der
Vereinigten Stahlwerke auf mehr als das Doppelte des Buch-
wertes. Ob die Anlagen in der richtigen Weise bewertet worden
sind, darüber läßt sich erst in späteren Jahren ein endgültiges
Urteil abgeben, wenn sich eine bestimmte Entwicklungs-
linie der Dividende abzuzeichnen beginnt. Der erwähnte Sach-
verständige schätzt den jährlichen Rohgewinn der „Vereinigte
Stahlwerke A.-G.‘“ in den fünf Jahren 1927—1931 im Durch-
schnitt auf etwa 119 Millionen Mark und zwar nach Abzug der
Abschreibungen, aber vor Abzug von Zinsen und Steuern. Nach
Stabilisierung des französischen und belgischen Franc wird
die Einnahmesteigerung auf 20% geschätzt.

Das Geschäftsjahr der „Vereinigte Stahlwerke A.-G.‘“ läuft
vom 1. Oktober bis 30. September. Die Zeit vom 1. April 1926 bis
30. September 1926 umfaßt somit ein Zwischengeschäftsjahr. Die
Bilanz per 30. September 1926 wird sich von der Eröffnungsbilanz
wesentlich unterscheiden insofern, als die Anleiheschuld um
252 Millionen Mark größer geworden ist, die Anlagen zunächst
durch den Erwerb der Charlottenhütte sowie der Bergischen
Stahlindustrie erweitert worden sind und die Beteiligungen
durch  Aktienerwerb der Stumm’schen Werke, der Rom-
bacher Werke, der Bismarckhütte, der Demag usw. sich
vermehrt. haben.

46
        <pb n="51" />
        Die
Gründergesellschaften
bleiben bestehen. Eine Produktionsgrundlage behalten in Zu-
kunft nur noch die Gelsenkirchener Bergwerks-A.-G. und die
Rheinischen Stahlwerke. Aus produzierenden Werken werden
größtenteils Finanzgesellschaften. Daraus ergibt sich für die
Muttergesellschaften der Vorteil, daß in den Bilanzen an Stelle
ihrer unter den obwaltenden Umständen vielleicht ertraglosen
Werke Aktien von internationalem Rang treten, die aller
Voraussicht nach eine gute Rente abwerfen und jederzeit bis
zu einem gewissen Grade realisierbar sind.

Die umstehende Tabelle ” gibt einen Überblick über die‘
erfolgte Transaktion.

In der Tabelle sind die übertragenen Anlagen nach den
Bilanzen der Gründergesellschaften für 1924/25 eingesetzt
worden. Bei der Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft
wurde der Wert der bei dieser Gesellschaft verbleibenden
Zeche Monopol mit 17 Millionen Mark in Abrechnung ge-
bracht. Diese Zahl dürfte dem Friedenswert entsprechen,
wobei Neuinvestierungen seit Kriegsbeginn nicht berück-
sichtigt worden sind. Welche Beteiligungen von den
Gründergesellschaften auf die Vereinigten Stahlwerke über-
tragen wurden, darüber kann man vorläufig nur Vermutungen
äußern. Sicher ist, daß der Phönix seine 50% Beteiligung
an der Steinkohlengewerkschaft Emscher-Lippe und daß
Gelsenkirchen und Deutsch-Luxemburg ihre Majoritäts-Betei-
ligung an der Österreichischen Alpinen Montangesellschaft
auf die Vereinigten Stahlwerke übereignet haben.

Die Entschädigung der Gründergesellschaften ist in folgen-
der Weise vor sich gegangen: Die Vereinigten Stahlwerke
kauften gegen Aktien der neuen Gesellschaft sämtliche Werks-
anlagen und alle für deren Betrieb nötigen oder zweckmäßigen

47
        <pb n="52" />
        sa
ee

&gt;

Kapital laut Bilanz 1924/25:
Stammaktien .. . . . Mil. M.
Vorratsaktien ; ...'. . ”
Dividendenberecht. Kap. ”»
Übertragene Werte 1t.Bil. 1924/25:
Anlagen, 2. 4 A. um v. Mill. M.
Beteiligungen . ....

Beteiligung a. d. Ver. Stahlwerke:
Quote ee ze
Aktien x 0: Mi M.
Genußscheine* +, 7
Insgesamt
Verbleibende Substanz:
Anlagen 3.
Beteiligungen

, Folglich:
Wert des Portefeuilles . Mill. M.
Wert der verbl. Anlagen ”
a

Gelsenkirchen |

131,6
40,6
91

135.2

15,1
120,8
20
140.8

Monopol

ca. 20 Mill.
Boch. Akt.

160,8
17**)
177.8

Rhein-Elbe-Union
Dt. Lux. | Bochumer

91

56

)

Sf;

HH:

J.0

104,9

15,1
120,8
15
1358

9,3
74,4
75.4

ca. 14 Mill.
Boch. Akt.

149,8

75,4

1498

75.

Phönix

300
95 (?)
205

199,7
u.a. 22 Mill.M.
E.-Lippe

23,65
189,2

12
201.2

12,96 Mill.
Zypen-Akt.

214,16

214.16

| v.d.Zypen | Rheinstahl | Thyssen

22,2
6
16.2

160
30 (?)
130

15,2

70

A

2,35
18,8

3
218

8,5
68
7

26
208
67
275

75

Kohlen-
zechen
15,2*)

Unverritzte
Kohlenfeld.
2
Hürther-
berg

21.8

90.2

75

218

*) Einschließlich eines Pakets Farbenaktien.
’®) Geschätzt,
        <pb n="53" />
        Nebenanlagen der Gründergesellschaften. Daß hierbei recht
niedrige Wertansätze zu Grunde gelegt wurden, erhellt ge-
nügend aus dem Umstande, daß für die Anlagen des Bochumer
Vereins, die eines der größten und modernsten Röhrenwalz-
werke der Welt umfassen, und in der letzten veröffentlichten
Bilanz mit 104,9 Millionen Mark zu Buche stehen, nicht mehr
als 74,4 Millionen Stahlwerksaktien gewährt worden sind.

Die Verteilung der Genußscheine ist nach einem wesent“
lichanderen Schlüssel vor sich gegangen. Diese dienen zum Aus-
gleich des Einbringens solcher Werte und Vorteile, die nicht
unmittelbar zu den Produktionsanlagen gehören. Man wird
sich hierunter wohl in der Hauptsache Beteiligungen vor-
zustellen haben.

Vorräte wurden gegen bar übernommen. Debitoren und
Kreditoren werden von den Muttergesellschaften abgewickelt,
Die als Gegenwert für die Übertragung der Anlagen und
Beteiligungen empfangenen Aktien und Genußscheine der Ver-
einigten Stahlwerke sind jedoch nicht mehr effektiv im
Portefeuille der einzelnen Gesellschaften enthalten. Zunächst
blieben 40 Millionen Vorratsakien und 7,5 Millionen Vorrats-
genußscheine im KEigenbesitz der Vereinigten Stahlwerke,
die inzwischen infolge Angliederung weiterer Anlagen zum
größten Teil Verwertung gefunden haben dürften. Darüber
hinaus werden die Gründergesellschaften noch weitere Aktien-
beträge zur Verfügung stellen müssen, da einmal der ameri-
kanischen 30-Millionen-Dollaranleihe vom Juni 1926 ein
Aktienbezugsrecht in Höhe von 30 Millionen Mark und sodann
der europäischen Tranche von 126 Millionen Mark ein solches
von 42 Millionen Mark anhaftet. Zusammen ergibt dies
72 Millionen Mark. Ferner muß ein ansehnlicher Aktien-

40
        <pb n="54" />
        betrag für. die Zwecke der Börseneinführung zur Verfügung
gehalten werden. Folglich werden die Gründergesellschaften
auf die Dauer nur über ca. 600 Millionen Mark == 75% der
Vereinigten Stahlwerke-Aktien verfügen können.
Der Substanzwert der Muttergesellschaften setzt
sich zusammen aus den verbleibenden Anlagen, der Beteiligung
an den Vereinigten Stahlwerken und aus sonstigen Beteili-
gungen. In der Berechnung der Tabelle auf Seite 48 ist das
Hauptportefeuille, nämlich die Aktien und Genußscheine der
Vereinigten Stahlwerke, lediglich mit pari bewertet worden.
Das restliche Portefeuille konnte nur ‚teilweise in Ansatz ge-
bracht werden. Die darin enthaltenen stillen Reserven sind
nicht berücksichtigt. Unberücksichtigt geblieben sind ferner
die in den Vorratsaktien einzelner Gründergesellschaften ent-
haltenen Reserven. Eine Bewertung des bei v.d. Zypen
verbleibenden Braunkohlenbergwerks Hürtherberg : erfolgte
in der Berechnung der Tabelle nicht. Die Aufstellung läßt
im übrigen nur einen ungefähren Schluß auf den Substanz-
wert der einzelnen Gesellschaften zu.

Die börsenmäßige Bewertung einer Aktie wird sich indessen
vorwiegend nach. den Ertragsmöglichkeiten der vor-
handenen Substanz richten, d. h. nach der Verzinsung der
Effekten und Beteiligungen bzw. der Rentabilität der ver-
bleibenden Anlagen. Beachtung verdient, daß die‘ große
Umstellung eine stark erhöhte Liquidität der Bilanzen
der Ausgangsgesellschaften zur Folge gehabt ‚haben
muß. Fast alle langfristigen Verpflichtungen, - einschließ-
lich der Aufwertungsschulden und Daweslasten, sind auf. die
Vereinigten Stahlwerke übergegangen, die. Vorräte‘ haben sich
in Barmittel verwandelt. Sollten gleichzeitig die Vorratsaktien
eingezogen‘ werden, : so würden zweifellos. Reserven frei. x

60
        <pb n="55" />
        Für die Beurteilung des Wertes der einzelnen Gründer-
gesellschaften sind aber noch weitere Umstände von Bedeutung.
Es ist allgemein bekannt, daß zwischen Gelsenkirchen,
Deutsch-Lux, Bochumer Verein seit 1921 eine
Interessengemeinschaft, die

Rhein-Elbe-Union

besteht, welche seinerzeit auch auf den Siemens-Konzern aus-
gedehnt wurde. Daß die erweiterte Siemens-Rhein-Elbe-
Schuckert-Union der Auflösung verfällt, dürfte keinem Zweifel
unterliegen. Es ist aber auch von Wichtigkeit, zu wissen, ob die
Rhein-Elbe-Union, welche eine Arbeitsgemeinschaft Kohle
und Eisen produzierender Werke war, auch noch fortgesetzt
wird zwischen Gesellschaften, von denen zwei reine Finanz-
gesellschaften geworden sind, während die dritte, nämlich die
Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft, sich auf den Weiter-
betrieb .der Zeche Monopol beschränkt. Würde nämlich die
Rhein-Elbe-Union weiter bestehen bleiben, so entfielen auf
die Aktien der drei Gesellschaften gleiche Dividenden. Der
Bochumer Verein wäre sogar noch insofern im Vorteil, als er
eine Vordividende von 1%, 2% oder 3% erhält, je nachdem
Gelsenkirchen und Deutsch-Lux bis zu 5%, zwischen 5 und10%
oder über 10% Dividende verteilen. Löst sich hingegen die
Rhein-Elbe-Union auf, so muß sich der Ertrag bei den einzelnen
Gesellschaften nach der Ergiebigkeit der Anlagen und des
Portefeuilles richten, die beide aus der Tabelle auf Seite 48 bis zu
einem gewissen Grade ersichtlich sind. Die Rhein-Elbe-Union
basiert in erster Linie auf dem Gedanken eines Rohgewinn-
ausgleichs. Nach demselben Prinzip war auch die erweiterte
Siemens-Rhein-Elbe-Schuckert-Union errichtet.. Die nach“
stehend wiedergegebenen Ausführungen des Herrn Dr.C:; F.
von Siemens.in der Generalversammlung der Siemens &amp; Halske
A.-G. am 26, März 1926, welche‘*die Begründung für die

A *

51
        <pb n="56" />
        Auflösung des Elektro-Montan-Konzerns darstellen, könnten
daher sinngemäß auch auf die kleinere Rhein-Elbe-
Union Anwendung finden und zu denselben Konse-
quenzen führen.

„Dieser Vertrag war in erster Linie auf dem gleich-
berechtigten Zusammenarbeiten von ungefähr gleich-
großen Produktionsstätten aufgebaut. Der Einfluß
des einen auf den anderen war in jeder Beziehung ein
paritätischer. Auch die Gewinnverteilung sollte nicht
nur den nach. außen als Dividende in Erscheinung
tretenden Gewinn erfassen, sondern eine gleichmäßige
Entwicklung und innere Stärkung sicherstellen, daher
die Bestimmung, daß der Rohgewinn vor jeder
Abschreibung und Rückstellung dem Aus-
gleich zu unterliegen habe. In der Technik sollte
die Erfahrung. des einen dem anderen restlos zur Ver-
fügung stehen, durch gegenseitiges Aufsuchen der
Berührungspunkte, durch persönliche Anregung und
Kritiken, durch die Arbeit von Mensch zu Mensch die
Wege zum Fortschritt gefunden werden. Wenn nun
aus den Montangesellschaften die Produktion
ausscheidet, dann ist weder das eine noch
das andere durchführbar. Ihr Rohgewinn ist
der Reingewinn der Vereinigten Stahlwerke,
die selbst ihre Abschreibungen und Rück-
stellungen vornehmen müssen, eine Technik
vertreten sie nicht mehr direkt, denn sie ist
auf die neue juristische Person übergegangen,
die die Produktion übernimmt. Der gleich-
berechtigte Einfluß auf die Leitung ist unmöglich
geworden bei der neuen Produktionsstätte, den Ver-
einigten Stahlwerken.“

592
        <pb n="57" />
        Denkbar wäre es aber auch, daß im Falle einer Nicht-
auflösung der Rhein-Elbe-Union Gelsenkirchen, Deutsch-Lux
und Bochumer sich in konsequenter Anwendung des Prinzips
der Rationalisierung zu einer Gesellschaft vereinigten.

Es bleibt noch ein Wort zu sagen über den Wert des
Kohlenbesitzes von
Gelsenkirchen und Rheinstahl.
Der Wert der bei Gelsenkirchen verbleibenden Zeche Monopol
(in der Tabelle auf S. 48 mit 17 Millionen Mark als Friedens-
wert eingesetzt) ist verschieden geschätzt worden. Die
Schätzungen lauten auf 14 bis 30 Millionen Mark. Der zu-
letzt genannte Wert scheint der Wirklichkeit noch am nächsten
zu kommen. Einen guten Anhaltspunkt für die Beurteilung
des Wertes einer Zeche bietet die. Beteiligungsziffer am
Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikat.. Die Beteiligung
von Monopol beträgt 1,75 Millionen Tonnen, diejenige der
Gewerkschaft Emscher-Lippe 2,2 Millionen Tonnen.. Nun
haben im vorigen Jahre 50% der Kuxe dieser Gewerkschaft
für 22 Millionen Mark ihren Besitzer gewechselt. Der Markt-
wert dieser Zeche stellte sich somit insgesamt auf 44 Millionen
Mark. Vergleicht man die Beteiligungen, so wird man finden,
daß der Wert von 30 Millionen Mark für Monopol eher zu
niedrig als zu hoch eingesetzt worden ist. Der Umstand, daß
die Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft die Zeche Monopol
in ihrem Besitz behält, läßt erkennen, daß sie diesem
Kohlenbergwerk einen beträchtlichen Wert beimißt. Dies wird
übrigens belegt durch Ausführungen, welche die Gesellschaft
gelegentlich des Erwerbs der Zeche in ihrem Geschäftsbericht
für das Jahr 1899 gemacht hat und folgendermaßen lauten:
„Die Zeche Monopol, deren Felderbesitz noch
vollständig abgeschlossen ist, umfaßt zirka 80 Geviert-

53
        <pb n="58" />
        felder und repräsentiert hiernach wohl den
größten Felderbesitz einer Einzelzeche im
rheinisch-westfälischen Revier. Durch die Ver-
fügung über so ausgedehnte und wertvolle Berechtsame
hat die Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft nicht
bloß die Möglichkeit gewonnen, ihre Kohlenförderung,
dem fortschreitenden Bedarf entsprechend, zu ver-
stärken, sondern, sie besitzt auch eine Reserve
für die spätere Zukunft, durch welche der
Kohlenreichtum unseres Unternehmens eine
wohl als unerschöpflich zu bezeichnende
Grundlage gewonnen hat.“

Die Zeche Monopol ist aber nicht nur wegen der Quan-
tität der in ihr enthaltenen Kohlen, sondern auch hinsichtlich
der Selbstkosten sehr interessant. Die nachfolgende Tabelle
zeigt, daß von elf großen Schachtanlagen der Gelsenkirchener
Bergwerksgesellschaft die Zechen Monopol, sowie Stein und Har-
denberg die niedrigsten durchschnittlichen Selbstkosten auf-
zuweisen haben.

Eine Selbstkostenberechnung, welche allerdings aus dem
Jahre 1913 stammt, zeigt folgendes Bild:

Selbstkosten
Rhein-Elbe und Alma
Erin‘

Stein und Hardenberg
Hansa“, ‚2
Zollern

Vereinigte Germania
MonopolS.“. .
Westhausen

je To. in Mark
10.3

0 80 9
m
8 uG

eo Wo Ne
3“
A
‘nd

*

10,35
10,5
7,9
9,2
9,7
uy}
y,3

ROM

m

8
2 70

Fe vr
Vereinigte Bonifatius .
Vereinigte Hamburg und Franciska
Pluto...
RA
        <pb n="59" />
        Die Kohlenzechen der Rheinischen Stahlwerke
stehen in der letzten Bilanz mit 65,4 Millionen Mark zu Buch.
Dieser Wert bezieht sich allerdings nur auf eine Kohlen-
beteiligung von etwa 6,3 Millionen Tonnen. Inzwischen sind die
Anlagen von Hermann und Admiral hinzu erworben worden.
Dadurch erhöht sich die Quote von Rheinstahl auf 8,3 Millionen
Tonnen, d. h. um etwa ein Drittel. Man wird also den Wert
der Kohlenzechen entsprechend höher zu bewerten haben.
Das Kernstück der Kohlenbergwerke ist die Arenberg’sche
Gesellschaft, die wohl zu den besten Zechen des Rheinisch-
Westfälischen Kohlengebietes gehört. Die Kohlenbeteiligung
von Rheinstahl und Auguste Victoria, welche schon seit
langem der I. G. Farbenindustrie A.-G. gehört, beträgt zu-
sammen 9,3 Millionen Tonnen.

55
        <pb n="60" />
        Beteiligungsziffern.

Nichts läßt so die Größe und wirtschaftliche Leistungs-
fähigkeit der Vereinigten Stahlwerke erkennen, als die
Quoten, mit denen diese Gesellschaft an den wichtigsten Ver-
bänden für Kohle und Eisen beteiligt ist. Die Beteiligung
am Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat beträgt ins-
gesamt 34,8 Millionen Tonnen Kohle, das sind, wenn man
den Anteil an Emscher-Lippe hinzurechnet, nahezu 22%
der Gesamtbeteiligung von etwa 162 Millionen Tonnen.
Noch bedeutsamer ist der Anteil an den Verbänden für Eisen
und Stahl. Die Gesamtbeteiligung der Rohstahlgemeinschaft
beträgt 15,8 Millionen Tonnen, davon beanspruchen die
Vereinigten Stahlwerke einschließlich der Quoten des Stumm-
Konzerns, der Charlottenhütte und der Rombacher Hütte
allein 7,4 Millionen Tonnen, das sind etwa 47%. Über 50%
der Beteiligung erreichen die Vereinigten Stahlwerke in
Halbzeug, das sind unverarbeitete Blöcke, in Oberbau-
material (vorwiegend Eisenbahnschienen) und in Röhren,

Die nachfolgenden Tabellen geben einen Überblick über
die Beteiligung der Vereinigten Stahlwerke an den einzelnen
Verbänden, sie lassen aber auch durch Vergleich mit den
übrigen großen Konzernen der Stahl- und Eisen-Industrie
die überragende Bedeutung der Vereinigten Stahlwerke A.-G.
hervortreten.

56
        <pb n="61" />
        Beteiligungsziffern der Vereinigte Stahlwerke A.-G. an den
wichtigsten Eisenverbänden nach dem Stande vom 30. Juni. 1926.*)

Roheisen .....407- 000
Rohstahl ............
A. Produkte...
davon
Halbzeug . 0...
Röhren... 4
Formeisen. .......
Oberbaumaterial .
Stabelsen 1. ...u.u rar
Bandeisen‘ ........40.
Walzdraht” 2.
Grobblech, . 1.

Gesamt-
beteiligung

to
2 268 852
15 807 298
3 722 746

764 400
?

935 100
2 023 246
3 424 597

960 629
1 485 896
1 602 004

davon Ver. Stahlwerke**)

einschl. Stumm, Char-

lottenhütte und Rom-
bacher Hütte

LO
1.099 536
7 401 315
1822 414

431 868
?
262 256
| 128 290
1 436 518
466 780
575 745
755 071

in %
der Gesamt-
beteiligung

48,47
46,82
48.96

56,49
50,2

28,04
55,77
41,94
48,59
38,75
47,13
*) Dt. Bergw. Ztg. 11. 7. 1026.
**) Von den Quoten der Werke Stumm &amp; Rombach. entfallen 70%, auf die Ver, Stahlw.
Beteiligungsziffern der großen Konzerne an der
Rohstahlgemeinschaft nach dem Stande vom 30. Juni 1926.*)

Ver. Stahlwerk®.....0000.0.0
KIUPD er W Sea
Gutehoffnungshütte ...............
Hoch A
KIÖCKe rn nee
Msedernüfle re ee
Linke-Hofmann er
ROchiNg rer ekeertnen
Mannesmann. .....0.0000r re
Maxhütte. . N a

to

7 401 315
1 659 672
1.080 542
831 318
827 198
570 074
503 431
495 000
404 879
371 209

in 90
der Gesamt-
beteiligung

46,82
10,50
6,85
5,27
5,23
3,61
3,18
3,13
2,56
2.35

*) Dt. Bergw. Ztg. 11. 7. 1926,

57
        <pb n="62" />
        Beteiligungsziffern der wichtigsten Konzerne am Rheinisch-
Westfälischen Kohlensyndikat nach dem Stande vom 1. Juli 1926.

Ver. Stahlwerke......
Preuß: Fiskus... ee
Harpener Bergbau A.-G. ....
Gutehoffnungshütte ........'.
Farbenindustrie A.-G. mit
Rheinstahl „1.0.0.0... 04 M
Krupp -....... AR
Hoesch-Köln-Neuessen. ......
Lothringen: ‚2... 000
SiS ee
Klöckner... en
Essener Steinkohlen.........
Mannesmanfl eeeeerere rer
Deutsche Erdöl A.-G. ......
Gebr. Stumm. rear
Ewald ..........
Gelsenk. Bergwerks-A.-G. ...
Emscher Lippe*)
Rombacher. 0. ...0.0.00000
Mansfeld A.-G. .............
Mülheimer Bergwerks-A.-G. .
Isederhütte .

insgesamt

\e
a

to
34 787 820
13 499 300
11 339 400
10 376 400
9 303 600
9 094 200
7 795 300
7 759 300
5 956 175
5 760 400
5 702 700
5 093 300
4 193 300
4 010 000
3 366 900
2 250 000
2 230 000
2 230 000
1844 620
1 837 200
1 485 000

Verkauf

24 480 300
12 969 300
11 339 400

8 541 200

(6)

6 133 800
5 794 200
6515 300
7 619 300
5 522 300
4 268 200
5 352 700
4 572 700
4 143 300
2.910 000
3 366 900
1 750 000
2 180 000
1 850 000
1 444 620
1837 200

735 000

Kohle
davon
1 Selbstverbrauch

10
10 307 520
530 000

1 855 200

3.169 800
3 300 000
1 280 000
140 000
433 875

1 492 200
180 000
520 600
50 000

1 100 000

500 000
50 000
350 000
400 000

750 000
*) Je zur Hälfte im Besitz der Vereinigte Stahlwerke A.-G. und der Fried.
Krupp A.-G.

58
        <pb n="63" />
        Der technische Aufbau
der Vereinigte Stahlwerke A.-G.
Es ist in der Einleitung zu dieser Schrift bereits gesagt
worden, daß die Vereinigte Stahlwerke A.-G. durch den Zu-
sammenschluß von vier Gesellschaftsgruppen gebildet wurde.
Um die Bedeutung dieser großen Aktiengesellschaft klarer als
bisher vor Augen zu führen, soll in folgendem mit genauerer
Detaillierung dargelegt werden, wie vielfältig und wie umfang-
reich die einzelnen Betriebsstätten sind, die nunmehr in der
neuen Gesellschaft ihre Vereinigung gefunden haben.
Sie wurde gebildet durch Zusammenschluß der nach-
benannten großindustriellen Werke des Ruhrgebietes, nämlich
1. die Rhein-Elbe-Union mit den Gesellschaften
a) Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-
A.-G.,
b) Gelsenkirchener Bergwerks-A.-G.,
c) Bochumer Verein für Bergbau
fabrikation;
2, die Phönix A.-G. für Bergbau und Hüttenbetrieb; mit
der Vereinigte Stahlwerke van der Zypen und Wisse-
ner Eisenhütten A.-G.;

und Gußstahl-

3. die Rheinische Stahlwerke A.-G. und
4. der Thyssenkonzern.
Nach.ihrer Gründung wurden ihr angegliedert die Char-
lottenhütte A.-G. in Niederschelden, sowie die Ber-
gische Stahlindustrie. Mit dem Stummkonzern wurde

50
        <pb n="64" />
        in jüngster Zeit ein Pachtvertrag abgeschlossen, der auch
einen Teil der Betriebsstätten dieses großindustriellen
Unternehmens der Leitung der Vereinigte Stahlwerke A.-G.
unterstellt. Vor kurzem. wurden die Anlagen der Rom-
bacher Hütte der Vereinigte Stahlwerke A.-G. ange-
schlossen. In die Quoten, welche die beiden zuletzt ge-
nannten Werksgruppen an den Eisenverbänden besitzen,
teilen sich die Vereinigte Stahlwerke A.-G. mit einem
Konzern-Konsortium im Verhältnis 70 : 30.

Die vorgenannten großindustriellen Werke verfügen nun
nicht nur über Eisenwerke, sondern auch über sehr umfäng-
lichen Besitz an Steinkohlengruben und Steinkohlenfeldern.
Dieser Kohlenbesitz der Vereinigte Stahlwerke A.-G. wurde
in vier Verwaltungsgruppen eingeteilt, denen die nachstehend
genannten Zechen angehören:

1. Gruppe: Dortmund-Hamm mit den Zechen:
Stein-Hardenberg, Germania, Zollern, Erin,
Hansa, Westhausen, Tremonia, Hansemann und
Schleswig-Holstein.

2. Gruppe: Bochum mit den Zechen:

Carolinenglück, Engelsburg, Prinz-Regent, Dannen-
baum, Friedlicher Nachbar, Bruchstraße,

3. Gruppe: Essen-Gelsenkirchen mit den Zechen:
Holland, Pluto, Rhein-Elbe-Alma, Bonifazius,
Zollverein, Nordstern, Graf Moltke.

4. Gruppe: Hamborn:

Gewerkschaft Friedrich Thyssen, Gewerkschaft
Lohberg, Gewerkschaft Rhein I, Zeche Westend.
Eine Übersicht über die vereinigten Werke der „Vereinigte
Stahlwerke A.-G.‘“ wird nun in der nachstehenden Tabelle
gegeben.

50
        <pb n="65" />
        Die in der Vereinigte Stahlwerk A.-G. zusammengefaßten
einzelnen Betriebsstätten.

a = Stabeisenwalzwerk
b = Trägerwalzwerk

cC = Schienenwalzwerk

d = Grobblechwalzwerk
€ = Feinblechwalzwerk
f = Weißblechwalzwerk

m = Eisengießerei

Zeichenerklärung.
Walzwerke

LP

Drahtwalzwerk

Bandeisenwalzwerk

Röhrenwalzwerk

Bandagen- und Radscheibenwalz-
werk

Kaltwalzwerk
Gießereien
In =

Stahlformgießerei

Hochöfen

Stahlwerke
E
„x.
E58
So
= [389 [BEE al N:
5 Say |5 38|8|58
N HT N Ö|s ES
Ss 8189| | CO
&lt; Be &lt;&lt;

Konver- Martin-
toren Öfen
Walzwerke

17
I

J. Rhein-Elbe-Union

a) Deutsch-Luxemburgische
Bergwerks- und Hütten-
A.-G,

.

Abt.: Dortmunder Union,
Dortmund ......,
Rote Erde, Dort-
mund ..........
Horst, Horst-Ruhr
Abt.; Friedrich-Wilhelms -
Hütte, Mülheim-
Ruhr es we

Abt.: Weber, Branden-
burg (Havel) ...

5

A

3585

AG

2490

3| 80
N

V21120

35

a,b, c, k

ah

6| 15
4| 50 lq,e

m, n

| m

561
        <pb n="66" />
        Abt.: Meggener Walz-
werke, Meggen u.
Werk Carlshütte,
Langenei .......
Abt.: Wilhelm - Heinrichs-
Werke, Düsseldorf
Abt.: Nordseewerke,
Emden‘ \......
Abt.: Wagner u. Co.
G. m. b, H,, Dort-
mund
(Maschinenfabr.).
Abt.: Gebr. Knipping,
Altena 1. W.....
Abt.: Schlieper, Grüne u,
Sichtigvor
(Kettenfabrik) ..
b) Gelsenkirchener Berg-
werks-A, G.
Abt.: Schalke, Gelsen-
kirchen .......ı
Hütte Vulkan,
Duisburg. .......
Abt.: Düsseldorf, Röhren-
werke, Düsseldorf
Weiß- und Fein-
blech - Walzwerke
Hüsten i. W. und
Bruchhausen ....
Faconeisenwalz-
werk Soest ii, W.

a

1
nd

Hochöfen

Stahlwerke
Es Konver-| Martin-
‚x toren öfen
«&lt;

1 Aa

© 50 6
m AS 2 | = IS5l= Ss
Sag is als | a
3|58* 8: 35
&lt; MM &lt;&lt; m. &lt;&lt; | m.

7

2995

3

1200

ea
2

790
4]

40
&amp;

Walzwerke

a, e, g

a, e, f,.1;;
ayh_:ı

TE
m

m

m

N
        <pb n="67" />
        cC) Bochumer Verein für
Bergbau und Gußstahl-
fabrikation.
Gußstahlfabrik, Bochum
mit Stahlindustrie,
Boch 2..00.00000.00,
Werk Höntrop .........

II. „Phoenix‘‘ A.-G; für
Bergbau und Hüttenbetrieb,
Düsseldorf
Abt.: Hoerder Verein,

Hoerde i. W. ...

Dortmunder Hoch-
ofenwerk; Dort-
mund ....1.....

Abt;: Ruhrort, Duisburg-
Ruhrort „1...

Abt;: Düsseldorfer
Röhren- u. Eisen-
werke, Düssel-
dorf-Oberbilk und
Lierenfeld ;....

Abt.: Westfälische Union,
Hamm i. W.,;,
Werke Hamm,
Lippstadt und
Belecke ‚1...

Werk Nachrodt i.W.

Hochöfen

Stahlwerke
g Konver-| Martin-
‚x toren öfen
SE
ES + -
Ss wo Do d0
a | SE lm ESl= 5
5 |G22 | 8 1356| 8 | 36
a 8 Ss |8 5 | 8
ne A m &lt;&lt; |

5

2750
3 |

m.

| 10| 30
Br laien
2 | 100

I

4052
CE

2

1030

5

2490

A

1515 | 60

100

Walzwerke

a,'c, g, h; 4,
k, 1

a,b,c,d,i,k

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g
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%

m,n

m.n

m

ACT

m
| m

63
        <pb n="68" />
        Hochöfen
=
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a
ES
[8 E®
= n
S |OS8
Ss a |
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Stahlwerke
Konver-| Martin-

toren öfen
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0

= |BEl= | SE

= BES Ss a

SSL SS

&lt; nel &lt;&lt; Lu

Walzwerke

CC.

Abt.: Hochofenwerk
Essen - Bergebor-
re

Boecker und Haver
G. m. b. H., Hohenlimburg
Fittingswerke Gebr, Inden
A.-G., Düsseldorf u, Urft .

III, Vereinigte Stahlwerke van
der Zypen u, Wissener Eisen-
hütten A.-G., Köln-Deutz
Abt.: Stahlwerke van der

Zypen,Köln-Deutz

Abt.: Alfredhütte, Wissen
a, dd. Sieg Au.

Abt.: Heinrichshütte, Au
a. dd. Sieg u...07

Abt.: Weißblechwerk,
Wissen a. d. Sieg

3

3

12:6

1155

252

15

%

12 | 40
le 45

a, h, k

1]

JV. Rheinische Stahlwerke
A.-G., Duisburg-Meiderich

Hütte Meiderich ........

Abt.: Duisburg Werk I u.
II, Duisburg ...

Abt.: Duisburg Werk 111,
Duisburg-Hochfeld

6
3910 IL

&lt;
25
| | 70

a, b, c, k

d, e, h
3 | 30
12150 |

4
        <pb n="69" />
        Abt.: Duisburg Werk IV,
Duisburg-Wanheim
Abt.: Röhren- und Preß-
werke Hilden,
Benrath und Im-
migrath 1.0...
Abt.: „Wurag‘ Hohen-
limburg ünd
Wickede a, d. Ruhr
Abt.: Metallweberei in

Hochöfen
Stahlwerke
= Konver-| Martin-

48 toren Öfen
=

E29 -

Bla [8el. | Ye

583, = |S2|= | 55

BE SEES
Ss

&amp; EM &lt;&lt; m. &lt; |

Pe
Walzwerke

C

7
}
*

In

m

Brünn bei Eichs-
feld in Thüringen
Abt.: Wirges, Wirges im
Westerwald ....

V. Thyssen-Gruppe,

August-Thyssen-Hütte,
Gewerkschaft Hamborn
a. Rhein 2.0... 1 2

"

4200 | 6 | a
|

15
25
40
80

a, b, €; e,g

m, na

Abt.: Walzwerk Dins-
laken, Dinslaken
a. Rhein
E; h, ‘4,1

Abt.: Mülheimer Stahl- u,
Walzwerk, Mül-
heim a. d. Ruhr
(Thyssen &amp; Co.).

x

| 2
LU
uw
3 |.60

a, d, e, h, i

6
        <pb n="70" />
        Aktiengesellschaft für
Hüttenbetrieb, Duis-
burg-Meiderich ‚.......
Preß- und Walzwerk A.-G.,
Reisholz b. Düsseldorf
Abt.: Oberbilker Stahl-
werk, Düsseldorf
Abt.: Werk Reisholz,
Reisholz b. Düssel-
dm vu.0000un0u

VI. Charlottenhütte A.-G.,
Niederschelden, Kr. Siegen
Abt.: Eichener Walzwerk,
Eichen und Atten-
dorn 1. Wo. ...4.

Abt.: Eichener Walzwerk,
Kreuztal,

Kr. Siegen .....

Abt.: Eiserner Hütte,
Eisern, Kr. Siegen

Abt.: Köln-Müsen, Kreuz-
tal, Kr. Siegen...

Abt.: Siegener Eisen-
industrie Weiden-

au a. d. Sieg ..
Abt,: Sieghütter Eisen-
werk, Siegen ...

Hochöfen

E

E
“SE
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385%

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2330

A

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Stahlwerke
Konver-| Martin-
toren Öfen

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Walzwerke

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Stahlwerke
Konver-| Martin-
toren öfen
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&lt;£ De ZZ

Siegener Eisenbedarfs A.-G.
Zweigniederlassung

Elisenhütte, Wassau

a. d. Lahn EN

VII, Bergische Stahlindustrie,
3793
2 | 15

2

mn

VIII. Stumm-Gruppe,

Eisenindustrie zu Menden
und Schwerte A.-G.
Schwerte a.d. Ruhr ...

Eisenwerk Kraft,

Abt.: Niederrheinische
Hütte, Duisburg ......

Gußstahlwerk Witten,
Witten a.d. Ruhr .....

MM

„940

(3 | 25
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50
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a, d, e, g

a,c, d, e, g
50
Westfälische Eisen- und
Drahtwerke A.-G.,
Langendreer .........

Abt.: Aplerbeck 1. W.
(vorm. Aplerbecker
Hütte) ur 4 Mie
Abt.: Langendreer-West ,
Norddeutsche Hütte A.-G.
Bremen-Oslebshausen ..

FR»

3 | 1050

3 | 1200

m
g

m. nn

67
        <pb n="72" />
        IX. Rombac cr Hütte,
Concordiahütte in Bochum

Westfäl. Stahlwerke
ini-Bochum ‚...0.00 00

Marienhütte in Eiserfeld, .
Eisenhütte Holstein .....

Hochöfen

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Stahlwerke
Konver-| Martin-
‚ toren Öfen
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X
EC
m

|3 | 20

Walzwerke

FE

Die Tabelle enthält in den beiden ersten senkrechten
Spalten die Anzahl‘ und den Gesamtfassungsraum der Hoch-
öfen in Kubikmetern. Diese Angabe ermöglicht. eine
wenigstens annähernde Schätzung der Leistungsfähigkeit des
betreffenden Hochofenwerkes, da im großen Durchschnitt
heute angenommen werden kann, daß die deutschen Hoch-
ofenwerke imstande sind, je Kubikmeter ihres Ofeninhaltes
täglich eine Tonne Roheisen zu erblasen.
In den Spalten 3—6 sind die einzelnen Stahlwerke auf-
geführt und zwar in der Spalte 3 die Anzahl der jeweils. vor-
handenen Convertoren, Spalte 4 ihre Chargengröße, Spalte 5
die Anzahl der Martinöfen, Spalte 6 die Chargengröße, des
Herdes. In Spalte 7 sind die Angaben über die. jeweils. vor-
handenen Walzwerke vereinigt, und zwar sind mit den Buch-
staben a—l in der angegebenen Detaillierung die verschiedenen
Arten der Walzwerke gekennzeichnet.

KATWELE

58
        <pb n="73" />
        „Die Spalte 8 enthält Angaben über vorhandene Gieße-
reien, und zwar ist mit dem Buchstaben m jeweils eine Eisen-
gießerei, mit dem Buchstaben n eine Stahlformgießerei be-
zeichnet.

Aus der vorstehenden Zusammenstellung der Einzel-
betriebe derjenigen Werke, die in der „Vereinigte Stahlwerke
A.-G.“ zusammengefaßt worden sind, ergibt sich, daß an Pro-
duktionseinrichtungen vorhanden sind:
85 Hochöfen,
27 Convertoren,
157 Martinöfen,
sowie ein großer Park von Walzwerken, von dem bekannt ist,
daß seine Leistungsfähigkeit diejenige der Stahlerzeugungs-
anlagen noch wesentlich übertrifft.

Ferner gehören zum Bereich der „Vereinigte Stahlwerke
A.-G.“ noch zahlreiche einzelne Betriebsanlagen für die Weiter-
verarbeitung des Eisens und Stahls' zu verfeinerten Fertig-
erzeugnissen.

Bei der Errichtung der „Vereinigte Stahlwerke A.-G.*“ ist
zwar nicht wie bei der Gründung der United States Steel
Corporation eine Zahl von 149 Einzelwerken zusammengefaßt
worden, aber die Anzahl der Hochöfen und der sonstigen
eisenhüttenmännischen Betriebsanlagen, die vollkommen
betriebsbereit in den Besitz der „Vereinigte Stahlwerke A.-G.“
übergegangen sind, ist größer, als dies bei der United
States Steel Corporation der Fall war.
Ferner fällt zu Gunsten der deutschen Organisation
wesentlich ins Gewicht, daß diese sämtlichen Anlagen durch
die Betriebsausgestaltungen, welche die deutschen Werke
nahezu zwangsweise unter der Wirkung der eigentümlichen

60
        <pb n="74" />
        wirtschaftlichen Verhältnisse des letzten Jahrzehnts ausgeführt
haben, sich überwiegend in durchaus modernem, leistungs-
fähigen Zustande befinden, was im Jahre 1901 von den
Werken der United States Steel Corporation, gemessen an dem
damaligen Stande der Technik, keineswegs gesagt werden
konnte. Zieht man sodann die Tatsache in Betracht, daß die
United States Steel Corporation unter Ausgabe eines Kapitals
von fast 1400 Millionen Dollars = 5,88 Milliarden Mark er-
richtet wurde, während das Aktienkapital der „Vereinigte
Stahlwerke A.-G.‘“ nur 800 Millionen Mark, die gesamten
werbenden Mittel noch nicht 1,5 Milliarden Mark betragen,
so ergibt sich aus der Gegenüberstellung dieser wenigen Zahlen,
daß die neue deutsche Gesellschaft auf einer sehr
viel günstigeren Basis errichtet worden ist als
s. Zt. die United Steel Corporation.

Erwägt man ferner diejenigen Umstände, die hinsichtlich
der geophysikalischen Grundlagen der europäischen Wirt-
schaft in den wenigen Zeilen dieser Schrift dargelegt worden
sind, so darf wohl mit Zuversicht die Erwartung aus-
gesprochen werden, daß die innerhalb Deutsch-
lands erfolgte Schaffung einer so großen eisen-
und kohlewirtschaftlichen Organisation den An-
stoß geben wird zu einer in raschem Tempo fort-
schreitenden Gesundung der gesamten wirtschaft-
lichen Verhältnisse des europäischen Kontinents.

70
        <pb n="75" />
        Anhang
(Diagramme und Zahlentafeln).

71
        <pb n="76" />
        <pb n="77" />
        A Ana)

AF-AFRIKA
Au-AUSTRALIEN
B -BELGIEN
C -CHinA
D —-0DEUTSCHLAND -
E GROSSBRITANNIEN
F —FRANKREICH
— INDIEN
— JAPAN
—KANRDR
x RUSSLAND
5 —SPANIEN
-VEREINIGTE STARTEN

A

MASSSTAB: [|] = 5 MILLIONEN TONNEI

KOHLE 1924,

STAHL 41924.

Abbildung 1: Weltverkehrswege sowie Kohlenförderung und Rohstahlerzeugung der wichtigsten Industrieländer für die Jahre 1913 und 1924.
        <pb n="78" />
        <pb n="79" />
        MILL.T.
A
600

540

480

EL

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360

300

240
)

480

420

60

JAHR 18937 1301 1905 1309 1913 1917 1925
Abbildung 2: Kohlenförderung der wichtigsten Industrieländer in den
Jahren 1895—1924 in Millionen Tonnen pro Jahr.
Zeichenerklärung: A == Vereinigte Staaten von Amerika, B = Großbritannien.
C — Deutschland. D = Frankreich. E = Belgien,
        <pb n="80" />
        MILL.T.
mir

44

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32

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24

20

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DETAIL
FÜR DIE JAHRE
4920-1924.

CE alle a m
IRHR 4858 1B7Z4 18930 1306 1922 1320 1922 1924
Abbildung 3: Roheisenerzeugung der wichtigsten Industrieländer
in den Jahren 1850—1924,
Zeichenerklärung: A = Vereinigte Staaten von Amerika. B = Großbritannien,
C = Deutschland. D = Frankreich. E = Belgien.

Er
        <pb n="81" />
        MILL.T.

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20

16

42

JRHR 1857 1901 1305 18303 4913 1917
Abbildung 4: Rohstahlerzeugung der wichtigsten Industrieländer
in den Jahren 1895—1924.
Zeichenerklärung : A = Vereinigte Staaten von Amerika, B= Großbritannien,
C = Deutschland. D = Frankreich. E = Belgien.

1925
        <pb n="82" />
        | a | Zahlentafel 1.
Kohlenförderung der wichtigsten Industrieländer in den Jahren 1895—1922 in 1000 Tonnen.
1912 | 1913
Deutsches Reich ..........
Deutsches Reich ohne
Elsaß-Lothringen........
Vereinigte Staaten ........
Großbritannien: ...... 1...
Frankreichs Le,
Belgien
Rußland. er. rk As
Japan seen
Australien 1... irre
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AfTiKar. rer
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Schweden. ... 1.0.0100
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Österreich, jetz. Gebiet!) ..
Tschechoslowakei?) ........
Ungarn, jetz. Gebiet!) ....
Sowjetrußland*) ...........
A
Südslavien .....

79 160

78 179
175 185
192 687

27 583

20 458

9 098
4 844
4 722
3 187
2 650
1 402
1 774

127

250

205

109 290
108 153
244 642
228 773
32 721
23 463
16 151
7429
7975

5 088
6217
496

2 583
320
480
252

121 299
119 475
356 274
239 889
35 218
21 775
17 120
11 895
8 255

7 960
7921
3219

3 203
495
413
322

147 671
145 303
377 248
265 696
36 633
23 558
22 944
13 942
10 767
10 904
12 865
4622
3885
908
480
305

!1 970

148 788 | 152 828
146 321 | 150 142
418 046 | 455 043
267 979 | 268 648
37 116 37 535
23518 23 917
24 033 23 106
14 020 15 913
11 258 12 246
9 447 13011
11 870 12 092
5 623 6 538

3 861 3812
1121 1 292
555 562
247 303

12 840 13 190

| 160 747

| 157 714
450 303
276 242
38 521
23 054
26 636
17 888
12 674
10.272
11920

6 915

3 664
1477
557

312

13 000

174 875

171 336
484 863
264 582
40 394
22 972
28 803
19 795
14 130
13 166
14 942
7 363
4 136

1 725
664
360

13 000

190 109

| 186 318
517 068
292 010
40 051
22 842
30 745
21 316
12 615
13 619
16 467
9 736
4 293

1 902
701
364

14 000
1 283
13 217
2 708
37 288
6 600
28 476
8 947
257
') Einschließlich Braunkohle. ?) Einschließlich Braunkohle ab 1910. ®) Einschließlich Sibirien und Turkestan
‘) Ohne Saargebiet. *) Ohne Saargebiet und seit Juni ohne Ost-Oberschlesien. 5) Ausschließlich Braunkohle.
        <pb n="83" />
        Zahlentafel 1 (Fortsetzung).

Deutsches Reich ..........
Deutsches Reich ohne
Elsaß-Lothringen .......
Vereinigte Staaten ........
Großbritannien ........0..
Frankreich.......ı....10.«
Belgien. „.............4.7.
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Tschechoslowakei!) ........
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Südslavien EG

1914

161 385
158 528
465 865
269893
26 841
16 714
33 274
22 000
12 646
12372
16 728
9271

4 443

1 983
781

367
9272

1 087
10 032
2 446

1915 | 1916

146 868
144 907
482 280
257 257
18 856
14178
27 820
20 490
11 590
12 036
17 378
9121

4 687
2.332
953

412

159 170
157 142
535 339
260 447
20 542
16 863
30 833
23 900
9 857
13 139
17 530
11142
5 589

2 656
1.306
415
1418

8 903
2580
32 670

f 1/2
5 384
2 539

1917 | 1918 |

167 747

165 110
590 946
252 475
27 757
14 931
27 258
26 360
10 406
12 743
18 504
9 933

6 004

3 126

1 722
443

1 539
10 265
2 264

158 254
615 267
231 393
24 941
13 891
28 030
11 200
13 588
20 165
10.035
7 239
3 399
3171
404
1517
9 989
2160

29 707

11 960

Wr

1919 |

| 107 699
502 540
233 456
21 567
18 483
31 271
10 736
12 411
21 760
10 266
6 298
3 402
1 158
429
952

8 981
2.097
27 494
3 906
8 380
6 084
2183

1920

1921 | 1922

131 3474| 136 210°)
597 046
233 205
24 303
22 389
29 245
11 900
15 088
17 083
11 473
5 973
3 941
1 740
440
1.063
9410
2542
30 827
4 956
7640
6412
2750

129 9655

417.651
255 879
31 163
21 234

24'972
158001)
13.646
19 000
9.355
5 626
4570
146)
377
21 000
800
11240
3 200
29 000
6357

34 796

1) Einschließlich Braunkohle. 2?) Einschließlich Braunkohle ab 1910. 3) Einschließlich Sibirien und Turkestan,
4) Ohne Saargebiet. - °). Ohne Saargebiet und-seit Juni ohne Ost-Oberschlesien, ®) Ausschließlich Braunkohle,
        <pb n="84" />
        Zahlentafel 2.
Roheisenerzeugung der wichtigsten Industrieländer in den Jahren 1880—1924 in 1000 Tonnen.

Jahr

1880
1885
1888
1889
1890
1891
1892
1893
1894
1895
1896
1897
1898
1899
1900
1901
1902
1903 |
1904
1905

Deutsches
Zollgebiet

2729
3.687
4337
4525
4 658
4 641
4 937
4 986
5.380
5 465
6373
' 6881
7313
3 143
3521
7 880
8530
10.086
1° 104
10 988

Luxem-
burg

420
524
562
559
545
587
558
680
695
809
873
946
983
971
916
1 080
1218
1198
1 368

Ver-
einigte
Staaten

3 897
4 109
6 594
7725
9 350
8412
9 304
7 238
6 764
9 597
8 761
9 807
11962
13 839
14 010
16 132
18 106
18 297
16 761
23 360

Groß-
bri-
tannien

7873
7534
8 127
8 456
8 031
7525
6817
7 089
7 546
7827
8798
8 937
8 747
9572
9 103
8 056
8818
9078
8 833
9 762

Frank-
reich

1 725
1 631
1 683
1 734
1 962
1897
2.057
2.003
2.070
2 004
2.340
2484
2525
2578
2714
2389
2 405
2841
2974
3077

Belgien

608
713
827
832
788
684
753
745
819
829
959
1 035
980
1 025
19019
754
1 069
1 216
1 288
1 311

Öster-
reich-
Ungarn

464
715
790
856

965

922

940

983
1 055
1 075
1 130
1 205
1 286
1 324
1312
1 482
1 335
1 386
1 424
1 372

Öster-
reich
(jetz.

Gebiet)

Polen

Tschecho-
Slovakei

Rußland

449

528

668

741

928
1 005

920
1 161
1313
1 454
1 630
1 857
2241
2 709
2 896
2 801
2597
2 461
2 948
2111

Gesamt-
erzeugung
aller
Länder!)
18 547
19 792
24 016
26 030
27 631
26 230
26 860
24 229
26 059
29 858
31 010
33 520
36 419
39 723
40 199
40 889
44 558
47 022
45 419
54 055

1) Geschätzt,
        <pb n="85" />
        Zahlentafel 2 (Fortsetzung).

Jahr

1906
1907
1908
1909
1910
1911
1912
1913
1914
1915
1916
1917 |
1918 |
1919
1920
1921
1922
1923
1924

Deutsches
Zollgebiet

12478
13 046
11814
12918
14 793
15579
17 869
19 309
14 390
11 790 |
13 285
13 142
11 863
6 283
7 043
7845
9.395
4 936
7190

Luxem-
burg

1 460
1485
1.300
1 553
1 683
1729
2397
2548
1 827
1591
1951
1528
46

1 686
1 404
2273

Ver-
einigte
Staaten

25 712
26 194
16 191
26 208
27 740
24 028
30 203
31 462
23 706
30 395
40 066
39 239
39 680

X

16 955
27 655
41 007
31.579

Groß-
bri-
tannien

10 347
10.276
9 202
9 684
10 172
9679
8891
10 650
9.067
8 934
9.193
9571
27218

ie
A
$

X

a3
- 163
2658
4 981
7560
7 436

Frank-
reich

3314
3 590
3 401
3574
4 038
4 470
4 939
5 207
2736 |
584
1311
1 408
1 293
2412
3434
3417
5 229
5432
7 694

Belgien

1 376
1 407
1 270
1616
1 852
2 046
2301
2485
1 454
68
128
8
To 4

7
An
1.30

872
1 606
2148
2808

Öster-
reich-
Ungarn

1622
1824
1972
1 980
1 992
2 099
2 302
2.367
1 847
1818
1 959
1 600
A

Oster-
reich
(jetz.

Gebiet)

Ö
|

601
607
478
541
653
504
321
62
100
224
323
344
267

Polen

210

418
15
43
60
480
521
367

Tschecho-
Slovakei

;
8
|

627
710
543
345
750
1 050

a

Rußland

2689
2817
2802
2871
3 040
3 593
4 198
4 557
4 257
3 690
3.738
3 000
102
102
117
114
300
656

Gesamt-
erzeugung
aller
Länder 1)

59 166
60 680
48 507
61 213
66 352
63 252
75 000
80 000
60 000
60 000
71 000
70 000
67 000
52 000
60 000
37 000
56 000
69 000
66 000

1) Geschätzt.
        <pb n="86" />
        Zahlentafel 3.
Rohstahlerzeugung der wichtigsten Industrieländer in den Jahren 1880—1924 in 1000 Tonnen.

ba

Deutsches
Zoll-
gebiet!)

Luxem-
burg

Ver-
einigte
Staaten

Groß-
bri-
tannien

Frank-
reich

Öster-
reich-
Ungarn

Oster-
reich
Getz.

Gebiet)

Gesamt-
erzeugung

“aller
Länder 2)

Belgien

Polen

Tschecho-
Slovakei

Rußland

1885
1888
1889

624
894
1.299
1 425
1614
1841
1977
2231
2 608
2830
3 463
3.863
4353
4 820
6 646
6394
7781
8 802
930
10.067

1 267
1739
2946
3 440
4 346
3.967
5 006
4084
4 483
6213
5 366
7271
9976
10 810
10 351
15 689
15 186
14 768
14 082
20 344

1321
2020
3775
3 605
3 637
3 208
2.967
2983 |
3 260 |
3312
4 306
4 560 |
4 639
4.933

389
554
517 /
529 |
582
639
682
664
818
876
1181
1325
1434
1499
1565
1425
1568
1840
2096
2.255

132
155
er
261
221 |
244 |
260 |
273
406
455
599
617
654
731
655
530
787
988
1.091

134
279
393
417)
500 |
486
511
570
660
745
881
937

Ü 063

296
193
222
259
378
433
371
389
493
455
625
831
095
494
_ a3
= 230
2183
“674
150

4 274
6 276
10 241
10 575
12 451
12 097
12019
12 094
12 786
16 659
17 581
20 979
24 061
27 543
28 342
31 035
36 480
36 336
34.252
44 295

6
14 |

1890
1891
1892

18
18
26
34
35
37
49
58
65

UN

+

1893
1894
1895
1896
1897
1898
1899
1900
1901
1902
1903
1904

*

E

z«
en

04

5 131
yı |
136
209
215

+983
4 988
5.115

‚Uu7
u 905

1 081
1 156
1.145
1 236
1 435

Un

1905
. 2!) Für das gesamte deutsche Zollgebiet bis 1899 und für Luxemburg bis 1912 Erzeugung an Flußeisenfertigerzeugnissen, von da an
und für die übrigen Länder Erzeugung von Rohstahl. 2% Geschätzt,
        <pb n="87" />
        Zahlentafel 3 (Fortsetzung).

lahr

1906
1907
1908
1909
1910
1911 |
1912
1913
1914
1915
1916
1917
1918
1919
1920
1921
1922
1923
1924

Deutsches
Zoll-
gebiet 1)

11 308
12 064
11 186
12 050
13 699 |
15.019 |
17 302
18 935
14 946 |
13 258
16 183
16 587
11979
nu

396
ag
€ 305 |
150

Luxem-
burg

261 |
269
267
315
376
430 |
547
1.336
1136
979 |
1.309
1.082
887
371
581
754
1.394
1.198
1 886

Ver-
einigte
Staaten

23 773
23 736
14 248
24 338
26512
24 055
31 751
31 802
23 889
32 665
43 458
45 782
47 174
3E 226
42 807
20 100
36 173
45 665
37 400

Groß-
bri-
tannien

6 566
6 627
5 380
5 976
6 476
6 565
6 905
7 786
7 960
8 687
9 344
9961
=
43

3763
5975
6618
8353

Frank-
reich

2 452
2767
2723
3.079
3 390
3 681
4 078
4 687
2 802
1111
1 784
‘ 991

4U2
1532
21.977
6 907

Belgien

1 441
1522
1 250
1 632
1 945
2183
2515
2467
1.396

99

99

10

4
353
764
1 564
2.239
2 861

Öster-
reich-
Ungarn

1581
1 707
1 994
1 938
2188
2.436
2785
2683
2 191
2 686
3 337
2 09051

Oster-
reich
(jetz.

Gebiet)

Ag
429
370

Polen

987
1122
663

Tschecho-
Slowakei | Rußland

2783
2 600
2628
3 071
3479
3 870
4 498
4 837
4732
4 900

6
357
589
794

240
- J00
1 350

Gesamt-
erzeugung
aller
Länder?)

50 258
52 143
50 958
53 500
60 200
61 000
72 000
75 000
60 000
65 000
78 000
81 000
78 000
57 000
68 000
42 500
68 000
78 000
76 000

1) Für das gesamte deutsche Zollgebiet bis 1899 und für Luxemburg bis 1912 Erzeugung an Flußeisenfertigerzeugnissen, von da an
und für die übrigen Länder Erzeugung von Rohstahl. 2) Geschätzt.
        <pb n="88" />
        Zahlentafel 4. United States Steel Corporation,
INCOME AND DISBURSEMENTS

COMMON DIVIDEND

1901 (9 mos.)...
1902 a
19053
19040
19050
1906 5
1997
1908
1909 ......000
191010 ar
1911
1912 ve
1913 ....
1914 ....

1915 .....
1916
IT
1918 Rise
119...
192044 .....

NET
INCOME

$ 84,779,298
133,308,764
109,171,152

73,176,522
119,787,658
156,624,273
160,964,674

91,847,710
131,491,414
141,054,755
104,305,466
108,174,673
137,181,345

71,663,615
130,396,012
333,674,177
295,292,180
199,350,680
143,589,062
177.174 126

NET FOR
STOCK

$ 61,395,203
90,306,524
55,416,653
30,267,529
68,585,492
98,128,587

104,565,564
45,728,714
79,073,695
87,407,186
55,300,296
54,240,049
81,216,985
23,496,768
75,833,833

271,531,730

224,219,565

137,532,377
76,794,582

110.136.105

PFD.
DIVIDEND

$ 26,752,894
35,720,177
30,404,173
25,219,677
25,219,677
25,219,677
25,219,677
25,219,677
25,219,677
25,219,677
25,219,677
25,219,677
25,219,677
25,219,677
25,219,677
25,219,677
25,219,677
25,219,677
25,219,677
25.219.677

E
I
On

2 Ya

3

1%

8%
18
14

AMOUNT

$ 15,227,812
20,332,690
12,707,563

10,166,050
10,166,050
10,166,050
20,332,100
25,415,125
25,415,125
25,415,125
25,415,125
15,249,075

6,353,781
44,476,469
91,949,450
71,162,350
25,415,125
95.415.125

APPROPRI-
ATIONS

26,300,000
50,000,000
54,000,000
18,200,000
26,000,000
15,000,000

55,000,000

SURPLUS

$ 19,414,497
34,253,657
12,304,917

5,047,852
17,065,815
12,742,860
15,179,837
10,342,987
15,321,918
10,772,384

4,665,495

3,605,247
15,582,184

*16,971,984
44,260,374

201,835,585
52,505,438
+28,935,350
26,159,780
59.501.203

* Deficit.
+ After deducting $12,215,000 special allowance for amortization of war plants
++ Figures subject to adjustment.
        <pb n="89" />
        <pb n="90" />
        Stenger, Hoffmann &amp; Co.,
Essen
Kommanditiert von
Schwarz, Goldschmidt Q&amp; Co.
Berlin
Telegramm-Adresse: „Stengerhoff” / Posischeck-Konto: Essen Nr. 2680
Fernsprecher: Essen 8215, 8216, 8217, 9121, 287 -/ Reichsbank-Giro-Konto

FE

zu

Spezialhaus für
Rheinisch -Westfälische
Werte

Ausführung
aller bankgeschäftlichen
Transaktionen
        <pb n="91" />
        A
a

-
=“
Schwarz, Goldschmidt 2 Co.

„a
Berlin W 8 , Mohrenstrasse 54-55

Telegramm - Adresse: „Schwagold“
Fernsprecher: Amt Merkur
8258-68, 12360-62

A

Ausführung aller bank- und
börsenmässigen Geschäfte

Kontokorrent- und Scheckverkehr

Besondere Abteilungen für:
Kuxe
Prämien
Devisen u. Sorten
Amtftlich nicht notierte Werte

=
= Ir

ET

LU

run
=
        <pb n="92" />
        Druck von Liebheit &amp; Thiesen, Berlin
        <pb n="93" />
        der

worden, daß
sammenschlu
Um die Sl
bisher vor A
Detaillierung €
reich die einz‘
neuen Gesells‘

Es ist in

Sie wurd
benannten gro
1. die Rhei
a) Deu

A.-(

b) Gels

c) Boc

fabr

2

2. die Phöt
der Vere’
ner Eisen
3. die Rhei
4. der Thy
Nach ihre
lottenhütte
gische Stahl

8
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CO

ınische Aufbau

A
ol

Stahlwerke A.-G.

ng zu dieser Schrift bereits gesagt
e Stahlwerke A.-G. durch den Zu-
esellschaftsgruppen gebildet wurde.
zroßen Aktiengesellschaft klarer als
n, soll in folgendem mit genauerer
den, wie vielfältig und wie umfang-
isstätten sind, die nunmehr in der
'reinigung gefunden haben.
urch Zusammenschluß der nach-
ı Werke des Ruhrgebietes, nämlich
ion mit den Gesellschaften

urgische Bergwerks- und Hütten-

Bergwerks-A.-G.,
in für Bergbau und Gußstahl-

° Bergbau und Hüttenbetrieb; mit
verke van der Zypen und Wisse-

hlwerke A.-G. und
N.

wurden ihr angegliedert die Char-
ederschelden, sowie die Ber-
Mit dem Stummkonzern wurde
©
GG
50
K
Rn
      </div>
    </body>
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