Dingen im Jahre rund gerechnet anderthalb Milliarden Mark. Ich möchte hier etwas einschalten. Bei der Ergänzung dieses Inventars zeigt sich das Fehlen einer guten Typisierung in der Landwirtschaft. Wir haben in der Land: wirtschaft, kann man ruhig sagen, wahr- scheinlich tausend verschiedene Typen von Feldwagen, über 300 verschiedene Typen von Pflügen usw. Jeder Ersatzteil auf diesem Gebiete kann nicht aus irgendeinem Depot oder einem Lager ohne weiteres er; gänzt werden, sondern muß — und das ist der große Rückstand in der Landwirtschaft — ergänzt werden durch den Schmied und Stellmacher immer zu Zeiten, wenn diese Handwerker durch andere Dinge noch über- setzter sind als gewöhnlich. Der Verbrauch der Landwirtschaft an Landmaschinen im Jahre 1926/27 betrug ins- gesamt 350 Millionen Mark. Im gleichen Zeitraum wurden in Deutschland an Stick: stoff mehr als 400000 t, an Kali über 750000 t und an Phosphor fast 500000 t verarbeitet. Das sind nur einige der größten industriellen Bedarfsartikel. Die Schätzung der Gesamtproduktion der deutschen Landwirtschaft ist eine ver; schiedene. Ich habe sie in einer kleinen Niederschrift, die ich vor einiger Zeit gemacht habe, auf rund 14 Milliarden Mark geschätzt. Der bekannte Direktor Lange vom Verein Deutscher Maschinen: bauanstalten schätzt sie auf 10 Milliarden Mark. Immerhin sind wir in einem Punkte einig, daß, wenn man die Ge- samtproduktion der Industrie einschließlich derjenigen der verarbeitenden Industrie zu- sammenrechnet, diese natürlich wesentlich höher ist, als sie bei Schätzungen der Land- wirtschaft bisher angegeben wurde. Die Gesamtproduktion der deutschen Industrie wird von verschiedenen Seiten auf 26 bis 30 Milliarden Mark in Jahre geschätzt. Die reine Produktionsindustrie, wenn ich sie so nennen darf — Kali, Kohle, Eisen usw. —, dürfte immerhin auch nicht mehr als 14, {5 Milliarden Mark betragen. Von dem seitens des letzten Herrn Vorredners gez leiteten Institut für Konjunkturforschung sind diese Ziffern in der letzten Nummer seiner Zeitschrift ungefähr in gleicher Höhe angegeben. Daraus ersieht man die Bedeutung der beiden Berufsstände. Es liegt mir ganz fern, die Bedeutung der Landwirtschaft gegenüber der Industrie zu verkleinern, da wir alle Dinge nicht rein materiell, sondern auch von der ideellen Seite aus zu betrachten haben und wissen, daß die Landwirtschaft für uns das große Reservoir ist, aus dem wir unsere Bevölkerung für die Städte und für die Industrie zum Teil heranziehen. Ich will noch einige Ziffern, die letztlich auch durch die Zeitungen gegangen sind, nennen. Die gesamte Milchproduktion der deutschen Landwirtschaft hat im Jahre 1926/27 4 Goldmilliarden Mark in Deutsch: land betragen. Demgegenüber wird die Steinkohlenproduktion in demselben Jahre in Deutschland auf nicht ganz zwei Milliarz den Mark Gold geschätzt. An Schweinen wurden in der Landwirtschaft in derselben Zeit für 3 Milliarden Mark produziert, an Gemüse ungefähr für anderthalb Milliarden Mark — Ziffern, die die Bedeutung der Landwirtschaft zeigen, die mir aber und auch Ihnen die Frage nahe legen: was kann man tun, um diese Ziffern noch zu erhöhen, die ohne weiteres nach meinem Empfinden zu steigern sind, um dadurch die starke Ein- fuhr ausländischer Produkte im Lebens: mittelmarkt überflüssig zu machen? Wir haben im vorigen Jahre eingeführt an Lebens: und Genußmitteln insgesamt für 5 Milliarden Mark und an Lebensmitteln im Jahre 1927 für 4,3 Milliarden Mark. (Hört! hört!) Eine geringe Produktionssteigerung in der Milch allein um 10 Prozent würde uns sine Einfuhr von Milchprodukten, die über 400 Millionen liegt, ersparen. Daß das mög: lich ist, darf ich einmal in diesen Kreisen, lie sich mit Milchwirtschaft und dem Melken von Kühen nicht zu befassen haben, zagen. Ich berufe mich da auf die Aus: ‘ührungen des Ihnen allen bekannten Herrn von Lochow-Petkus, eines, wie Sie ja alle wissen, der bekanntesten Landwirte in Deutschland, der als Sohn die Tradition seines Vaters, wie ich weiß, fortsetzt. Er hat nach Zeitungsmeldungen gesagt, daß der Durchschnitt der Milchproduktion im Deut: schen Reiche eigentlich ein, wenn ich es hier sinmal aussprechen darf, bedauerlich kleiner sei, so daß es unschwer möglich sein müßte, die Produktion um 10 Prozent, 20 Prozent zu heben. Demgegenüber hören Sie nun aber einmal einen Bericht von der Firma Krupp, der mir in diesen Tagen zuging. Krupp schreibt: Der größte Teil der Butter im ganzen Ruhrgebiet kommt von Holland, Man kann sich schon darauf verlassen, daß das richtig ist, denn sonst würde Krupp das nicht schreiben. (Zuruf: Das wissen wir auch!)