gestellt hat, nämlich verstärkte Selbsthilfe der Landwirtschaft, letzten Endes die Ret- tung der Landwirtschaft bedeutet. Auch hier liegen Erfolge vor. Es wird den Herren bekannt sein, daß ein Gebiet der Landwirt- schaft, der Zuckerrübenbau, kartelliert worden ist, dank der Tatkraft weniger Per- sönlichkeiten, die die Einsicht und die In- tuition hatten, die Herr Professor Schultze so beredt gefordert hat. Es ist in den letzten 8 Jahren geglückt, die Zuckerrübe so zusammenzufassen, daß sie sogar inter- national verhandlungsfähig ist; und das, meine ich, muß als ein großer Erfolg auf dem Gebiet der Selbsthilfe anerkannt wer- den. Es ist ferner auch bei einem weiteren Spezialprodukt; beim Roggen, geglückt, durch die Gründung der Getreidehandels- gesellschaft Erfolge zu erzielen. Ich gebe zu, daß die Selbsthilfe gerade auf diesem Gebiete sehr viel leichter ist als auf dem des Weizens. Immerhin muß man aner- kennen, daß der Preis beeinflußt werden konnte, ohne den Konsumenten zu schädi- gen. Selbstverständlich wäre es außer: ordentlich wichtig, wenn gerade das Ge- nossenschaftswesen etwas stärker und intensiver in den ganzen Fragen eingreifen könnte. Ich stimme durchaus der Auf: fassung zu, daß das Genossenschaftswesen reformbedürftig ist. Aber ich glaube, meine Herren, Sie finden unter den leitenden Per: sönlichkeiten des Genossenschaftswesens niemand, der nicht von der Notwendigkeit durchdrungen wäre, das Genossenschafts- wesen zu vereinheitlichen und kaufmänni- scher auszugestalten. Das Tempo, in dem diese Erkenntnis in die Praxis umgesetzt wird, mag etwas langsam sein. Aber gegen: über dem Vorbild, das uns in Dänemark gezeigt worden ist, darf ich darauf hin- weisen, daß meines Wissens es auch in Dänemark über ein Jahrzehnt gedauert hatte, bis diese Erkenntnis wirklich Tat ge- worden ist. Vollkommen stimme ich auch der Auf- Fassung zu, daß es unbedingt notwendig ist, das landwirtschaftliche Unterrichtswesen etwas umzustellen, das bisher zu einseitig auf die Förderung der landwirtschaftlichen Technik eingerichtet war. Es muß dahin kommen, daß das Studium des Absatzes und des Transports landwirtschaftlicher Produkte gleichwertig mit dem der landwirt- schaftlichen Technik behandelt wird. Nun, meine Herren, man könnte ja noch stundenlang über diese Frage reden. Ich glaube, mich hier auf diese kurzen Be: merkungen beschränken zu sollen, und möchte nur bitten, sich den Blick durch die wugenblickliche Zuspitzung, die ja nicht zu eugnen ist, nicht trüben zu lassen. Ich jlaube, es wäre falsch, wenn die Industrie sich in einer begreiflichen Verstimmung da- zu hinreißen lassen wollte, durch öffentliche <undgebungen, Erscheinungen, die nach neiner Kenntnis der Dinge doch nur örtlich zu beobachten sind und die keineswegs der Tendenz der Leitung der landwirtschaft: ichen Organisationen entsprechen, entgegen- zutreten. Ich glaube, der richtige Weg für lie einsichtigen Persönlichkeiten in beiden Berufsständen wird der sein, weiter Hand .n Hand zu marschieren und zu versuchen, durch sachliche Zusammenarbeit die Land: wirtschaft zu verstärkter Selbsthilfe zu be: fähigen. Damit werden wir nicht nur den beiden Berufsständen dienen, sondern der gesamten Wirtschaft unseres Volkes. (Leb- hafter Beifall.) Herr Dr. Theo Goldschmidt: Meine sehr verehrten Herren! Ge- Statten Sie mir einige kurze Worte. Herr Landrat Freiherr von Wilmowsky hat dar- auf hingewiesen, daß wir alle ein Interesse daran hätten, das Einvernehmen zwischen Industrie und Landwirtschaft nicht zu stören. Ich glaube, die politische und wirt- schaftspolitische Lage ist zu ernst, als daß wir uns Streit zwischen diesen beiden wich- tigen Produktionszweigen Industrie und Landwirtschaft gestatten dürfen. Und da darf man wohl darauf hinweisen, daß, selbst wenn man anerkennt, daß all das, was Herr Dr. Weber gesagt hat über die Notwendig- keit, die Qualität und den Absatz der deut: schen landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu heben, richtig ist, es doch nicht richtig sein würde, wenn in einer Kundgebung der deutschen Industrie lediglich auf diese eine Seite hingewiesen würde. Ich glaube, da- durch könnte ein falscher Eindruck ent- stehen. Ich glaube, wir können der Land- wirtschaft den Rat geben: hilf dir zunächst einmal selbst. Ich glaube, wir könnten auch die Landwirtschaft warnen, zu sehr nach Staatshilfe zu schreien. Aber wir haben dann, wenn wir uns überhaupt von dem all: gemeinen Standpunkte der Gesamtwohlfahrt aus mit landwirtschaftlichen Fragen be- schäftigen, die Verpflichtung, unsere war- nende Stimme zu erheben und darauf hinzu: