die Frage eingenommen, ob es nicht möglich sein würde, ein einheitliches Zollz und Handelsvertragssystem zu vereinbaren. Ich will hier nur ganz kurz andeuten, um welche großen Probleme es sich dabei handelt. Kontinental-Europa hat bekanntlich im wesentlichen spezifische Zölle, und zwar ein Konventional-System, das heißt ein System, bei dem Zollsätze, die zunächst autonom festgestellt werden, nachher in den Handels- vertragsverhandlungen auf ihr endgültiges Niveau herabgesetzt oder doch gebunden werden. Frankreich hatte ein System starrer Zölle in Form eines Doppeltarifs. Aber es hat in dem deutsch-französischen Handels- vertrag vom August vorigen Jahres dem System der übrigen Kontinental-Länder doch wesentliche Konzessionen gemacht, indem es sich bereit erklärte, über seine eigenen Zoll sätze zu verhandeln. . Erleichternd war aller- dings dabei, daß diese Zollsätze noch nicht Gesetz, sondern nur Vorlage waren. Frank- reich ist also auf einem Wege begriffen, der sich dem Konventional-System der übrigen europäischen Länder anpaßt. Spanien und Niederlande sind noch ganz starr, Spanien mit sehr hohen Tarifen, während die Nieder- lande in diesem Zusammenhang etwas weniger interessieren, weil ihre Tarife niedrig sind und mit einigen wenigen Aus- nahmen finanzpolitischen Charakter haben. England und die Vereinigten Staaten haben ein starres System bei z. T. sehr hohen Zoll: sätzen. Nun war der Gedanke bei einigen Mit- gliedern des Wirtschaftsausschusses des Völkerbundes, man könnte eine Annäherung dieses angelsächsischen Systems an das kontinentalseuropäische Platz greifen lassen, ähnlich, wie es die Franzosen schon voll; zogen haben. Es ist wohl dieser Vorgang dafür maßgebend gewesen, daß gerade das französische Mitglied diesen Gedanken ver; treten hat. Man wollte also die Angel: sachsen dazu bringen, daß sie sich grund: sätzlich bereit erklärten, über einzelne Zoll: sätze mit anderen Ländern zu verhandeln. Das haben sie aber bisher völlig abgelehnt. Dann hat man weiter in der gleichen theoretischen Weise das Problem der Zo11- höhe und der Absenkung der nach dem Kriege überhöhten Zolltarife studiert. Die Weltwirtschaftskonferenz hat bekanntlich drei Wege dafür vorgeschlagen, erstens den Weg autonomer Maßnahmen — ich erinnere da an die Erörterungen, die hier im Reichs- wirtschaftsrat über die entsprechenden Vor- Schläge der deutschen Regierung Sstattge- Funden haben —, dann den Weg zweiseitiger Verträge. Es ist ganz klar, daß seit der Neltwirtschaftskonferenz dieser zweite Weg ‚ußerordentlich stark dadurch in den Vordergrund getreten ist, daß es nach der Weltwirtschaftskonferenz — und ich glaube, n sehr starkem kausalen Zusammenhang nit dieser Konferenz — gelungen ist, die ichwierigkeiten, die einem deutsch-franzö- ischen Tarifvertrag entgegenstanden, zu berwinden. Dieser deutsch-französische Jandelsvertrag ist überhaupt für die weitere 'olitik des Völkerbundes von sehr großer Zedeutung, weil jetzt für eine gemeinsame zZehandlung der europäischen und weltwirt- ıchaftlichen Fragen durch Frankreich und Jeutschland der Weg wesentlich freier ge- vorden ist als vorher. Dem Vertrag ‚wischen Frankreich und Deutschland sind jemlich bald gefolgt die Verträge Frank- eich-Belgien und Frankreich-Schweiz. Auch wir haben einige Tarifverträge, allerdings 'eringeren Umfangs, abgeschlossen. Immer- un hat dieses ganze System noch wesent- iche Lücken, was sich schon dadurch kenn- eichnet, daß die Tschechoslowakei und ’olen überhaupt noch keine umfassenderen "arifverträge haben, weder mit Frankreich ıoch mit anderen Ländern. Auch sonst be- tehen noch Lücken. Es erscheint mir ganz ;Jar, daß eine wirkliche sachgemäße Be- 1andlung des Problems der Zollhöhe eigent- ich erst denkbar ist, wenn diese Tarifver- ı1andlungen zu einem gewissen Abschluß ge- :ommen sein werden und damit ein gewisses ‚Ilgemeines Niveau und ein auf etwas ängere Frist gedachtes Niveau erreicht jein wird. Ich halte es deshalb auch nicht für weiter bedenklich, daß die Erörterungen les dritten Problems, von dem die Welt- virtschaftskonferenz gesprochen hat, sich uf rein theoretischen Bahnen bewegt; das st nämlich die Frage einer Zollsenkung 'urch ein gemeinsames Vorgehen vieler ‚änder, also durch große Kollektivverträge. is hat sich die Weltwirtschaftskonferenz icht näher darüber ausgesprochen, was sie ich bei dieser Art der Zollsenkung denkt. \ber es ist klar, was damit gemeint ist. Es ind solche Pläne gemeint, wie sie der rühere Reichswirtschaftsminister Neuhaus ınd nach ihm der Österreicher Riedl ausge- prochen haben. Diese Pläne haben das eine jemeinsam, daß sie den Versuch machen vollen, für alle Waren eine Höchstbelastung lurch Zölle zu dekretieren, die in einem be- ;timmten Verhältnis zwischen Zollhöhe und lurchschnittlichem Wert der Waren be: ;tehen soll. Also z. B. die Zollbelastung darf ‚ei keinem Artikel mehr als 25 Prozent des