1— Zu diesen Bauten, für die im Haushalt des Reichs— verkehrsministeriums Mittel eingestellt sind, tritt noch der Ausbau der Lahnkanalisierung — zunächst von der Mündung bis Limburg — hinzu, der als öffentliche Notstandsarbeit aus den Mitteln der produktiven Er— werbslosenfürsorge gefördert wird; auch hier sind die Arbeiten bereits im Gange. Nachträglich ist dem Reichsverkehrsministerium auch noch ein Betrag von 1Million .“ für die Verbesse rung der Hochwasserverhältnisse am Neckar in den Ge— markungen Stuttgart, Cannstatt und Münster zur Ver— fügung gestellt worden. Dieser Teil der Neckarregulie— rung war an und für sich entsprechend dem stromauf— warls gerichtet en Fortgang der Neckarkanalisierung für spätere Jahre in Aussicht genommen. Es haben sich aber im Zusammenhaͤnge mit der Verwertung des Truppenübungsplatzes Cannstatter Wasen Ta'sachen ergeben, die es auch für das Reich erwünscht erscheinen lassen, diese Arbeiten schon jetzt durchzuführen, zumal vom Lande Württemberg und den beseiligten Gemein— den Kostenbeikräge in Aussicht gestellt wurden, auf die das Reich bei planmäßiger Ausführung der Arbeiten im Rahmen des für den Neckarausbau vorgesehenen Arbei sprogramms nicht rechnen konnte. Die Frage, inwieweit das Reich im übrigen Bauten für den Hochwasserschutz fördern kann und welche Mit— del dafür erforderlich sein werden, wird zur Zeit im Reichsverkehrsministerium geprüft. Diese Prüfung zestaltet sich außerordentlich schwiexig, da — abgesehen davon, daß der Schutz der dem Hochwasser ausgesetzten Landstriche zur Aufgabe der Länder und nicht des Reiches gehört — in den meisten Fällen sehr verschie denartige Inseressen in Einklang gebracht werden müs— sen, wie sih das bei einem Einzelfall (Regulierung der Havelmündung) mit besonderer Deutlichkeit gezeigt hat. Hierbei darf noch darauf hingewiesen werden, daß in den letzten Jahren zahlreiche Deichbauten von großer landeskultureler Bedeutung als öffentliche Not— standsarbeiten mit Hilfe der produktiven Erwerbslosen ürsorge gefördert worden sind. Das Beschaffungsprogramm der Wasserstraßenab— teilung des Reichsverkehrsministeriums ist endlich noch durch Vorwegnahme einiger Bestellungen erweitert worden, die eigentlich für spätere Haushaltsjahre in Aus si ht genommen waren. Dabei handelt es sich um die Beschaffung neuer und den Ersatßz abgängiger Ge— räte im Gesamtwert von 3585 000 . Uber die grundsätzliche Frage, welche Wirkungen ein ausgedehn er Bau von Kanälen auf den Betrieb der Reichsbaͤhn hat, und wie die manchmal widerstrebenden Interessen der Reichsbahn und der Kanalinteressenten mit den größten wirtschaftlichen Nutzen für die All— gemeinheit gegeneinander abgegrenzt werden können, schweben zur Zeit Verhandlungen zwischen dem Reichs verkehrsministerium und der ReichsbahnGesellschaft, deren Ergebnis dann den Reichstag beschäftigen wird. Uber die gleiche grundsaätzliche Frage sind auch zwischen Reich und Preußen Erörterungen im Gange. Wohnungsbau Das Ziel, das die Reichsregierung sich bei ihren Maßnahmen zur Förderung des Wohnungsbaues gesetzt hatte, ist im großen und ganzen erreicht worden. Die Stockung des Wohnungsbaues, die in den ersten Monaten des Baujahres 1926 allgemein zu beobachten var, machte in der zweiten Hälfte des Jahres einer zu— iehmenden Belebung Platz; dementsprechend ging auch die Erwerbslosigkeit unter den Bauhandwerkern und Bauhilfsarbeitern in den meisten Bezirken ziemlich er eblich zurück. Das bestätigen nachfolgende Zahlen der verfüigbaren Arbeitsuchenden im Baugewerbe (nach der Statistik der Arbeitsnachweise): — — Arbeitsuchende gelernte Bauarbeiker Bauhilfsarbeiter Monat — E— Juu.. ugut Septenmblbe Rktober .. — 1926 89 492 107222 84 961 —— 2211 8740 820 96667 In den Summen, die das Reich aus den bereit— jestellten Jonds für Wohnungsbauten verausgabt hat, oinmt dies allerdings nicht voll zum Ausdruck. Es Twies sich für Lander und Gemeinden als möglich, die Zwischenkredite bei der großen Flüssigkeit des Geld— marktes zu billigen Bedingungen sich selbst zu be— Haffen. Die vom Reich bereitgestellten Mittel dienten abel als Ruͤckhalt für den Fall einer Versteifung des heldmarktes. Von dem 200 Millionen Kredit auf Grund des Ge— etzes vom 26. März 1926 sind von den Ländern bisher olgende Betraͤge abgerufen worden: für 2. Hypotheken von Preußen 60 000 000 , für 1.Hypotheken von sämt— lichen Laͤndern (außer Lübeck) insgesam 45 35891000 Mit dem Abruf der restlichen Mittel zu Beginn des Zaujahres ist mit Sicherheit zu rechnen —— Von dem Kassenkredit in Höhe von 50 Millionen M Vorschüsse auf die Hauszinssteuer) sind von den Län— ern bisher — abgerufenn 27966 000 angefordert insgesamt (ein— schließlich der bereits abge— Afenen 27 966 000 y 49675 000 Bau von Landarbeiterwohnungen Wegen der Sonderaktion füür den Bau von Land— Ebelerwohnungen wurden alsbald nach den Beschlüssen Reichsregierung Verhandlungen mit den betetligten Aandern, in erster Linie mit Preußen, aufgenommen. ZDiefe exrgaben die Bereitwilligkeit der Länder, bei der Durchführung dieser Aktion mitzuwirken und aus genen Mitteln Beihilfen in gleicher Höhe zu gewähren vie das Reich, so daß für diesen Zweck insgesamt ein Zetrag von 60 Millionen M zur Verfügung stand Im einen verstärkten Anreiz für den Bau von Land Abeiterwohnungen zu geben, wurde vereinbart, als Beihilfe für solche Wohnungen, deren Erstellung un— nittelbar den Ersatz ausländischer Arbeiter zur Folge hat, unverzinsliche Darlehen in Höhe von etwa zwei Dritteln der Baukosten zu gewähren; dies ist etwa doppelt so viel, als bei der bisherigen Aktion zur För— derung von Landarbeiterwohnungen im Rahmen »ex vroduktiven Erwerbslosenfürsorge gewährk vurde