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        <title>Denkschrift über die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung</title>
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        Der Reichsarbeitsminister
w 1027

M

2921 —
Reichstag
III.Wahlperiode
12477
An
den Herrn Präsidenten des Reichstags
Berlin, den 19. Januar 1927
In Beantwortung der Entschließung des Reichstags vom 28. Juni 1926 GReichstagsdrucksache 24565) beehre
ich mich, die beiliegende
Denkschrift über die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung , n
mit Anlagen zu übersenden. 73
3
e
9*
—B
— 8
x
—*
Denkschrift
über die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung
Inhaltsverzeichnis

IV.
Arbeitsmarktkrise 192526...... ———
Maßnahmen der Reichsregierung im Winter 1925 26 2

Beratungen im Unterausschuß des volkswirtschaftlichen
Ausschusses des Reichstags —
Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung:
Reichsbahn.
Reihspostt
Bau von Wasserstraßen. .
Wehnunggaaaa
Bau von Landarbeiterwohnungen .
Offentliche Notstandsarbeiten ....

2

4

Reichswirtschaftsrat

Minsterialkommission für Arbeitsbeschaffung . 7

UI.

durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms der
Reichsregierung:
a) Reichshanhn — Sent 8
b) Reichspoöstttt — 83
Bau von Wasserstrafgeeeennnn 9
Wehnungsobaaa919
e) Bau von Landarbeiterwohnungen . 10
foffentliche Notstandsarbeiten · 1
) Straßenbaa 12
N Meliorailyne 7*
V Sltedlnnnnnnnnn....
k) Erportfordernnnnnn
h Exporlkreditversicheunng
m) Reparationslieferungen . —4
Finanzierung des Arbeitsbeschaffungsprogramms15

VI.
Wirkung auf den Arbeitsmarkt

Reichskag. U. 1024/1927. Drucks. Nr 2921.. Ausgegeben am 24. Januar 1927.
Die Sracksachen des Reichdtags sind fortlaufend und einzeln
durch Carl Hehmanns Verlag, Berlin Ms zu begiehen.
Verlaasarchiv 8711

— * ⸗ —
WBo.

—
        <pb n="2" />
        Arbeitsmarktkrise 1925/26
Der deutsche Arbeitsmarkt hatte sich bekanntlich im
ersten Halbjahr 19025 sehr günstig entwickelt. Der Iu
dustrie, die mit Aufträgen so reichlich versehen war,
daß vielfach von einer Hochkonjunktun gerebet wurde,
war es möglich, zeitweise den überwiegenden Teil der
Arbeitsuchenden aus dem Arbellsmact zu nehmen
Die Zahl der unterstützten Erwerbslofen ging bis zum
l. Juli 1925 bis auf die ungewöhnlich medere Zahl
von 195 099 zurück und stieg auch in den folgenden
Monaten zunaächst noch wenig an Mit dem Nonat
November 1925 trat aber dann eine jahe Verschlech⸗
terung des Arbeitsmarktes ein. Dieser pPlößliche An—
schlag war einmal die Folge der akuten Krise, die Wer
das deutsche Wirtschaf sleben hereinbrach und in zahl⸗
reichen Konkursen und Betriebseinstellungen ihren Aus—
druck fand Sie war aber auch dadurch bedingt, daß
die wirtschaftlichen Strukturveränderungen, die in den
Jahren der Inflation und Stabilisierung durch beson—
dere Umstände verschleiert waren, erst jetzt klar in Er—
scheinung traten. Im Zusammenhang damt virtte
sich gleichzeitig der bekannte Umstellungsprozeß der
heutschen Wirtschaft aus, der zu einem Abbau zahl
reicher Arbeiter und Angestellter führte. Die Zahl
der unterstützten Erwerbslofen stieg bis zum 1De—
ember 1925 auf 673 315, zum 1.Januar 196
auf 1498 681 und zum 1. März auf 2056928 Dazu
kamen an dem letztgenannten Stichtage noch 22785312
Zuschlagsempfänger. Gleichzeitig waren zahlreiche B
riebe genötigt, zur Kurzarbeit überzugehen. Fur den
Umfang, in dem dies geschehen ist, bietet die Kurz⸗
irbeiterstatistik der Arbeiterfachverbaͤnde einen Anhalt,
anach stieg die Zahl der Kurzarbeiter, auf je 100 Mu
Jlieder berechnet, von 6,0 im August 1925 4uf 2m
Januar 1926
Maßnamen der Reichsregierung im
Winter 1925 26

Das Reichsarbeitsministerium erxkannte schon bald,
aachdem die Krise auf dem Arbeitsmarkt eingesetzt
bne daß die bisherigen Maßnahmen ur Bekampfung
er Erwerbslosigkeit gegenüber diesen außerordent
lichen Notstande nicht ausreichten. Es daher be—
reits im Dezember 1925 in Verhandlungen mit den
Sozialministerien der Länder ein, um das bisherige
System der produktiven Erwerbslosenfürsorge zu
weitern und eine Verstärkung der Notstandsarbeiten
zu erreichen. Im Verfolg dieser Verhandlungen wur⸗
den zunächst — zu Anfang 1926 — einer Anregung
des Preußischen Volkswohlfaͤhrtsministeriums entspre⸗
chend, die Bedingungen fuͤr die Förderung öffentlicher
Notstandsarbeiten in wesentlichen Punklen (Anteil des
Reichs und der Länder aun den Gesamtkosten, Tilgungs—
frist und Verzinsung der gewährten Darlehen) erleich—
lert, um auch Gemeinden mit weniger günstiger
Finanzlage die exforderlichen Notstandsarbeiten zu

rmöglichen; ein Abdruck des Erlasses ist beigefugt

Die Reichsregierung ging indes schon damals davon

us, daß die wirksame Bekaͤmpfung einer Arbeitslosig⸗
eit von solchem Unfang und solcher Dauer in
inem weiten gespannken Rahmen moögsch fet Ihre
Maßnahmen beschränklen sich daher nicht auf das Ge—
iet der Notstandsarbeen. Vielmehr be—
hloß das Kabinett, der Reichsbahn fuͤr die Vergebung
on Aufträgen über das Maß hinaus, das sie aus
igener Kraft leisten konnte, gemaͤß einem Abkommm
om März 1926 einen Kredit von 100 Millionen
u gewähren, Eine Vermehrung der Arbeitsgelegenheit
ewirlte auch ein Erlaß des Reichsftnanzmimnsters, in
em er sich damit einverstanden erklärte, daß gewisse
Arbeiten aus dem Haushallsplan für das Jahr 1926
ereits vor Beginn des Haushaltsjahres in Angriff ge—
ommen würden. Damals setzten auch bereils die Be—
althungen des Reichswirtschaflsministeriums zu einer
atkräftigen Förderung der deutschen Ausfuhr ain, die
derhandlungen über die Ausfallgarantie fur das
ussengeschaft und über die Erportkreditver sicherung
zurden eingeleitet. Im übrigen waren damals dem
Zestreben der Reichsregierung, vermehrte Arbeits
elegenheit bereitzustellen, durch die Lage des Geld—
narlts noch enge Grenzen gesetzt: das geringe Angebot
in flüssigem Gelde mußte unter allen Umständen ubg
ichst ungeschmälert der schwer kaͤmpfenden Wutschaft
elassen werden.
II.
Beratungen im Unterausschuß des Volks—
virtschaftlichen Ausschusses des Reichstages
Auch im Reichstag fand die Not der zahlreichen
Arbeitslosen ein lebhaͤftes Echo. Besonders eingehend
vurden Notwendigleit und Moͤglichkeiten der Mons
eschaffung in dem Unterausschuß behandelt, den der
3. Wolkswirxtschaftliche) Ausschuß des Reichstages
ꝛereits in fruͤheren Jaͤhren zur Beratung der Maͤß
ahmen gegen die Arbeilslosigkeit eingesetzt haute
Anter dem Vorsitz des inzwischen berstorbenen Abge⸗
rdneten Robert Dißmanu, der sich mit besonden
hingebung dieser Aufgabe widmete, bemuhle sich dieser
lnterausschuß in zahlreichen Verhandlungen und
Sitzungen mit Vertretern der verschiedenen Reich
essorts, ein Bild davon zu gewinnen, in welchem Un
ange die Beschaffungsstellen des Reiches und der Lan
er im laufenden Jahre im Rahmen ihres Haushalts
och Aufträge oder Arbeiten vergeben önnten. Dar⸗
ber hinaus suchte er festzustellen, wolche Arbeits mög
hkeilen erschlossen werden könnten, wenn diesen Stet—
n voch weitere Mittel über ihren Haushalt hinaus
ur Verfügung gestellt oder wenn ihnen die Ermächti—
Jung gegeben würde, solche Arbeiten ganz oder teil
veise vorwegzunehmen, die für den Haushaltslan des
Jahres 1927 vorgesehen waren Bie Banclet de
erschiedenen Refforis haben n diesen Verhandlungen
lmfang und Art der Auf rage und Lieferungen, die
n ihrem Geschäftsbereich unmelbar vergeben boder

nit ihrer finanziellen Hilfe ermbalicht werden können,
        <pb n="3" />
        eingehend dargelegt und erläutert. Auch mit dem Ge—
biet der engeren produktiven Erwerbslosenfürsorge hat
der Unterausschuß sich besonders befaßt und schon waäh—
rend seiner Beratungen nachdrücklich auf eine mög—
lichste Verstärkung der öffentlichen Notstandsarbeiten
hingewirkt.

Die Verhandlungen des Unterausschusses sind in dem
Bericht des 8.Ausschusses über produktive Erwerbs
losenfürsorge vom 25. Juni 1926 (6xeichslagsdruck
sache 2455) eingehend dargestellt. Die Wünsche und
Forderungen, die der Ausschuß auf Grund dieser Ar—
beiten an die Reichsregierung gerichtet hat, sind in der
Entschließung enthalten, die den Abschluß des genann—
ten Berichtes bildet und deren Beantwortung der
Gegenstand dieser Denkschrift ist. Auch der R.Aus—
schuß des Reichstags für Soziale Angelegenheiten hat
diese Entschließung nachdrücklich befürwortet; sie ist
im Plenum des Reichstages am 28. Juni einstimmig
angenommen worden.
Arbeitsbeschaffungsprogramm der
Reichsregierung

Die Bemühungen der Reichsregierung zur Verstär—
kung der Arbeitsmöglichkeiten hakten inzwischen nicht
geruht. Durch ständige Einwirkung auf die Gemein—
den im Einvernehmen mit den obersten Landesbehör—
den für Exrwerbslosenfürsorge war es zwar gelun—
gen, die Zahl der bei Notstandsarbeiten beschäf⸗
tigten Erwerbsblosen von 27870 am 15. Dezember
1925 auf 170 105 am 15. Mai 1026 zu steigern
Die Reichsregierung erkannte aber, daß den Er—
werbslosen noch weitere Hilfe gebracht werden mußte.
Die akute Wirtschaftskrise war inzwischen in den
Zustand der wirtschaftlichen Depression übergegan—
zen, damit hatte sich auch der Geldmarkt bedeutend er⸗
leichtert, ja, er zeige bereits eine gewisse Flüssigkeit.
Demgemäß entschloß sich die Reichsregierung, ein be—
sonderes Programm zur Bekämpfung der Erwerbs—
osigkeit, ein sogenaͤnntes Arbeitsbeschaffungspro—
ramm, aufzustellen. Der Herr Reichsminister der
Finanen erklärte sich bereit, den erforderlichen Mehr—
zusgaben oder Vorgriffen auf die Haushaltspläne des
Jahres 1927 zuzustimmen und die nötigen Mittel be—
reitzustellen. Als am 28. Juni 1926 der vorerwähnte
Bericht des Volkswirtschaftlichen Ausschusses im Ple—
num des Reichstiges zur Beratung stand, konnte somit
der Reichsarbeitsminister bereits die Beschlüsse der
Reichsregierung über das Arbeitsbeschaffungspro—
gramm mitteilen; es entsprach in allen wesenklichen
Punkten der Entschließung des Reichskages.

Da die Mittel, die für die Arbeitsbeschaffungsmaß—
nahmen zur Verfügung standen, in ihrer Hoͤhe be—
schränkt waren, war der leitende Gedanke der Reichs
regierung, ihre Maßnahmen vor allem solchen Teilen
der Wirtschaft zugute kommen zu lassen, deren Belebung
sich erfahrungsgemäß auch auf die anderen Gewerbe
günstig auswirkt und somit der Wirtschaft in ihrer
Janzen Breite einen Antrieb zur Besserung gibt: die
Maßnahmen des Reiches sollten vor allem eine bessere
Beschäftigung der sogenannten Schlüsselgewerbe sichern.
Auf der anderen Seite mußsen sie naturgemäß dort
insetzen, wo das Reich oder mit ihm in engster Ver—
indung stehende Stellen, wie die Reichsbahn Gesell⸗
chaft und die Reichspost, selbst als Auftraggeber

roßen Maßstabes in Frage kommen, hier konnte am
eich esten die erstrebte sozialpolitische Wirkung ge—
ühert werden; hier war der stärkste Einfluß auf eine
Durchführung des Arbeitsbeschaffungsgedankens, wie
ie den Absichten der Regierung entsprach, gegeben
Reichsbahn
Aus diesen Erwägungen ergab sich, daß ein wesent—
icher Anteil an dem Beschaffungsprogramm der
Keichsbahn zufallen mußte, die ja als das
rößte wirlschaftliche Unternehmen VDeutschlands —
uch in ihrer jetzigen Rechtsform bei der Durchführung
hres Betriebes den Interessen der Allgemeinheit Rech—
ung tragen und deshalb ihre wirtschaftlichen Kräfte
ruch zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit mit einsetzen
nuß. Dies geschah auf zwei verschiedenen Wegen.
kinmal gewährte das Reich — entsprechend dem Vor
Jang im Frühjahr 1926 der Reichsbahn ein Dar—
ehen von 100 Millionen A, das der Verbesserung
ind Ereuerung ihrer Anlagen dienen sollte. Von die
en 100 Millionen waren 30 Millionen für eine Er—
veiterung des Gleisumbauprogramms bestimmt. Das
var eine besonders dringliche Aufgabe, weil die Wie—
erherstellung und Erneuerung des Oberbaues nach den
Zchädigungen der Kriegs- und Nachkriegsjahre — im
sßegensatz zum Fahrzeugpark — noch erheblich im
ückstande ist Die 30 Millionen ermöglichten der
Keichsbahn die Ausdehnung der laufenden Erneue—
ungsarbeiten auf weitere 500 kmm, sie verteilten sich
uf Lieferungen der Eisenindustrie mit 138Mil
onen, der Holzindustrie mit 5,6 Millionen, der Stein
adustrie mit 49 Millionen und auf Löhne der bei
en Arbeiten unmittelbar beschäftigten Arbeitskräfte
nit 53,0 Millivnen. Fuür die Beschaffung von Wert—
soffen und Ersatzstücken aller Art zur Verbesserung des
zahrzeugparkes sollten 35 Millidnen A Verwen—
ung finden, von denen 29 Millionen auf Lieferungen
er Metallindustrie entfielen. 15 Millionen
aren für Brückenumbauten, Erweiterung von Bahn—
öfen, neue Werkstätten, elek rische Sicherungsanlagen,
Zremsausrüstungen und Wohnbauten bestimmt;, da
on entfielen 10 Millionen auf Auflräge an Bauunter—
ehmungen aller Art, 5 Millionen auf die Metallindu—
rie. 20 Millionen endlich stellte das Reich für den
Zeginn der Elektrisierung der Berliner Stadt und
dingbahn zur Verfügung, und zwar unter der Be—
ingung, daß die Reichsbahn aus eigenen Mitteln
inen Betrag in gleicher Höhe für diesen Zweck hergab.
Bei diesen 40 Millionen handelte es sich in der Haupt
ache um Aufträge an die Elek xoindustrie E1I,0 Mil
pnen .0) und die Eisenindustrie (60 Mul
onen AM), erhebliche Beträge entfielen aber auch
uf die Draht⸗ und Kabelindustrie und das Bauhand
er

Außer diesen 100 Millionen erhielt die Reichsbahn
om Reich zu besonders günstigen Bedingungen einen
dredit in Höhe von 53 313 000 2.0, um ihr die
zollendumg einer Reihe von Bahnstrecken zu ermba
chen die bereits vor dem Kriege begonnen waren, aber
nzwischen nicht hatten vollendet werden können Die
suswahl dieser Strecken — insgesamt 16 mit einer
hesamtlänge von 280 .m.watr vorher im Beneh—
gen mit den Regierungen der Länder erfolgt; ihre Ver
eilung auf die einzelnen Laͤnder und die Koͤssten ergeben
ch aus der folgenden Aufstellung
        <pb n="4" />
        .MPreußen
Kostenbetrag
1. Merseburg) Rössen Zöschen....... 1,354 Millionen MM,
2. Verden Rothenburg als eingleisige Nebenbahn ........ 2892
3. Dortmund)Preußen⸗ Münster als eingleisige Nebenbahn 14,530
4. Witten Barmen als eingleisige Nebenbahn ........77100
5. (Goldap)Dubeningken Szittkehmen . — 7
8. Meinerzhagen Krummenerl ..... .057
7. (Schwartau) Haffkrug Neustadt .. 09,643
Zusammen ..

30,076 Millionen MA.
B. Bayern
J. Zwiesel Bodenmais. . 4
2. Eisenberg-Enkenbach (Pfalz)...

2,858 Millionen M,
3300 y *
Zusammen ...
O. Sachsen

8158
6467 Millionen Q.M,
9922
Zusammen ....
D. Württemberg
J. Spaichingen Reichenbach (Nusplingen). 970 Millionen .
Schomberg Rotiweiiiii — 72
3. Klosterreichenbach Raumünzach (Württembergischer Strecken—
abschnitt val —

7,389

2325

2 *
Zusammen

4915
E. Baden
. Klosterreichenbach Raumünzach GBadischer Streckenabschnitt
pat 79——
Neckarsteinach Schhnau.. ..
Peterstal Griesbach .....

2
3.

0,775 Millionen MA,
2898
0,800 * y
Zusammen — 2778 * —
Gesamtbetrag . . . . 53,313 Millionen ..

Obwohl die Arbeiten an diesen Bahnstrecken so sehr
»eschleunigt werden, wie es technisch irgend möglich ist,
verden sie sich doch insgesamt auf etwa drei Jahre er⸗
strecken. Da die Dämme und die sonstigen Erdarbeiten
bei den meisten Strecken bereits fertiggestellt sind,
andelt es sich in der Hauptsache um die Einrichtung
es Oberbaues und um Sicherungsanlagen und Eisen
auwerke. Besondere Bedeutung kommt vom Gesichts
zunkt des Arbeitsmarktes den Strecken Dortmund
Münster und Witten-Barmen zu—

Für die mit Zuschüssen des Landes und der Be—
reiligten bereits in Angriff genommenen Bahnlinien
Litisee·Seebrugg und Oppenau Peterstal hat das
Rheich dem Lande Baden die darlehnsweise zur Ver—
ügung gestellten Beträge von 500 000 und
00 9000 erstattet, so daß auch diese Bahnen mit
Darlehen des Reiches fertiggestellt werden.

zauten und Lieferungen in möglichst großem Umfang
u vergeben. Den Absichten des Arbeitsbeschaffungs
rogramms der Reichsregierung entsprechend, beschloß
die Reichspost, den Rest ihrer Beschaffungsmaßnahinen
nit möglichster Beschleunigung durchzuführen und
ußerdem noch einen weiteren Betrag von 20 Millio—
nen NMeAzur Verfügung zu stellen, diese 20 Millionen
e vor allen Oingen für Hochbauten Verwendung
inden.
Bau von Wasserstraßen
Als ein weiteres Gehiet, auf dem sich umfangreiche
Arbeitsgelegenheiten erschließen lassen, kam der Bau
»on Wasserstraßen in Fraͤge. Wenn auch zweifellos die
mmittelbare Wirkung der Wasserstraßenbauten auf
den Arbeitsmarkt nicht allzu groß ist, so konnte man
doch an diesem weiten Arbeilsgebiete nicht bvoruben
gehen, zumal die mittelbare Belebung der Wirtschaft
urch die mit diesen Bauten verbundenen Aufträge
mmerhin beträchtlich ist. Dabei handelte es sich ein
nal um die Beschleunigung solcher Wasserstraßen
auten, die bereits im Gang waren, und andererseits
im die Inangriffnahme neuer Strecken. Det Reichs
erkehrsminister Waͤsserstraßenabkeilung) erklärte sich
bereit, bei den bereits begonnenen Bauten einen Tef
der Arbeiten, die für das Haushaltssahr 1927 vorge

Reichspost
Auch die Reich s post stellte sich in den Dienst der
Arbeitsbeschaffung. In ihrem Haushalt für 1926 war
bereits ein Beschaffungsprogramm in Höhe von
390 Millionen N vortgesehen, bei dessen Ansätzen
schon die Erwägung mitbestimmend gewesen war, mit
Rücksicht auf den Umfang der Arbeitslosiakeu Reu
        <pb n="5" />
        —*

sehen waren, noch in diesem Jahre ausführen zu lassen.
Für diesen Zweck stellte der Herr Reichsfinanzminister
einen Betrag von 13,85 Millionen M. zur Ver—⸗
fügung; seine Verteilung ergibt sich aus der folgenden
Aufstellung:
Lippekanal Hamm-Lippstadt
Restarbeiten an der Eder⸗ und
Diemeltalspere
ohenzossernkana
Hder Spree Kangr..
Ihle Plauer Kanaaaan
Verbesserung der Oderwasser—
straße unterhalb Breslau
Verbesserung der Vorflut in
der Mmieren Odeeeee
Bau der 2. Schleuse bei An—
derten zuzüglich begonnene
Strecken des Mittelland—
kanals

3000 000
T——U———
Da diese Arbeiten ihrem Umfang nach für eine Ent—
astung des Arbeitsmarktes nicht allzusehr ins Gewicht
fallen konnten — zumal bei Kanalbauten nicht sofort
große Massen von Arbeitskräften angesetzt werden
önnen — beschloß die Reichsregierung, vorgriffsweise
auch neue Kanalbauten in Angriff zu nehmen. Vor
allem sollte das Reststück des Mittellandkanals von
Peine bis Magdeburg und gleichzeitig gemäß den Zu—
sagen der Reichsregierung an die beteiligten Länder
der erste Bauabschnitt des Südflügels begonnen werden.
Hierfür wurden 14,7 Millionen bereitgestellt. Dazu
kamen dann noch 200 900 . flir Vorbexreitungs—
arbeiten am Küstenkanal Kampe Dörpen und 3 Mil—
lionen NMWA für den Bau des Staubeckens Ottmachau.

Sämtliche Mittel für diese Bauten der Wasser—
straßenverwaltung wurden durch den Nachtragshaus—
halt für 1926 angefordert. Der Reichstag hat jedoch
die Bewilligung der Mittel für den Kanalbau Hamm—
Lippstadt (K Millionen 0), den Ihle Plauer-Kanal
(J, Millionen MV), die zweite Schleuse bei Anderten
zuzüglich begonnener Strecken des Mittellandkanals
(3 Millionen .) sowie die Fortsetzung dieses Kanals
bon Peine bis Magdeburg (14,7 Millionen .0) ge⸗
strichen. Sie sind nunmehr im Etat für 1927 wieder
angefordert worden.

Wohnungsbau

Ganz besonders wichtig erschien eine Belebung des
Baumarktes, insbesondere des dringlich notwendigen
Kleinwohnungsbaues. Das Reich hatte bereits im
Frühjahr auf Grund des Gesetzes uͤber die Bereit
stellung von Kredit zur Förderung des Kleinwohnungs—
baues vom 26. Maͤrz 1926 200 Millionen A zur
Verfügung gestellt, um den Ländern Darlehen zur Ge—
währung von Zwischenkrediten auf erste Hypotheken für
Kleinwohnungen zu geben, da damals zu Beginn des
Baujahres und bis in das Baujahr hinein die Be—
schaffung von Zwischenkrediten gerade für Kleinwoh—
nungen auf dem offenen Geldmackt besonders schwierig
umd teuer war. Diese Mittel sind zunächst nur wenig
in Anspruch genommen worden, zum Teil, weil ge
nügend sonstige Fürsorgemittel zur Verfügung standen,
zum Teil, weil die Kredite nach den Bestimmungen des
Gesetzes von den Ländern schon nach 12Mongten zu—

ückgezogen werden mußten. Es wurde daher schon
am 1. Juli 1926 das Gesetz dahin abgeändert, daß den
Ländern die Darlehen bis zur Dauer von drei Jahren
nach dem jeweiligen Abruf gegeben wurden. Im Ver—
auf des Baujahres hat sich jedoch gezeigt, daß die Be—
chaffung von Zwischenkrediten besonders für die Haus—
inssteuerhypotheken mehr als für erste Hypotheken
Schwierigkeiten machte. Die Reichsregiexung er—
lärte sich daher auf Anregung Preußens damit ein—
erstanden, daß 60 Millionen DE. von dem auf
Preußen entfallenden Anteil an dem 200Mil-
ionen⸗ A. A⸗Kredit für Zwischenkredite auf Hauszins—
teuerhypotheken zur Verfügung gestellt wurden. Mit
diesen Maßnahmen war der Wohnungsbau im Jahre
926 in Fluß gekommen.
Angesichts der Tatsache jedoch, daß — vor allem in—
olge des fast vollständigen Ausfalles der Industrie—
hauten — in vielen Bezirken nicht nur unter den Bau—
hilfsarbeitern, sondern auch unter den Facharbeitern
des Baugewerbes recht große Arbeitslosigkeit herrschte,
heschloß die Reichsregierung außerdem ein zusätzliches
Bauprogramm zu ermöglichen. Die Durchführung
dieses zusätzlichen Bauprogramms erwies sich für die
ußerpreußischen Länder nur dadurch als möglich, daß
hnen ein Kassenkredit von insgesamt 50 Mil—
ionen NA.M zur Gewährung von Zwischenkreditken auf
Zauszinssteuerhypotheken gegeben wurde. Bei der Ver—
eilung dieser Mittel wie bei den 60 Millionen, die
Preußen zu demselben Zweck aus dem 200 Millionen⸗
Fonds zur Verfügung gestellt wurden, sollte den Er—
ordernissen des Arbeitsmarktes in doppelter Weise
Rechnung getragen werden: die Beihilfen sollten be—
»orzugt den Bezirken zugewiesen werden, die einerseits
ine besonders hohe Zahl erwerbsloser Bauhandwerker
»erzeichneten und anderseits mit einer gewissen Sicher—
Jeit dauernde Arbeitsgelegenheit für die Inhaber der
reuerstellten Wohnungen bieten. Damit will die
Reichsregierung der Umschichtung der Bevölkerung, die
ich infolge der Anderung der Struktur der deutfchen
Wirtschaft in großem Umfang vollzieht, Rechnung
ragen.
Um diese Umschichtung zu fördern, hat das Reich im
kinvernehmen mit Preußen übrigens auch noch be—
ondere Mittel der produktiven Erwerbslofenfürsorge
ür die Umsiedlung von Erwerbslosen aus den Ruhr—
gebiet bereitgestellt. Mit Hilfe dieser Mittel sollen für
diese Erwerbslosen Wohnungen in solchen Bezirken er—
tellt werden, die — sei es in der Landwirtschaft, sei es
in anderen Erwerbszweigen — günstigere und be—
tändigere Arbeitsmöglichkeiten bieten als das rheinisch—
vestfälische Industriegebiet, das infolge des großen Zu—
lusses aus allen Teilen des Reiches mit Arbeitskraͤften
bersättigt ist.
Bau von Landarbeiterwohnungen

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes hatte be—
zreiflicherweise die Aufmerksamkeit der Sffentlichkeit
zuch wieder einmal auf die bedauerliche Tatsache ge—
enkt, daß zu einer Zeit, in der nahezu zwei Millionen
eutscher Arbeiter keine Arbeitsstelle finden können,
Deutschland immer noch ausländische Arbeiter in einer
Gesamtzahl von rund 260000 beschäftigt. Soweit
diese Arbeiter auf die Industrie entfallen, handelt es
ich freilich um solche, die bereits seit langen Jahren in
        <pb n="6" />
        8
der deutschen Wirtschaft taͤtig sind und aus Ländern
tammen, in denen eine entsprechende Anzahl deutscher
Arheiter ihren Erwerb finden Anders liegen die Diuge
n der Landwirtschaft, die bis vor kurzem noch etwa
130 900 ausländische Arbeiter — in der Hauptsache
ür landwirtschaftliche Saisonarbeiten — beschäftigte.
Diese Zahl bedeutet zwar gegenüber dem Umfang der
Beschäftigung ausländischer Landarbeilker vor dem
Kriege schon einen erheblichen Rückgang, denn damals
zeschäftigte die deutsche Landwirtschaft im jetzigen
Reichsgebiet Jahr für Jahr etwa 400 000 aͤusländische
Arbeiter. Die jetzige wirtschaftliche Lage Deutschlands
wingt aber zu den ernstesten Bemühungen, auch noch
diesen Rest der ausländischen Landacbeiter durch
deutsche Arbeitskräfte zu ersehen. Diese Bemühungen
gehen bekanntlich bis in die Zeit unmittelbar nach Eude
des Krieges zurück, sie haben ergeben, daß eine der
wichtigsten, auch auf die Dauer wirksamen Maßnahmen
zur Ablösung der ausländischen Arbeitskräfte der Bau
gesunder Wohnungen auf dem Lande ist, Wohnungen,
die den berechtigten Ansprüchen des deutschen Laͤnd
arbeiters genügen. Es lag daher nahe, bei Gelegen⸗
heit des Arbeitsbeschaffimgsprogramms auch die für
diesen Zweck verfügbaren Mittel zu verstaͤrken B—
dahin war der Bau von Landarbeiterwohnungen aus
Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge ge
sordert worden mit dem Ergebnis, daß mit diefen Be—
hilfen in den Jahren 1920 bis Ende 1925 insgesamt
rund 30 000 Landarbeiterwohnungen —teils Werk
vwohnungen, teils Eigenheime — erstellt wurden Jetzt
beschloß die Reichsregierung, im Rahmen der produt
iven Exwerbslosenfürsorge einen besonderen Jonds bon
30 Millionen A bexeitzustellen, der zur Exrichtung
oon Landarbeiterwohnungen bei den Betrieben u
wendet werden sollte, die ausländische Arbetter nicht
nur als Saisonarbeiter, sondern auch den Winter hin⸗
durch beschäftigen. Bei diesen Arbeitskräften, die be
reits an die Stelle ständiger deutscher Arbelter getreten
sind, muß nämlich naturgemäß der Abbau derB
schäftigung ausländischer Arbeiter zuerst einsetzen. Die
30 Millionen sollten nach den Beschlilssen des Kabinells
nur unter der Bedingung zur Verfügung gestellt
werden, daß die Länder, in deren Gebiel die Woh⸗
rungen erstellt werden, aus eigenen Mitteln Auf
vendungen in gleicher Höhe machten. Das Ziel der
dktion war, — unter Zuhilfenahme wenerer Reichs⸗
nd Landesmittel — in den naͤchsten dre Jahren etwa
19000 Wohnungen jährlich zu erftellen Bamn sollte
Jeichzeitig die Möglichkeit gegeben werden, innerhalb
dieses Zeitraumes eine eutfprechende Anzahl aus⸗
ländischer Landarbeiter durch einheimische Arbeite—
kräfte zu ersetzen und nach ihrer Heimat zuruck
zuleiten. Diese Rückführung setzte allerdings eine Ver⸗
ständigung mit der polnischen Regierung wegen der
Abernahme der diesem Staate angehörigen Atbeler
ooraus, eine Frage, über die Verhandlungen zwischen
den beiden Regierungen bereits seit laͤngerer Zeu
schwebten.
ffentliche Notstandsarbeiten
Bei allen diesen Maßnahmen handelt es sich nicht
um sogenannte Notstandsarbeiten. Ihr Zweck i nicht
die unmittelbare Beschäftigung Erwerbsloser, sondern
zunächst Verstärkung und Belebung der wulschaft

chen Tätigkeit überhaupt und erst mittelbar Ent—
aistung des Arbeitsmaͤrktes. Daneben mußte in dem
wogramm der Regierung natürlich auch die produt
ive Erwerbslosenfuürsorge im engeren Sinne beruck—
ichtigt werden; die Mittel für die öffentlichen Rot
andsarbeiten und andere Maßnahmen, die unmittel
ar der Beschäftigung bisher unterstüützter Ewerbs—
oser dienen, mußten verstaͤrkt werden. Das Kaͤbinelt
eschloß demgemäß, die Haushaltsmittel des Reiches
ir die produktive Erwerbslosenfürsorge um 100 00
onen .“, d. h. auf den doppelten Betrag, zu er⸗
öhen; dabei mußte mit der Notwendigkeit gerechnet
derden, diese Mehrbewilligung auf dein Wege der
nleihe aufzubringen. Der Haushaltsausschuß des
deichstags hat dieser Erhöhung in seiner Simg am
Juli 1926 zugestimmt.

Die neu bewilligten 100 Millivnen . durften
aher nur für solche Notstandsarbeiten Verwendung
inden, die unbestritten produktiv im volkswirtschaft
ichen Sinne sind und nach Moöglichkeit in kurser Zeit
uch eine Rente abwerfen (werbende Anlagen). Ge—
acht wurde dabei vor allem an die Förderung don
Neliorationen, Flußregulierungen, Wasserkraftan
agen, Talsperren, Kanalisationsanlagen, Straßen
auten und dergleichen, Arbeiten, die auch bisher den
ʒauptanteil an den bffentlichen Rotstandsarbeiten aus
zachten. Um die Wirkungsmöglichkeit der zur Ver⸗
igung stehenden Mittel zu erhoͤhen, wurde angeregt,
e in geeigneten Fällen den Traͤgern der Notstandst
irbeiten nicht in Form von Zuschussen oder Darlehen
ur Deckung der Kapitalaufwendungen zuzuführen,
ondern anstatt dessen Zuschüsse zu der Verzinsung von
lnleihen zu gewähren, welche die Träger selbst auf
em freien Geldmarkt aufzunehmen hatten. Diefer
Veg empfahl sich vor allem für die Förderung des
traßenbaues, der überhaupt mit Rucksicht auf die
otwendigkeit, das deutsche Straßennetz mehr
isher den neuzeitlichen Verkehrsbedürfnissen anzu⸗
assen, ganz besondere Förderung erfahren sollte.
Dies ist in großen Zügen das Programm, das der
eichsarbeitsminister dem Reichstag als Beschluß de
deichsregierung am 28. Juni 1926 mitteilen konnte
reilich ist es seitdem in einzelnen Punkten noch ergangt
dorden, u. a. durch den bekannten Beschluß des
dahinetts, daß das Reich sich an der Aufbringung der
Nittel für den Bau fester Rheinbrücken bei Mann
eim Ludwigshafen, Speyer und Maxau beteiligen
derde.
Reichswirtschaftsrat

Zu diesem Programm hat bald nach Bekanntgabe
er grundsätzlichen Beschlüsse der Reichsregierung auch
er Vorläufige Reichswirtschaftsrat Stellung genom
nen. Die Frage der Arbeilsbeschaffung war dort
uerst in dem Arbeitsausschuß für die Arbeitslosenver
cherung zur Sprache gekommen und hatte zur u
timmigen Annahme einer Entschließung Cohen ge
ührt, welche die Notwendigkeit betonte, Arbeitsgelegen
eit für die Erwerbslosen auch außerhalb de eigent
ichen Notstandsarbeiten zu schaffen. Diese Entschlie
ung gab dann Anlaß zu einer grundsätzlichen Aus
prache der Vereinigten wirtschaftspoluschen und
nanzpolitischen Ausschüsse des Reichswirtschaftsrats
her das Arbeitsbeschaffungsprogramnm de Reichs
egierung am 1. Inli o desen KSr—
        <pb n="7" />
        gen, die am 20, 27. und 28.Juli in einem Arbeits⸗
usschuß fortgefüͤhrt wurden, gaben Vertreter der ein—
zelnen Refsorts eingehenden Aufschluß über die geplan—
sen Arbeilen und ihre Kosten. Der Arbeitsausschuß
beschäfligte sich auf Grund dieser Bexichte vor allem
nit der Frage der volkswirtschaftlichen und finanz
politischen Berechtigung des Abbeitsbeschaffungs—
orogramms

Dies ist dieselbe Frage, die — in grundsätzlicher Zu
pitzung — der bekannte schwedische Nationalökonom
Professor Casssel und auch namhafte deutsche Sach—
verständige und Politiker des öfteren aufgeworfen haben:
ob es vom volkswirtschaftlichen Standpunkt gerecht⸗
tertigt sei, daß die oöffentliche Hand zum Zweck der
Arbeitsbeschaffung besondere Mittel bereitstellt, Mittel,
die ja leßten Endes der Wirtschaft entzogen würden
und somit an anderer Stelle doch wieder Arbeits—
losigkeit hervorriefen. Der Bericht des Arbeitsaus—
schusses vom 13. August 1926 ist auf Veranlassung
der Reichsregierung seinerzeit auch den Mitgliedern
des volkswirtschaftlichen Ausschusses des Reichstags
zugestellt worden. Er kommt zu dem Eudergebnis, daß
die Aufwend ngen für das Arbeitsbeschaffungs—
programm in dem von der Regierung vorgesehenen
Rahmen auch unter finanzpolitischen und wirtschafts—
politischen Gesichtspunkten vertretbar seien.
Mimisterialkommission für Arbeits—
beschaffung
Um die beschleunigte Durchführung der beschlossenen
Arbeiten zu sichern und Verzögerungen durch lang
wierige schriftliche Verhandlungen zwischen den be—
keiligten Ressorts auszuschließen, hat die Reichs—
regierung einen besonderen interministeriellen Aus—
schuß gebildet, die sogenannte Ministerialkommission
ür Arbeitsbeschaffung. Ihre Aufgabe war, die
Arbeiten mit möglichster Beschleunigung in Gang zu
bringen, über ihren Fortgang zu wachen und dem Ge—
danken der Arbeitsbeschaffung bei der Ausführung in
vollem Umfang Rechnung zu tragen. Der Vorsitz
dieser Kommission wurde dem zuständigen Abteilungs
dirigenten im Reichsarbeitsministerinm, Geheimen
Regierungsrat Dr. Weigert, übertragen. Die Kom—
nission befaßte sich in einer ihrer ersten Sitzungen mit
der Frage, wie die sozialpolitische Auswirkung der
heschlossenen Arbeiten am zweckmäßigsten gesichert
verden könne. Im Einvernehmen aller beteiligten
Ressorts wurde beschlossen, die Vergebung aller
Arbeiten und Aufträge, die im Rahmen des Arbeits—
beschaffungsprograͤmms zur Ausführung kämen, an
zwei Bedingungen zu knüpfen. Einmal, daß diese
Arbeiten und Aufträge nicht mit der vorhaändenen
Belegschaft im Wege von Überstunden erledigt werden
dürften und ferner, daß benötigte neue Arbeitskräfte
bon den öffentlichen Arbeitsnachweisen anzufordern
seien Soweit die Arbeiten oder Aufträge Unter—
iehmern übertragen wurden, sollte diesen bei der Ver—
gebung eine Auflage dieses Inhalts gemacht werden
Hleichseitig setzte die Mimsterialkommission einen
Unterausschuß ein, dem die Aufgabe Ubertragen wurde,
nit den hauptsächlich beteiligten Ressorts das Ver—
fahren ur Durchführung dieser Bedinaungen im

mzelnen festzulegen. Dieser Unterausschuß sollte auch
ie Frage einer zweckmäßigen örtlichen und zeitlichen
Verteilung der Arbeiten nach den Gesichtspunkten des
Arbeitsmarktes und ferner die Möglichkeit einer zahlen⸗
näßigen Erfassung der Wirkung des Programms auf
en Arbeitsmarkt prüfen.

Die Anweisungen, welche die Beschaffungsressorts,
ie Reichsbahn und die Reichspost an ihre örtlichen
SZtellen über die erwaähnten sozialpolitischen Bedin—
ungen erlassen haben, ergeben sich aus der Anlage 2.
Die Ministerialkommission hat auf Grund einzelner
dAagen und Beschwerden, die bei den Ressorts und in
er Presse erhoben wurden, immer wieder auf die Ver—
flichtung hingewiesen, diese Bedingungen strikt ein⸗
halten Eine wiederholte Einwirkung erwies sich vor
Iem in der Frage der Überstunden als nötig, hierbei
urde auch Klage darüber geführt, daß manche Be—
haffungsstellen sehr kurze Lieferfristen vorschreiben
nd dadurch die Betriebe zu Überstunden veranlaßten
eine Frage, die auch im Reichstag wiederholt Gegen⸗
and der Exörterung gewesen ist. Das Reichsarbeits—
ninisterium und der Präsident der Reichsarbeitsver⸗
haltung haben in einer Reihe von Rundschreiben an
ie beteiliglen Ressorts des Reichs und der Länder die
Rotwendigkeit betont, durch entsprechende Abmachun—
jen bei der Vergebung der Liefexungen und durch eine
ingemessene Handhabung der Ausnahmemöglichkeiten
er Arbeitszeilverordnung der Überarbeit bei den Auf⸗
rägen des Arbeitsbeschaffungsprogramms nachdrück⸗
ich entgegenzuwirken, einer dieser Erlasse behandelt
peziell die Frage der kurzen Lieferfristen. Abdrucke
ieser Rundschreiben sind in der Anlage beigefügt.

Was die zeitliche Verteilung der Arbeiten angeht, so
durde die Notwendigkeit anerkannt, einen gewissen
deil der Aufträge für die Wintermonate zurück—
ustellen, in denen bekanntlich infolge der Einstellung
er Außenarbeiten stets ein empfindlicher Rückschlag
vuf dem Arbeitsmarkt eintritt; diese Erkenntnis setzte
ich vor allem bei der Verteilung der Reichsbahnauf⸗
räge durch. Die Reichsregierung hat übrigens schon
nmer eine zweckmäßige Verteilung der öffentlichen
lufträge, vor allem auch auf dem Baumarkt, auf die
erschiedenen Zeiten des Jahres — die bekanntlich auch
m Auslande als ein besonders wirksames Mittel zur
Zekämpfung der Arbeilslosigkeit gilt — durch ständig
hiederholte Anregüngen au die Stellen, die Aufträge
ergeben, zu fördern gesucht. Auch jetzt hat das Reichs⸗
rbeitsministerium wieder auf die Gesichlspunkte, die
abei zu beachten sind, hingewiesen (vgl die Anlage 9).

Die Durchführung der weiteren Forderung, die Auf—
räge möglichst den Bezirken zukommen zu lassen, in
enen die Arbeitsmarktlage besonders ungünstig war,
jeß auf große Schwierigkeiten, die hier nur angeden
et werden können; es sei nur davauf hingewiesen, daß
ie Mbeitsgelegenheiten, die als wirtschaftlich produf⸗
iv gellen Bnuen, sich natürlich nicht immer gerade
n den Bezirken der größten Arbeilslosigkeit finden
ran denke z.Baan die Reststrecke des Mittellandkanals
on Peine bis Magdeburg Ahnlich liegen die Dinge bei
en Lieferungen; auch hier decken sich die Betriebe,
helche die benbtigten Gegenstande herstellen können,
ines wegs immer mit denen, die besonders unter Be—
häfligungsmangel leiden. Die Ministexialkommission
at sich trotz dieser in der Sache liegenden Schwierig
Iiten mit allem Nichdruck bemuhl, die Gesichtspunkte

d

*
2
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        *

des Arbeitsmarktes auch bei der örtlichen Verteilung

der Arbeiten nach Möglichkeit zur Geltung zu bringen.

Nicht minder schwierig gestaltete sich die Prüfung
der Frage, ob und inwieweit es möglich sei, die Aus
wirkung der Maßnahmen des Arbeitsbeschaffungs—
programms für den Arbeitsmarkt zahlenmäßig zu er—
fassen. Verhältnismäßig einfach liegt diese Frage
bekanntlich bei den öffentlichen Notstandsarbeiten Sie
erhalten eine Förderung aus Reichs- und Landesmitteln
nur dann, wenn bisher unterstützte Exrwerbslose bei
ihnen beschäftigt werden, und nur in dem Umfaug, in
dem dies geschieht. Hier läßt sich also die Entlastung
des Arbeitsmarktes zahlenmaͤßig genau feststellen. Un
sicher bleibt allerdings auch hier die mittelbare Wir—
kung auf den Arbeitsmarkt, nämlich das Maß an
Arbeitsgelegenheit, das durch die Lieferungen und Auf—
träge geschaffen wird, die sich bei den Notstandsarbeiten
ergeben.

Bei allen übrigen Maßnahmen des Arbeitsbeschaf—
ungsprogramms kann aber nicht einmal die unmittel—
dare Entlastung des Arbeitsmarktes zahlenmäßig ein—
deutig erfaßt werden. Das ist darauf zurückzufuͤhren,
daß die UÜbernahme der Aufträge keineswegs in allen
Betrieben Neueinstellungen von Arbeitskräften erfor—
lich macht, z. B. dann nicht, wenn die Arbeitsgelegen—
heit der bisherigen Belegschaft erschöpft war und ihre
Entlassung nur mit Hilfe der neuen Aufträge vermie—
den wird oder wenn die Belegschaft bisher infolge un—
genügender Beschäftigung des Betriebes verkürzt arbei—
tete. Solche Betriebe haben natürlich die exlangten
Aufträge in erster Linie dazu benutzt, um die bisherige
Belegschaft weiterzubeschäftigen oder wieder voll
arbeiten zu lassen. Mit Ruckficht hierauf hatke ja auch
die Reichsregierung, wie oben ausgeführt, bei diesen
Maßnahmen ihres Programms den Hauptwert in der
mittelbaren Wirkung auf dem Arbeitsmarkt erblickt.

Der genannte Unterausschuß hat versucht, ein Bild
davon zu gewinnen, wie sich die Aufträge der Reichs—
bahn, der Reichspost, der Wasserstraßenverwaltung und
der anderen beteiligten Stellen auf die verschiebenen
Wirtschaftszweige verteilen, und hat mit Hilfe dieser
UÜnterlagen auf Grund von Erfahrungswerten zu
schätzen versucht, welches Arbeitsquantum in den ver—
schiedenen Lieferungen enthalten ist. Dabei hat er
nücht nur die Arbeitsmenge zu erfassen gesucht, die in
dem Betriebe, der den jeweiligen Auftrag erhaͤlten hat,
selbst geleistet wird, sondern darüber hinaus in seine
Schätzungen auch die Arbeitsleistungen der Hilfsbetriebe
einbezogen, die den ersten Betrieb mit Rohstoffen und
Halbfabrikaten beliefern. Wenn man dabei auch
keineswegs zu ziffernmäßig genauen Ergebnissen gelan
gen konnte, so haben die Arbeiten dieses Ausschusses
doch die Annahme bestätigt, daß die Maßnahmen des
Arbeitsbeschaffungsprogramms Arbeitsgelegenheit für
mehrere hunderttausend Arbeitskräfte auf die Dauer

von acht Monaten enthielten.

Die Ministerialkommission befaßte sich auch mit der
Frage der Kapitalbeschaffung der Gemeinden, die ja
auch für die Arbeitsbeschaffung von großer Bedeutung
ist. Bekanntlich unterliegt die Aufnahme von Anleihen
im Ausland durch Gemeinden und fonstige öffentliche
Körperschaften einer Genehmigung der obersten Lan—
desbehörden, die vorher gemaͤß einer Vereinbarung mit
dem Reich ein Gukaͤchten der beim Reichsfinangnini

terium eingerichteten Bexratungsstelle für Auslands⸗
redite einholen. Um sicherzustellen, daß bei den Gut—
ichten auch die Gesichtspunkte der Arbeitsbeschaffung
oll zur Geltung kommen, ist zwischen den beteiligten
RKessorts vereinbart worden, daß der Vorsitzende der
Ministerialkommission an den Besprechungen der Be—
ratungsstelle für Auslandskredite teilnimmt, während
die Beratungsstelle ihrerseits in den Sitzungen der
Ministerialkommission vertreten ist.

IV.
Durchführung des Arbeitsbeschaffungs—
programms der Reichsregierung
Reichs bahn
Es kann nicht wundernehmen, daß bei der Durch—
ührung eines so umfangreichen Programms manchet⸗
ei Schwierigkeiten auftraten. Besonders günstig ge—
taltete sich die Abwicklung des Programms be der
Keichsbahn Gesellschaft. Bort gelang es, die bereit
gestellten Mittel in kürzester Frist den örtlichen Stellen
uzuführen und in Aufträge umzusetzen. Schon Ende
Iftober 1926 — ein weiterer aͤbschließender Bericht
iegt noch nicht vor — war der Stand der Arbeiten bei
her Reichsbahn folgender:

Die zusätzlichen Gleisumbauten waren zu drei
Vierteln durchgeführt; die Oberbaustoffe für diese
Arbeiten waren bereits sämtlich beschafft. Die
elektrischen Sicherungsanlagen, und größere
Bahnhofsumbauten waren zu einem Dritkel, die
Wohnbauten zum größten Teil ausgeführt. Die
Aufträge für die Brückenverstärkungen waren im
»ollen Umfang des bereitgestellten Kredits ber—
zeben und die Arbeiten selbst etwa zur Hälfte er—
edigt. Die Bestellungen auf Kunze-Knorr⸗Brems
ausrüstungen waren gleichfalls herausgegeben und
ollten noch im laufenden Kalenderjahr ausgeführt
verden. Sämtlich vergeben waren ferner die Auf
träge zur Verbesserung des Fahrzeugparks, die
Lieferung sollte zu zwei Oritteln noch innerhalb
des Kalenderjahrs erfolgen. Von den Mitteln zur
Elektrisierung der Stadt- und Riugbahn waren
Aufträge im Gesamtwert von 17 Millionen
in die Industrie, in der Hauptsache Elektro- und
Eisenindustrie, vergeben.

Die Arbeiten an den Bahnstrecken, für deren
Fertigstellung der 53Millionen Kredit bereit
zestellt war, waren überall in Angriff genommen.
Bis zum J1. Januar 1927 waren für sie etwa
/, Millionen NM verausgabt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß gerade
on den Aufträgen der Reichsbahn Gesellschaft sufolge
hrer schnellen Ourchführung eine starke Belebung der
Wirtschaft, vor allem auch der Metall- und Maschinen
ndustrie, ausgegangen ist.
Reichspost
Auch das Beschaffungsprogramm der deutschen
deichspost konnte ohne wesentliche Hemmungen durch
eführt werden. Die Lieferungen und Leistungen des
irsprünglichen Beschaffungsprogramms der Reichspost
n, Höhe von insgesamt 300 Millionen A, die zur
Zälfte aus der Postanleihe aufgebracht worden sind,
        <pb n="9" />
        waren zum größten Teil bereits am 15.Oktober end—
gültig vergeben. Auf die gleichmäßige Berücksichtigung
der verschiedenen Wirtschaftszweige und Landedteil
ist Bedacht genommen wordem So entfallen auf
Berlin und Umgegend ... 2—
Rheinlan— 40
Bapyenn0
Baͤdee66676
Frestant Sachhtfe 39
Wesfalnng
Hamburg und Kiel zusammen 10
Wuremher1
Freistaat und Provinz Hessen zusammen 9
Schlesien und die Lausitz zusammen 8
Auch andere Bezirke, .B.Ostpreußen, Provinz
Sachsen, Pommern, haben erhebliche Auftraͤge der
Reichspost erhalten.
Es liegt in der besonderen Art der Verkehrs- und
Betriebsbedürfnisse der Deutschen Reichspost, daß die
Lieferungen in der Hauptsache bestimmten Industrie⸗
gruppen zugute kommen, und zwar in erster Linie der
Kabel⸗ und der elektrotechnischen Industrie, auf die
Aufträge im Werte von 118 Mlionen . ent
fallen, und dem Baugewerbe und den damit verwaͤndten
Gewerben (104 Millionen .2.). Daneben entfallen
auf die Metall, Eisen und Maschinenndustrie
27 Millionen . und auf die Kraftwageninduftrie
und die Gummiindustrie zusammen 13 Millibpnen 20

Die 20 Millionen HM, welche die Deutsche Reichs—
post nachträglich über ihr ursprüngliches Programm
hinaus bereitgestellt hat und die ebenfalls durch eine
Anleihe gedeckt werden sollen, sind füür Hochbamten be
stimmt. Die Bewilligung dieser Mitlel hat unter
anderem die Inangriffnahme folgender Arbeiten
möglicht:

Ausführung von 85 Neubauten in 80 verschiedenen
Orten des Reiches im Gesamtkostenbetraͤge von
zunächst 6,3 Millionen A,

bisher zurückgestellte kleinere Bauarbeiten an vor—
handenen Gebäuden und Umänderung veralte—
ter Schalteranlagen im Gesamtkostenbetrage
von 6 Millionen M,

beschleunigte Duxchführung von 50 bereits be—
gonnenen Bauten durch Zuweisung verstärkter
Baumittel im Gesamtkostenbekrage von 3Mil
lionen A,

Bau von weiteren 170 Wohnungen für Bedienstete
der Reichspost im Gesamtkosteubetrage bon
TMillion

Bau von Wasserstraßen

Größer waren die Schwierigkeiten bei der Durch—
führung der Wasserstraäenbauten. Der ungehemmte
Fortschritt dieser Arbeiten ist erfahrungsgemaͤß von
zahlreichen Voraussetzungen abhäugig, die sich selten
alle gleichzeitig erfüllen lassen. Erinnert sei nur an die
Schwierigkeiten beim Planfeststellungsverfahren und
hei der Beschaffung des erforderlichen Gelaͤndes, an
Unterbrechungen der Arbeiten durch Hochwasser und an
die zeitraubenden Verhandlungen über die Gestaltung
der Wasserwirtschaft für die anliegenden landwirt
schaftlichen Grundstücke. Dazu kommt, daß beallen
N20

danalprojekten Verhandlungen mit den Regierungen
er Länder, sei es über die Linienführung, sei es außer—
»em über eine finanzielle Beteiligung, notig sind. Bei
en Arbeiten, die bereits begonnen waren (vgl. die Auf
tellung auf Ses5 dieser Denkschrift), waren diefe
Loraussetzungen freilich im wesentlichen bereits erfüllt.
Die dafür zusätzlich bewilligten Mittel kounten dahen
ehr schnell nutzbar gemacht werden. Die Verstärkung
ieser Arbeiten war bereits am 15. Oktober überab
urchgeführt.
Dagegen verzögerte sich leider der Beginn der Ar—
eiten an der Reststrecke des Mittellandkanals durch
nancherlei unvorhergesehene Hemmungen nicht un
rheblich. Bekanntlich sind Preußen und die anderen
zeteiligten Länder durch Staatsbertraäͤge verpflichtet,
zu den Kosten des Mittellandkanals ein Drittel beizu⸗
ragen. Gerade dies führte aber bei den Verhandlungen
nit Meußen zu Schwierigkeiten. Preußen war woöhl
ereit, den Anteil an den Kosten, der ihm nach dem
dertrage zufiel, zu übernehmen, wünschte aber feinen
eits, auch die preußischen Provinzen, deren Wirtschaft
er Kanalbau zugute kommt, finanziell heranzuziehen,
ind sah deren Garantieleistung als Vorbedingung für
eine Kostenbeteiligung an. Die Provinzen ihrerseits
nüpften ihre Zustimmung zu den Vorschlägen der
Vreußischen Regierung an allerlei Bedingungen, teil
veise auch an Forderungen, die eine Erweiterung des
om Reich für vertretbar gehaltenen Wasserstraßen
rogramms bezweckten und erneute Verhandlungen
wischen dem Reich und Preußen nötig machten, zumal
ie teilweise als undurchführbar bezeichnet werden
nußten. Da sich infolgedessen die endgültige Zusage
reußens immer wieder verzögerte, entschloß sich das
reichsverkehrsministerium, um die Arbeiten im In—
eresse der Arbeitslosen endlich in Gang zu bringen,
umächst dazu, die Ausschreibung der Arbeiten ohne
Kücksicht auf die fehlende vorbehaltlose Zustimmung
Hreußens vorzunehmen. Als auch dann die Verhand
ungen mit Preußen noch kein endgültiges Ergebnis
rachten, ging das Reich mit der Vergebung der
ieferungen und Bauarbeiten vor, nachdem vom
reußischen Staatsministerium erklärt worden war,
daß Preußen die in dem vorbehaltlos unterzeichneten
Staatsvertrage übernommenen Verpflichtungen in loy
aler Weise erfüllen werde. Die Arbeiten sind jetzt an
ahreichen Baustellen begonnen worden, zur Zeit
verden etwa 1800 Arbeitskräfte beschäftigt. Eine
vesentlich größere Zahl wird noch zur Einstellung ge—
angen, wenn die im November Dezember erfolgte
Vergebung der vier großen Erdarbeitslose bei Braun—
chweig, Fallersleben, Neuhaldensleben und Magdeburg
ich auswirken wird. Neben der Inangriffnahme von
Erdarbeiten, Wegeverlegungen und Hochbauten sind
15 eiserne Brücken mit insgesamt etwa 2700 t Eisen
in 7 Losen in Auftrag gegeben worden. Weitere Erd
rbeiten und Brückenbauten werden in allernächster
deit vergeben werden.
Beim Staubecken Ottmachau ist neben dem Bau der
Dienstgebäude die Verlegung der Eisenbahnlinie Ott—
nachau Patschkau — eine nerläßliche Vorbedingung
ür den Beginn der eigentlichen Bauarbeiten —im
ange Die Bauarbeiten am Küstenkanal Kampe
Dörpen, die bisher nur der Herstellung eines Melio—
ationskanals dienten, werden etzt auf breikerer Grund
age fortgeführt.
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        1—
Zu diesen Bauten, für die im Haushalt des Reichs—
verkehrsministeriums Mittel eingestellt sind, tritt noch
der Ausbau der Lahnkanalisierung — zunächst von der
Mündung bis Limburg — hinzu, der als öffentliche
Notstandsarbeit aus den Mitteln der produktiven Er—
werbslosenfürsorge gefördert wird; auch hier sind die
Arbeiten bereits im Gange.

Nachträglich ist dem Reichsverkehrsministerium auch
noch ein Betrag von 1Million .“ für die Verbesse
rung der Hochwasserverhältnisse am Neckar in den Ge—
markungen Stuttgart, Cannstatt und Münster zur Ver—
fügung gestellt worden. Dieser Teil der Neckarregulie—
rung war an und für sich entsprechend dem stromauf—
warls gerichtet en Fortgang der Neckarkanalisierung für
spätere Jahre in Aussicht genommen. Es haben sich
aber im Zusammenhaͤnge mit der Verwertung des
Truppenübungsplatzes Cannstatter Wasen Ta'sachen
ergeben, die es auch für das Reich erwünscht erscheinen
lassen, diese Arbeiten schon jetzt durchzuführen, zumal
vom Lande Württemberg und den beseiligten Gemein—
den Kostenbeikräge in Aussicht gestellt wurden, auf die
das Reich bei planmäßiger Ausführung der Arbeiten
im Rahmen des für den Neckarausbau vorgesehenen
Arbei sprogramms nicht rechnen konnte.

Die Frage, inwieweit das Reich im übrigen Bauten
für den Hochwasserschutz fördern kann und welche Mit—
del dafür erforderlich sein werden, wird zur Zeit im
Reichsverkehrsministerium geprüft. Diese Prüfung
zestaltet sich außerordentlich schwiexig, da — abgesehen
davon, daß der Schutz der dem Hochwasser ausgesetzten
Landstriche zur Aufgabe der Länder und nicht des
Reiches gehört — in den meisten Fällen sehr verschie
denartige Inseressen in Einklang gebracht werden müs—
sen, wie sih das bei einem Einzelfall (Regulierung der
Havelmündung) mit besonderer Deutlichkeit gezeigt
hat. Hierbei darf noch darauf hingewiesen werden,
daß in den letzten Jahren zahlreiche Deichbauten von
großer landeskultureler Bedeutung als öffentliche Not—
standsarbeiten mit Hilfe der produktiven Erwerbslosen
ürsorge gefördert worden sind.

Das Beschaffungsprogramm der Wasserstraßenab—
teilung des Reichsverkehrsministeriums ist endlich noch
durch Vorwegnahme einiger Bestellungen erweitert
worden, die eigentlich für spätere Haushaltsjahre in
Aus si ht genommen waren. Dabei handelt es sich um
die Beschaffung neuer und den Ersatßz abgängiger Ge—
räte im Gesamtwert von 3585 000 .

Uber die grundsätzliche Frage, welche Wirkungen ein
ausgedehn er Bau von Kanälen auf den Betrieb der

Reichsbaͤhn hat, und wie die manchmal widerstrebenden
Interessen der Reichsbahn und der Kanalinteressenten
mit den größten wirtschaftlichen Nutzen für die All—
gemeinheit gegeneinander abgegrenzt werden können,
schweben zur Zeit Verhandlungen zwischen dem Reichs
verkehrsministerium und der ReichsbahnGesellschaft,
deren Ergebnis dann den Reichstag beschäftigen wird.
Uber die gleiche grundsaätzliche Frage sind auch zwischen
Reich und Preußen Erörterungen im Gange.
Wohnungsbau
Das Ziel, das die Reichsregierung sich bei ihren
Maßnahmen zur Förderung des Wohnungsbaues gesetzt
hatte, ist im großen und ganzen erreicht worden. Die
Stockung des Wohnungsbaues, die in den ersten
Monaten des Baujahres 1926 allgemein zu beobachten

var, machte in der zweiten Hälfte des Jahres einer zu—
iehmenden Belebung Platz; dementsprechend ging auch
die Erwerbslosigkeit unter den Bauhandwerkern und
Bauhilfsarbeitern in den meisten Bezirken ziemlich er
eblich zurück.

Das bestätigen nachfolgende Zahlen der verfüigbaren
Arbeitsuchenden im Baugewerbe (nach der Statistik der
Arbeitsnachweise):

— —

Arbeitsuchende
gelernte
Bauarbeiker Bauhilfsarbeiter

Monat

— E—

Juu..
ugut
Septenmblbe
Rktober .. —

1926
89 492 107222
84 961 ——
2211 8740
820 96667
In den Summen, die das Reich aus den bereit—
jestellten Jonds für Wohnungsbauten verausgabt hat,
oinmt dies allerdings nicht voll zum Ausdruck. Es
Twies sich für Lander und Gemeinden als möglich, die
Zwischenkredite bei der großen Flüssigkeit des Geld—
marktes zu billigen Bedingungen sich selbst zu be—
Haffen. Die vom Reich bereitgestellten Mittel dienten
abel als Ruͤckhalt für den Fall einer Versteifung des
heldmarktes.

Von dem 200 Millionen Kredit auf Grund des Ge—
etzes vom 26. März 1926 sind von den Ländern bisher
olgende Betraͤge abgerufen worden:

für 2. Hypotheken von Preußen 60 000 000 ,

für 1.Hypotheken von sämt—
lichen Laͤndern (außer Lübeck)
insgesam 45 35891000

Mit dem Abruf der restlichen Mittel zu Beginn des
Zaujahres ist mit Sicherheit zu rechnen ——

Von dem Kassenkredit in Höhe von 50 Millionen M
Vorschüsse auf die Hauszinssteuer) sind von den Län—
ern bisher —

abgerufenn 27966 000
angefordert insgesamt (ein—
schließlich der bereits abge—
Afenen 27 966 000 y 49675 000
Bau von Landarbeiterwohnungen

Wegen der Sonderaktion füür den Bau von Land—
Ebelerwohnungen wurden alsbald nach den Beschlüssen
Reichsregierung Verhandlungen mit den betetligten
Aandern, in erster Linie mit Preußen, aufgenommen.
ZDiefe exrgaben die Bereitwilligkeit der Länder, bei der
Durchführung dieser Aktion mitzuwirken und aus
genen Mitteln Beihilfen in gleicher Höhe zu gewähren
vie das Reich, so daß für diesen Zweck insgesamt ein
Zetrag von 60 Millionen M zur Verfügung stand
Im einen verstärkten Anreiz für den Bau von Land
Abeiterwohnungen zu geben, wurde vereinbart, als
Beihilfe für solche Wohnungen, deren Erstellung un—
nittelbar den Ersatz ausländischer Arbeiter zur Folge
hat, unverzinsliche Darlehen in Höhe von etwa zwei
Dritteln der Baukosten zu gewähren; dies ist etwa
doppelt so viel, als bei der bisherigen Aktion zur För—
derung von Landarbeiterwohnungen im Rahmen
»ex vroduktiven Erwerbslosenfürsorge gewährk vurde
        <pb n="11" />
        —

Die Bereitstellung dieser Darlehen gibt den Landwirten
die Möglichkeit, alsbald geeignete Wohnungen für
deutsche Landarbeiter zu erstellen und die auslaändischen
Arbeiter, die sie bisher auch den Winter hindurch be—
schäftigten, durch deutsche zu ersetzen. Unter Hinweis
auf diese Beihilfen konnte die Reichsarbeitsverwaltung
das Kontingent der ausländischen landwirtschaftlichen
Arbeiter für das Jahr 1927 von 130000 auf 190 000
herabsetzen. Die Rückführung der ausländischen Land—
arbeiter, die dadurch entbehrlich werden, wird dadurch
exleichtert, daß inzwischen ein vorläufiges Abkommen
mit Polen zustande gekommen ist, das die Ubernahme
der polnischen Heimkehrer regelt.

Die Bekanntgabe der neuen Beihilfemöglichkeit auf
dem Wege über die zuständigen Landesbehörden bis in
die einzelnen landwirtschaftlichen Kreise und die Prü—
fung der daraufhin eingehenden Anträge erfordert be—
greiflicherweise geraume Zeit. Uber die Auswirkung
dieser Sonderaktion können daher bestimmte zahlen
mäßige Angaben jetzt noch nicht gemacht werden

ffentliche Notstandsarbeiten

Auf dem Gebiet der engeren produktiven Erwerbs—
losenfürsorge, die sich im wesentlichen als die Förde—
rung öffentlicher Notstandsarbeiten darstellt, hat das
Reichsarbeitsministerium, nachdem die Verstaͤrkung der
Haushaltsmittel des Reichs bewilligt war, zunächst
nochmals die Frage geprüft, ob eine weitere Erleichte—
rung der Bedingungen nötig sei, die bis dahin für die.
Reichs⸗ und Landesbeihilfen zu den öffentlichen Not—
standsarbeiten galten. Die Prüfung, die im Einver—
nehmen mit den / zuständigen Ressorts der Länder er—
folgte und bei der auch die Vorschlääge des Deutschen
Städtetages und der anderen Organifationen kommu—
naler Verbände berücksichtigt wurden, führte zur Be—
jahung dieser Frage für diejenigen Bezirke, die beson—
ders durch die Arbeitslosigkeit betroffen waren. Die
neuerdings gewährten Erleichterungen sind durch den
Runderlaß des Reichsarbeitsministeriums vom
14. August — IV 1050026 der in der Anlage hei⸗
gefügt ist, den obersten Landesbehörden für Erwerbs—
losenfürsorge mitgeteilt worden. Nach diesem Erlaß
sind als Bezirke, die besonders durch die Arbeitslosig—
keit betroffen sind, diejenigen Länder und preußischen
Provinzen anzusehen, in denen die Zahl der Haupt-
unterstützunggempfänger 2v. H. der Einwohnerzahl
übersteigt, und ferner in den Ländern und Provinzen
mit geringerer durchschnittlicher Erwerbslofigkeit als
2v· H. diejenigen Gemeinden, in denen die Zahl der
Hauptunterstützungsempfänger 5v. H. der Einwohner—
zahl übersteigt. Die Erleich erungen, die für Not⸗
standsarbeiten mit Erwerbslosen dieser Bezirke gewährt
werden, beziehen sich vor allem auf den Zinssatz der
gewährten Darlehen, dessen untere Grenze durch den
Exrlaß allgemein auf 4v8. H. festgesetzt wird, und auf
ihre Tilgungsdauer, für die — außer 1 bis Ailgungs
ee Jahren — eine Frist bis zu 15 Jahren zugelassen
MVI—D»„
Gleichseitig wurden die zuständigen Ressorts der
Länder aufgefordert, für die Rotstandsbezirke im Sinne
des Erlasses besondere Programme wirtschaftlich wert—
voller Notstandsarbeiten aufzustellen. Der Haupt
zweck dieser Programme war, die beschleunigte In
anariffnahme umfangreicher Nofstandsarbeiten in den

genannten Bezirken zu ermöglichen; daneben sollten sie
ine Unterlage für den Fall bilden, daß sich die Not
vendigkeit ergebe, einen Teil der Haushaltsmittel des
Reichs für die produktive Erwerbslosenfürsorge auf
dem Anleihewege zu beschaffen. Auf Grund dieser
rogramme sind inzwischen für die Notstands“ezirke
Notstandsarbeiten mit insgesamt 20,2 Millionen
Tagewerken grundsätzlich genehmigt worden, die För—
erungsbeträge dieser Arbeiten belaufen sich auf rund
Millionen A. Der Reichsanteil (nach den ge—
etzlichen Bestimmungen die Hälfte der dafür erforder
ichen Mittel) ist den Ländern zur Verfügung gestellt
vorden, und zwar sind von den Reichsmitteln der pro—
duktiven Erwerbslosenfürsorge in Höhe von 200 Mil—
ibnen 2.M 157 Milliovnen .A. im Wege der Kontin
gentierung auf die Länder verteilt worden).

Eine Aufstellung darüber, wie sich diese Notstands
irbeiten auf die Länder und preußischen Provinzen
einerseits und auf die verschiedenen Arbeitszweige an—
derseits verteilen, enthält die Anlage 6. Daraus er—
zibt sich, daß es sich um Arbeiten der gleichen Art han—
delt, die auch bisher als öffentliche Notstandsarbeiten
gefördert worden sind, nämlich in erster Linie Melio—
rationen, Flußregulierungen, Stauanlagen und Tal—
perren, die vielfach gleichzeitig dem Hochwasserschutz
ind der Gewinnung von Wasserkräften dienen, ferner
Straßen- und Wegebauten und Kanalisationsarbeiten.
kin besonders großer Anteil entfällt auf Straßen—
hauten. In der Aufstellung sind aber nur solche
Ztraßenbauten enthalten, die nach den Bestimmungen
iber öffentliche Notstandsarbeiten gefördert werden,
dazu treten noch die Straßenbauten, für die aus den
Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge eine
Zinsverbilligung gewährt worden ist (Bgl. S. 12).

Für die Förderung der öffentlichen Notstands
irbeiten sind bekanntlich die auf Grund der 8832 und
13 der Verordnung über Erwerbslosenfürsorge er—
assenen Bestimmungen über öffentliche Notstands—
rbeiten vom 30. April 1925 maßgebend. Nach diesen
Bestimmungen können wirtschaftlich wert—
»olle Arbeiten, die andernfalls nicht ausgeführt
verden könnten, also zu sätzliche Mbeitsgelegen—
seit darstellen, eine Förderung aus Mitteln der pro—
uktiven Erwerbslosenfürsorge erhalten. Träger
olcher Notstandsarbeiten muͤssen Gemeinden oder
indere gemeinnützige Körperschaften sein, nur in Aus
rahmefaͤllen auch private Unternehmungen, von dieser
lusnahmemöglichkeit wird aber tatsächlich so gut wie
ein Gebrauch gemacht. Fur kleinere Arbeiten bis zu
2000 Tagewerken wird diese Förderung grundsätzlich
urch den Verwaltungsausschuß des zuständigen
Arbeitsnachweises aus den Mitteln der unterstützenden
Erwerbslosenfürsorge bewilligt, und zwar in Form
ines Zuschusses oder eines Darlehens. Der Zuschuß
darf den Betrag an Erwerbslosenunterstützung, der
urch die Notstandsarbeit erspart wird, in der Regel
nicht übersteigen und nur in Ausnahmefällen das
Anderthalbfache dieser Ersparnis betragen. Wird die
Arbeit durch ein Darlehen gefördert, so darf dieses
Darlehen im Höchstfall bis zum Zweieinhalbfachen der
rsparten Erwerbslosenunterstützung gehen. Bei
zrößeren Arbeiten (uber 2000 Tagewerken) kann zu
dieser »Grundförderung« noch eine sogenannte ver

*XUber die Verwendung des Restes der Haushaltsmitlel val S12

2
2

——
        <pb n="12" />
        2
tärkte Förderung« durch Darlehen aus den Mitteln
reten, die das Reich und die Länder in ihren Haus
halten für die produktive Erwerbslosenfürsorge ein—
gestellt haben. Diese Darlehen werden in der Regel
als langfristige Tilgungsdarlehen mit einer Tilgungs—
frist bis zu 15 Jahren gewährt. Als untere Grenze
für ihre Verzinsung ist ein Sat von v. H. festgesehl.
Die Gesamtfbrderung einer Notstandsarbeit darf nach
den bexeits erwähnten Bestimmungen in dem Erlaß
vom 14. August einerseits bis zu 80 v. H. (im besetzten
und geräumken Gebiet 90 v. H) der Gesamtkosten und
indererseits bis zum Sechsfachen der ersparten Er—
wverbslosenunterstützung betragen.

Für die Entscheidung, ob eine verstärkte Förderung
für eine Notstandsarbeit gewährt werden kann, sind
die obersten Landesbehörden oder die von ihnen beauf—
ragten Stellen (in Preußen die Regiekungspräsi—
denten) zuständig. Nur bei Arbeiten, für die eine
Förderung von mehr als 200 000 2. bewilligt
werden soll, muß nach den gesetzlichen Vorschriften die
Zustimmung der Reichsarbeitsverwaltung eingeholt
werden. Eine UÜbersicht der Notstandsarbeiten, deren
Förderung die Reichsarbeitsverwaͤltung im Laufe des
Jahres 1926 zugestimmt hat, ist beigefügt.

Wenn trotz der Bemühungen der zuständigen Reichs
und Landesbehörden die Zahl der Erwerbslosen, die
bei Notstandsarbeiten beschaͤftigt werden, seit dem
15. Mai 1926 ihrer absoluten Höhe nach nicht uner—
seblich zurückgegangen ist — der verhältnismaßige
Anteil der Notstandsarbeiter an der Gesamtzahl der
Erwerbslosen ist ungefähr gleichgeblieben ——(vgl
Anlage 8), so ist diese Entwicklung in erster Linie wohl
darauf zurückzuführen, daß die Notstandsarbeiten, die
zu Beginn des Jahres 1926 mit Rücksicht auf den da—
maligen hohen Stand der Erwerbslosigkeit in Gang
gebracht worden waren, inzwischen ihr Ende erreicht
hatten. Ferner hat die Aufstellung und Genehmigung
der Notstandsprogramme, wie es nicht anders sein
kann, eine gewisse Zeit in Anspruch genommen, da die
einzelnen Projekte nur nach reiflicher Prüfung durch
die zuständigen Landesbehörden in die Programmeé
uufgenommen werden konnten, wenn anders nicht die
Durchführbarkeit der geplanten Arbeiten in Frage
gestellt sein sollte; sie werden sich daher in der Haupt—
ache erst in den kommenden Monaten auswirken

Aus den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfür⸗
sorge werden neben den eigentlichen Notstandsarbeiten
zuch noch andere Maßnahmen gefördert, die der Ver—
lingerung der Erwerbslosigkeit dienen. Die gesetzliche
Krundlage für diese Maßnahmen bildet der 8532 der
VLerordnung über Erwerbslosenfürsorge. In dieser
Art sind Mittel der produktiven Erwerbsloscnfürsorge
ur Verfügung gestellt worden für die Arbeiten der
Deutschen Bodenkultur A. G., die Darlehen an Melio—
rationsunternehmungen gewährt, die auch der Ent—
astung des Atbeitsmarkts dienen (vgl. S. 139) und

an die Deutsche Odlandkultur⸗Gesellschaft, die unter
Heranziehung städtischer Erwerbsloser die Kultivierung
bon Odland, vor allem in den Provinzen Hannover
und Schleswig⸗Holstein, betreibt. Für die Tätigkeit
dieser Gesellschaften darf auch auf den Bericht des
Volkswirtschaftlichen Ausschusses vom 28. Juni 1926
Reichstagsdrucksache Nr. 2455) verwiesen werden.
Weiter sind auf Grund des 832 Mittel der produk
tiven Erwerbslosenfürsorge für die sodenannte

Keedereihilfsaktion, die der Bekämpfung der Arbeits
osigkeit in der Werftindustrie dient, für die Hilfs—
riktidn für den Eisenerzbergbau im Siegerland, Lahn—
ind Dillgebiet und in Oberhessen, für die Errichtung
son Arbeitsnachweisgebäuden und für eine Hilfs
iktion für den Textilmaschinenbau der Firma Krupp
ur Verfügung gestellt worden. Die Gesamtverteilung
»er Mittel der produktiven Erwerbslosenfürsorge
einschließlich der den Landern überwiesenen Mitlehsen
sibt sich aus der anliegenden Zusammenstellung

Im Rahmen der engeren produktiven Erwerbslosen
ürsorge ist auch dem Beschluß der Reichsregierung
ntsprochen worden, dem Straßenbau eine besondere
Förderung angedeihen zu lassen. Die Notwendigkeit,
as, deutsche Straßennetz den neuartigen Verkehrs—
»edürfnissen, die sich vor allem aus der starken Zunahme
es Kraftwagenverkehrs ergeben, nach und nach anzu
assen, ist auch in den Verhandlungen der Vereinigten
lusschuüsse des Reichswirtschaftsrats, die sich gerade mit
Rieser Frage sehr eingehend befaßt haben, auerkannt
vorden. Straßenbauten sind allerdings schon immer
n großem Umfange als öffentliche Notstandsarbeiten
efördert worden, d h. es wurden für den Bau neuer
Ztraßen oder die Erneuerung bestehender Straßen
n aller Regel Kreis⸗ oder Gemeindestraßen bei
enen bisher unterstützte Erwerbslose beschäftigt wur
en, Zuschüsse und Darlehen nach den Bestimmungen
ber öffentliche Notstandsarbeiten gegeben; ausge
hlossen von einer derartigen Forderung waren freilich
ie normalen Straßenunterhaltungsarbeiten, da diest
un den Pflichtaufgaben der wegebaupflichtigen Verbände
ehören. Um die vorhandenen Mittel ergiebiger zu
estalten oder — mit auderen Worten — um mit ver—
ältnismäßig geringen Beträgen einen erheblichen
dapitalaufwand und die Bereitstellung entsprechender
rbeitsgelegenheiten zu ermöglichen, entschlossen sich die
dessorts für die Forderung von Neubauten und Um—
auten der Staats⸗ und Provinzialstraßen einen ande—
en Weg, den bei den Beratungen der Reichsregierung
ngeregten Weg der Zinsverbilligung, zu wählen. Zu—
ächst wurde denjenigen Ländern und Provinzen, die
ls Notstandsbezirke im Sinne des Erlasses vom
4. August 1926 gelten, für Anleihen, die sie zur Ourch—
ihrung verstärkter Straßenbauprogramme aufnehmen,
n Zuschuß zu den von ihnen aufzubringenden Sinsen
ngeboten, und zwar von v. H. im ersten und von je
v. H. in den beiden folgenden Jahren Neuerdings
ird diese Zinsverbilligung darüber hinaus auch
olchen Bezirken gewährt, die zwar selbst nicht Not
andsbezirke im Sinne des Erlasses vom 14. August
26 sind, aber die Baustoffe für ihre Straßenbaten
berwiegend aus Notstandsbezirken beziehen Die Sins
ischüsse werden je zur Hälfte aus den Milteln des
deiches und denen der Länder für die produftive Er—
erbslosenfürsorge aufgebracht. Von diesem Anerbielen
st schon in verhältnismäßig großem Umfange Ge—
xauch gemacht worden; die Straßenbauten, die mit
zilfe dieser Zuschüsse in Gang gesetzt worden sind,
wellen einen Gesamtwert von rund 80 Millionen 20
ar. Ihre Verteilung auf die verschiedenen Gebiete
rgibt sich aus der anliegenden Aufstellung. Die Reichs— —
egierung exrwartet von diesen Albbeiten besoudé

Straßenbau
        <pb n="13" />
        3
auch eine baldige beträchtliche Besserung der sehr un—
günstigen Beschäftigungslage in den Steinbruch⸗
betrieben, vor allein im Rheinland und in Schlesien.
Meliorationen

Zur Förderung landwirtschaftlicher Bodenverbesse—
Aungen hat das Reich bekanntlich im Jahre 1921die
Deutsche Bodenkultur A. G. gegtundet, die in engster
Zusammenarbeit mit den Ländern, den Organisationen
der Landwirtschaft und den Gewerkschaften Darlehen
an öffenlich-rechtliche Bodenverbesseruugsgenossenschaf⸗
ten gewährte, soweit deren Unternehmungen auch der
Entlastung des Arbeitsmarktes diekten Die hierzu
benötigten Mittel wurden der Gesellschaft zu je einem
Drittel vom Reich (aus den Reichsmitteln der pro⸗
duktiven Erwerbslosenfürsorge), von der Renlenbau
und ihrer Rechtsnachfolgerin, der Reutenbanttedit
anstalt, und von den Ländern zur Verfügung gestellt
NRach Erschöpfung dieser Fonds sind durch das Gesetz
über die Gewährung von Darlehen zur Hebung der
landwirtschaftlichen Erzeugung vom 22. Fun 186
neue Mittel für die Gesellschaft flüssig gemacht worden,
ndem ihr aus den UÜberschüssen der Reichsgetreide
elle 35 Millivnen A zur Verflgung gestellt wurden
Dadurch ist die Gesellschaft in den Stand geseht wor
den, ihre Arbeiten auch im laufenden Jahre fortu-
etzen.

Mit Hilfe der Darlehen, welche die Gesellschaft im
Einvernehmen mit den beteiligten Laͤndern au Boden
verbesserungsgenossenschaften gegeben hat, ist bisher
nsgesamt die Melioxation von rund 200 000 ba
möglicht worden; dabei wurden etwa 7000000
beitertagewerke geleistet. Daneben sind auch aus
Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge im Wege
der öffentlichen Notstandsarbeit zahlreiche Melioratton
unternehmungen gefördert, worden; z. B. hat die
Reichsarbeitsverwaltung, die nach den gesehßlichen Vor
schriften nur über die Förderung von Notstands⸗
arbeiten größeren Umfanges entscheidet, in diesem
Ahre Zuschüsse und Darlehen im Gesamtbetrage von
über 40 Millionen fuür Melioratiomumen
rehmungen bewilligt.
Siedlung

In das Gebiet der Arbeitsbeschaffung gehbrt auch die
landwirtschaftliche Siedlung. Wenn die Reichsregie
ung ihre Beschlüsse uber die Forderung der Siedlung
auch unabhäugig von der Aufstellung des Arbeits
eschaffungsprogramms gefaßt hat, so ist doch die
andwirtschaftliche Siedlung — auf lange Sicht ge—
sehen — flir das Problem der Arbeitsbeschaffung von
gzeradezu ausschlaggebender Bedeutung. Viele Um—
tände sprechen dafürt, daß die grundlegenden Verände—
rungen der weltwirtschaftlichen Verhaͤltnisse, die eine
Folge des Krieges sind, eine berufliche Umstellung der
Bevölkerung Deutschlands in großem Umfange not—
wendig machen werden, vor allem in der Richtung, daß
ein sehr viel größerer Teil des deutschen Volkes als
hisher seinem Erwerb in der Hauptsache in landwirt⸗
schaftlicher Tätigkeit findet. Diese Entwicklung er—
scheint außerdem sowohl aus innerpolitischen wie aus
zrationalen Gründen exwünscht; eine besonders drin—
gende Notwendigkeit ist eine dichtere Besiedlung der
Ann bevölkerten Ostgebiete. Voraussetzung füh eine

— — 7
—7—
32

oAlche Umschichtung der Bevölkerung ist aber die An—
zung geeigneter Siedler auf eigenem Grund und
Boden. Wenn es gelingt, dieses Ziel zu exreichen, wird
s im Laufe der Zeit möglich sein, den Uberschuß der
andwirtschaftlichen Bevblkerung, der leide auch jetzt
mmer noch nach den Großstädten drängt, meht und
nehr auf dem Lande festzuhalten und damit ur E
saltung und Stärkung eines wirtschaftlich gesunden
ind kaufkräftigen Bauernstandes beizutragen, in dem
nuch die deutsche Industrie ein weites Absatzfeld finden
vird. In Erkenntnis dieser Zusammenhänge hat die
Keichsregierung beschlossen, fur die Siedlung in den
Atgebtekten im, laufenden Jahre zunachst 30 Rillio—
en NA bereitzustellen. Daneben ftehen für Sied—
ingszwecke noch 15 Millionen N. aus den Übei—
chüssen der Reichsgetreidestelle zur Verfügung, diese
Nittel sind vor allem für die Besiedlung verbesserten
der noch zu verbessernden Bodens bestimmt, um dazu
inzuregen, durch Schaffung neuer und Vergrößerung
u kleiner Betriebe ertragloses oder ertragarmes Land
n Kultur zu bringen und es in Kulin zu erhalken.

Zum Arbeitsbeschaffungsprogramm gehören endlich
uch die Maßnahmen zur Förderung der deutschen
lusfuhr, welche die Reichsregierung bereits früher be—
chlossen hatte (ogl. S. 2der Denkschrift), nämlich
ie Ausfallgarautie fuͤr die Russengeschäfte und die
kWortkreditversicherung. Diese beiden Einrichtungen
aben sich in der kurzen Zeit ihres Bestehens bekteinse in
rfreulicher Weise entwickelt. Die Förderung des
dussengeschäfts exfolgt gemäß den Beschlüssen des
aushaltsausschusses des Reichßtags vom 35. Februar
926 in der Form, daß das Reich und die Laͤnder bet
wwissen langfristigen (zwei⸗ und vierjährigen) Liefe—
ungsgeschäften nach der Unson der sogialistischen
owjet Republiken eine Ausfallbürgschaft in Hohe von
O v. H. des Kaufpreises übernehmen“ Diese Ausfall
ürgschaft ermöglicht den Abschluß von Lieferungsber
rägen bis zum Gesamtwert von etwa 300 Rillio—
ien N, das Reich selbst kann nach den genaunten
Beschlüssen eine Bürgschaft bis zum Höchstbetrage von
95 Millionen NR. übernehmen. Bie Finangierumg
er Lieferungen erfolgt in der Hauptsache durch die
eutschen Banken, zu einem geringen Teil durch die
Industrie selbst. Die Schwierigkeiten, die vorüber—

ehend dieser Finanzierung im Wege standen, sind un
nittelbar nach Annaͤhme der Entschließung des Reichs—
ages vom 28. Juni 1926 durch eine Einigung zwischen
sndustrie und Banken behoben worden. Die Beschaf
ung der nötigen Kredite ist jetzt bis zur vollen Höhe
esichert.
Im Rahmen dieser Kreditaktion sind bisher mit der
ʒandelsvertretung der Union der sozialistischen So
ojet Republiken Verträge im Gesamtbekrage von etwa
60 Millionen .A. abgeschlossen worden. Die Aus
allbürgschaft hat der interministerielle Ausschuß, der
ür diese Entscheidungen gebildet worden ist, bisher für
herträge im Gesamtbelkrage von rund 180 Mil
ionen übernommen. Die Lieserungen verteilen sich auf
ie verschiedensten Industrien; besonders ftark beteilig
ind die Werkzeugmaschinenindustrie, die Industrie der
Zergwerks⸗, Hütken- und Walzwerkbanlagen, nicht un
rheblich auch die Landmaschinen industrie und die Fahr

Exportförderung
        <pb n="14" />
        zeugindustrie. Die Verteilung auf die Industriezweige
im einzelnen und auf die verschiedenen Gebiete des
Deutschen Reiches ergibt sich aus der anliegenden Zu—
sammenstellung.
Exportkreditversicherung

———
——4

Günstig entwickelt hat sich auch die Exportkredit—
oersicherung. Ihr Zweck ist bekanntlich, deutschen Ex—
porteuren die Finanzierung von Lieferungen nach dem
Auslande dadurch zu erleichtern, daß ihnen ein gewisser
Teil (in der Regel zwei Brittel) des Risikos auf dem
Wege der Kredibberficherung abgenommen wird. Ver—
sichert wird die Uneinbringlichkeit der Forderungen
beim ausländischen Importeur, soweit sie auf dessen
Zahlungsunfähigkeit zurückzuführen ist. Im Gegensatz
u der bisherigen Praxis der privaten Versicherungs—
gesellschaften wird hierbei auch das sogenannte Kata—
strophenrisiko mit gedeckt, das auf kriegerische oder re—
bolutionäre Verwicklungen oder auf Naturereignisse
zurückzuführen ist. Die Kreditversicherung erfolgt in
der Art, daß ein Orittel des Risiko vorweg vom Ex—
porteur zu tragen ist, während die beiden anderen
Drittel zu gleichen Teilen von den beteiligten Versiche—
rungsgefellfchaften und vom Reich getragen werden;
im Faͤlle des Katastrophenrisikos werden die beiden
lehten Drittel bis zur Erschöpfung eines bestimmten
Betrages vom Reich und darüber hinaus von Rück—
versicherern getragen. Für diesen Zweck hat die Reichs—
reglerung zunächst einen Betrag von 10 Millionen 2
aus Mitleln der produktiven Erwerbslosenfürsorge zur
Verfügung gestellt. Die Heranziehung dieser Mittel
war deshalb berechtigt, weil Versicherungen nur für
solche Lieferungsgeschaͤfte nach dem Ausland genehmigt
werden, die ohne diese Hilfe der deutschen Wirtschaft
voraussichtlich verloren gehen würden; die Ubernahme
eines Teiles des Risikos auf Reichsmittel erhöht also
die Beschäftigungsmöglichkeiten der deutschen Arbeiter.
Darauf, daß diese Voraussetzung erfüllt ist, achtet der
Ausschuß der Exportkreditversicherungsstelle, dem diese
—— uüͤbertragen sind, mit besonderem Nach—

ruck.

Die Kreditversicherung nach diesem System wird in
starkem Umfang in Anspruch genommen, insgesamt
hat die Exportkreditversicherungsstelle bisher Versiche
Lungen über etwa 2 000 Auslandsgeschäfte im Gesamt—
werte von über 25 Millionen Z.“ genehmigt. Die
dadurch ermöglichten Exportaufträge verteilen sich in
starker Mischung auf alle Teile der deutschen Industrie,
vor allem find Textilien, Maschinen und Kleineisen—
waren, Wirtschaftsgeräte aller Art, Lederwaren, Por—
zellan und Glaswaren beteiligt. Während die Ein—
ichtung zunaͤchst überwiegend von der kleineren und
miltleren Industrie in Anspruch genommen wurde, be—
teiligten sich neuerdings auch größere Unternehmungen
mit einem nennenswerten Teile ihrer Auslandsgeschäfte
nach beftimmten Ländern an ihr. Auch eine große An—
zahl führender Hamburger Exporthäuser nimmt diese
Versicherungsart in Anspruch, obwohl gerade han—
sealische Exporteure vorher große Bedenken gegen die
Einrichtung geltend gemacht hatten.

Um auch diesen Bedenken der Hamburger Expor—
teure Rethnung zu tragen, hat die Reichsregierung
neen der vorstehenden geschilderten Form A der Ex—
portkreditversicherung eine zweite Form geschaffen.
Diese sogenannte Exportkreditversicherung B bezweckt

m Gegensatz zu der ersten Form nicht das Risiko des
eukschen Exporteurs zu vermindern, sie soll ihm viel—
nehr die Kreditbeschaffung für seine Auslandsaufträge
erleichtern. Sie versichert nämlich die Zahlungs—
infähigkeit des inländischen Exporteurs zugunsten einer
reditgebenden Bank derart, daß der inländische Expor—
eur in vollem Umfange mit dem Risiko seiner Ge—
chäfte belastet bleibt, ihm aber durch erhöhte Versiche—
ung seiner Bank eine erweiterte Kreditmöglichkeit er—
ffnet wird. Auch diese Einrichkung befindet sich seit
inigen Wochen in Tätigkeit; über ihre praktische Aus—
virkung sind aber zurzeit genaue Angaben noch nicht
nbglich. Die Bürgschaft wurde auch in diesem Falle
unächst auf einen Sonderfonds aus dem Haushalts⸗
itel der produktiven Erwerbslosenfürsorge übernom
nen.

Verhandlungen über weitere Maßnahmen zur Er⸗
eichterung der deutschen Ausfuhr, insbesondere nach
Kußland, sind noch in der Schwebe, nähere Mitkeilun—
gen koönnen darüber noch nicht gemacht werden.

Um die Maßnahmen zur Foörderung der Ausfuhr
uf eine breitere Grundlage zu stellen und der Reichs—
egierung die Moͤglichkeit zu geben, den verschieden—
rligen Anforderungen, die sich aus den jeweiligen
virtschaftlichen Verhäl nissen ergeben, in geeigneten
gällen mit größerer Beweglichkeit Rechnung zu tragen,
at der Reichstag die Regierung inzwischen durch das
Zaushaltsgesetz ermächtigt, für diese Zwecke Garantien
is zu einer Hohe von 175 Millionen N einzugehen.
Diefe Ermächtigung deckt nunmehr auch die bereits
ingegangenen Verpflichtungen aus den verschiedenen
Zweigen der Exporkkreditversicherung.
Reparationslieferungen

In der Entschließung des Reichstags vom 28. Juni
vird die Reichskegierung auch ersucht, »bei den Repa—
ationsleistungen auf die Gewinnung langfristiger
Zachlieferungen im Rahmen des als möglich erachkeken
rausfers hinzuwirken⸗« Zu dieser Anregung darf
zuf die Ausführungen verwiesen werden, die der Ver
reter des Reichskommissars für Reparationslieferun—
Jen seinerzeit in dem Unterausschuß des Volkswirt—
schaftlichen Ausschusses gemacht hat (ogl. Ses der
Keichstagsdrucksache Nr. 255) und die auch heute noch
zu Recht bestehen. Dort ist hervorgehoben, daß das
Keich selbst nach dem Londoner Protokoll und der Ver—
ahrensvorschrift für Sachleistungen vom J. Mai 1926
Zaͤchleistungen nicht mehr zu erfüllen hat, daß diese
ielmehr jeht nur noch eine Übertragungsart der Be—
aͤnde des Generalagenten auf die einzelnen alliierten
ander darstellen. Die Verträge über die Sachliefe—
ungen werden also wie andere Verträge des normalen
geschaͤftslelens im Wege der freien Vereinbarung
wischen den deutschen Lieferanten und den alliierten
Bestellern abgeschlossen. Die Sachlieferungen sind
omit heute ein Teil des normalen Außenhandels und
interscheiden sich von anderen Auslandsgeschäften nur
adurch, daß die Bezahlung nicht in Devisen, sondern
us den Reichsmarkbeständen des Generalagenten er
olgt. Bei dieser Sachlage hat die Reichsregierung
iacurlicherweise keinen Einfluß auf die Att der Be—
tellungen und ist insbesondere nicht in der Lage, darauf
in zuwirken, daß in erster Linie die Induftriezweige
Zachlie erungsaufträge erhalten, die besonders unter
Irbeitslosigkeit leiden. Die Interessen des deutschen
        <pb n="15" />
        5

Arbeitsmarktes sind bei diesem Verfahren dadurch ge—
sichert, daß der Generalagent die Zahlungen nur für
solche Verträge leisten darf, die bestimmten Bedingun—
gen entsprechen. Die wichtigste dieser Bedingungen ist,
daß die gelieferten Waren vollkommen aus der deut—
schen Wirtschaft stammen müssen (soweit sie in erheb—
lichem Prozentsatz ausländische Rohstoffe enthalten,
muß ein entsprechender Teil des Preises in Devisen be—
zahlt werden)!

Inzwischen hat die Reichsregierung mit dem
Generalagenten das bekannte Abkommen über den so—
genannten kleinen Besserungsschein geschlossen; danach
sind die zusätzlichen Reparationszahluugen aus dem
Reichshaushalt in Höhe von 300 Millionen AR aus⸗
schließlich für den Bezug von Sachlieferungen zu ver—
wenden. Infolge dieser Vereinbarung ist mit einer
gewissen Steigerung des Sachlieferungsverkehrs und so—
mit mit einer Mehrbeschäftigung der deutschen Liefer—
firmen im Reparationsjahr 192627 zu rechnen.

Dem Abschluß langfristiger Reparations—
verträge, den die Entschließung des Reichstags befür—
wortet, stehen raparationspolitische Erwägungen ent—
gegen. Die Reparationsleistungen müssen nämlich in
bar oder jedenfalls kurzfristig aqus den Markguthaben
bezahlt werden, die den alliierten Staaten beim
Generalagenten zur Verfügung stehen; bei einer
anderen Art der Zahlung müßte für die vorschußweise
exfolgenden Reparationsleistungen der in- und aus—
ländische Kreditmarkt zu Lasten der deutschen Wirt—
schaft in Anspruch genommen werden.

v.
Finanzierung des Arbeitsbeschaffungs⸗

programms

Einiger Worte bedarf noch die finanzielle Seite des
Arbeitsbeschaffunggprogramms. Hier muß zunächst
daran erinnert werden, daß die Maßnahmen der Reichs—
regierung nach den vorstehenden Darlegungen fast
sämtlich so geartet sind, daß sie nicht nur die Mittel,
die das Reich selbst zur Verfügung stellt, sondern
darüber hinaus noch erhebliche weitere Mittel in Be—
wegung setzen. Die Durchführung des Programms
zieht einmal die Bereitstellung von Geldmitteln auch
durch die Reichsbahn und die Reichspost nach sich, sie
hat ferner bei den Wasserstraßenbauten, beim Woh—
nungsbau und bei den Maßnahmen der engeren pro—
duktiven Erwerbslosenfürsorge auch Aufwendungen der
Länder und Gemeindeverbände zur Folge: sie führt
endlich bei einigen Teilen des Programms, vor allem
beim Wohnungsbau, dazu, daß auch die Wirkschaft
selbst Geldmittel für produktive Arbeiten zur Ver—
fügung stellt. Außer diesen unmittelbaren Wirkungen
erhofft die Reichsregierung von der allgemeinen Be—
lebung der Wirtschaft, die ihre Maßnahmen bezwecken,
auch eine Wiederbelebung des wirtschaftlichen Ver—
trauens und damit eine größere Bereitwilligkeit, freie
Kapitalien den Produktionsgewerben zuzufuühren und
so in Arbeit umzusetzen.

Im Zusammenhang mit den Bewegungen, welche
die Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms
auf dem Geldmarkt hervorruft, steht die Anregung in
der Entschließung des Reichstages, »die Reichsregierung
möge prüfen, inwieweit der Andrang von tkäglichem

zeld, das zum Teil zu reinen Spekulationszwecken im
In⸗ und Ausland verwendet wird, der produktiwen
Virtschaft Deutschlands zugeführt werden kann«. Es
st in der Tat zutreffend, daß in diesem Jahre eine
zroße Flüssigkeit in kurzfristigem Gelde zu beobachten
var. Sie ist in diesem Sommer noch dadurch verstärkt
vorden, daß die in großem Umfange hereingeströmten
Auslandskapitalien aus technischen Gründen vielfach
richt sogleich den Zwecken zugeführt werden konnten, zu
denen sie aufgenommen waren; sie mußten daher auf
»em Geldmarkte kurzfristige Anlage suchen. Diese
veldflüssigkeit muß aber in erheblichem Ausmaße als
ine regelmäßige Begleiterscheinung jeder wirtschaft—
ichen Depression betrachtet werden. Es kommt darin
ie Unsicherheit der wirtschaftlichen Entwicklung zum
Ausdruck; die Geldgeber scheuen sich, ihr Kapital vor
iner Klaͤrung der Wirtschaftslage auf längere Zeit in
ieser oder jener Unternehmung festzulegen. Das
zroße Angebot an kurzfristigem Gelde während wirt
chaftlicher Depressionen kann daher keineswegs ledig—
ich als ungesunde Erscheinung gewertet werden. Viel—
nehr ermöglicht dieses Aberangebot erst eine stärkere
dapitalbildung, die eine der wichtigsten Voraus—
etzungen zur Üirwindung der Krise ist.

Die Maßnahmen der Reichsregierung tragen wie
»ben gezeigt, in wesentlichem Maße dazu bei, das
inlagesuchende Geld für produktive wirtschaftliche Ver—
vendung und damit für den Arbeitsmarkt nutzbar zu
nachen. Bei einer solchen Einwirkung auf dem Geld—
narkt darf aber eine Wirtschafts⸗ und Finauzpolitik, die
hrer Verantwortung bewußt ist, gewisse Grenzen nicht
iberschreiten, da erfahrungsgemäß bei einem Anziehen
der Konjunktur ein starker Kapitalbedarf der Wirt
chaft eintritt. Die Befriedigung dieses Bedarfs darf
richt dadurch unmöglich gemacht oder erschwert werden,
aß die Gelder vorzeitig und in zu weitgehendem Maße
angfristig festgelegt werden.

Die Mittel, die das Reich selbst für die Finanzierung
er Arbeitsbeschaffunggsmaßnahmen aufwenden muß,
elaufen sich bereits für das Haushaltsjahr 1926 ins—
jesamt auf rund 630 Millionen M.“. Die Auf—
vendungen, die bisher entstanden sind, konnten bis jetzt
roch ohne Inanspruchnahme des Anleihemarktes flüssig
gsemacht werden. Es ist aber damit zu rechnen, daß
u einem jetzt noch nicht bestimmt anzugebenden Zeit
unkt der Anleihemarkt in Anspruch genommen werden
muß. Auch aus diesem Grunde wäre es bedenklich, den
Kapitalmarkt allzusehr zu verknappen.
Wirkung auf den Arbeitsmarkt
Es ist noch die Frage zu erörtern, die für die Be—
rteilung der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen ent—
cheidend sein muß, die Frage nämlich, welche Wirkung
ie auf dem Arbeitsmarkt ausgeübt haben. Die Zahl
der unterstützten Erwerbslosen (Hauptunterstützungs—
mpfänger) ist, wie einleitend bereits gesagt ist, in der
Zeit vom J1. Juli bis November ganz erheblich zurück—
gegangen. Sie betrug

am Juli 8
* .Nugust 19908
» September 238
ctober 0298
»INovember 102088
        <pb n="16" />
        Das gleiche Bild ergibt sich aus der Statistik der
Bewerkschaften über Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit
bei den gewerkschaftlichen Verbaͤnden:

irmen mit umfangreichen Aufträgen beteiligt sind.
Die Belebung des Baugewerbes dürfte sogar zum größ—
en Teile auf das Eingreifen des Reiches und der Laͤnder
n den stockenden Baumarkt zurückzuführen sein. Die
Schwierigkeiten, die einer zahlenmäßigen Erfafsung des
nteils entgegenstehen, den die Maßnahmen der öffent—
ichen Hand an der Besserung des Arbeitsmarktes
jaben, sind bereits oben dargelegt worden. Auch bei
orsichtiger Würdigung aller Momente, die für ein
olches Urteil in Betracht kommen, darf aber gesagt
verden, daß das Arbeitsbeschaffuugsprogramm, soweit
das bei dem jetzigen Stande der verschiedenen Maß—⸗
rahmen schon zu üͤbersehen ist, erfolgreich war. Ins—
esondere darf die Rückkehr vieler Betriebe zu voller
rbeit auf die Wirkung des Arbeitsbeschaffungs—
rogramms zurückgeführt werden.
Es muß immer wieder mit allem Nachdruck betont
verden, daß es die Kräfte des Staates übersteigt, eine
rbeitslosigkeit von solchem Umfange, deren lehte und
vesentliche Ursache die Zerrüttung und Umwälzung
er weltwirtschaftlichen Beziehungen und der nationd
en Wirtschaft ist, ganz oder auch nur in der Haupt⸗
ache zu beseitigen. Staatliche Maßnahmen werden
ine solche Arbeitslosigkeit immer nur teilweise beheben
ind mildern können, die durchgreifende Heilung muß
us der Wirtschaft selbst kommen, ihre unerlaßliche
oraussetzung ist die Wiederherstellung des wirtschaft
ichen Gleichgewichts. Viel ist schon getan, wenn es
em Staat gelingt, die Folgen der Arbeitslosigkeit für
en einzelnen Arbeitslosen dadurch zu lindern, daß er
hm durch Bereitstellung eines gewissen Maßes von
rbeitsgelegenheit die Möglichkeit gibt, wenigstens
itweise wieder Arbeit zu finden. Dadurch wird ein—
nal die wirtschaftliche und soziale Vereleudung ver—
nieden, die langdauernde Arbeitslosigkeit häufig zur
solge hat, vermieden wird auch die Entwöhnung von
egelmäßiger Arbeit, die vielleicht die gefaäͤhrlichste Be—
leiterscheinung langer Erwerbslosigkeit ist. Bie Er—
ebnisse der Arbeitslosenstatistik zeigen, daß es zum
nindesten gelungen ist, die Masse der Arbeilsuchenden
uuf dem Arbeitsmarkt in ständiger Bewegung zu hal
en. Ein beredtes Zeugnis von dieser Fluktualion gibt
die nachstehende statistische Ubersicht der langfristigen
e (nach den Meldungen der Arbeitsnach
weise):

Am

Zahl der
Arbeitslosen

In
Prozenten
der
Mitglieder

Zahl der
urzarbeiter

In
Prozenten
der
Mitglieder

1926
Jun
33 Jun
28. August.
25. September
30. Oktober ..
27. November

327 287
99917
67 5341
13364
7695
184 978

184
17
6,7
152
142
14,2

396 793
363 823
11685
427 380
343 303
— 84 774

172
16,6
1500
—13
102

8,3

Bemerkenswert ist hierbei besonders der starke Rück—
zang der Kurzarbeit, er hat sich auch im Dezember
noch fortgesetzt (7,8 v. H. der Gewerkschaftsmitglieder).

Dieser Rüͤckgang ist selbstverstäͤndlich nicht allein
ind nicht einmal überwiegend auf die Arbeits—
beschaffungg maßnahmen zurückzuführen; vielmehr hat
eine Reihe verschiedener Ursachen dabei mitgewirkt.
Ein wesentlicher Anteil an dieser Entwicklung entfallt
auf die Folgen des englischen Bergarbeiterstreiks, der
eine starke Besserung des Beschaͤftigungsgrades im
deutschen Bergbau zur Folge hatte (die Belegschaft des
Ruhrbergbaues stieg von 360 234 am 31. Mat 16936 auf
111 214 am 31.Dezember 1926). Vor allem aber kann
nicht übersehen werden, daß die deutsche Wirkschaft in
den letzten Monaten anscheinend die akute Krise in der
Hauptsache überwunden hat und daß vielleicht schon
von einem leichten Wiederanziehen der Konjunktur ge—
sprochen werden kann. Auf die Ursachen dieser Beffe—
rung braucht hier nicht eingegangen zu werden. Die
Maßnahmen der Reichsregierung haben jedenfalls, wie
es ihren Absichten entsprach, diese Belebung erheblich
gefördert und beschleunigt. Insbesondere ist der bessere
Auftragsbestand der Metall und Maschinenindustrie
und der verwandten Industrien, die solange unzu

reichend beschäftigt waren, und die langsame Erleich
terung der Arbeitsmarktlaͤge dieser Gewerbezweige in
den letzten Monaten zu eidem wesentlichen Teile auf
die Aufträge der Reichsbahn und auf die Lieferungen
nach Rußland zurückzuführen, an denen sehr viele
Zahl der Hauptunterstützungs⸗
empfänger

— — — — — ——— ——
Zahl der Hauptunterstützungsempfünger mit einer Unterstützungsdauer von mehr als
13 Wochen 26 Wochen 39 Wochen
ee 7
Sahl . Sp2 am 240— d. Sp.2

——— — — —

absolute
ag

absolute * 5.
ann Zahl d. Sp2
— 77
———
—— ——
—
———
—— —
——————
——
———
——
——
J
—
J—
— ——
— 38

198022
209675
— 251530
298878
473 454
1062218
1763 976
2058 12
2016590
878881
742 926
749 249
718330
603 700
—483 458

F
15. 126
— 538
3
—7
—
—
3 713
3163
— 75353
3.108
36
338

7

58554
75713
94912
28581
87 348
278263
384551
197 828
—330094
30861
30889
550 355
——

296

361

7

30 *
e 65886
62 15. 926
1086
16
3 4226
38/8 —
30, *
318 *

56
2226
326
426
—6
68
78
5826
3 926
1036
51126
531226

251306
364 278
562764
40 132
03 782
55 784
91286
40902
35 365
07 829
375 334
—22 562

1
/0
2,0
*01
74
4,0
3,5
28
—
60,8

1

15 659
44913
180 862
2087209
2318901

—
13,5
103
—104
—

——
        <pb n="17" />
        Die Arbeitsmarktlage hat sich inzwischen seit dem
Dezember 1926 wieder verschlechtert. Das war
nicht anders zu erwarten, da die Einstellung der land
wirtschaftlichen Arbeiten und der Außenarbetten im
Baugewerbe wie in allen Jahren einen erheblichen
Rückfluß von Arbeitskräften duf den Arbeitsmart
bringen mußte. Es muß auch damit gerechnet werden,
daß die Zahl der Erwerbslosen bis Ende Januar noch
veiter ansteigt. Es kann jedoch erwartet werden,
daß der Teil des Arbeitsbeschaffungsprogramms, der

1

7

och in der Ausführung begriffen ist oder dessen Aus
ihrung erst bevorsteht, mit dazu beitragen wird, auch
jesen Rückschlag auf dem Arbeitsmarkt zu mildern
Darüber hinaus wird es ernste Pflicht der zuständigen
Keichsministerien sein, die Entwicklung des Arbeus
narkts in den nächsten Monaten auf das genaueste zu
erfolgen und ständig die Frage zu prüfen, ob noch
veitere Maßnahmen zur Vermehrung der Abeite
elegenheit erforderlich sind.

R2921
        <pb n="18" />
        a —

Anlage!
Vergleiche hierzu auch Anlage 5
Der Reichsarbeitsminister
V 2026

—

Berlin NW 40, den 5. Januar 1926
Scharnhorststr. 35.

An
die obersten Landesbehörden für Erwerbslosenfürsorge
leinschl. der Vertretungen der Länder in Berlin)
Betrifft: Erleichterung offentlicher Notstandsarbeiten
l. Die erhebliche Zunahme der Arbeitslosigkeit, die in den letzten Wochen in vielen Bezirken ein—
jetreten ist, macht es erforderlich, in verstärktein Umfange Notstandsarbeiten bereitzustellen, um wenig—
lens einen Teil der Erwerbslosen für eine gewisse Zeit beschäftigen zu können. Zahlreiche Gemeinden
aben in den letzten Wochen bereits die Inangriffnahme von Notstandsarbeiten beschlossen, in anderen
chweben noch die Verhandlungen. Ich darf der Erwartung und Bitte Ausdruck geben, daß in Fällen,
denen Geineinden mit einer erheblichen Zahl von Erwerbslosen nicht von sich aus rechtzeitig Vor—
kehrungen für Rotstandsarbeiten treffen, die zuständigen Landesbehörden ihrerseits den Gründen dafür
achgehen und sich bemühen werden, etwaige Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Für Arbeitskräfte
zus Bezirken, die eine günstigere Arbeitsmarktlage aufweisen, sollten dagegen in diesem Winter Not—
kandsarbeiten nach Möglichkeit gar nicht ausgeführt werden.
Selbstverständlich wird es auch in den Bezirken mit großer Arbeitslosigkeit bei der Knappheit der
erfügbaren Mittel einerseits und der großen Zahl der Erwerbslosen anderseits immer nur möglich
In, Wbeilsgelegenheit für einen Bruchteil der Erwerbslosen bereitzustellen. Um diese beschränkten
Abeilsgelegenhessen — sowohl zur Exleichterung ihrer wirtschaftlichen Lage als zur Prüfung ihres
rbeilswillens an wmöglichst viele Erwerbslose heranzubhringen, wird befonderes Gewicht auf eine
egelmaßige Auswechselung der Notstandsarbeixer in wöglichst kurzen Zeit—
aumen zu legen sein, soweit dies mit einer wirtschaftlichen DOurchführung der Nosstaudsarbeiten noch
rgend vereinbar ist. Über drei Monate hinaus sollten in diesem Winter Erwerbslose bei einer Not
tandsarbeit überhaupt nicht verbleiben
II. Auch die gegenwärtige Lage enthebt die zuständigen Stellen nicht der Pflicht, bei der Auswahl
der Arbeilen die Grundsahe der Bestimmungen üher öffentliche Notstaudsarbeiten bom 30. April 1925
zu beachten. Insbesondere ist es bei der Notlage der Wirtschaft und ihrem Mangel an Betriebsmitteln
richt zu verantworten, wenn Arbeiten ohne wirtschaftlichen Wert als Notstandsarbeiten gefördert
pelden Die zufsandigen Stellen müssen sich stets vor Augen halten, daß die öffentlichen Mittel, die
für diese Arbeiten zur Verfügung gestellt werden, letzten Endes zu einem großen Teil von der Wirt—
chaft aufgebracht sind. Die Krase der Wirtschaft würden es aber nicht verstehen, wenn die Mittel,
die als Seuern aus den Betrieben herausgezogen worden sind, für Arbeiten Verwendung finden, die
oom wirlschaftlichen Standpunkt aus wertlos sind. Ich darf Sie daher bitten, gerade n Frage, ob
S sich um wirbfchaftlich wertvolle Arbeiten handelt, stets mit besonderer Sorgfalt zu
orüfen und auf die Geineinden und Arbeitsnachweise dahin einzuwirken, daß sie auch bei ihren Be—
chlussen diesem Gesichtspbunkt Rechnung tragen. Im Einvernehmen mit dem Herrn, Reichsminister
der Finanzen darf ich einpfehlen, daben schon jetzt die Grundsätze, die im 8111 des Entwurfs eines
Hesehes uüber die Arbeitslosenversicherung vorgesehen sind, als Richtschnur zu nehmen. Notstands—
rbeiten, deren wirtschaftlicher und sozialpolitischer Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis zu den
ufgewendeten Kosten steht, müssen bei der Knappheit der Mittel, die zur Bekämpfung der Arbeits—
osigkeit zur Verfügung stehen, unter allen Umständen unterbleiben.

Wie bei früheren Arbeitsmarktkrisen bitte ich ferner, darauf zu achten, daß nicht für solche Arbeiten
ine Förderung aus der produktiven Erwerbslosenfürsorge zugesichert wird, die mehr als etwa
echs Monate in Anspruch nehmen. Daran muß ich festhalten, damit nicht bei einer Besserung der
Arbeitsmarktlage unfertige Arbeiten liegen bleiben müssen. Sind Arbeiten kleineren Umfanges nicht
orhanden, so werden solche Abschnitte arößerer Arbeilen zu fördern sein, die auch allein wirtschaft⸗
ichen Wert haben.
III. Da in den besonders betroffenen Bezirken die Gemeinden ohnedies durch die Folgen der wirt—
schaftlichen Krise in vielen Fällen schwer belastet und daher nicht in der Lage sind, aus eigenen Mitteln
rhebliche Aufwendungen fut Notstandsarbeiten zu machen, wird in diesen Bezirken die Förderung aus
Reichs umd Staatsmitteln (verstärkte Förderung) erleichtert werden müssen. Als Bezirke, die unter
besonders großer Erwerbslosigkeit leiden, sind die anzusehen, in denen die Zahl der unterstützten Erwerbs—
ofen 2. der Einwohnerzahl übersteigt. Eine Hingabe von Zuschüssen an Stelle von Darlehen oder
        <pb n="19" />
        9

ine spätere Umwandlung von Darlehen in Zuschüsse kann allerdings auch in diesen Bezirken unter
keinen Umständen in Frage kommen Ich erkläre mich aber mit folgenden Erleichterungen
einverstanden:

Die Förderung (einschließlich der Grundförderung) muß nach den geltenden Bestimmungen in einem
angemessenen Verhältnis zu der ersparten Erwerbslosenunterstüßung stehen. Als obere Grenze
für dieses angemessene Verhältnis ist in den notletdenden Bezirken das Fuͤnffache, in den besetzten
und geräumten Gebieten das Sechsfache der ersparten Unterstützung anzusehen. Über 80 v. H. der
Gesamtkosten der Notstandsarbeit darf aber die Förderung nicht hinausgehen. In ganz besonderen
Ausnahmefällen, in denen aus sozialen und politischen Gründen dringend notwendige Notstands—
arbeiten andernfalls unterbleiben müßten, darf in den besetzten und geräumten Gebieten eine För—
derung bis zu 90 v. H. der Gesamtkosten bewilligt werden.

Wegen der Höhe der Grundförderung verbleibt es bei den Vorschriften des 812 der Bestim—
mungen über öffentliche Notstandsarbeiten vom 30. April 1925
Der Zinssatzz für die aus Reichs- und Landesmitteln zu gewährenden Darlehen kann in den
zenannten Bezirken bis auf 5, in den besetzten und geräumten Gebieten bis auf 4 v. H. herab⸗
Jesetzt werden.
An der Bestimmung, daß die Tilgungsdauer der Darlehen 10 Jahre nicht überschreiten
darf, muß festgehalten werden. Um den Gemeinden die Rückzahlung zu erleichtern, können aber
bor Beginn der Tilgungsfrist ein bis zwei tilgungsfreie Jahre eingeschaltet werden, so daß die
exste Tilgungsrate erst am Ende des zweiten und dritten Haushaltsjahres nach Fertigstellung der
Notstandsarbeit fällig ist Außerdem empfehle ich, in geeigneten Fällen die Tilgungsraten in mäßiger
Progression zu staffeln. Auch dies gilt nur für die besonders notleidenden Bezirke.
Von Gemeinden mit besonders großer und langanhaltender Erwerbslosigkeit, die durch die Für—
sorge für ausgesteuerte Erwerbslose besonders belastet sind, können solche ausgesteuerte Exwerbslose,
die bis dahin aus der Wohlfahrtspflege unterstützt worden sind, bis zu einem Drittel der Ge—
amtzahl der beschäftigten Notstandsarbeiter auf die verstärkte Förderung angerechnet werden.
Die en darüber, ob diese Anrechnung im einzelnen Falle zulässig ist, trifft die oberste
Landesbehörde oder die von ihr dazu bestimmte Stelle. Voraussetzung dafuͤr muß aber sein, daß
aus Mitteln der Wohlfahrtspflege ein Betrag für die Notstandsarbeit zur Verfügung gestellt wird,
welcher der Grundförderung entspricht.

Diese Erleichterungen gelten auch für die Notstandsarbeiten in anderen Bezirken, bei denen über—

piegend Erwerbslose aus den notleidenden Bezirken oder den besetzten und geräumten Gebieten be—
schäftigt werden.

F

Bei der außerordentlichen Notlage der Erwerbslosen lege ich besonderen Wert darauf, daß die Vor—
schriften über die Notstandsarbeiten, vor allem die Bestimmungen, welche die Heranziehung der Er—
werbslosen zu den Notstandsarbeiten betreffen, nicht rein schematisch gehandhabt werden. Ich bitte
vielmehr, durch geeignete Anweisungen an die ausführenden Behörden sicherzustellen, daß diese Be—
stimmungen in verständiger Weise so angewandt werden, daß Härten für einzelne Erwerbslose in
Grenzfällen nach Möglichkeit vermieden werden. Dieses Entgegenkommen darf natürlich nicht dazu
führen, daß der eigentliche Zweck der Notstandsarbeiten gefährdet wird.

In Vertretung
Dr. Geib
        <pb n="20" />
        Anlage 2

Anweisungen
der Beschaffungsstellen über die sozialpolitischen Bedingungen
1. Reichsbahn⸗Gesellschaft
In dem Vertrage zwischen dem Reichsfinanzministerium und der Reichsbahn-Gesellschaft über die Gewährung
ines Darlehns von 100 Millionen A ist folgende Klausel enthalten:
Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft sagt zu:
l. Die Reichsbahndirektionen werden angewiesen, die Landesämter für Arbeitsvermittlung von der Vergebung
größerer Aufträge, welche geeignet sind, den Arbeitsmarkt wesentlich zu beeinflussen, in Kenntnis zu setzen
Es werden Anordnungen dahingehend erteilt, daß Neueinstellungen, die infolge der auf Grund dieses
Ubereinkommens ergehenden Aufträge notwendig werden, grundsätzlich durch die öffentlichen Arbeitsnachweise
zu beschaffen sind.
Ein Einstellungszwang ist hierfür nicht bedingt.
Die Unternehmer werden verpflichtet, Aufträge grundsätzlich ohne Zuhilfenahme von Überstunden aus—
zuführen.
Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft hat über die
»erkehrsministerium folgende Mitteilung zugehen lassen:

3.

Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft
Hauptverwaltung
— 42 Nr. 3518 —
Betrifft: Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.
Auf die Schreiben vom 20 August 1926 — R. II 23 Nr. 2314 11und LSeptember 1926
Bei den Mittelbewilligungen aus dem 1005Millionen-Kredit wurden die Reichsbahndirektionen unter
Hinweis auf den Zweck dieser Bewilligungen — Bekämpfung der Arbeitslosigkeit — angewiesen,

a) die Landesämter für Arbeitsvermittlung von der Vergebung größerer Aufträge, welche geeignet

sind, den Arbeitsmarkt wesentlich zu beeinflussen, in Kenntnis zu setzen,

die Unternehmer zu verpflichten, bei Neueinstellung von Arbeitern grundsätzlich die öffentlichen
Arbeitsnachweise heranzuziehen und die Arbeiten selbst, wenn betrieblich angäugig, ohne Zuhilfe—
nahme von Überstunden auszuführen.

Auch sind die Reichsbahndirektionen ersucht worden, bei den Bahnbauten zu Lasten des 54-Millionen⸗
Kredits nach diesen sozialen Richtlinien zu verfahren und den Landesämtern für Arbeitsvermittlung
auch von der Vergebung sonstiger größerer bahnseitiger Arbeitsaufträge Kenntnis zu geben.

Deutsche Reichsbahn⸗Gesellschaft
— Hauptverwaltung
Anterschrift)
An den Herrn Reichsverkehrsminister

2. Reichspost
Die Reichspost hat an ihre Beschaffungsstellen folgenden Erlaß herausgegeben:
Der Reichspostminister

vm Wirp
Arbeitsbeschaffungsprogramm

Berlin W'66, den 9. August 1926.
Leipziger Straße 15.

In der Ministerialkommission für Arbeitsbeschaffung ist der dringliche Wunsch ausgesprochen worden,
bei allen vom Reich, den Ländern und Gemeinden usw, zu vergebenden Arbeiten auf eine Verringerung
der Erwerbslosenunterstützungsempfänger Bedacht zu nehmen, und zwar dadurch, daß die Unternehmer
hei Vergebung der Leistungen und Lieferungen verpflichtet werden
        <pb n="21" />
        21
etwa nen einzustellende Arbeitskräfte ausschließlich bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen an—
zufordern und

bei Ausführung der ihnen übertragenen Leistungen usw. grundsätzlich von der Heranziehung der
Arbeitskräfte zu Überstunden abzusehen und e. Fdafuͤr weitere Arbeitskräfte einzustellen.

Diesem Wunsche soll entsprochen werden. Die OPO wollen daher bei allen künftig zu vergebenden
Leistungen und Lieferungen den Unternehmern die obigen Verpflichtungen auferlegen und die Ubertragung
der Arbeiten von der Erfüllung dieser Verpflichtung abhängig machen.

IV
Unterschrift)

An die Oberpostdirektionen und das Telegraphentechnische Reichsamt

Von diesen Auflagen ist nur in besonderen Ausnahmefällen abgegangen worden, wenn dies nach
Lage der Umstände im postdienstlichen Interesse unbedingt geboten war (Mangel an geeigneten Spezial⸗
kräften, Unaufschiebbarkeit der Arbeiten u. dgl.)

Von einer Vorschrift über das Zusammenarbeiten der Beschaffungsstellen der Reichspost mit den
Landesämtern für Arbeitsvermittlung in dem Sinne, daß die Landesämter möglichst frühzeitig von der
bevorstehenden Vergebung größerer Aufträge seitens der Reichspost in Keuntnis gesetzt werden, konnte
abgesehen werden, da es sich bei den Aufträgen der Reichspost in den einzelnen Bezirken im allgemeinen
nur um kleinere Beträge handelt; größere Aufträge wurden nach Möglichkeit ohnehin schon auf die
einzelnen Länder verteilt (zu vgl. S. 7 der Denkschrift).
3. Wasserstraßenverwaltung
Die Wasserstraßenverwaltung hat an ihre nachgeordneten Dienststellen folgenden Erlaß herausgegeben
Es sind für die Arbeiten in weitestem Umfange Erwerbslose neu einzustellen. Die Arbeiten dürfen
nicht durch Verlängerung der Arbeitszeit für vorhandene Arbeiter bewirkt werden. Die neu einzustellenden
Arbeiter sind den Arbeitsnachweisen zu entnehmen Außerdem wird die Wasserstraßenverwaͤltung ihre
nachgeordneten Dienststellen anweisen, ständig mit den Landesarbeitsämtern in Fuühlung zu bleiben und
diese von dem Bevorstehen größerer Arbeiten rechtzeitig in Kenntnis zu setzen
        <pb n="22" />
        Anlage 3
Der Reichsarbeitsminister
10716/26
An
die Sozialministerien der Länder

Berlin NW 40, den 24. August 1926
Scharnhorststr. 35

—

Betrifft: Arbeitsbeschaffung und Aberstunden
Das im Zusammenwirken mit den Ländern von der Reichsregierung aufgestellte Arbeitsbeschaffungs—
programm würde seinen Zweck, die Erwerbslosigkeit zu vermindern, verfehlen, wenn die im Zusammen
hang mit dem Programm ergebende vermehrte Arbeitsgelegenheit durch eine über das übliche Maß
hinausgehende Mehrarbeit der vorhandenen ere aufgesogen werden würde. Ich bitte daher,
dahin zu wirken, daß eine ungesunde Zunahme der Überstunden bermieden wird

Dder Reichsarbeitsminister
Ul B 7153/26
V I36058

In Vertretung
Dr. Geib

— —— — —— 3*

Berlin NWA4Oo, den 9. November 1926
Scharnhorststr 35

An
die Sozialministerien der Länder
Betrifft: Aberstundenarbeit

In meinem Rundschreiben vom 24. August 1926 — 1V10716/26 habe ich darauf hingewiesen,
daß die Minderung der Erwerbslosigkeit, die mit dem Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichs—
regierung erstrebt wird, nicht exxeicht berden kann, wenn die vermehrte Arbeitsgelegenheit durch Uber—
tunden der vorhandenen Belegschaft aufgesogen wird. Ich habe daher gebeten, einer ungesunden Zu—
nahme der Überstunden entgegenzuwirken.

Eine fühlbare Entlastung des Arbeitsmarkts wird jedoch nur erreicht werden, wenn auch jede andere
Arbeitsgelegenheit außerhalb des Arbeitsbeschaffungsprogramms zugunsten der Erwerbslosen ausgenutzt
und Aberstundenarbeit allgemein nur in dem unbedingt notwendigen Maße ausgefuührt wird. Sicherlich
ist die Aberarbeit nicht ganz vermeidbar, und zur Bewältigung eines ganz vorübergehenden Arbeits
bedarfs wird dem Arbeitgeber die Einftellung neuer Arbeitskräfte micht zugemutet werden önnen
Allein in zahlreichen Fällen hat die zu erledigende Mehrarbeit einen so großen Umfang und ist vor—
aussichtlich von so langer Dauer, daß es nicht gerechtfertigt wäre, sie als Uberstundenarbeit ausführen
zu lassen. Auch in Fällen, in denen es sich um einen zwar vorübergehenden, aber zu bestimmten Tagen
vorauszusehenden Mehrarbeitsbedarf handelt, wird zu prüfen sein, ob ihm nicht durch Einstellung von
Aushilfskräften für diese Tage oder durch Beschäftigung einer vermehrten Arbeitnehmerzahl derart, daß
Mehrarbeit zu bestimmten Seiten eine Minderarbeit zu anderen Seiten entspricht, begeagnet werden
aͤnn.

Ich bitte daher ergebenst, die Gewerbe und Bergaufsichtsbeamten anzuweisen, bei der Bewilligung
von Arbeitszeitherlängerungen mit äußerster Vorsicht vorzugehen und bei der Prüfung, ob solche daus
allgemeinen wirtschaftlichen Gründen geboten« sind (F6 der Arbeitszeitverordnung), die gegenwärtige
ungünstige Lage des Arbeitsmarkts mil zu berücksicht gen. Daß die obersten Landesbehörden, soweit sie
selbst für die Bewilligungen zuständig sind, die Rücksicht auf die Arbeitslosigkeit nicht außer acht lassen
werden, darf ich als selbstverständlich voraussetzen.

Besondere Aufmerksamkeit ist in diesem Zusammenhang denjenigen Arbeitsgelegenheiten zuzuwenden,
die, abgesehen vom Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung, durch Maßnahmen der effent—
lichen Hand geschaffen werden. Uberstundenarbeit muß vor allem bei Regiearbeiten, aber auch bei allen
Vergebungen öffentlicher Stellen ausgeschlossen werden, soweit nicht technische oder organtsatorssche
Grunde ausnahmsweise entgegenstehen. Neue Arbeitskräfte dürfen nur durch Vermittlung der Arbeits
nachweise beschafft werden. Hierbe wird es sich ermöalichen lassen, insbesondere auch Atere Arbeils
kräfte einzustellen.

Im Einvernehmen mit, dem Herrn Reichswirtschaftsminister bitte ich daher ferner ergebenst, auf die
staatlichen und sonstigen öffentlichen Beschaͤffungsstellen Ihres Landes in diesem Sinne inzuwirken.
Dr. Brauns
        <pb n="23" />
        2
Der Präsident
der Reichsarbeitsverwaltung
(Abt. Gewerbeaufsicht)
Il 4337/26

A

Berlin NW 40, den 29. November 1926
Scharnhorststr. 35

An
die Sozialministerien der Länder (für Preußen Ministerium
für Handel und Gewerbe)

Betrifft: Aberstundenarbeit bei Aufträgen auf Grund des
Arbeitsbeschaffungsprogramms

—— —

Die wiederkehrenden Klagen über umfangreiche UÜberarbeit in gewerblichen Betrieben sowie die
anhaltend ungünstige Lage des Arbeitsmarktes machen es notwendig, diesen Verhältnissen erhöhte
Ausmerksamkeit zuzuwenden. Insbesondere gilt dies für Arbeiten, die auf Grund des von der Reichs—
regierung aufgestellten Arbeitsbeschaffunggsprogrammes und durch Maßnahmen der öffentlichen Hand
geschaffen werden. In dem Exrlaß des Herrn Reichsarbeitsministers vom 24. August 1926 —
1071626 —Geichsarbeitsblatt 1926 S. 311) ist bereits darauf hingewiesen, daß der Zweck des
Arbeitsbeschaffungsprogramms, die Minderung der Erwerbslosigkeit, nicht erreicht werden kann, wenn
die durch dieses Programm geschaffene vermehrte Arbeitsgelegenheit durch Mehrarbeit der vorhan—
denen Belegschaft aufgesogen wird. Hierzu bemerke ich ausdruͤcklich, daß nach den mit den einzelnen
Beschaffungsressorts getroffenen Abreden bei allen Aufträgen der Reichsbahn, der Reichspost und der
Wasserstraßenverwaltung die Unternehmer sich verpflichten müssen, die Aufträge grundsätzlich ohne
Zuhilfenahme von Uberstunden auszuführen und möglichst Erwerbslose neu einzustellen
In gleicher Weise soll bei allen Arbeiten auf Grund des sogenannten Russengeschäfts verfahren werden.
Daß ebenso auch bei denjenigen Arbeitsgelegenheiten, die, abgesehen vom Arbeitsbeschaffungsprogramm
der Reichsregierung, durch Maßnahmen der öffentlichen Hand geschaffen werden, UÜberstundenarbeit
ach eee rr werden soll, ist im Erlaß des Herrn Reichsarbeitsministers vom . Novem—
ber 1920 — Reichsarbeitsblatt 19276 S. 373) zum Ausdruck gebracht worden.
In der am 3. November d. J stattgefundenen Besprechung mit den leitenden Gewerbeaufsichts—
beamten der größeren Länder wurde es im Interesse der Durchführung der sozialpolitischen Maß—
nahmen als notwendig bezeichnet, den Gewerbeaufsichtsbeamten ein Verzeichnis der Firmen, die
Arbeiten auf Grund des Arbeitsbeschaffungsprogramms ausführen, zu übermitteln. Auf diese Weise
soll ihnen die Möglichkeit gegeben werden, eine Verlängerung der betriebsüblichen Arbeitszeit, die im
Gegensatz zu der vom Unternehmer übernommenen Verpflichtung stehen würde, festzustellen. Weiter
soll dadurch vermieden werden, daß die Gewerbeaufsichtsbeamten in Unkenntnis solcher Aufträge
Aberarbeit bewilligen. Ich komme dieser Anregung nach und füge ein Verzeichnis der Firmen mit
Russengeschäften ergebenst bei. Da die sonstigen Aufträge im Rahmen des Arbeitsbeschaffungs—
programms regelmäßig von den nachgeordneten Stellen vergeben werden, vermag ich die mit ihnen
bedachten Firmen nicht anzugeben. Im Interesse einer moͤglichst weitgehenden Erfassung aller in
Frage kommenden Firmen dürfte es jedoch liegen, wenn die Gewerbeaufsichtsbeamten sich über diese
Firmen durch Nachfrage bei den örtlichen Arbeitsnachweisstellen Kenntnis verschaffen, Eine An—
veisung an die Landesämter für Arbeitsvermittlung über eine entsprechende Auskunfterteilung an die
Gewerbecufsichtsamter ist erfsolat
Ich wäre dankbar, wenn die Gewerbeaufsichtsbeamten angewiesen werden könnten, auf diese Weise
für die Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms mitzuwirken. Dabei könnten sie auch im
Einvernehmen mit dem Unternehmer die Möglichkeit von Neueinstellungen Erwerbsloser prüfen.
Sollten einzelne Unternehmer sich weigern, die ihnen bei Erteilung der Aufträge gestellten sozialpoli—
kischen Bedingungen zu erfüllen, so wäre mir eine Mitteilung dieser Firmen sehr erwünscht.

Hinsichtlich der Genehmigung von Überarbeit auf Grund des 86 der Arbeitszeitverordnung verweise
ch besonders auf den oben angeführten Erlaß des Herrn Reichsarbeitsministers vom 9. November 1926
Abdrucke dieses Schreibens sowie des Verzeichnisses der Firmen mit Russengeschäften füge ich in
ausreichender Zahl zwecks Aushändigung an die Gewerbeaufsichtsbeamten bei. Bas Verzeichnis würde
nur den Gewerbegqufsichtsämtern zu übermitteln sein, in deren Bezirk Firmen der bezeichneten Art
vorhanden sind. Weitere Abdrucke stehen auf Anfordern zur Verfüqung

Dr. Gyrup
        <pb n="24" />
        Der Reichsarbeitsminister
V 4883 /26

Berlin NW 40, den 7. Januar 1927.
Scharnhorststr. 35.

An
die Sozialministerien der Länder

Betrifft: Vergebung öffentlicher Arbeiten und Aufträge
Vermeidung von UÜberstundenarbeit und kurzer Lieferfristem)

Aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerkreisen wird darüber Klage geführt, daß öffentliche Beschaffungs—
tellen bei der Vergebung von Aufträgen vielfach zu kurze Lieferfristen stellen und bei Ausschreibungen
die Angebote mit der kürzesten Lieferfrist bevorzugen. Firmen, die wegen Kapitalknappheit nicht in der
Lage sind, ausreichende Lagervorräte zu halten, sehen sich dadurch zu Überstundenarbeit gezwungen,
wenn sie die Aufträge erhalten und punktlich ausführen wollen. Der Grund für die Verkürzung der
Lieferfrist soll in manchen Fällen darin liegen, daß die Bestellungsverhandlungen sich zu lange hinziehen
oder nicht übertragbare Mittel des zu Ende gehenden Haushaltsjahres noch vor dem Beginn des nächsten
Jahres verausgabt werden sollen, damit nicht neue Bewilligungen notwendig werden,

Ich möchte nicht verfehlen, im Anschluß an mein Rundschreiben vom 9. November 1926 —
αα — in welchem ich darum gebeten habe, die Üüberstundenarbeit nach Möglichkeit einzu—
dämmen, Ihre Aufmerksamkeit auf diese Verhältnisse hinzulenken. Ich darf Sie ergebenst bitten,
bei den staatlichen und sonstigen öffentlichen Beschaffungsstellen Ihres Kudes darauf hinzuwirken, daß
sie — ohne den Gesichtspunkt einer gleichmäßigen Verteilung der Arbeiten und Aufträge auf das Haus
haltsjahr außer acht zu lassen — bei ihren Bestellungen die Lieferfristen so zu bemessen, daß die Auf—
träge auch von weniger kapitalkräftigen Unternehmern ohne Überstundenarbeit pünktlich ausgeführt
werden können. Vor allem wird meiner Auffasfung nach darauf geachtet werden müssen, daß die
öffentlichen Aufträge, soweit sie aus Haushaltsmitteln finanziert werden, die nicht überkragbar sind,
nicht erst kurz vor Ende des Haushaltsjahres vergeben werden, gerade dies würde sehr leicht dazu
führen, daß die Aufträge durch Überstunden exledigt werden. Ich habe die Herren R—eichsminister
gebeten, dafür Sorge zu tragen, daß auch die Beschaͤffunasstellen des Reichs und der Reichsbahngefell—
schaft in entsprechender Weise vorgehen.

Für gefällige Mitteilung des Veranlaßten wäre ich dankkb
        <pb n="25" />
        z.

Anlage 4
Der Reichsarbeitsminister
(Ministerialkommission für
Arbeitsbeschaffung)
13801/26

Berlin, den 1. November 1926

An
die Sozialministerien der Länder

Betrifft: Vergebung öffentlicher Arbeiten und Aufträge
In Ausführung eines Beschlusses der Reichsministerialkommission für Arbeitsbeschaffung gestatte
ch mir, auf folgendes ergebenst hinzuweisen:

Immer wieder muß beobachtet werden, daß die oͤffentlichen Arbeiten und Aufträge alljährlich alsbald
aach der Verabschiedung der Haushalte fast gleichzeitig in Auftrag gegeben und ausgeführt werden. Die
Folge davon ist, daß für die beteiligten Gewerbe zunächst reichliche Arbeitsgelegenheit geschaffen wird,
daß aber gegen Ende des Haushaltsjahres Rückschläge eintreten, und zwar gerade in den letzten Monaten,
in denen die Lage des Arbeitsmarkles sich auch faifonmaͤßig fark zu verschlechtern pflegt

Dieses Verfahren der Beschaffungsstellen stand schon in normalen Zeiten einer gleichmäßigen Be—
schäftigung im Wege und brachte nicht selten auch die Gefahr unwirtschaftlicher Preissteigerungen mit
sich; unter den gegenwärtigen Verhältnissen waäͤre es aber aus wirtschaftlichen und politischen Gründen
nicht zu verantworten, wenn auch fernerhin in derselben Weifse verfahren würde. Es muß vielmehr mit
allen Mitteln versucht werden, die Lücke, die nach der Durchführung der nee der öffentlichen Stellen
auch gegen Ende dieses Haushaltssjahres wieder entstehen würde, auszufüllen und darüber hinaus für die
Zukunft eine Wiederkehr derartiger Schwankungen nach Möglichkeit zu vermeiden

Zu diesem Zwecke werden sich zunächst die einzelnen Beschaffungsstellen frühzeitig darüber Klarheit
berschaffen müssen, welche Arbeiken und Auftraͤge in ihrem igenen Amtsbereich voraussichtlich für das
nächste Haushaltssahr bewilligt werden und welche Maßnahmen vorweg genommen werden können,
ohne die Arbeitsmöglichkeiten des nächsten Haushaltsjahres selbst zu sehr einzuschränken. Alsdann wird
es sich einpfehlen, daß die verschiedenen Beschaäffungsftellen innerhalb eines Wirtschaftsgebietes (Ge—
meinde, Kreis, Provinz, Land) miteinander Fuͤhlung nehmen, um innerhalb dieser Gebiete die gesamten
öffentlichen Arbeiten gemeinsam zeitlich und örtlich zu bertetlen. Dabes müssen die Beschaffungsstellen
der Reichs Landes und Kommunalbehörden sowile auch der offemlichen Verkehrsanstalten zusammen—
wirken. Zu den Beratungen werden die Arbeitsnachweisbehbrden heranzuziehen sein, die in erster Linie
über die voraussichtliche Entwicklung des Arbeitsmarkts und insbesondere über die zeitlichen und ört—
lichen Beschäftigungsmöglichkeiten fuͤr die einzelnen Arten von Mbeitnehmern Mskuft zu geben ver⸗
mögen.
Für Arbeiten, die noch in diesem Jahre vorzeitig ausgeführt werden sollen, müssen gegebenenfalls
durch besondere Nothaushalte Mittel bewilligt perden. Sowen in Genehmigung dieser Haushalte
durch die Aufsichtsbehörde notwendig ist, sollte fie mu tunlichster Beschleunigung erfolgen. Für das
Reich hat sich der Herr Reichsminister der Finanzen bereit erklärt, aus den Voranschlaͤgen der Ressorts
für das nächste Haushaltsjahr geeignete Aufträge und Arbeiten herausziehen zu lassen und beim Reichs
rat und beim Reichstag ihre bevorzugte Erledigung zu beantragen damm fie am Eude des Sausbal—
jahres ohne Verzug ausgeführt werden können.

Mit Rücksicht auf den großen Einfluß, den die Aufträge bffentlicher Beschaffungsstellen auf die Ent
wicklung des Arbeitsmarktes ausüüben, darf ich Sie erxgebenst bitlen, auch bei den staatlichen und kom
numalen Beschaffungsstellen Ihres Landes auf die Durchfuhrung dieser Vorschläge hinzuwirken und
wäre für eine baldgefällige Mitteilung des von Ihnen Veranlaßlen daufbar. Die Reichsressorts habe ich
benfalls gebeten, im Sinne vorstehender Ausführungen zu berfahren und auch ihre örtlichen Außen
ttellen zu gemeinsamem Vorgehen mit den Landes und Kommungsbeberden amuwessen.

Im Auftrage
Dr. Nitter

r. 2921
        <pb n="26" />
        Der Reichsarbeitsminister
b63Xr. 2326

Berlin NW 40, den EI. November 1926.
Scharnhorststr 3

An —
die Sozialministerien der Länder
Im Nachgang zu meinem Erlaß vom 1. November 1926
— 138016

Betrifft: Vergebung öffentlicher Arbeiten und Aufträge,
hier Ausgleich zwischen Wohnungsbau und öffentlichen
Hochbauten

———

In meinem nebenbezeichneten Erlaß habe ich auf die Notwendigkeit besonderer Maßnahmen zur
gleschmäßigen Verteilung ͤffentlicher Arbeiten und Aufträge hingewiesen.

Sowe dabe die Vergebung von Wohnungsbauten und sonstigen aus öffentlichen Mitteln geförderten
Hochbauten in Frage kommt, darf ich zu seiner Ergänzung auf folgendes hinweisen:

l. Die für die Vergebung von Wohnungsbauten und öffentlichen Hochbauten zuständigen Beschaf⸗
ungsflellen mussen sich jewells spätestens vor Schluß des Kalenderjahres über die ortliche und zeitliche
Berpendung der Baumuttel des kommenden Jahres in gemeinsamen Besprechungen einigen. Die
anden werden zu beftimmen haben, welche Stelle für beftimmte Bezirke die Federführung zu über—
nehmen hat. Eine wirksame Artbeitsverteilung wird nur durch Beteiligung aller derjenigen Stellen
Jewaͤhrleistet werden, die öffentliche Baumittel vergeben. Auf die im genannten Erlaß betonte Not—
Sendigkeit der Beteiligung der Arbeitsnachweisbehörden hierbei mache ich besonders aufmerksam.

2. Die frühzeitige Bereitstellung der in den Haushaltsplänen für Bauzwecke eingesetzten Mittel ist
besonders vorbringlich, Ein erheblicher Teil der Miktel für öffentliche Hochbauten, die in die Haus—
haltsplane für 1927 Lingesetzt werden sollen, sollte daher noch im Laufe dieses Kalenderjahres vor—
bewilligt werden. Da die Neubauten für den Baumarkt uüberragende Bedeutung haben, wird die
Vorbewilligung von Reubaumitteln in erster Linie anzustreben sein, daneben empfiehlt es sich aber, für
Instandsetzungsarbeiten wenigstens dann Mittel vorgriffsweise bereitzustellen, wenn die klimatischen
Berhaͤltuifse Reubauarbeiten während des Winters außergewoöhnlich erschweren oder verhindern.

Um die planmäßige Durchführung des Wohnungsbaues zu sichern, sollten sich die zuständigen Körper—
schaften ebenfalls auch baldigst über die Verteilung des Hauszinssteueraufkommens schlüssig machen, das
das Jahr 1027 um Wohnunagsbau bexeitsteht, und diese Mittel rechtzeitig und ausreichend bevor⸗
chussen.

3. Um eine möglichst weitgehende Beschäftigung arbeitsloser Bauarbeiter schon während der Winter⸗

monate zu exreichen, sollen die fur die Zusammenfassung maßgebenden Stellen (Ziffer auch ermitteln,
viebiel Bauarbeiler getrennt nach Arbeitszweigen — und Bauhilfsarbeiter in ihrem Bereich vor—
handen sind und wieviel sur den Beginn der Frühjahrsbauzeit vorausfichtlich außer Arbeit sein werden,
ferner fur wesche Wohnungsbauten und öffentliche Hochbauten insgefamt Mittel vorbewilligt sind,
vieviel Arbeiter hierbet Beschaäftigung finden werden sowie ob und welche weiteren Bauarbeiten zur
Aufnahme der danach zunächst arbeitslos bleibenden Arbeiter noch erforderlich sind.
Die Ergebnisse der Submission werden zweckmäßigerweise vor endgültiger Vergebung unter dem
Hesichtspunkt einer tunlichst gleichmäßigen Beschäftigung der Baubetriebe nachgeprüft. Sollte eine
Uberbelastung des Bau⸗Arbeilsmarktes eintreten, so müßten sofort oder Verschie⸗
bungen im Bauprogramm, namentlich bei den öffentlichen Bauten, angeregt werden, da AUberspan⸗
nungen regelmäßig ungerechtfertigte Preis- und Lohnerhöhungen nach sich ziehen und daher vermieden
verden muffen. Sollten die bewilligten Arbeiten zut Beschäftigung der vorhandenen Arbeitskräfte nicht
Asreichen, so mußte rechtzeitig erwogen werden ob und wesche weiteren Bauvorhaben durchaführt
werden müssen.

1. Um im Baustoffgewerbe eine Verteuerung durch Häufung von Aufträgen in den Fruhjahrs—
monaten zu vermeiden und um möglichst viele Baustoffarbeiter auch während der Wintermonate gleich—
maßig zu beschafligen, wird geprüft werden müssen, inwieweit bereits vor Beginn des Winters die
Vorbew lligungen auf die öffentlichen Bauten und auf das Aufkommen der Hauszinssteuer zur gemein—
faͤmen und rechtzeitigen Baustoffbestellung verwendet werden können. Soweit größere Baustoff—
unternehmungen ia Frage kommen, wird vielfach im Wege der Verhandlungen ohne sofortige Festlegung
oöffentlicher Mittel eine frühzeitige Fertigstellung der Baustoffe erreicht werden können. Zut Beschaͤf
ligung mittlerer und kleinerer Betriebe, namentlich im Rahmen des Handwerks, kann, sofern die Preise
hurdurch nicht erhöht werden, durch Hergabe von Vorschüssen aus den Vorbewilligungen die frühzeitige
Vergebung des angemeldeten Baustoffbedarfs ermöglicht werden Hierbei müssen bestimmte Binbungen
für die Preisbildung auferlegt werden.

Ich bitte, mit allem Nachdruck auf die nachgeordneten Stellen einzuwirken, damit die Maßnahmen
rechtzeitig und in vollem Umfange durchgeführt werden.

Fur Mitteilung aller in dieser Richkung veranlaßten Maßnahmen wäre ich dankbar.

Im Auftrage
Dr Nitter
        <pb n="27" />
        Anlage 5
Der Reichsarbeitsminister
Voo 2

—— —— 3*
A

Berlin NW40, den 14. August 1926
Scharnhorststr. 38

An
a) die obersten Landesbehbrden für Erwerbslosenfürsorge
(einschließlich der Vertretungen der Länder in Berlin)
b) die Finamzressorts der Länder

Betrifft: Erleichterung öffentlicher Notstandsarbeiten

J. Die Erleichterungen für die Ourchführung der Notstandsarbeiten, die ich im Einvernehmen mit
den Regierungen der Länder durch meinen Erlaß vom 8. Januar 1926 V 12026 eingeführt
habe, haben den gewünschten Erfolg erreicht. Es ist gelungen, die Zahl der Erwerbslosen, die bei Not—
standsarbeiten beschäftigt werden, bon 27910 am 2. Dezember 1025 auf ein Vielfaches dieser Zahl
im Sommer 1926 zu steigern.

Auch im Rahmen der verstärkten Arbeitsbeschaffung, wie sie jetzt von Reich und Laͤndern betrieben
wird, sind nach dem Ergebnis der Besprechungen vom 23. und A. Juli wefentliche Anderungen der
Förderungsbedingungen nicht notwendig. Nur in einzelnen Punkten sind für die besonders
betroffenen Bezirke weitere Milderungen angebracht. Dabei sind als Bezirke, diebesonders
durch die Arbeitslosigkeit betr o ffen sind diejenigen Lander und preußischen Provinzen anzusehen,
in denen die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger 2 v. H. der Einwohnerzahl überfteigt, und ferner
in den Ländern und Provinzen mit geringerer durchschnittlicher Etwerbslosigkeit als 2b diejenigen
Gemeinden, in denen die Zahl der Hauptunterstütungsempfaͤnger 3 v. H. der Einwohnerzahl übersteigt.

II. Für Notstandsarbeiten in diesen Bezirken oder für Notstandsarbeiten, bei denen überwiegend
Erwerbslose aus diesen Bezirken beschäftigt werden, gilt in Zukimft dDuh für Arbeiten, die nach Het
ausgabe dieses Exrlasses als Notstandsarbeslen anerkannt werden) folgeudes
Obere Grenze für die Förderung kenschließlich der Grundförderung) ist in den Not—
standsbezirken allgemein (also nicht nur wie bisher ün besehten und geraumten Gebiet) das Sechs
fache der exsparten Unterstützung. Uber 80 v. H. der Gesamtkosten der Rotstandsarbeiten darf
jedoch die Forderung wie bisher nicht hinausgehen. In ganz besonderen Ausnahmefällen, in denen
aus sozialen und politischen Gründen dringend notwendige Notstandsarbeiten andernfalls unten
bleiben müßten, darf in den besetzten und geräumten Gebleten wie bisher eine Förderung bis zu
90 v. H. der Gesamtkosten bewilligt werden.

Wegen der Höhe der Grundförderung verbleibt es bei den Vorschriften des F12 der
Bestimmungen über öffentliche Notstandsarbeiten vom 30. April 1925
Als untere Grenze für den Zinssatz der Darlehen aus Reichs und Landesmitteln (verstärkte
Förderung) ist in den genannten Bezirken allgemein (also dicht nur wie bibber in den befehten
und geräumten Gebieten) 4v. H. anzusehen.
Die Tilgungsdauer der Darlehen darf in Ausnahmefällen bis zu 13 Jahren (ausschließ—
lich Dbis 2 tilgungsfreier Jahre) bekragen.
Von der Zustimmung der Reichsarbeitsverwaltung zu Forderungen, die sich auf einen bän ge—
ren Zestraum alsg Wongte erreen 6o ferodor Bestimmungen vom
30. April 1925), kann bei den Notstandsbezirken in Zukunfst abgesehen werden. Es muß aber nach
wie vor in jedem Einzelfall geprüft werden, ob eine Förderuna über eine Frist pon Monale
hinaus tatsächlich zweckmäßig und notwendi«
III. Wie Ihnen bereits bekannt ist, sollen die Mittel, die das Reich über den Haushaltsansatz hinaus
für die Zwecke der produktiven Erwerbslosenfürsorge zur Verfügung stellt, auf dem Anleihewege
beschafft werden. Dieser Betrag von 100 Millionen ER kann daher nur fün solche Anlagen verwandt
werden, die im volkswirtschaftlichen Sinne unbedingt produktiv ud, bowen vwi irgend möglich muß
er für werhende Anlagen verwandt werden, Ich glaube davon ausgehen u können, daß ae Bedin
gung für einen erheblichen Teil der öffentlichen Notstandsarbeiten, die jeßt bereits gefoͤrdert werden,
exfüllt ist. Um für die Zukunft die strenge Beachtung dieses Gefichtspunttes und eine örtliche und zeit
liche Verteilung der vorhandenen Mittel nach dem jewelligen Maß der Arbeitslosigkeit sicherzustellen,
halte ich es für zweckmäßig, daß für jedes Rotstandsgebiet im Sinne der vorstehenden Ausführungen
ein Vrogramm von Notständsarbeiten aufsestellt wind, die diefer Bedingung entsprechen. Die Eut
        <pb n="28" />
        ———
——2——

28—
wdden uüber diese Programme soll die Reichsarbeitsverwaltung im Einvernehmen mit den Regie⸗
Angen der Länder treffen, die Programme sollen der Ministerialkommission fuͤr Arbeitsbeschaffung
ur Kenntnis gebracht werden. Ich bin bereit, für die Durchführung der Notstandsarbeiten, die in
diesen Programmen enthalten sind, den beteiligten Ländern über die bereits verteilten 100 Mil—
lionen HN. hinaus Reichsmittel in Höhe von insgesamt 80 Millionen A. zur Verfügung zu stellen,
soweit die schon bereitgestellten Mittel nicht ausreichen und das Land in der Lage ist, einen entsprechen⸗
den Betrag aus eigenen Mitteln aufzuwenden. Die Beträge, die den einzelnen beteiligten Ländern zu—
gewiesen werden, wird die Reichsarbeitsverwaltung gleichzeitig mitteilen.

IV. Die Erleichterung des Geldmarkts, die im Laufe des Jahres eingetreten ist, ermöglicht es, den
Wirkungsgrad der Mitltel der produktiven Erwerbslosenfürsorge auch noch auf einem anderen Wege
zu erhoͤhen. In vielen Fällen werden öffentliche Körperschaften in der Lage sein, sich die Kredite, die sie
ur Bucchführung von Unternehmungen benötigen, selbst zu beschaffen, vorausgesetzt, daß die Verzinsung
fie in ertkaͤglicher Weise belastet. Es erscheint daher richtig, aus Mitteln der produktiven Erwerbs—
losenfürsorge den Trägern derartiger Arbeiten in geeigneten Fällen durch Zuschlsse zu dem Zinsauf⸗
wand die Sinslast zu erleichtern. Da Erfahrungen über diese Form produktiver Erwerbslosenfürsorge
bisher nicht vorliegen, halte ich es für nötig, sie zunächst auf umfangreiche Arbeiten von besonderem
bolkswirtschaftlichen Wen zu beschrͤnken. Bie Zinsverbilligung, die auf diese Weise ge—
waͤhrt wird, wird in der Regel eine Senkung der Zinsen um 4v. H„die Frist, für die sie gewährt
wirb, eine Dauer von 3 Jahren nicht übersteigen können. Bedingung für eine derartige Beihilfe muß
natürlich sein, daß die Durchführung der Arbeit eine merkliche Entlastung des Arbeitsmarktes zur
Folge haͤt, dies ist nach Möglichkeit durch besondere Bindungen des Trägers der Arbeit sicherzustellen
Aim mindesten muß erreicht werden, daß die Arbeitskräfte, die bei dem Unternehmen neu eingestellt
verden, abgesehen von der nötigen Anzahl von Stammarbeitern / vom öffentlichen Arbeitsnachweis ent⸗
ommen webden Eiue solche Verwendung der Mittel der produktiven Erwerbslosenfürsorge ist nach
832 der Verordnung über Erwerbslosenfürsorge zulässig. Diese Regelung hat nur so lange Gel—
Amg, als sich nicht aus der weiteren Entwicklung des Geld⸗ und Anleihemarktes finanz— oder währungs
holitische Bedenken gegen die Aufnahme der Anleihen ergeben

Dieser Erlaß wird im Reichsarbeitsblatt veröffentlicht

In Verkretung
Dr. Geib
        <pb n="29" />
        2

*

Verteilung der Notstandsarbeiten
nach den Notstandsprogrammen der Länder auf die verschiedenen Arten
von Unternehmungen

Art der Maßnahme

—
—— —

Tagewerke

Höhe der
Förderung
— ———
Straßenbauten . . ..

Meliorationen, Fluß⸗ und Bachregulie⸗
rungenn——

Stauanlagen, Hochwasserschutzanlagen,
Gewinnung von Wasserkräften, Tal—
Perren uhh

Kanalisationsarbeiten ..

Kleinere Notstandsarbeiten in Preußen
(Förderung unter 100 000,) und Ver—⸗
schiedeneẽs —

7522437

61866 133

4503219

42831594

11656 260
2667188

36 090 324
9581918

—

Summe

10576 741
29424845

89330 562
239700531

Anlage 6

— —7]7
—— 2 —

Verteilung der Notstandsarbeiten
nach den Notstandsprogrammen der Länder nach den verschiedenen Arten
der Unternehmungen und nach Ländern

Preußen ...

Bayern...
Thüringen.

Baden
Sachhen *
—4
Lippe⸗
Detmold.

) Tagewerteee
b) Höhe der Förderung ..
c)h Gesamtkosten ..
a) Tageweree
b) Höhe der Förderung .
e) Gesamtkosten
a) Tagewerte
b) Höhe der Förderung .
e Gesamttostftenn
a) Zageweree
b) Höhe der Förderung ..
e Gesamtkosten
aTageweree
b) Höhe der Förderung ..
) Gesamtkosten
a) Tageweree
b) Höhe der Förderung ..
o) Gesamtkosten
3) Tagewerke
b) Höhe der Förderung.
o) Gesamtkosten ....

Straßen⸗
bauten

38117489
24803075

1613000
18 700 000
20 250000

132 850
903 205
1862680
45 020
4729076
8659000

136 300
1642300
2645000

24090
414 607
453 400

84048
673870
1238600

Melio⸗
rationen,
Fluß⸗ und
Bachregu⸗
lierungen

1495 422
10799 350

1664000
9123 000
2850000

45 987
3276 195
1864650
164500
143 060
2388000

453 850
5469 591
2913000

228 860
2714998
3797110

600
5400
15 000

Stauanlagen,
Hochwasser⸗
chutzanlagen,
Gewinnung
von Wasser⸗
kräften (Tal⸗
sperren usw)

1149080
7259 984

1320 000
8700000
9800 000

230800
684 496
12060 600

44700
402 738
1273000
1316 830
7392 648
2268009

85 850
578 468
1838600

8000
72000
160000

Kanali⸗
sations⸗
arbeiten

1765440
6898331

(ind in
palte T mit⸗
»nthalten)

17900
—160 000
572 000
—133 700
587 840
3599 000
666 000
740 766
1950500

95618
297991
1916250
74301
57 000
95700

Kleinere
Notstands
arbeiten
und Ver—
schiedenes

9208841
71897542

270000*
1025000
5000 000
210 000
16520000
2669000
400 000
1546000
4720000
500 000
000000
16000 000

(sind in den
Spalten 8 bis 6
mitenthalten)

20 000
—182 000
1575000

Zusammen
——
werke Forderung

18735 912
131658 282

1867 000

50 53 000

1037537
758606

1157920
9708 714

3071980

35 245 305

134 418
1006064

120078—
80 20

29 424 845 239 700 531

Summe Summeé

der der Förde⸗

Tagewerke rungsbe—⸗

träge
Anmerkung: Eine strenge Abgrenzung der Notstandsarbeiten nach den verschiedenen Arbeitszweigen läßt sich nicht durch—
führen, weil manche Unternehmungen sich schwer in bestimmte Gruppen einordnen lassen: z. B. dienen Fluß- und Bach⸗
regulierungen häufig gleichzeitig dem Hochwasserschutz.
        <pb n="30" />
        fde
ser

V
Zusammenstellung über die im laufenden Haushaltsjahr bis zum 1. Dezember
Träde Bezeichnung
Förderungszeit
— —————— — —
— —————— — —
er Maßnahme

— ———
—— —— —

Anlage 7
von der Reichsarbeitsverwaltung ausgesprochenen Anerkennungen
bvörderung
umdrdetun—
aus Beitrags -⸗ gem gug

Bemerkungen

r7D.

4

deutsche Odlandkultur—
gesellschaft

genossenschaft zur Be—
deichung des Vorlan⸗
des vor den —
ögen im Kr. Husum

Stadt Frankfurt a. M

weckverband der Kreise
hümmling und Aschen⸗
dorf

Imscher⸗Genossenschaft

Stadt Lüdinghausen —

Kreisausschuß Herford.
Zeseke⸗Gen. (Reg.Bez.
Arnsbero)

r. Marburg

Genossenschaft zur ..

Preußen
l. Meliorationen und Flußregulierungsarbeiten
ultivierung von Odland in den Reg.-Bez. Osnabrück, Stade, Lüneburg, Schles⸗
wig und Potsdam. A
Die Gesellschaft hat seit ihrer im April 1924 erfolgten Gründung 8 Betriebe in
den Provinzen Hannover, Schleswig-Holstein und Brandenburg errichtet und
Astreckt ihre Entsässerungsarbeiten auf über 60 000 Morgen.)
indeichung des Vorlandes vor den Reußenkögen im Kr. Husum-. .7
Bei der Eindeichung handelt es sich um ein Unternehmen im Interesse der
Ztarkung der heimischen Volkswirtschaft. Es wurden durch die Ausfuhrung der
Naßnahmen etwa 1000 ha unbedeichtes, aber deichreifes Vorland der Volks⸗
irtschaft dienstbar gemacht.
segulierung der Nidda innerhalb des Stadtkreises I. Abschnitt)... . 7*
Es handelt sich um ein wirtschaftlich wertvolles Unternehmen, dessen Bedeutung
der Befreiuug eines 600 ha großen Gebietes von fast allährlich wiederkehrenden
Berschwemmungen liegt. Die angerichteten Schäden betreffen sowohl die land⸗
irtschaftliche Verwertung des Geländés, als auch die Baulichkeiten des mitten
n Uberschwemmungsgebiet gelegenen Vorortes Hausen sowie der übrigen Nidda⸗
brorte Das Gesamtorojett umfaßt 7 100 000 2. und 300 000 Erwerbslosen
agewerke. Der J. Abschnitt umfaßt 158 000 Tagewerke davon sind 80 000 Tage⸗
o»ke zunächst anerkannt.)
au eines Meliorationskanals zur Entwässerung der rechts-emsischen Moore in der
Linie des geplanten Kanals Kampe Dörpen.

egulerungachethtftften —

Hebung gesunkener Bachsohlen, Aufhöhung von Deichen, Trockenlegung von
Zumnpfen, Bau und Erweiterung von Kläranlagen Die Arbeiten dienen der
diederherstellung der Vorflut, der Reinigung der Abwässer, besonders aber der
geseilicung der Hochwassergefahr im Emscher Gebiet.
ever⸗NRegulieumge Abihnittt

Beseitigung der jährlich mehrmals eintretenden Hochwassergefahr. Der jetzige
Zzustand verhindert faft vollständig die Weiterentwicklung L., da wegen des hohen
Frundwasserstandes eine Kanalisation nicht in Angriff genommen und ein Be⸗
auungsplan nicht aufgestellt werden kann.“
e⸗Requsllierunnn
degulierung im Niederschlagsgebiet der Seseke, J. Abschniiitt
(Es wird der Ausbau der Körne, der Seseke, des Massener Baches, des Ent—
vasserungsgrabens für Kirchdern, des Ruschebringgrabens und des Veiimener
zaches zwischen Dortmund und Kamen (Entfernung 20 kw) betrieben. Die
Aben bezvecken die Beseitigung von Vorflutstörungen, unter denen dieses
Fobie o blreichen Gemeinden, starker Industrie und Landwirtschaft leidet.)
legnlierung der Lahn in der Gemarkung Frohnhausen*
In Aussicht genommen ist die Regulierung der gesamten Lahn von der nas⸗
aussch⸗urhessischen Grenze an bis zur rheinpreußisch⸗ darmhessischen Grenze
wischen Gießen und Wetzlar. Als erstes Teilprojekt soll die Regulierung der Lahn
ei Frohnhausen durchgeführt werden. Der Beginn der Regulierung gerade in
eset Gemarkung hat seine Ursache darin, daß die Regulierung hier am drin—
endsten ist; die Lahn macht bei F. mehrere große Schleifen, das angrenzende
and ist in großer Ausdehnung sehr flach, die Schleifen der Lahn wirken auch bei
leinen Hochwässern sofort wie eine Staumauer, so daß das weite fruchtbare Tal
überschwemmt wird
degulierung des Duffesbaches und Stotzheimer Baches im Landkreise Köln

Es handelt sich um eine grundsätzliche Regelung der Wasserführung des Ge—

ieis, die notwendig geworden ist durch die im Vorgebirge neu entstandene
Braunkohlenindustrie)

3. 1925 bis 1926

O. 5. bis 10. 10. 1926

R.X. 1926

4. bis 30. 11. 1926

5.6. bis 15. 12. 1926

0. 7. 1926 bis
20 1. 1927

5 bis 31. 10. 1926

3 Monadaktkeée

Monaté

10. 1926 bis
31311927

731000 —

4277000

1320000

2200000

435000

520 000
900 000

222 000

—598 000

191000

28000

201000

4000

120000

50000

40 000
55 000

20000

530 00

15000

206 000

121500

129 000
143000

193 500

600 000

218000

825 0006

883000

760 000

64400 13876000

226000

279000
72500

501000

67800

188200

—338000

00 000

333 000

000000

1045 000

1851000

347500

08000

720000

256000

451500

Im Rechnungsjahr 1924 sind
200 000 Tagewerke mit rd.
850 000 anerkannt

*) 34 000 für die Grundförde—
rung

Maßnahme wird bereits seit
1924 gefördert
        <pb n="31" />
        de.
Nr.

9

⸗

J

—
——rge

— —

Stadt Berlin —
Kr. Ruppin und Ost
havelland

Stadt Spremberg

Ztadtkreis Beuthen,
Landkreis Beuthen u
Hindenburg

Kr. Großstrehlitz (Reg
Bez. Oppeln)

Stadt ieeee

Stadt Frankfurt a. M.

Homburg v. d. Höhe

Ruhrsiedlungsverband
Essen

Verschiedene Gemeinden

Verschiedene Träger

öln⸗Bonner⸗Eisenbahn
A. G. in Köln

Stadt Beriͤjn

Stadt Ber nnn

Berliner Flughafenge—
sellschaft m. b. H. Ber⸗
lin

Stadt Berlinn

danolisakionsverband für
das Laisebachgebiet in
Waldenburg ESchles.)
Kreis Alken
Amt Pelkum (Reg.Bez
Arnsberg)
Hafenbekriebsgesellschaft
m.b. H. Wanne⸗Herne

32
Bezeichnung
der Maßnahme

*
— —

Förderungszeit

U. Straßenbauten. analisations arbeiten und sonstige Verkehrsanlagen
Arbeiten der Berliner Stadkentwässerung.
(Winteraktion)
Pegehanten miinͤeecee
(Erschließung des kullivierten Geländes)
Frdarbeiten zur Anlegung einer neuen Zufahrtstraße zum Bahnhof Spremberg.
Fahnbau Muwruttichn Brunne.. ————
(Staͤrkung der Wirtschafts⸗ und Verkehrsverhältnisse in Westoberschlesien, de
jener Gegend die bisherige Bahnverbindung durch die neue Grenzziehung ge
nommen war)
zhausseebau Deschowitz bis Annaberg, II. Abschnitt, von km 1,86 J5
xX
Zafenbau Kiel⸗Voßbrock, III. Abschhiiiitt 7
Erdarbeiten für das Nordbecken im Unterhafeennn
Panalsatonsareeteeee————

Januar bis März 1926

R.Ioes bis 1926
RIJ. 1028 bis 1926
RJ.I028 bis 1926

15. 5. bis Ende No⸗
vember 1926

1. 2. bis Herbst 1926

März bis November
02

Februgar bis Oktober
1926

R⸗J. 1023 bis 1926

susbau der Verbandsstraßen im Ruhrkohlenbezirfß 7—
(Die Verbandsstraßen dienen dem zwischengemeindlichen Durchgangsverkehr
n ihr Ausbau ist bei dem ständig zunehmenden Autoverkehr dringend erforder⸗
ich)
otstandsaktion im besetzten Gebiet, M Maßnahmen (Kanalisationsarbeiten, Straßen⸗
nd Wegebauten in den Reg-Bez. Köln, Aachen, Düsseldorf, Koblenz, Wiesbaden,
Trier, Munster und Arnsbérg) für rund 10 000 Erwerbslose
Straßenbauprogramm im RegBez. ⏑ —— 717171
inienverlegung der Rheinuferbahn zwischen Sürth und Wesseling ·
(Statt der Kreuzungen in Schienenhöhe von 2 Provinzialstraßen und mehreren
Nebenstraßen mit der Rheinuferbahn werden schienenfreie Kreuzungen geschaffen
hau der A. E. G Schnestboynhnnhnnggg
(Verbesserung der Berliner Verkehrsverhältnisse)
zau eines Regenwasserhauptsammlers in Niederschönhausen .
Zerstellung provisorischer Straßen auf dem Flughafen Tempelhofer Feld
Maßnahme liegt im Interesse des Flugverkehrs)
Strßenbauee
Besserung der Berliner Verkehrsverhältnisse)
Sltadtentwasserungsarbeiiiee
(Hebung der Volksgesundheit)
stellung eines Entwässerungskanals als Hauptsammler für eine neue Kläranlage
Die gesamten Abwässer des Iudustriegebiets sollen der Landwirtschaft zugeführt
werden)
zau eines Straßenbahngleises zum Bahnhof Altena und Anlage eines Guternbenl! 1.4 bis 30 9. 1926
nahmebahnhofs zur Hebung des Verkehrs
susbau der Straße S ⏑⏑,, EXX— .8. bis 1. 11. 1026
41986 914
1007—

afenerweiterung in Wanneee —
Das bestehende Stichhafenbecken, das zur Zeit als Schiffsliegeplatz benuht wird,
at sich als unzureichend erwiesen. Die Kähne mussen teilweise notgedrungen im
ee fesmachen, wodurch die freie Schiffahrt behindert wird und Störungen
Atstehen

Gesamtkosten

6000 000

800 000
8200000

200 000

650 000
837 000
460 000
11808 000

16 000 000

300 ooo

zo ooo doon
s62 00
510 000

2000 000
9160 000
18000001

o81 ood
406 000
) 1200 000

Tagewerke

365 150

178 000

60 000
230 000

25 000
z6 000
*

2888001

388 100

1288980

2000

375 000

26400
22950

500 000
466 000

—150 000

63300

23840

100 000

bvörderu⸗
Grundförderung
Bei ⸗
— * gem 190

876000

315 000

136 000
—1200000

62 000
58 000
165 000

74 000

284600

2250 000

—8

3300000

63360
55 200

1200000
1118400
286 500

sss ooo
92 260
240 000

verstärkte
Förderung

3504000
10130001

300 000
7 000 000

93 000

362 000
164 000
297000

17165 400

—12000 000

279000

13 200 000

253 440
220800

000000
2649 600
10001

621000
216 276
600 000

Insgesamt
Sp. 79

cd

4380000

1330000

636 000
8200000

155 000

520000
619000

371000

6000000

11250000

279 000

16500000

316 800
276000

—13968000

1197500

784 000

307535

5

840 000

Bemerkungen

„Einzelangaben liegen nicht vor

—
chä
ätzungsw
eise

Nr 2921
        <pb n="32" />
        J
fde
e

—34
— — — — — — — — —
Trger Bezeichnung
erMaßnahmeée

Förderungszeit

esamtkosten

dagewerke

35

— Forderung
Grundförderung
— — —
rus Beitrags⸗ —— Ierder
mittesn gem 810 Förderung

Insgesamt

Bemerkunge!

——

3

*
—*
*5
Amt Blankenstein (Reg.⸗
Bez. Arnsberg)

kreiskommunalverband
Schwelm (RegBez.
Arnsberg)

Fulda⸗Lahn⸗Kanal⸗
verein e. V. Limburg

dreis Adenaunn

5

Bürgermeisterei Lutze—
rath

ztadt Radevormwald —

Zztadt Oberlahnstein ...

uhrtalsperrenverein in
Essen

ztadt Königswinter
(Reg.Bez. Köln)
semeinde Königsteele
Reg.Bez. Düsseldorf)

stuhrverband Essen ....

7

Ziedlungsverband Ruhr
kohlenbezirk Essen
dreisausschuß Bonn
Ztadt Flensburg ....
Stadt Frankfurt a. M.

61
9

Stadt Bersnn
Stadt Beuthen—

demmader Brückenbau im Amt Blankensteeeennnn
Die geplante Brücke hat für die Bevölkerung insofern außérordentliche Be—
eulung, als sie die Vorbedingung für die Herstellumg einer Verbindung Elberfeld
zw. Hagen über Sprockhopel Bochum Datteln-Lüdinghausen-Münster dar⸗
kellt. Ferner zwingt der Zusammenbruch der südlichen Ruhrzeche dazu, neue wirt—
chaftliche Möglichkeiten fur die von den Zechenstillegungen betroffenen Gebiete
üdlich der Ruhr zu schaffen

J

zau einer Durchgangsstraße von Heide in Linderhausen nach Sprockhöpel.. ...
(Erhebliche Bertürzung der Wegeverbindung Ruhrgebiet Köln. Zubringe—
traße für lemdwirtschaftliche Produkte, Erschließung größerer Gebietsteile mit teil—
veise gutem und reichlichem Steinmateérial
Shgn der BVahntanaltsternnngn.

(Es besteht ine dreviertel fertige und deshalb zur Zeit nutzlose Kanalisation, die
ur durch das letzte Viertel zu eAgänzen ist, um brauchbar zu werden. Darum
erden mit verhältnismäßig sehr geriugen Baukosten 68kim Wasserweg erschlossen.
in dem Kanal hangt ein Hinterlaud voll der reichsten Bodenschätze, am andern Ende
in heinischen Fudistrieredier Uegen die Bebrauchsstälten für diese Bodenschätze.)
zau einer 26 kin langen Gebirgsstraße — Autorennstraße ——
(Hebung der deutschen Aufomobil⸗ und Motoxradindustrie und Hebung des
Fremdenverkehrs in dem wirtschaftlich armen Kreise)
zau eines Gruppenwasserwerks — 111
zau einer Durchgangsverkehrsstraße Radevormwald Barmen *
hau einer Brücke zwischen Ober- und Niederlahnsteeeenn
(Besserung der Verkehrsverhältnisse)
Straßenbau im Sorpetal, KrArnsbhe
Die Verlegung der Kreisstraße aus dem zu überstauenden Tal bildet die erste
zu leistende Abeil, uum das Baufeld für den Bau der Sorpetalsperre freizumachen.)
zau einer Automobilstraße nach dem Petexsberg im Siebengebirge *
(GHebung des Fremdenverkehrs in Königswinter)
au einer Verbindungsstraße vom Schultenweg nach Dahrhauser Straße
(Durch den Reubau dieser Straße wird die direkte Verbindung für die beiden
Ortsteile Freisenbruch und Horst geschaffen)
zau einer Ruhrkläranlage bei Hengstey — 46
Asbau des Jlughafens Ruhrgebeee
(Maßnahme liegt im Interesse des Flugverkehrs)
isbau der Vorgebirgsstraße von Bonn nach Brühl innerhalb des Landkreises Bonn
Teilentwässerung der Ortschaften am Vorgebirge.
zau einer Zufahrtsstraße zum neuen Bahnhof in Flensburag
rd⸗ und Wegearbeiten auf dem Flugplatz in Frankfurt
IUII. Sonstiges
lnlage von Spiel- und Sportvlätzen in den Rehbergen (Winteraktion) ..... ....

nlage von Sport⸗ und Spielplätzen .
Die von der Stadt Beuthen durchzuführende Schaffung einer Spiel- und Sport—
olaßanlage ist politisch von außerordentlicher Bedeutung. Beuthen ist in Ober—
chlesien die nach Südosten am weitesten vorgeschobene Stadt. Hierdurch sind der
Stadt in der Stärkung des Deutschtums besondere Aufgaben erwachsen, die sie
hne eine nachhaltige Unterstützung von Reich und Staat nicht durchführen kann.
die Bedeutung dieser Notstandsarbeit geht noch daraus hervor, daß Beuthen
segenüber anderen größeren Städten verbältnismäßig wenig Spiel- und Sport—
Rätze aufzuweisen hat.)

5. 5. 1926 bis
39119—

Monate

)26 bis 1927

1926

A46bis 30.9. 1926

6 Monate
1. 6. 1926 bis
. 3.1087
—2.6430 16

6 Monate

4. 618 110 1926

. 4. 1926 bis
31.3. 1927
261831 71926

Sept. 1926 bis
März 1927
15. 10. 1926 bis
14.6 1027
6.10. 1036 bi⸗
31.23.1927

von Jan bis Herbst
1926
Jan. bis Herbst 1926

884000

660000

4200000

5000001

3940001

200 000
308300

304 000

235 000
70 000

— 1300 000
a70 000
22000

45 000

500 000

4600 000
iad 00

39 500

— 16000

—2539 200

20000

318004

68 000
7300

20000

25 000

30000

74500

—12500

—33500

4500

*60001

0000

52000

153000 —

118680

—330 000

31800

14800

5000
— 1630

271 200

44 500

116000

192210

4 3
70

304 000

67000

720000
104000

437 000

W88710

320 000

15 900

—12016 900

539100

385000
2170
*8000

192550

32200

845 700

290250 —

580 500 *

913004

— 143000

—268000

80000

—160000

590 000

—04 390

— 3150000

964600

430 900

560 000
267800

20000

87000

348000

037910

016000

737980—
— 1217000

335 000

—1800000

364000

*) Schaͤßungs weise
        <pb n="33" />
        36

— 777 —
Träger Bezeichnung
fde. — ——
er.
lufschließung eines Industrie- und Lagerplatzgeländes*
Port und Spietogeeeeeeeee
(Erhaltung und Erhöhung der Arbeitskraft der werktätigen Bevölkerung)
Mmlage eines Freibades uu Sportph
Bei der Lage Bielefelds an der Wasserscheide zwischen Ems und Weser fehlt
s fast vollständig an natürlichen Badegelegenheiten. Im Zusammenhang mit der
zadeanlage wird der alte Exerzierplatz (12 Morgen groß, mitten in der Stadt,
elegen) zu einer Grünanlage umgewaändelt.)
anierungs⸗, Böschungs⸗ und Auskofferungsarbeiten im Unter⸗ und Oberhafen inl
Frankfurt
(Exrschließung von Industriegelände)
zerstellung einer Ferngasversorgungsanlage für den Rheingaukreis .... ... ...

J

Höchtta m
Stadt Berlin
Stadt Bielefeld

)

Ztadt Frankfurt a. M.

Jasversorgungszweck⸗
verband Rheingau⸗
Geisenheim Reg.⸗Bez
Arnsberg)

Bayern
J. Meliorationen und Flußregulierungsarbeiten
gulierung der Attel von Alterndorf bis Angelsbruck einschließlich der Requlierung!
des unteren Moosachlaufs
itwässerung des Schuttertales und Regulierung der Schutter zwischen Weienn
und Ingolstadt
srbeiten der Wasserbauverwaltung (Winteraktion).. ...

Henossenschaft zur
Benossenschaft zur ....
Bayerischer Staat
Hemeinden Auerbach,
Frauenberg, Warten⸗
berg, Langenpreising
und Pfrombach (B. A.
Erding)
Genossenschaft zur ...

5
»gulierung der Strogen ...
Die Regulierung soll vor allen Dingen der Verbesserung des landwirtschaftlich
enutzten Bodens, der Verbesserung der Hochwasserverhältnisse, der Ortschaften
ziding, Wartenberg, Langenpreising, Bottenau und Aich dienen. Das bei größe—
en Hochwässern überschwemmte Gebiet umfaßt rund 666 ha. In den Irtgchaften
nd bei Hochwasser nahezu alle Wege und Straßen überschwemmt, so daß der
ormale Verkehr unterbunden ist.)
gulierung der g9Jeee
(Beseitigung der Hochwassergefahr und Vermeidung der Versumpfung des
Talgebiets. Sie Regulierung erfaßt ein Gebiet von ektwa 1700 ha.)
gulierung der Moosach von der Mundung in die Attel bis zur Ortschaft VBach
Das Unternehmen steht technisch mit der nunmehr abgeschlossenen und gleich—
alls mit Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge geförderten Attelregu—
erung insofern im Zusammenhang, als die Regulierung des Unterlaufs der
ach — abgesehen von ihren eigenen wirtschaftlichen Vorteilen — der Erhaltung
er für die Attel geschaffenen Anlagen dient.)

Renossenschaft zu

taatliche Flußbauver⸗
waltung

taatliche Wasserbauten.
Die Arbeiten sind über das ganze Land verteilt und erstrecken sich guf eine Ge—
amtlänge von 40 kmeund bestehen in Korrektions⸗ und in Hochwasserschutzmaß—
rahmen. Sie bezwecken in der Hauptsache die Sicherung und Erhaltung des Be—
itzstandes, die Sicherung wichtiger Verkehrswege, die Verbesserung von Über—
chwemmungen, Versumpfungen und Gewinnung von Neuland.)
twässerung des oberen Vilstales zwischen Bruckmühle und Gressenwöhr und Ent—
vässerung des Wiesenlohe⸗ und Schmallohetales bis Heringsnohe und Ködritz.
zerstellung eines Hochwasserkanals für die Vils von 11km Länge, 830 bis 80 cm
Zohlenbreite
(Durch die Entwässerungsmaßnahmen wird der Ertrag der Grundstücke nach
Menge und Güte gesteigert. Für völlig versumpfte Flächen, die bis jetzt überhaupt
aicht bewirtschaftet werden konnten und öde dalagen, wird durch die Entwässerung
die Grundlage zu einer erkragreichen Wirtschaft geschaffen.)

J

Benossenschaft zur ...

Genossenschaft zur ....

stegulierung der Friedberger Ach und Entwässerung des Achmooses

(Das Unternehmen bezweckt die schadlose Abführung der Hochwässer der Ach und
die Absenkung des Grundwasserspiegels zur Beseitigung der bestehenden Ver—
umpfung im Achgebiet durch Regulierung der Ach auf 14420 Länge nebst Anlage
»on 3 Flugkanälen mit 9km Länge und die Herstellung von 21 Entwasserungs⸗
zräben mit 22km Länge. Hierdurch soll eine nahezu 4000 Tagewerk große Fläche,
neist ertragsarme Futter⸗ und Streuwiesen, gründlich entwässert und vor UÜber—
chwemmung geschuͤtzt werden.)

Förderungszeit

— — —

Zept. 1926 bis
März 1927
6 Monate
Aug. bis Dez.)
.4. bis 30.9. 1926

4. bis 8.12. 1926

8. 1926 bis
31.7. 1927

924 bis 1925,
5.1925 bi⸗
31. 3. 1926
4 1926 bis
831.3. 1027
'an. bis Herbst 1926
1926

pril 1926 bis
März 1927

5. 1926 bis
313198

1. 10. 1926 bis
Drerst 31.3. 1027

9 190386688
12197

16. 9. 1926 bis
1.5. 1928

Gesamtkosten

356000

3490000

364 000

380 000

1093000

2800000

850 000

600 000
700 000

3000000

700 000
rund

3750000

10000

1000000

Tagewerke

20000

339000

38200

32000

34 500

60000
37500
70000

20000
90000

00 000

44000

40 000

30 000

100 000 *

37

⏑
Grundförderung
ad ane en ig Forderung

52 000

206 000
313 000

2 034 400

30000

200 000

ze 60

06 400

89000

3586000

—⏑⏑—
168 000

360 000
360 000

—304 000

200 000 *
243 000

900 000
080 000

30 000

300 000

32 000

396 000

00 000

400 000

—126 000

360 000

200 000

00 000

Insgesamt
S——

cd.
7

258000
2847 400

280000

288960

145 000

1830000

372000

1200000
1323000

1050000

528000

3000 000

186 000

300 000

Bemerkungen

Bereits 1925 gefördert
        <pb n="34" />
        38
9 —— Bezeichnung
——— —J— — —— — ————
der Maßnahme

Förderungszeit

— —
Gesamtkosten

Tagewerke

39
———
Grundforrerengg
— — 7 verstärkte
as ee77—3.

Insgesamt
Sp 79

Bemerkungen
rd·

62

*

weckverband für die Re⸗
gulierung der unteren
Altmühl, gebildet aus
den Altmühlgemein—
den

Genossenschaft zur

Bayerischer Staat

Aktiengesellschaft Lokal
bahn Gotteszell⸗Viech
tach

Gemeinde Augsburg

enossenschaftliche Regulierung der unteren Altmüchl zwischen Pappenheim und
Dietfurt a. A in den Amtsbezirken Weißenburg, Eichstatt, Beilngries und Rieden—
burg e —
(Verhutung von Talüberschwemmungen und Talentwässerung zur Verbesserung
Vermehrung und Sicherstellung der Wiesenerträgnisse einer Bewirtschaftsfläche
oon 2 430 ka, Hebung der Vieh⸗ und Milchwirtschaft des ganzen unteren Alkimühl
bezirkes. Anerkannt zunächst der J. Bauabschnitt.)
degulierung der Isen und Entwasserung des Isentales zwischen der Bezirksstraße
Ampfing⸗ Sallmannskirchen und der Wasentegernbacher Muhle auf rund 18kw
Länge. —
Die an dem Unternehmen beteiligte Fläche von rund 1330 1 leidet allsahrlich
an den so schädlichen Uberschwemmungen, wodurch oft die ganze Ernte zum größten
Teil, wenn nicht vollständig vernichtet wird)
II. Straßenbauten, Kanalisationsarbeiten und sonstige Berkehrsanlagen
Bau von Stautestraäßen Winterakt———

haun aner Bahn Biechtach anachccc — — 7
(Durch den Ausbau der Bahn wird die volle wirtschaftliche Erschließung des
Regentals sowie des ganzen mittleren bayerischen Waldes ermöglicht, die Holz⸗
rusfuhr wird erheblich gefördert, die Ausbeutung der bisher ungenützten Quarz⸗
rüche und sonstiger Bodenschätze kann in erhöhtem Maße erfolgen, die zur Zeit in
Ausbau befindliche Wasserkraftanlage am Höollenstein wird mit dem Ausbau de
Bahn die Ansiedlung einer groößen Auzahl bon Industriebekrieben begünstigen.
analisation Augsburg Kriegshaber, J. Teil .... — ——
(Neben der gesundheitlichen Bedeutung der Schwemmkanalisierung im allge—
meinen und der hier eintretenden Erschließung eines großen Baugelandes ganz
oesonders in der Verbesserung der äußerst maugelhaften Gesundhéitsverhältnisse
des Stadtbezirkes Kriegshaber. Dieses Gebiet leidet ganz besonders unter dem
Mangel einer Vorflut Uür die Abwässer der Straßen und Anwesen.“

84
— 336069

. . 19806 646
3123. 1980

Januar bis
Herbst 1926
Mai 1926 bis
März 1927

12. 1926 bis
21. 3 1927

7600 000

3400 000

3500000

2500000

57000

400 000

200000

200000

150 000

33000

1200000

— 480 000

440 000

375 000

84000

800 000

2000000

2408000

1500000

336 000

6000000

2480000

— 1800 000

1875000

420000

Sachsen
l. Meliorationen und Flußregulierungsarbeiten

41

Stadt uttnn

Stadtgemeinde Plauen

Stadt Dresden

Land Sachsen

degulierung der Neiße von der Landesgrenze bis zur Grottauer Straße

(Die Baustrecke ist 1550 m lang. Es entsteht ein Gewinn von rund 100 ha
Bauland, und der Bauabschnitt bedeutet für sich allein eine wirksame Bekämpfune
der Hochwassergefahr.)

ßeiterberichtigung der Elster von der Eisenbahnbrücke bei Station 310 bis zur!
Möschwitzer Fluͤrgrenze.

(Die Weiterführung der Elsterberichtigung ist einerseits erforderlich, um der
Vorflutkanal für die städtischen Abwässer weiter fortführen zu können, anderseite
am die Hochwassergefahr zu beseitigen. Nebenbei bezweckt die Elsterberichtigung
größere Gebiete des Ortksteiles Chrischwitz der Bebauung zu erschließen.)

rweiterung der Kaditzer Flutrinne sowie Verlegung des Hochwasserdammes in
Dresden⸗Stetzsch. J. Teil

(Das Gelände zwischen der Elbe und der Stadtgrenze nach Radebeul zu liegt
zur Zeit zum größten Teil im Überschwemmungsgebiet der Elbe. Dieé über—
fluteten Flächen sind zur Zeit von der Bebauung ausgeschlossen. Sie sollen
nunmehr hierfür erschlossen werden
Bau einer Talsperre im Tal der Wilden Weißeritz an der Lehnmühle
Die Wilde Weißeritz soll an der Taleinschnürung dicht oberhalb der Lehnmühle,
d. h. ungefähr 12kmuoberhalb der Klingenberger Sperre, durch eine Sperrmauter
aufgestaut werden. Das dadurch entstehende Becken erhält einen Fassungsraum
von 17 Mill. ebm und schließt ein Niederschlagsgebiet von 6294m ab. Die
Talsperre gewährt den Anliegern der untérliegenden Flußstrecke einen voll
kommenen Schutz gegen Hochfluten und vermag die Niederwassererhöhung in
der Wilden Weißeritßz so zu regeln, daß die Trinkwasserabgabe aus der Klingen—
berger Talsperre auf 300 Sekundenliter (bisher 67, also mehr 233) erhöht werden
kann, was einer Mehrabgabe von 7340000 6b im Jahré entspricht.)

40681111986
November 1926 bis
Juni 1927

. 5. 1926 bis
11.1007

30266
—

Oktober 1926
bis Ende 1929
I.Teil bis
31.3.1927

563000
5320000

1300 000

1450000

9850 000

31250
30000

108000

45000

300 000

*k

106 250
102 000

389 160

162000

1017000

6871
300 000

2599 440

—378000

12051000

755 000

—48 600

40 000

1068 800

Gesamtprojekt 2900 000 2
und 90 000 Tagewerke

Maßnahme ist grundsätzlich ge—
nehmigt —
*) Voraussichtliche Betrage
        <pb n="35" />
        fde
Nr

Träger

Bezeichnung

der Maßnahme

Stadt Klingenthal ..

Pegulserung der Iwote und runndoebee
(Beseitigung der Hochwassergefahr)
berlegung des Prohliser Landgrabens in Reick und Doberitz und des Ausbaues der!
Müggelnder Straße
(Verbesserung des Verkehrs und Verhutung eines wertvollen Geländes in R
vor Überflutung durch den Prohliser Landgraben)

Stadt Dresden

Stadt Glauchau....

Muldenregulierung in der Stadt Glauchau —
(Erhaltung der gesamten unteren Stadt in Glauchau durch Regulierung eines
Hochwasserabflusses und der Vorflutverhältnisse der Zwickauer Mulde)
II. Straßenbauten, Kanalisationsarbeiten und sonstige
Verkehrsanlagen
Hau viner Wasserlestung in NRengersdeeee
(Hebung der Volksgesundheit)
Straßendauten in Vezirt Glauchnngngngnn
Besserung der Verkehrsverhältnisse)

GemeindeNeugersdorf.

Bezirksverband der Amté
hauptmannschaft
Glauchau

Amtshauptmannschaft
Chemnitz

Stadt Leipzig,.—

ä

Bau einer Entlastungsstraße bei Chemnitz
(Zur Entlastung der Staatsstraße von Dresden nach Zwickau, die überlastet ist)
7
ꝛerstellung des Oberbaues für die Erweiterung der Gleisanlage und die Herstellung
der weiteren Lade- und Verbindungsstraße in Gelände der Großmarkthalle in V.
Durch die Herstellung soll die Moglichkeit zur genügenden Heranschaffung von
Lebensmitteln für die Einwohner gegeben werden; durch verkürzte Zufuhrung
der Lebensmittelzüge werden laufende Ersparnisse erzielt)
—8

Stadt Leipzig

—* für allen Verkehr offenen hochwasserfreien Straße zwischen Leutzsch unt
Wahren.
(Die Straße liegt im Norden der Stadt in außerordentlich sumpfiger Gegend
Sie dient dem uneingeschränkten Verkehr zwischen den beiben Stadtteilen und
ördert deren Entwicklung. Für die Zukunft ist diese Straßenverbindung besonders
wichtig, weil sie eine kurze Verbindung zwischen dem kuͤnftigen Hafen und den
nördlichen Stadtteilen und somit das Einflüßgebiet des Elster Saale Kanale
weiter ausdehnt)
Bau eines Abfangkanals links der Elbe zwischen Marschallallee und Schaufußstraße
(Reinhaltung der Elbe, die im öffentlichen Interesse liegt)
Kanal- und Straßenbau⸗ sowie die Wassergrabenherstellung in der Nöthnitzer Straße
III. Kraftgewinnungsanlagen u. a.
hau einer Talsperre bei Weiterswiese
(Zweck und Aufgabe der Weiterswiesener Talsperre sind vor allem die Versor—
zung der Bevölkerung mit einwandfreiem Trink- und Nutzwasser, in zweiter
Linie auch der Hochwasserschutz und die Aufhöhung des Niebrigwassers)

Stadt Dresden. .. ....
Stadt Dresden

J

Sächsischer Staat. ...

9

alsperren A. G. in
Crimmitschau

crrichtung einer Talsperre am Koberbach bei Crimmitschaan....
(Die Talsperre soll die Stadt Crimmitschau und die Textilindustrie in der Ge
gend mit dem erforderlichen Färberei-, Wasch- und Kesselspeisewasser versorgen.
Das Wasser der Pleiße, das bisher zu diesen Zwecken benußt wurde, ist durch die
im Oberlauf angesiedelte Industrie mehr und mehr verunreinigt worden und
genügt in seinen Eigenschaften nicht mehr zur Erzielung erstklassiger ausfuhr—
fertiger Ware)
33

Land Sachsen ......

au einer Talsperre an der Zschopaun bei Kriebstiiieeiinn
Die Zschopau soll ungefaͤhr 1100 m oberhalb des Wehres der Papierfabrik von
Kübler ünd Niethammer durch eine Mauer angestaut werden. Das dadurch ent⸗
sttehende Becken erhält einen Fassungsraum von 11000 000 6bm und ermöglicht
durch seine Speicherwirkung eine Aufbesserung der Niedrigwasserführung de—r
Zschopau. Etwa 26 Mill. Kwh. können erzeugt werden)
ßau der Hydro⸗Elektrischen Speicheranlage Niederwartha
Ausgleich der Belastungsschwankungen der Landeselektrizitätsversorgung und!
Erhöhung der Betriebssicherheéit)

24

A. G. Sächsische Werk
und Stadtgemeinde
Dresden

Förderungszeit

1. 11. 1926 bis
3110 1027
1. 10. 1936 bi⸗
426.1927

ab J1. 11. 1926
auf 3 Jahre

September 1926
bis 31. 3. 1927
ReJ. 1926

August 1926
bis 31. 3. 1928
8 Monate

15 14. 10326 646
Fnde Oktober 1927

1. 11.1926 bi⸗

Zeptember 1927

15 10926 6
August 1927

15. 2. 1926 bis
31. 3. 1927

ab 156. 4 19086
auf dahre

. 10. 1926 bis
31.12. 1988

l. 12. 1926 bis
31. 3. 1929

Gesamtkosten

447 000

818000

4500 000

661000

1150000

1000000

866000

600 000

1300000

415000

2800000

3200000

4900 000

2000000 —

Tagewerke

6

31100

44 000

75 000

30 000

350 000

60 000

50000

28000

76800

29000

150 000

100000

160 900
G0 0o0d bi⸗
—

720000

scccruns
Grundförderung
55
—— — — Förderung
— —

104 000

2530001

—159 000

476000

254 000

763000

95 000

285 000

112000

397000

216 000

504 000

180000

512000

100 000

302 000

27000

737 000

105000

228000

508 500

1186500

226 000

574000

*) 342 000

—NX

1627200

2592000

11988 000

Insgesamt
Sp. 79

rD.
79

357 000

635 000

1017000

380 000

509 000

720 000

692 000

402 000

1014 000

333000

1700 000

800 000
(höchstens

18 2169600

14 580 000

Bemerkungen

4*8y Zunächst 60 000

Maßnahme grundsätzlich ge—
nehmigt
*) Voraussichtliche Beträge

Re. 2921
        <pb n="36" />
        42
— — — — — — —
Frger Bezeichnung

fde

Vr

der Maßnahmeée

Förderungszeit

— M— —

Gesamtkosten

Tagewerke

—3

Förderung
Grundförderung
verstärkte
— ——— gem. 819 Foörderung

Insgesamt
Sp.7

Bemerkungen

3
3
— — —— —

6

Gasversorgung Mittel⸗
sachsen A. G.in Flöha

Gemeindeverband Fern
gaswerk Annaberg
Etad epaiig

hasfernleitung von Flöha nach Laubsdorf, Marbach, Schellenberg und Frankenbert
Arme, teils sehr mit Hausindustrie durchsezte erzgebirgische Gemeinden, nämlich
Laubsdorf, Marbach, Schellenberg, Lengefeld, Pockan, Grünberg, Hohenfichte
sowie Frankenberg, sollen mit Gas versorgt werden,
Bau einer Ferngasleitung von Annaberg nach Gelenau und Geyer ..... . . ...
Fortführung der zweiten nördlichen Vorflutschleuse von der Volbedingstraße an nach
Alt⸗Mockau.
Erschließung neuen Baugeländes, Verhütung von Wasserschäden und Ver—
hesserung der Wasserverhältnisse an der Karthe)

Monate

S 81926 bis
——
or b
———

750 000

601500

670000

24000

24500

26000

00

33055

94000

189 000

249 165

— 2881000

70 900

332220—

374000

Thüringen

i

2

Landkreis Eisenach 5

Kreis Hildburghausen

Landkreis Meiningen
A. G. Obere Saale, We
mar
A. G. Obersaale⸗Weiman
A. G. Obersaale-Weima

Zulturarbeten ü
(Im Eisenacher Kreis (Rhön] befinden sich umfangreiche Odflächen, die der
landwirtschaftlichen Ausnutzung erschlossen werden sollen. Die Flächen in der
Röhn bringen zur Zeit keinen oder nur sehr geringen Ertrag; sie befinden sich
zumeist im Besit der Gemeinden und teilweise des Staates vie Flächen dienten
mehr oder weniger den Gemeindeviehherden als gemeinschaftliche Hütungen;
sie sind im Laufe der Zeit durch den Mangel jeder Pflege oder sonstiger Auf⸗
vendungen der Verödung verfallen)
bodenverbesserungsarbeiten (Meliorationen) im Kreise Hildburghause
Der Grundstücksertrag des etwa 2 000 ha großen Geländes wird erheblich
gesteigert.)
Melivratipnarbesten im Landtreis Meininee
(Erhöhte Erzeugung von einheimischen Nahrungsmitteln.)
Ztraßenbau Saaldorf — Fütterung Tiergarten bis Soader 4
(Maßnahme gehört zum Gesamtprojekt des Baues der Saaltalsperre mit
10 Mill. A. Gesamtkosten und 5 Jahren Bauzeit.)
Straßenbau Röppisch Isabellgrun Burrrr

Bau der Umlaufstollen und Wehrbauten am kleinen Vlelych —

Die Maßnahmen zu Afdn. Nrn. 91 bis 93 gehören zu dem Gesamtprojekt des

Ausbaues der Saaletalsperre zur wirtschaftlichen Ausnußung der Wasserkräfte
Thüringens mit 40 Mill. Gesamtkosten unde5 Jahren Bauzeit“

668491986

März bis
November 1926

Februar bis
August 1926
März bis
SZeptember 1926

10. 1926 bis
—3131927
Oktober bis
313.1927
(zunächst)

653 400

800 000

1200000

515 000

400 000

95000

—7380

34000

96 000

47250

30000
86001

—55272—

190 080

303 300

8
5
0255

95 000
ß ⏑

5522 —

316 800

508 800

20 348

—16900

309000

110544

06880

814000

410 603

311000

756 000

Bexeits 1924 und 1028 ge⸗
fördert

Hessen

I

8

Astheim⸗Erfelder Ent—
wässerungsverband

Land Oddenburg

Land Oldenburg

Ammexrländer Wasserach
Westerstede
Haasewasseracht zu Clop
penburd

Entwasserung des Reds im Krefse Groß eraaan.
Beseitigung der Überschwemmungs- und Hochwasserschäden im Gebiet de—
Astheim⸗Erfelder Entwässerungsverbaudes.)

Bau eines Meliorationskanals von Kampe nach Sedelsberg.
(Durch den Bau werden 16 000 ha jetzt vollstaͤndig unfruchtbares Moorland
der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt.)

Oldenburg

zau einer Talsperre bei Thülsfelde — Restarbeiten ....
Durch die Talsperre sollen die unzeitigen Hochwasser der Soeste aufgefangen umt
zurückgehalten werden, um damit weiter unkerhalb gelegene landwirtschaftlichk
Jenutzte Flächen direkt oder indirekt von den alljährlichen, durch die Sommerhoch
wasser verursachten großen Schäden zu bewahren.)
Neliorationsarbeiten im Gebiet der Ammerländer Wasseracht .. . . ... ——
Durch die Regulierungsarbeiken werden die alljährlichen Hochwasserschäden
gemildert und für große Flächen eine bessere Ente und Bewässerung erreicht.)
degulierung der Haesgenceeeee
Durch die Arbeiten werden große Flächen von jährlichen Uberschwemmüngern
efréit

6131. 10.196

4. 618 31.3. 1926

4. bis 1. 10. 19026

Rechnungsjahr 1926

1. 4.1926 bis
31.3.1927

435 350

724000

305 000

—339 000

—

300

30000

10000

330001

30000

2900

324000

—24000

2000

— 126000

08 000

291600

60000

60 000

220004

328000

364500

1184000

96000

—778000

—436 000

Maßnahme bereits 1925 ge—
fürdert

Maßnahme ist bereits im Jahre
—1925 gefördert

Bereils in den Jahren 1924/23
gefördert

gesamtprojekt 1340 000 24,
davon 2 Abschnitte als Not
standsarbeiten in nebenste—
hendem Umfange anerkaunt
        <pb n="37" />
        Insgesamt

Förderung
Gesamt⸗
kosten

Tage⸗
werke

Grund⸗ verstaͤrkte Spalte
in 510 e
förderung Förderung nnnen

6

J. Meliorationen und Flußregulierungs—
arbeite—
II. Straßenbauten, Kanalisationsarbeiten und
sonstige Verkehrsanlagen

III. Sonstiges .

Preußen;:

Summe——
J. Meliorationen und Flußregulierungs—
Ahetteen

II. Straßenbauten, Kanalisakionsarbeiten und
sonstige Verkehrsanlaggen
Sunimeée ....

Bayern:

J. Meliorationen und Flußregulierungs—
arbesteeeee
II. Straßenbauten, Kanalisationsarbeiten und
sonstige Verkehrsanlagen..
III. Kraftgewinnungsanlagen und Ahnliches...
Summe ....

Sachsen:

Thüringen: Meliorationen und Flußregulierungsarbeiten
Hessen: Meliorationen und Flußregulierungsarbeiten..
Oldenburg: Meliorationen und Flußregulierungsarbeiten...
Meliorationen und Flußregulierungsarbeiten...
Straßenbauten, Kanalisationsarbeiten und son—

sige Vertehrsansaggee
Kraftgewinnungsanlagen und Ahnliches .....

Zonstiges ...... — ———

Insgesamt . . ..

11303 000

728000

908 000

889 0001 3242 000

7012000

159 661 000
9743 000
180397000

7524 000
816 000
—I005

(A 661 000 8 206 000 74 633 000 94407 000
1941000 4342 000) 6282 000
47510 000 6008 000 834217000 107 0100

26 710 000

1622000

3 712 000

15660 000 19 369 006

6687000
33367000

385 000
75

899000
4611000

4244000 508 000
19904000 6600—

19 448 000

664 000

2293 000

5727000 8021000

5991000
34 922 000
60361000

624000
120 000
5

10oss 00o
3 892 000
3775050

2968 000 40580 000
735 000 16 095 000 20 228 000
735 000 24 787 000 32 0
40283 000

435 000
3118 000
65 037 000

332000

1041 ooo —
ood
348 000 246 000
8378 000 1135 000

1866 000

2798000
30000
168 000
3541000

292 000

365 000
1500 000

2459 000
40 024 000

30287 000
172 300 000! 8 538 000 16 645 000 81 842 000 103 642 000
34 922 000 1208 000 3392 000 16 098 000 20 228 000
— —00—— — 4342 000 6282 000
280701000 14095 000130 353 000 70760690 132 566000 1013060

140 000 600 —
170 000 000 - 30 000 000 (Grundförderung) — — xrund 70 000 000 . Reichsanteil.
        <pb n="38" />
        Anlage 8

Bei Notstandsarbeiten beschäftigte Erwerbslose

len

900

00
00
0

900

900
00

00 4

300
00
7

Zeitpuntt

5. Oktpber 1928
15. November 1925.
15. Dezember 1925.
5. Januar 1026
15. Februar 1926.
15. März 19268
15. April 926
15. Mai —
15. Juni 1920
15. Juli 19026
15 August 1020
15. September 1926

——

20165
30 668
27910
40297
87 543
—133 952
165 497
170 926
155 807
144425
—131963
—131260

— * —*

in Prozent der
unterstützten
Erwerbslosen

108
67
—
23
43
66
88
96
38
34
82
88
300—

900

900

00—

Bei Arbeiten mit
Grundförderung

Bei Arbeiten mit

Grundförderung

und verstärkter
Foörderung

Zusammen

300
00
90
90

3 Obttohber 9988 —
Rovember 280808
15 Dezember 920888

50867
57703
—3695

71395
72543
70359

—131262
130 246
124054

98
909
85
        <pb n="39" />
        Anlage9
Verteilung der Mittel der produktiven Erwerbslosenfürsorge 1926

Haushaltsansatz:

a) ordentlicher Haushaltt 100000000

b) außerordentlicher Haushalt 4100000000
200 000 000
Außerdem sind zur Förderung von Land
irbeiterwohnungen bewilligt : .
Die Mittel sind bereitgestellt bzw. vor—
gesehen für:
l. Vorbelastung aus 19258 932000 000
2. Kontingente der Länder?):
a) Erste Kontingentverteilung (auf
ntliche andern 061000
zugeteiltes Kontingent:
Mreenfe64000000
Bayenn 116000
Sachtte 6—
Wortemherng 3900
VBadßdreeeeeee 66000
Thurnngen In 3000000
Fesett 2700 000
KFambnrneeee
Mecklenburg⸗Schwerin 950 000
Oldenbdurg 17000q—
Blannschwegc 830000
Anha 620000
Vremen 330900
Lippe⸗Detmorddddd 420000
aheeeeee 210000
Mecklenhurg Sreßßß —160000
Waldee 50000
Schaumburg⸗Lippeee 50 000
107 610 000
Seite 139610000

30000000

—
5

Ubertrag

Zweite Kontingentberteilung auf

diejenigen Länder und preußischen

VProvinzen, in denen die Zahl der

— — unterstützenden Erwerbslosen 20. H.
der Einwohnerzahl Überstelat. .

———
——39 610000—

50 000 000
Zugeteiltes
Kontingent
M
— 87 28800 000
Aum. fur die Probingen Berlin, Niederschle—
sien, Prob Sachsen, Schles ig⸗Holstein,
Hessen⸗Nassau, Westfalen/ Rheinprobind)
3700000
5800000
2350000
1800000
—1650000
300 000
500 000
400 000
300000
250 000
150 000
Zusammen .. . 50000000
) Zusätzliches Kontingent für Preußen 31300 000
Kredite zur Bekämpfung der Arbeits—
losigkeit auf den Werfien
Bodenkultur D
Odlandkultur ß m

Quote

3

J

Stützungsaktion für den Eisenerzberg⸗
bau im Sieg⸗, Lahn⸗ Dillgebiet und
in Oberhessen 2520000
7. Firma Krupp (Textilmaschinenbau). 1000000
8. Bau von Arbeitsnachweisgebäuden. 3000000
Zusammen 332320000
Insgesamt 253630000

) Es handelt sich hierbei um den Reichsanteil für Notstandsarbeiten, die bereits im vorigen Haushaltsjahr anerkannt und aus—
geführt worden, aber noch nicht endgültig abgerechnet sind Bbe32 Milttonen ei diesen Zweck tatsächlich in voller Höhe benötigt
werden, läßt sich zur Zeit noch nicht übersehen

) Für die Verteilung der Kontingente ist der Umfang der Arbeitslosigkeit in den einzelnen Ländern maßgebend. Erfahrungs⸗
gemäß werden aber die den Ländern zur Verfügung gestellten Kontingente in dem Haushaltssjahr, fur das sie bestiumt sind, in der Regel
nicht voll ausgenutzt. Die Mittel werden nämlich zum Teil für Notstandsarbeiten festgelegt, mit deren Vollendung und Abrechnung im
Laufe des Haushallssahres gerechnet werden muß, die sich aber dann in Wirklichkeit länger hinziehen, so daß die tatsächliche Auszahlung
der Beihilfen erst im nächsten Haͤushaltssahr erfolgen kann (bis zur endgültigen Abrechnung, die auch fur Teilabschnitte einer Notstands
arbeit erfolgen kann, dürfen nur Vorschuͤff⸗ gewährt werden, die nicht unter Ausgaben verbucht werden können). Um zu erreichen, daß
im Laufe des Haushaltsjahres Notstandsarbetten in dem Umfang ausgeführt werden, der der Höhe der verfügbaren Mile entspricht,
müssem also die Kontingente entsprechend höher festgeseht werden

Die tatsächliche Ausnutzung der Kontingente hängt weiter davon ab, inwieweit die Lander auch ihren gesetzlichen Anteil an den
Kosten der produktiven Erwerbslosenfürsorge bereitstellen? In Preußen ist die produktive Erwerbslosenfürforge in diefem Haus haltsjahr
besonders hoch dotiert, so daß entsprechende Reichsmittel bereitgestellt werden mußten

Aus diesen Tatsachen erklaͤrt sich, daß die Gesamksumme der Kontingente und sonst bereitgestellten Mittel den Haushalksansah
übersteigt und daß insbesondere Preußen noch ein weiteres Kontingent bdon 313 Milllonen erhalten hat. Eine UÜberschreitung des Haus
haltsansatzes ist keinesfalls u erwärten
        <pb n="40" />
        —*

Anlage 10

Foörderung des Straßenbaues

Bisher sind folgenden Ländern und Provinzialverbänden Zinsverbilligungen für zusätzliche Straßenbauten
hewilligt worden:
Preußen:
Provinzialverband Rheinpropinz
Ruhrsiedlungsverbandndd
Provinzialverband Westfalen
Niederschlessen
Sachsen
Schleswig Holttemm
Kommunalverband Nassau . ..
Fessen
Bayern
Baden
Fess
Fhüringen
Adenburnnggg
Brannschweig
Anhalt—

Millionen
13

3

5

—
— 33
— ond ee
rraund—
20

12—
4,8
2
2
1
12*
Insgesamt rund
— 8
        <pb n="41" />
        Anlage 11
UNersicht A
Die Verträge, für die die Ausfallbürgschaft übernommen
vorden ist, verteilen sich auf die einzelnen Industrien wie folgt:

Werkzeugmaschinen für Eisen und Holz
Meßwerkzeuge und Schneid⸗ und
Schleifwertzengge
Terulmaschinen
Nahmasrenn
Landmaschinen und Geräte.
Kraftmaschinen und Dampfkessel ...
Arbeitsmaschinen
Zhütten⸗ und Walzwerkanlagen
Bergwerksanlagen
Nechanische Fördermittel und Wagen
Naschinen für Papierindustrie und
Faphisches Gewere
MNaschinen für Ernährungs-⸗, Genuß—
nittel und chemische Industrie
zerkleinerungs ⸗ und Aufbereitungs⸗
aheeeeeeeeee——
14. Maschinen für die keramische Industrie
5 Sondermaschinen
6. Lederbearbeitungsmaschinen
7. Zündholz⸗Herstellungs maschinen
8 Naschinen zur Herstellung feinmecha⸗
scher Produkftee
Naschinenbaaaannn.
kisen⸗ und Apparatebau
dandfahrzenggeeee
Vasserfahrzeug
ftfahrrenueeeee
Fahrzeugindustriiie
kisen⸗ und Stahlwarenindustrie
dettretechitttt
ẽleltrische Meßwerkzeugee
zůütten ⸗ und Walzwerkerzeugnisse
Keramische Industriee

AM
3182190102

.

304 95810

1267 188,18

——
8 672, 66
2914 623,71
2895 69006
304 867, 45
—1930 714 67
3660958,71
7952 16
2563 566,40

1658 089, 26

846 096,65
731641,21
112 682,67
304 695,72
101 682
—

98317004 77
487864591
3637 287, 08
—i
3637 287,08

3637 207, 08
1813075,62
2 261 64960
2016 16800
1290891,78
663 88230
130 7 88000

Abersichtß
(Candschaften)

Sspreusfgee 7
2. Grenzmark, Posen, Westpreußen —— —7
— ——7
eeeeeeee77
Schlessten abrigesss —
oeinz Sachse ——
7. Brandenburg ——ä———————————
77 ————
9 ESchleswig Sostteiiii
0. Sannover mit Braunschweiizzzzzi
. Hessen⸗Nassau mit Hessen und Frankfurt.
eurorr
Berguches eblleee
ch. Abriges Westfalen mit yee
83 argeheeeee
17. Sachsen J (Plauen, Chemnitz, Leipzigh. ......
8 Sachsen Gutau Dresdenn
—
. Matzz ———————
er
bherrreeeee
currr
27. Bremen
28 Mecklenburg Schwerin Mecklenburg⸗Strelitz n Lübeck

* *

4
15 200
238 585,
2427 841,70
2575 004 45
—

26 425 985,54
269 17h66
3333 466,60
3532 683,26
22 421 268, 45
7 508 308,78
2413 730,84
2035 668, 60
7543 1265,25
5 963 785,02
655 830
866 004, 78
332 791 72
770686 30
874 7183,27
8027 641,05
0072978, 73
—

125 288165

48157
—D ———
        <pb n="42" />
        39

Hesamtkosten
7600 *

————

örderung
Grundförderung
aus Beitrags⸗⸗
mitteln gem

200 oo0

verstärkte
Förderung

4800000

Insgesamt
—3c 7—

5

6000000

Bemerkungen

24

2

3100000

*
—2
30

—80000

2000000

—480 000
2
3
F
3
8

*
00
3300000

2300 000

J—
5

9

40 000

375000

2408000

300000

—2800 000

875000

*
7

5357000

9

34000

336 000

—20 000

* 7 7
6

4
2*

26
J

568 M
3000

300 000

2*
—
2
A

41
— —

2
0

2
—RX

0
90
4

106 250
102000

389 160

26875
300 000

259.440

755 000

648600

— *

1450 000

O
—

—
—

J

J

0
— 162000

378000

340 000

Gesamtprojekt 2900 000 2
und 90 000 Tagewerkeé
*
—9—
2
8
98530000
229
6

64—

1017000

3051000

*9
— 1068800

Maßnahme ist grundsaßzlich ge—
nehmigt
nx) Voraulissichtliche Bekräge
—
00
2
c
24
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
