Strukturwandlungen der Weltwirtschaft 27 ihre internationale Auswirkung die gleiche wie bei den nationalen Kartellen: das, was der heimische Markt nicht aufnehmen kann, gelangt zu dessen Entlastung auf den Weltmarkt, wobei es in der Regel zu starken Unter- bietungen kommt. Anders jedoch, wenn es sich um Trusts oder auch internationale Kartelle handelt, die einen wichtigen Rohstoff »kontrol- lieren« oder den Markt eines Fertigerzeugnisses beherrschen. Die Zahl dieser Gebilde hat sich in der Nachkriegszeit entschieden vermehrt, wie auch ihre Macht gesteigert worden ist. An wenigen Stichproben sei die Richtigkeit der Behauptung überprüft. Die Kupfererzgewinnung der Welt müßte vom Standpunkt der Theorie des freien Marktes heute hauptsächlich in Katanga, Chile und Peru vor sich gehen, während in den Vereinigten Staaten nur die Gruben mit besonders hohem Kupfergehalt in Betrieb sein dürften. Daß dem nicht so ist, hat seinen Grund in bestimmten kapitalistischen Maßnahmen. Die hauptsächlichen bisher rivalisierenden Kupferkonzerne in den Ver- einigten Staaten haben sich in diesem Punkt zusammengefunden und mit Katanga Preisverabredungen getroffen, die den Belgiern eine be- trächtliche, durch die unterschiedlichen Produktionskosten bedingte Differentialrente sichern. In Chile und Peru aber reicht der Einfluß des amerikanischen Kapitals aus, um die dortige Produktion zu »regulieren«. Dieser Trust wird die gesamte Gestaltung des Kupfermarktes schon in allernächster Zeit grundlegend beeinflussen und insbesondere in die überkommene Handelsorganisation Europas eingreifen. Dem Kupfertrust verwandte Trusts oder trustähnliche Gebilde im Sinne der Marktbeherrschung haben sich in der Kriegs- und Nachkriegszeit verhältnismäßig zahlreich herausgebildet oder neu befestigt, wenn sie auch nicht in jedem Falle so weitgehenden Einfluß ausüben. Dahin gehören die Standard Oil Co., der wiederaufgebaute Sprengstofftrust, der euro- päische Verband der Flaschenfabriken und der Owens-Konzern, der schwedische Zündholztrust, das Diamantensyndikat, der Glühlampen- trust und der europäische Emailleverband. Auch die Monopolbildung in der Bananenwirtschaft muß hier erwähnt werden, ist doch die United Fruit Co. vielleicht die interessanteste organisatorische Neubildung in der Weltwirtschaft überhaupt. Dieser Trust hat sich nämlich, über seine ur- sprünglichen Absichten hinausgreifend, nicht weniger zur Aufgabe ge- setzt als die Erschließung Zentralamerikas: produktionell durch die Ent- wicklung von tropischen Kulturen, kommerziell durch Einsatz aller Hilfs- mittel zur Nutzbarmachung von organischen und anorganischen Roh- stoffen. Etliche der hier genannten internationalen Trusts haben zur Er- weiterung ihrer Macht neuerdings Wege eingeschlagen, die in der Vor- kriegszeit kaum jemals beschritten worden sind: sie beteiligen sich mittel-